Les Apres: Blick von Caixas auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder

Postkarte aus … den Aspres

Jenseits der Ebene des Roussillon erstrecken sich die dichten Wälder der Aspres auf Hügeln, die zum Massiv des Canigou langsam und stetig immer höher ansteigen. Sie sind das Reich der Korkeichen. 200 Jahre alt sind hier manche Bäume.

Besonders rund um Vivès kommt ihr ganz dicht an die Korkeichenwälder ran. Dort sind sie zwar deutlich jünger, werden aber noch regelmäßig geschält. Am Boden liegen dort hier und da noch große Stücke der abgeschälten Korkrinde. Nehmt sie mit – als Deko und Erinnerung.

Les Aspres: geschälte Korkeiche bei Vives. Hilke Maunder
Geschälte Korkeiche bei Vivès. Hilke Maunder

Früher schlug in den Aspres das Herz der französischen Korkeichenproduktion. Doch der EU-subventionierte Weinbau bedroht sie. Auch Steineichen und Kastanien werden für immer neue Rebgärten gerodet.

Und auch die Selbstversorgergärten der französischen Katalanen, die einst das Land zwischen den Tälern von Tech und Têt prägten, sind auf dem Rückzug. Sie fahren heute lieber nach La Jonquera und shoppen in Spanien. Dort ist der Einkauf bei vielen Dingen preiswerter als in Frankreich.

Les Aspres: Im Frühjahr blühen die Obstbäume. Foto: Hilke Maunder
Im Frühjahr blühen die Obstbäume. Foto: Hilke Maunder

Wo kein Wein wächst, haben Aprikose und Pfirsich die traditionelle Kirsche verdrängt. Mitte Februar verwandeln sie die Aspres in ein Blütenmeer von Hellrosa bis Pink vor der Schneekappe des Canigou. Immer wieder ragt der heilige Berge der Katalanen zwischen Blüten und Backstein, offenen Kirchtürmen und Korkeichenwäldern auf.

Woher dieser Landstrich seinen Namen erhielt? Âpre heißt bitter auf Französisch – und bitter enttäuscht sollen die Franzosen auch gewesen sein, als sie gesehen hatten, wie trocken und voller Geröll das Terrain war, das 1659 mit dem Pyrenäenfrieden in ihr Königreich kam. Doch heute gilt es auch bei ihnen als echtes Juwel!

Les Aspres: die Weingärten von Terrats. Foto: Hilke Maunder
Les Aspres: die Weingärten von Terrats. Foto: Hilke Maunder

Les Aspres: Dieses Trio dürft ihr nicht verpassen!

Thuir

Trotz ihres mittelalterlichen Stadtkerns, der sich hinter den versprengten Resten der Stadtmauer versteckt, steht die „Hauptstadt“ der Aspres vor allem für eines: Byrrh. Mehr über den traditionsreichen Aperitif, der aus der Rinde des Chinabaumes gewonnen wird, erfahrt ihr in den Caves Byrrh.

Byrrh ist der Cinzano der Franzosen. Und oft nur ihnen bekannt. Eigentlich schade, denn der Wermut mit Quinoa, der mit Enzian, echter Kamille und  anderen Gewürzen wie Zimt, Bitterorangenschalen, Kalumba, Kaffee und Kakao aromatisiert wird, schmeckt – besonders eisgekühlt mit einem Schnitzel Zitrone.

Aspres: Der Weinkeller von Byrrh. Foto. Hilke Maunder
Der Weinkeller von Byrrh in Thuir. Foto. Hilke Maunder

Um 1910 boomte Byrrh in Frankreich. Der Export scheiterte am Namen. Byrrh klang einfach zu ähnlich wie Bier. Die Gründerbrüder Simon und Pallade Violet jedoch waren überzeugt vom Erfolg ihrer süffigen Erfindung. Und bauten in Thuir das größte Eichenfass der Welt.

100 Tonnen wiegt das zehn Meter hohe Fass mit einem Durchmesser von 12,50 m allein leer. Es machte Byrrh zum größten Weinkeller der Welt. Und ist heute der Besuchermagnet von Thuir.

Interaktiv, multimedial und imposant eindrucksvoll stellt Byrrh in Thuir seine Geschichte zur Schau. Das Dach der Halle, in der 600 Fässer gigantische Alleen bilden, hat kein Geringerer als Gustave Eiffel erbaut!

Castelnou

Les Aspres: ICastelnou. Foto: Hilke Maunder
Im Vorland der Pyrenäen: Castelnou. Foto: Hilke Maunder

Castelnou, die „neue Burg“, gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs – und ist in den Sommermonaten entsprechend gut besucht. Doch den mittelalterlichen Charme seiner Gassen, die sich zur Burg hinauf ziehen, die Paradeblicke auf den Canigou und die stattlichen Reste seines Ringwalls könnt ihr das ganze Jahr bewundern.

Seht mal hier – da habe ich das Dorf außerhalb der Saison erlebt. Auch schön, oder?

Prieuré de Serrabone

Wer sich für romanische Kunst interessiert, darf im Roussillon diese Stätte nicht verpassen: das Priorat von Serrabona. Foto: Hilke Maunder
Wer sich für romanische Kunst interessiert, darf im Roussillon diese Stätte nicht verpassen: das Priorat von Serrabona. Foto: Hilke Maunder

Mitten in der Einsamkeit des Hügellandes der Aspres gründeten Augustiner im 11. Jahrhundert ein kleines Kloster – und machten es zur Perle der Romanik, die vom Roussillon aus das restliche Frankreich eroberte.

Les Aspres: Prieuré de Serrabone. Foto: Hilke Maunder
Priorat von Serrabona: Schmuck der Kapitelle. Foto: Hilke Maunder

Sie engagierte die besten Bildhauer und Steinmetze ihrer Zeit und baten sie, Inhalte der Bibel und Bedrohungen des Menschen so bildlich wie lehrreich darzustellen.

Heraus kam ein Bilderbuch in Stein mit Löwen und Lämmern, Adlern und Greifen, Monstern und Mördern. Was für eine Apokalypse in Stein!

Les Aspres: Prieuré de Serrabone. Foto: Hilke Maunder
Über und über geschmückt: die Kapitelle. Foto: Hilke Maunder

Im 17. Jahrhundert verließen die Mönche das Kloster am „serra bona“, guten Berg. Hirten nutzen die Bauten als Schutzhütte und Stall ihrer Herden. Erst im 20. Jahrhundert erkannte das Département den einmaligen kunsthistorischen Wert des Klosters und begann dessen Restaurierung.

Bis heute ist es ein stiller Ort der Einkehr. Und Rahmen für Konzerte, wenn das Festival der Troubadour-Musik dort gastiert.

Les Aspres: Prieuré de Serrabone, Troubadourfestival. Foto: Hilke Maunder
Prieuré de Serrabone, Troubadourfestival. Foto: Hilke Maunder

Les Aspres von A-Z

Banyuls dels Aspres (111 m)

Im Mittelalter hieß das bereits 981 erwähnte Dorf noch „Balneum“, und bis heute erinnert der Dorfname an das damalige Bad. Hinter den Resten seiner Stadtmauer erhebt sich die Pfarrkirche St-Andé mit ihrem offenen Glockenturm.

Brouilla (40 m)

976 Einwohner leben in diesem Dorf am Tech, das stolz ist auf seine kleine romanische Kirche Sainte-Marie. Ihr Portal aus weißem Marmor mit grauer Marmorierung ist typisch für die Arbeit der romanischen Werkstätten des Roussillon.

Caixas (376 m)

Abseits und isoliert liegt Caixas auf 376 m Höhe in den Aspres. Vom Gipfel seines 770 m hohen Mont Ste-Hélène habt ihr einen 360-Grad-Rundblick auf den Canigou, die Ebene des Roussillon und das Meer.

Calmeilles (451 m)

Das kleine Mittelalterdorf im Grünen besitzt mit seiner Pfarrkirche St-Pierre-et-St-Félix ebenfalls ein Gotteshaus der Romanik. Und mit Notre Dame del Coll einen wunderschönen Aussichtspunkt!

Camelas (140 m)

Camelas gehört zu den wenigen Orten des Aspres, deren Besiedlung bis in die Vorzeit zurückreicht. Davon zeugt der Dolmen du Caixeta im Weiler Solar del Mouton. Zur Kommune gehört neben Bellecroze und Politg auch die Ermitage Saint-Martin de la Roca aus dem Jahr 1259. Wandert dorthin!

Fourques (137 m)

Aspres: die Genossenschaftskellerei von Fourques. Foto: Hilke Maunder
Die Genossenschaftskellerei von Fourques. Foto: Hilke Maunder

Im Hochtal des Réart, der hier Calcerana heißt, findet ihr Fourques am Kreuzpunkt der Hauptverkehrsachsen in den Aspres. Im Mittelalter errichtete dort der Abt Robert d’Arles ein befestigtes Kastell, dessen Turm noch erhalten ist. Doch berühmter ist Fourques für den Wein. Besucht die Genossenschaftskellerei und kostet deren Tropfen!

Aspres: die Genossenschaftskellerei von Fourques. Foto: Hilke Maunder
Die Genossenschaftskellerei von Fourques. Foto: Hilke Maunder

Llauro (324 m)

Das 300-Einwohner-Dorf lebte jahrhundertlang von der Korkeiche. Zwei Dolmen zeugen von der frühen Besiedlung. Seine einschiffige Église Saint-Martin birgt eine Christusfigur (17. Jh.) und einen Altar (18.Jh.), den Kunsthistoriker als überregional bedeutsam einstufen.

Montauriol (200 m)

Nur noch 200 Menschen leben in Montauriol, dessen Gassen und Feldsteinhäuser eine vorromanische Kirche umgeben, die Saint-Saturnin gewidmet ist. Es lohnt sich, zum Weiler Hostalets zu laufen – und einen Schlenker zur Kapelle Sant Amanç de la Ribeira zu machen!

Oms (480 m)

Kein Dorf liegt höher in den Aspres – und fast schon im nahen Vallespir. Sein Name leitet sich Baumnamen „Ulmus“ ab. Ulmen sind bis heute sehr präsent im Umland. Das Herz des alten Dorfes, in dem heute noch 279 Menschen leben, bildet der Kirchplatz der Église Saint-Jean, einem romanischen Gotteshaus mit einem Glockenturm aus dem 10. Jahrhundert.

Passa (132 m)

Keine Windräder! Dafür haben sich die 682 Einwohner mit Unterstützung der Nachbarorte stark gemacht. Sie fürchten die gleiche Verspargelung der Landschaft wie bei Pézilla-la-Rivière. Und das wäre schade.

Denn von der alten Pfarrkirche St-Pierre im romanischen Stil könnt ihr auf geschwungenen Wegen durch die Weinberge zur Ermitage St-Luc und zum Monastir del Camp radeln und eine der schönsten Ecken der Aspres entdecken!

Sainte-Colombe de la Commanderie (140 m)

Am Ortsnamen dieses kleinen charmanten Dorfes könnt ihr es erkennen: Hier hatten die Templer von Mas Deu einst eine Kommandantur.

Saint-Jean Lasseille (70 m)

Die Geschichte der kleinen Gemeinde von 369 Einwohnern ist eng mit der Benediktinerabtei Saint-Génis de Fontaines verknüpft, die dort seit 819 eine cella – Eremitage auf Lateinisch – besaß.

Als „Laseille“ ging sie in den Ortsnamen ein. Saint-Jean ist der Schutzpatron des Dorfes. Das Portal seiner Pfarrkirche wurde aus dem Kapitell einer Säule des Klosters Saint-André de Sorède gefertigt, das abgerissen wurde.

Terrats (140 m)

Der Canigou bei Terrats. Foto: Hilke Maunder
Der Canigou bei Terrats. Foto: Hilke Maunder

Dieses kleine Dorf (624 Einwohner) schätzen Weinliebhabern – und verkosten die lokalen Weine in der Genossenschaftskellerei. Beliebt ist dieser Flecken Erde auch bei allen, die gerne in der Natur ihre Ferien als Selbstversorger verbringen wollen.

Denn dort hat Marc Coffinet mit der Moulin de Canterrane eine alte Wassermühle in eines der schönsten Ferienrefugien der Region verwandelt. Klickt hier für den Impressionen und Infos!

Tordères (220 m)

Auf dem Weg nach Llauro könnt ihr haltmachen an der Fontaine des Écureuils. Am „Eichhörnchenbrunnen“ picknicken gerne die Einheimischen!

Frühling: Die Mimosen blühen vor der schneebedeckten Kappe des Canigou. Foto: Hilke Maunder
Die Mimosen blühen vor der schneebedeckten Kappe des Canigou. Foto: Hilke Maunder

Tresserre (140 m)

Das einst befestigte Winzerdorf (752  Einw.) ist berühmt für seine Fête des Bruixes, die am letzten Wochenende im Oktober gefeiert wird.

Trouillas (90 m)

Schon in der Ebene des Roussillon, aber administrativ noch ein Teil der Aspres, liegt Trouillas mit seinen 1559 Einwohnern. In seinem alten Zentrum findet ihr in den Gassen auch Winzerhäuser aus Backstein. Mittelaltercharme versprühen auch das Stadttor und die Reste der Stadtmauer.

Villemolaque (90 m)

In der Nähe von Trouillas sehenswert ist auch das 1200-Einwohner-Dorf Villemolaque, das erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt wurde – als Besitz des Bistums Elne.

Frühling in den Aspres: Monastir del Campo
Aprikosenblüte bei der Prieuré von Monastir del Camp. Foto: Hilke Maunder

Les Aspres: meine Reisetipps

Schlemmen & genießen

Le Patio Catalan

Lust auf Klassiker der katalanische Küche, frisch und modern interpretiert?  Dann koste eine Kabeljau-Brandade mit gegrilltem katalanischen Bergkäse und Chorizo-Mousse oder im Herbst die in Banyuls und Feigenessig gebratenen Wachteln und das Birnenconfit in Byrrh-Sirup. Dazu hält der Keller eine gute Auswahl lokaler Tropfen bereit.
• 4, avenue du Général de Gaulle, 66300 Thuir, Tel. 04 68 53 57 28. Nur Barzahlung!

L’Hostal

Kennt ihr die Speise cargolade? Dann ist hier der richtige Ort, um das beliebte Schneckengericht zu kosten!
• 13, carrer Na Patora, 66300 Castelnou, Tel. 04 68 53 45 42, www.lhostal.com

D’Ici et d’Ailleurs

Löffel und Nagel, in XXL auf die alte Holztür genagelt, verraten: Dieser Landgasthof liebt es rustikal und authentisch – bei Lamm und Schwein, Gemüse aus dem eigenen Garten und hausgemachten Desserts.

L’Hostalèt de Vivès

In einem alten Herrenhaus serviert Pierre Girones typisch katalanische Küche mit Cargolade, Knoblauch-Kaninchen und Gemüse-Escalivada. Pierre gehört zu den toques blanches, und damit zu den Köchen, die sich für die Kochkultur und -qualität einsetzen.
• rue de la mairie, 664900 Vivès, Tel. 04 68 83 05 52

Le Relais de Serrabonne

Im Feinkostgeschäft könnt ihr euch nicht nur für ein Picknick eindecken, sondern auch einfach richtig lecker schlemmen.

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Im Blog

Alle Beiträge aus dem Département Pyrénése-Orientales vereint diese Kategorie.

Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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