Banyuls ist ein beliebtes Seebad an der Côte Vermeille. Foto: Hilke Maunder
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Banyuls-sur-Mer: Frankreichs südlichstes Seebad

An der Côte Vermeille fallen die östlichsten Ausläufer der Pyrenäen steil ins Mittelmeer. Durch diese natürliche Barriere vom kalten Tramontane-Wind geschützt, boomt der alte Winzer- und Fischerort Banyuls heute als Frankreichs südlichstes Seebad.

Wer nach den Sandstränden der Küste im Roussillon bei Argelès-sur-Mer eintaucht die schroffe, von Wind und Sonne gegerbte Küste der Côte Vermeille, spürt den plötzlichen Wechsel der Landschaft. Hier, im tiefsten Süden des Pays Catalan, bäumen sich die Pyrenäen bäumen sich ein letztes Mal gewaltig auf, bevor ihre schiefrigen Ausläufer steil in das tiefe Blau des Mittelmeers stürzen. Und genau hier, eingebettet in eine natürliche, hufeisenförmige Badebucht, liegt Banyuls-sur-Mer. Es ist das südlichste Seebad Frankreichs und der letzte Vorposten vor der spanischen Grenze.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Banyuls ist seit 2017 für alle zugänglich. Foto: Hilke Maunder

Sein Schmuckstück ist eine Strandpromenade mit behindertengerechten Badezugängen an der Nordseite der weiten Badebucht. Zur Bühne für Feste und Treffpunkt für alle entstand eine drei Hektar große Esplanade und einen Kilometer lange Rambla aus Naturstein mit Platanen, zwischen deren Kronen rot-gelb die Banner der Katalanen in der Brise flattern – in politisch korrekter Abwechslung mit der Trikolore als Tribut ans ferne Paris, das auch Geld beigesteuert hatte zur Großsanierung des Seebads. Dass der front de mer ab 2017 saniert wurde, ist das Ergebnis harter politischer und finanzieller Kämpfe.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Die Strandpromenade wird im Sommer mit katalanischen Wimpeln geschmückt. Foto: Hilke Maunder

Eine fast noch schwerere „Geburt“ waren die Bauarbeiten für einen neuen Hafen, die 2019 begannen und längst abgeschlossen sind.. Auch diese Baustelle war von vielen sehnlichst erwartet worden. Der Hafen aus den 1960er-Jahren war baufällig geworden – mit Pontons in sehr schlechtem Zustand und Booten, die bei Wellengang regelmäßig an die Kais stießen. Anfangs hatte die Gemeinde von einer veritablen großen Marina geträumt und hatte dafür 30 Millionen Euro in die Hand nehmen wollen.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Der Blumenschmuck der Strandpromenade. Foto: Hilke Maunder

Als Jean-Michel Solé das Bürgermeisteramt übernahm, drückte der Winzer jedoch auf die Bremse und dampfte das nach seinen Worten „überdimensionierte Projekt“ auf ein „menschliches Maß“ ein. Für zehn Millionen Euro wurden zwei Jahre lang Pontons und Kais saniert, der Hafenzugang neu gestaltet und die Anzahl der Liegeplätze von 340 auf 380 erhöht. Seit Anfang 2022 ist alles fertig. Heute schaukeln die Schiffe sicher im Becken. Am Südende sind zwischen den weißen Kunststoffrümpfen der Jachten die katalanische Variante des pointu vertäut. traditionellen Holzboote mit ihren markanten, spitz zulaufenden Enden und leuchtenden Farben.

Banyuls: Hafen. Foto: Hilke Maunder
Die katalanische Variante des pointu findet ihr im Hafen von Banyuls an der Côte Vermeille. Foto: Hilke Maunder

Doch die Verwandlung von Banyuls ist noch nicht abgeschlossen. Langfristig will die rechtskonservative Stadtverwaltung auch den dichten Verkehr der stark frequentierten Départementstraße D 914 verlagern, die sich bisher wie eine Schneise zwischen den Ortskern und die Küste drängt. Das große Ziel: den gesamten Küstenbereich zu einer vollständig autofreien Bummelmeile umzugestalten. Ein ambitionierter Plan, der im Ort nicht nur Freunde findet, da Geschäftsleute das Ausbleiben der motorisierten Laufkundschaft fürchten.

Wissenschaft hinter gewellten Fassaden: das Biodiversarium

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Hafen auf das Gästehaus des Laboratoire Arago. Foto: Hilke Maunder

Wenn ihr euch am Hafen umdreht und Richtung Berge geht, steht ihr vor dem architektonischen Blickfang von Banyuls. Ein dreistöckiger Bau mit einer sanft gewellten Front schmiegt sich an den Hang. Es ist das neue Aquarium des Biodiversariums, entworfen vom Lyoner Architekturbüro Tectoniques.

Seit 1881 ist in Banyuls mit dem Laboratoire Arago eine weltbekannte meeresbiologische Forschungsstation daheim. Heute fungiert das Labor als Zweigstelle der Pariser Sorbonne Université. Das neue Domizil der traditionsreichen Institution ließ sich die egion einiges kosten. Zehn Millionen Euro investierte das Laboratoire Arago in den Neubau des Aquariums seines Biodiversariums.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Biodiversarium hin zur Zweigstelle der Pariser Uni Sorbonne. Foto: Hilke Maunder

Ein Blick in die Finanzierungsakten offenbart die typisch französische, hochkomplexe Verteilung der Lasten – und ein massives budgetäres Loch während der Planungsphase. Die Baukosten von final 10.100.000 Euro waren beim Projektstart im Jahr 2010 auf gerade einmal 6.800.000 Euro geschätzt worden. Eine saftige Kostensteigerung, die die Steuerzahler und beteiligten Institutionen schlucken mussten.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Das Aquarium des Biodiversarium. Foto: Hilke Maunder

2.600.000 Euro übernahmm die Region Occitanie, einen stattlichen Amteil auch Europa über den Fonds européen de développement régional (FEDER). Der Rest wurde aufgeteilt zwischen dem Conseil départemental der Pyrénées-Orientales, der Communauté de communes Albères-Côte Vermeille-Illibéris, der Stadt Banyuls-sur-Mer sowie den privaten Laboratoires Pierre Fabre und der Pariser Universität Sorbonne .

Was im Inneren entstanden ist, rechtfertigt den finanziellen Kraftakt jedoch für jeden Naturbegeisterten. Die 37 Becken mit 300 Arten der faszinierenden Unterwasserwelt der Côte Vermeille gestaltete Coutant Aquariums aus La Rochelle. Hier gibt es keine tropischen Haie oder bunten Clownfische aus fernen Ozeanen – gezeigt wird streng nur das, was auch draußen vor der Haustür im Meeresschutzgebiet Cerbère-Banyuls schwimmt: filigrane Seepferdchen, getarnte Oktopusse, farbenprächtige Anemonen und majestätische Zackenbarsche.

Das Besondere am Konzept: Im ersten Stock zieht sich über den Becken eine große Glasfront entlang. Sie eröffnet nicht nur herrliche Ausblicke auf den Hafen von Banyuls, sondern verbindet die künstliche Welt der Aquarien optisch direkt mit dem Mittelmeer. Neben einem ungeheuer beliebten Ausflugsziel für Urlauber und Schulklassen und Labor der Forschung fungiert das Biodiversarium auch als Inkubator für innovative Start-ups, die im Bereich der marine Biotechnologie forschen – so sollen hochqualifizierte Arbeitsplätze nach Banyuls geholt werden.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Gästehaus des Laboratoire Arago auf Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Insidertipp: Frankreichs erster Unterwasserpfad

Wer die Meeresbiologie nicht nur durch dicke Glasscheiben betrachten, sondern hautnah entdecken möchte, sollte die Wanderschuhe gegen Flossen eintauschen. Nur wenige Kilometer außerhalb des Ortskerns, in der Bucht von Peyrefite, könnt ihr in der Réserve Naturelle Marine de Cerbère-Banyuls. – dem ältesten reinne Meeresnaturschutzgebiet Frankreichs – mit dem Schnorchel wandern. Die Infos findet ihr hier im Blog.

Flüssige Gold der Schieferterrassen: der Wein von Banyuls

Alljährlich im August feiert Banyuls-sur-Mer nicht das Meer, sondern seinen Wein. Er hat die Existenz des Ortes jahrhundertelang geprägt – aufs Wasser ging es nur, um die Weinfässer zu verschiffen. Fischerei hatte in Banyuls historisch keine Tradition und war höchstens ein Nebenerwer. Mehr als 1000 Jahre indes verbrachte das Gros der Einwohner ihr Leben bei der Arbeit im Weinberg.

Die Hänge der Pyrenäen sind von tausenden Kilometern mühsam von Hand errichteter Trockenmauern durchzogen. Sie stützen die extrem steilen Schieferterrassen, auf denen die Reben wachsen. Jede Traube wird im Herbst von Hand geerntet und in Kisten bis zum Pick-up getragen, der geradezu halsberecherisch am steilen Hang geparkt ist. Maschinen können in diesen extremen Steillagen nur sehr begrenzt eingesetzt werden.

Der Ertrag ist klein, die Qualität der Weine an der Côte Vermeille dafür legendär. Der Banyuls AOP ist ein Vin Doux Naturel ( VDN ), ein natürlicher Süßwein. Während der Gärung wird dem Most reiner Alkohol zugesetzt (mutage), was den Prozess stoppt und die natürliche Restsüße der intensiv von der Sonne verwöhnten Grenache-Traube bewahrt.

Dieser Weinbau steht vor einer existenziellen Krise. Die Arbeit auf den Schieferterrassen unter der sengenden Mittelmeersonne ist körperlich extrem auszehrend. Die junge Generation zieht es zunehmend in die Städte; viele historische Terrassen drohen zu verwildern, da die Pflege der Trockenmauern unbezahlbar wird. Zudem schlägt der Klimawandel gnadenlos zu: Lange Dürreperioden und extreme Hitze im Sommer lassen die Erträge weiter einbrechen. Wer heute eine Flasche Banyuls kauft, kauft das flüssige Erbe einer sterbenden Kulturlandschaft.

Krimi und Kunst: Yann Sola und Aristide Maillol

Dass diese schroffe, von Kontrasten geprägte Landschaft die Fantasie anregt, verwundert kaum. Tierisch gut und herrlich düster sind beispielsweise die Kriminalromane, die der Autor Yann Sola direkt vor Ort verfasst. Unter seiner kundigen Feder verwandelt sich der sonst so beschauliche, sonnenverwöhnte nordkatalanische Badeort regelmäßig in einen mörderischen Tatort, der fesselnde und tiefgründige Geschichten schreibt. Seine Romane rund um den kauzigen, weinaffinen Ermittler Jo Commandeur sind der perfekte Reisebegleiter für den Strand. Sie fangen die Mentalität der Einheimischen, die tiefen Gräben zwischen Alteingesessenen und neureichen Sommerfrischlern sowie das Lokalkolorit meisterhaft ein. Entdeckt die Schauplätze seiner schaurigen Verbrechen in! diesem Blogbeitrag

Banyuls: Krimiautor Yann Sola. Foto: Hilke Maunder
Krimiautor Yann Sola. Foto: Hilke Maunder

Doch der unangefochtene künstlerische Gigant des Ortes ist ein anderer: Aristide Maillol. Der weltberühmte Bildhauer und Maler (1861–1944) wurde hier geboren und verstarb auch in seiner Heimatstadt. Er gilt neben Auguste Rodin als einer der bedeutendsten Bildhauer der Moderne, der die Plastik des 20. Jahrhunderts revolutionierte.

Maillols Kunst ist der Gegenentwurf zu Rodins dramatischer, zerklüfteter Oberflächengestaltung. Er schuf monumentale, in sich ruhende, weibliche Akte von vollendeter Harmonie und klarer Symmetrie. Seine Figuren strahlen eine zeitlose, fast archaische Ruhe aus. Auch die Rambla von Banyuls schmücken Repliken seiner Plastiken. Wie stolz das Pays Catalan auf seinen Bildhauer ist, zeigt auch das Rathaus von Perpignan, wo sich im Innenholf La Méditerranée von Maillol erhebt.

Sein ehemaliges Wohnhaus samt Atelier liegt im Tal der Rovira im Südwesten, weit oben in Richtung der einsamen Pyrenäenpässe.. Dort führt euch ein direkter Verwandter des Bildhauers persönlich durch das kleine, intime Museum. Wer zwischen den originalen Gipsmodellen steht und die Werkzeuge des Meisters sieht, begreift, wie diese raue Landschaft aus Stein, Wind und Meer die weichen, runden Formen seiner weltberühmten Skulpturen geformt hat.

Im Maillol-Museum von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Im Maillol-Museum von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Banyuls-sur-Mer: meine Reisetipps

Parken

Das sommerlich trockene Bachbett des Baillaury ist kein Parkplatz mehr. Wo ihr legal parken könnt, verrät diese Karte: www.banyuls-sur-mer.com.

Grün markiert sind die vielen Parkplätze, die das ganze Jahr über kostenlos sind. Blau markiert Parkplätze, die von April bis Oktober kostenpflichtig sind.

Schlemmen und genießen

Die 9 Caves von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Die 9 Caves von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Les 9 Caves

Bioweine im Laden, entspannt-stimmungsvoller Genuss im gemütlich-stylischen Lokal, Live-Musik und Ausstellungen: Voilà die neun Keller, die auf ihrem Dach in drei gîtes zur Nacht laden.
• 56, Avenue Général de Gaulle, Tel. 04 68 36 22 37, https://9caves.com

Hier könnt ihr schlafen*

 
Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Banyuls ist ein beliebter Badeort und Sportboothafen an der Côte Vermeille und berühmt für seinen Süßwein.

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Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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