Port-Vendres ist der einzige Tiefseehafen des Départements Pyrénées-Orientales. Foto: Hilke Maunder
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Port-Vendres: Große Pläne für die Kreuzfahrt

Port-Vendres ist der einzige Tiefseehafen der Pyrénées-Orientales. Und hat große Pläne. Sein Ziel: Sète als Kreuzfahrthafen Konkurrenz zu machen – und in ferner Zukunft zu schlagen. Um 1990 machten im Hafen der Côte Vermeille 50 Schiffe fest – das ist bis heute der unerreichte Rekord.

2016 lag erstmals die Sea Cloud an den Kais von Port-Vendres. Mehr als 20 Kreuzfahrtschiffe folgten noch im selben Jahr. Im Sommer 2018 holte der Hafen sich für eine Saison die Hermione.

Der Nachbau der legendären französischen Fregatte, mit welcher der Marquis de La Fayette 1780 nach Boston gesegelt war, um die amerikanischen Kolonisten in ihrem Unabhängigkeitskampf zu unterstützen, war einen Sommer lang die Attraktion im Hafen.

Sommergast in Port-Vendres: der Nachbau der historischen Fregate Hermione im Hafen von Port-Vendres. Foto: Hilke Maunder
Sommergast in Port-Vendres: der Nachbau der historischen Fregatte Hermione. Foto: Hilke Maunder

Port-Vendres machte den Hafen zum Zugpferd und investierte in den Kreuzfahrttourismus. Bis die Pandemie das Geschäft erneut zum Erliegen brachte.

Die Einfahrt nach Port-Vendres ist um vieles schöner als in Sète, sagt Port-Vendres. Steht man an Deck, sieht man die Felsküste, die Ausläufer der Albères und die Schneespitze des Canigou und die Pyrenäen – Sète hat nur seinen Strand und den Industriehafen.

Traumhaft ist das Panorama von See wirklich. Das könnt ihr auch auf Bootsfahrten erleben, die im Hafen von Port-Vendres starten. Auch Glasbodenbootsfahrten sind dabei!

Auch private Jachten machen in Port-Vendres fest. Foto: Hilke Maunder
Auch private Jachten machen in Port-Vendres fest. Foto: Hilke Maunder

Erlebnisreicher Kreuzfahrt-Stopp

Doch 2022 zeigte: Port-Vendres mausert sich langsam zu einem immer beliebteren Stopp der Kreuzfahrer auf dem Weg von und nach Barcelona und der Mittelmeerrouten Richtung Rom. 14 Schiffe machten 2022 während der Kreuzfahrtssaison in Port-Vendres fest. 2023 ebenso viele. Port-Vendres will keine schwimmenden Städte, sondern setzt auf kleinere, exklusive Schiffe mit maximal 1000 Passagieren an Bord. So präsentiert sich der Hafen auf internationalen Messen wie der SeaTrade in Miami.

Windstar Cruises, Oceania Cruises, Crystal Cruises und Azamara Cruises haben Port-Vendres bereits im Programm. Grund dafür ist nicht nur der Hafen, sondern auch das Ausflugsprogramm. Besichtigungen von Perpignan, Collioure, Céret, Banyuls und Saint-Cyprien stehen ebenso auf dem Programm wie Verkostungen der lokalen Weine und Spezialitäten.

An den Kais des Hafenbeckens erinnern historische Schwarzweißfotografien an vergangene Zeiten der Schifffahrt von Port-Vendres, das einst Griechen im 6. Jahrhundert vor Chr. als „Hafen der Venus“ gegründet hatten. Bis heute ist Port-Vendres mit mehr als 4.000 Tonnen Fisch pro Jahr der wichtigste Fischereihafen des Roussillon.

Zeitreise am Kai. Foto: Hilke Maunder
Zeitreise am Kai. Foto: Hilke Maunder

Feinstes Seafood zum Hafenblick

Was nicht im Fischauktionshandel unter Ausschluss der Öffentlichkeit an professionelle Händler und Gastronomen versteigert wird, landet im ebenfalls in der poissonnerie integrierten Fischhandel Côte Catalane, der im Juli und August um 8 Uhr früh, sonst um 8.30 Uhr, öffnet und erst abends schließt.

Direkt vom Kutter wird morgens ab acht Uhr der Fisch am Quai Pierre Forgas verkauft. Ebenfalls zur poissonnerie gehört eine tolle Bar à Huîtres im ersten Stock, wo ihr mit Blick auf den Hafen zu örtlichen Weinen Austern oder fritto misto genießen könnt. Im Winter ist Port-Vendres an mehreren Wochenenden Gastgeberin für einen großen marché des oursins, dessen Star ein äußerst stacheliges Seafood ist: der Seeigel.

Stachelige Meeresfrucht: "oursin", Seeigel. Foto: Hilke Maunder
Stachelige Meeresfrucht: „oursin“, Seeigel. Foto: Hilke Maunder

Drehscheibe des Fruchthandels

Neben den Kreuzfahrern und Freizeitskippern machen in Port-Vendres jede Woche auch drei Kühlfracht- und Containerschiffe fest. Die 155 Meter langen Frachter mit acht Meter Tiefgang bringen Obst und Gemüse aus Nordafrika und Südamerika nach Frankreich.

Die Nähe zum internationalen Großmarkt Saint-Charles von Perpignan, der wichtigsten Drehscheibe für Nahrungsmittel im Süden, machten Port-Vendres zu einem bedeutenden Einfuhrhafen der EU – mit Autobahn und TGV vor der Haustür. Umso erstaunlicher, wie ruhig und geradezu romantisch die Atmosphäre im Hafen erhalten ist!

Der Blick auf Port-Vendres von der Küstenstraße. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Port-Vendres von der Küstenstraße. Foto: Hilke Maunder

Port-Vendres: meine Reise-Infos

Schlemmen und genießen

Bar à Huîtres

Seafood, top frisch oder frittiert: Ihr habt die Wahl. Für die Austern kommen die Katalanen von weit her: Am besten auch mittags reservieren!
• Les Poissonneries de la Côte Catalane, Anse Gerbal, e, 66660 Port-Vendres, Tel. 04 68 98 46 00, www.facebook.com/cotecatalane

Restaurant La Côte Vermeille

Am Standort der ehemaligen criée, der Fischauktionshalle, verwöhnt euch heute Philippe Bessière mit feinster Fischküche – leger im Terrassenrestaurant, elegant im Gourmetrestaurant, den Gault-Millau mit zwei Hauben ehrte. Philippe gehört zu den Toques Blanches und damit zu den Köchen, die besonders auf Qualität und lokales Erbe achten.
• quai Fanal, 66660 Port-Vendres, Tel. 04 68 82 05 71, www.restaurantlacotevermeille.com

Nicht verpassen

Die Dynamitfabrik vom Wasser aus. Foto: Hilke Maunder
Die Dynamitfabrik vom Wasser aus. Foto: Hilke Maunder

Paulilles

Drei Kilometer südlich findet ihr eine echt explosive Strandperle. Lest mehr dazu hier.

Unterwasserpfad

Die Unterwasserwelt der Côte Vermeille könnt ihr beim Wandern mit Schnorchel entdecken!

Taucher und Fischer gleichermaßen begeistert das Wrack "Le Bananier" vor Port-Vendres. Foto: Hilke Maunder
Taucher und Fischer gleichermaßen begeistert das Wrack Le bananier vor Port-Vendres. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Les Jardins du Cèdre*

Etwas außerhalb, nur rund fünf Minuten zu Fuß zum Ort, findet ihr dieses Dreisternehotel mit 18 Zimmern und einer Suite, Schwimmbad und richtig guter Küche zu völlig vernünftigen Preisen in einem großen, baumbestandenen Park.
• 29, route de Banyuls, 66660 Port-Vendres, Tel. 04 68 82 01 05, www.lesjardinsducedre.com

Noch mehr Betten*

 

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Im Blog

Alle Beiträge aus den Pyrénées-Orientales vereint diese Kategorie.

Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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