Mörderisches Banyuls: unterwegs mit Yann Sola

Banyuls: Krimiautor Yann Sola. Foto: Hilke Maunder
Krimiautor Yann Sola. Foto: Hilke Maunder

Perez ist ein waschechter Katalane. Stolz auf seine Heimat im Roussillon, wo er in Banyuls an der Côte Vermeille ein Restaurant betreibt, misstrauisch gegen staatliche Obrigkeit und gewieft darin, Gesetz und persönliches Glück kreativ zu vereinen. Ein sympathischer Kleinganove, der mit der Erwartungshaltung der Menschen spielt und sie zu seinem Vorteil nutzt.

Nicht mehr der Jüngste, mit dem Bauch eines Genussmenschen und Hobbyermittler, der immer dann aktiv wird, wenn äußere Umstände sein eigenes Leben negativ berühren. Dann wird er zum Schnüffler mit geradezu sechstem Sinn.

Banyuls ist ein beliebtes Seebad an der Côte Vermeille. Foto: Hilke Maunder
Banyuls ist ein beliebtes Seebad an der Côte Vermeille. Foto: Hilke Maunder

Mörderisches Idyll: Banyuls

Erfunden hat den etwas anderen Krimihelden ein Kölner, der 20 Jahre lang 430 Kilometer weit vom Rhein nach Wissant an der Côte d’Opale zum Urlaub gefahren ist. “Die Opalküste ist einer der schönsten Flecken der Welt… wenn das Wetter stimmt”, sagt Yann Sola heute.

Und fügt hinzu: In einem verregneten Sommer habe er sich erinnert, wie er einst mit 17 Jahren nach Marokko getrampt sei und Banyuls an der Côte Vermeille als wunderschön erlebt habe. Zurück in Köln, habe er bei einem Restaurantbesitzer die Weine aus Banyuls gekostet.

Banyuls: Dort hinten hat Yann Sola sein zweites Zuhause gefunden. Foto: Hilke Maunder
Dort hinten hat Yann Sola sein zweites Zuhause gefunden. Foto: Hilke Maunder

“Danach bin ich spontan mit meiner Frau für drei Tage nach Südfrankreich gereist. Dort haben wir in dieser kurzen Zeit unser Haus gefunden!” Das war 2010.

2016 schrieb der gelernte Buchhändler seinen ersten Band “Tödlicher Tramontane” rund um den charismatischen Kleinkriminellen und Hobbymittler Perez. Damit legte er den Grundstein zu einer im Roussillon spielenden Krimireihe, die seitdem mehrere Bände umfasst.

Viel Spaß beim mörderischen Stadtspaziergang mit Yann Sola alia Werner Köhler!

Auf den Spuren von Perez

Banyuls: Café Perez. Foto: Hilke Maunder
Wie Perez trinkt auch Yann Sola gerne seinen Kaffee im Café des Platanes. Foto: Hilke Maunder

Café des Platanes

Das Café des Platanes gehört zu den traditionsreichsten Treffpunkten in Banyuls. Früher ein einfaches Café, wo man bereits morgens ums sechs seinen P’tit Noir schweigend trank, in der ausgelegten Zeitung blätterte und die Morgennachrichten im TV betrachtete, hat auch hier der Generationenwechsel das charmant angestaubte Flair von einst vertrieben.

Die Bedienung nimmt jetzt mit Knopf im Ohr die Bestellung auf und reicht sie digital weiter. Neu ist auch der Anbau für den Glacier, den Eisladen. “Was soll denn das?”, höre ich in Gedanken Perez granteln.

Die Rue Saint-Pierre ist die Fußgängerzone von Banyuls - hier findet hier neben vielen inhabergeschäften auch beliebte Bars und Lokale. Foto: Hilke Maunder
Die Rue Saint-Pierre ist die Fußgängerzone von Banyuls – hier findet hier neben vielen inhabergeführten Geschäften auch beliebte Bars und Lokale. Foto: Hilke Maunder

Die echte boulangerie

Schnell kippt er seinen morgendlichen Koffeinkick an der Theke hinunter, zahlt und lenkt seine Schritte durch die Fußgängerzone Rue Saint-Pierre hin zur einzigen Boulangerie, die nicht Fertigware aufbäckt, sondern Brote und Brötchen noch selber bäckt.

Banyuls: Yann Sola ist Stammkunde in der Boulangerie von Audrey Dominique. Foto: Hilke Maunder
Yann Sola ist Stammkunde in der Boulangerie von Audrey Dominique. Foto: Hilke Maunder

So ist auch ein freudiges Lächeln auf dem Gesicht zu entdecken, als Yann Sola das kleine Eckgeschäft von Audrey Sirot in der Rue Jean Bart betritt, in dem es herrlich duftet. Campaillette nennt sich sein Lieblingsbrot. Doch fürs Foto holt Audrey Sirot ihr größtes Weißbrot hervor.

Quartier du Cap d’Oune

Banyuls. Ehemaliges Anwesen von Maillol. Foto: Hilke Maunder
Ein ehemaliges Anwesen von Maillol. Foto: Hilke Maunder

Hinter der Bäckerei hat im Gewirr der malerischen Blumengassen einst Aristides Maillol gelebt. Eine hohe Mauer umgibt sein Anwesen. “Seit Jahren informiert ein Schild, das das Haus renoviert werde – doch seit Jahren hat sich nichts getan”, sagt Yann Sola, der sich vielleicht so seine Gedanken über das Anwesen macht.

„Dem Gebäude fällt eine wesentliche Rolle in Band fünf zu. Dann aber wird sich darin ein Feinschmeckerrestaurant befinden, in dem einige Gäste an einer Vergiftung sterben“, sagt Yann Sola.

Banyuls: Blütenpracht in der Altstadt. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer ist die Altstadt von Banyuls ein einziges Blütenmeer Foto: Hilke Maunder

Über Treppenwege und steile Gassen bummeln wir kreuz und quer durch das Viertel. Bougainvillea von Pink bis Purpur hat Hauswände, Mauern und Zäune erobert.

Banyuls: Balkon in der Altstadt. Foto: Hilke Maunder
Ein Balkon in der Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Von Pastell bis Tiefblau leuchten die Fensterläden auf den Feldsteinhäusern, deren Fassaden hier und da weiß gekalkt oder in hellen Erdtönen verputzt sind.

Wenig weiter zeugen naive Malereien vom Regionalstolz seines Bewohners. Aqui viu un Catala” verrät eine Aufschrift auf der Tür: Hier wohnt ein Katalane.

Ein Themenweg folgt in der Altstadt von Banyuls den Spuren des Malers Maillol. Foto: Hilke Maunder
Ein Themenweg folgt in der Altstadt von Banyuls den Spuren des Malers Maillol. Foto: Hilke Maunder

Der BH-Protest

Protest nach Frauenart in Banyuls – die BILD berichtete. Foto: Hilke Maunder
Protest nach Frauenart in Banyuls – die BILD berichtete. Foto: Hilke Maunder

Ebenfalls am Cap d’Oune daheim ist Marianne, die Geliebte von Perez. Als sie hört, dass der Hafen von Banyuls ausgebaut werden soll, hängt sie aus Protest bunte Büstenhalter quer über die Rue Napoléon.

Als Vorbild für ihre Aktion diente Yann Sola eine Frauengruppe aus Banyuls, die so gegen den Ausbau des Hafens demonstriert hatte. Ein Artikel in der BILD-Zeitung hatte Yann Sola darauf aufmerksam gemacht.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Banyuls ist ein beliebter Badeort und Sportboothafen an der Côte Vermeille und berühmt für seinen Süßwein.

Der Hafenausbau gehört zu den großen Vorhaben von Bürgermeister Jean-Michel Solé , der zur Saison 2017 bereits die “front de mer”, die Schauseite zum Meer, neu gestalten ließ.

Die charmant angestaubte Minigolfbahn, die Yann Sola so liebte, verschwand, ersetzt auf der aufgehübschten Strandpromenade von Maillol-Skulpturen, neuen Bänken und behindertengerechten Strandzugängen.

Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Die Strandpromenade wird im Sommer mit katalnischen Wimpeln geschmückt. Foto: Hilke Maunder

2017 reichte der Bürgermeister seinen Plan zum Hafenausbau beim Präfekten der Pyrénées-Orientales ein. Seine Vision: ein größerer, sicherer Hafen mit neuer Mole, instand gesetzten Kais, mehr Liegeplätzen, erneuerbaren Energien und kleiner, künstlicher Insel.

In „Tödlicher Tramontane“ hat Yann Sola das umstrittene Projekt geschickt mit einem weiteren Großbauvorhaben am Strand von Paulilles verknüpft.

Banyuls: Hafen. Foto: Hilke Maunder
Die katalanische Variante des Pointu findet ihr im Hafen von Banyuls an der Côte Vermeille. Foto: Hilke Maunder

Der dreigeteilte Ort

Die Bucht von Banyuls liegt im Herzen des Parc Naturel Marin du Golfe du Lion (PNMGL) und des Réserve Naturelle Marine de Cerbère-Banyuls.

Als Natura 2000-Gebiet steht sie zudem unter dem Schutz der EU. Das Flussbett der Baillaury, auf dem heute Einheimische wie Gäste (noch) parken, teilt die Bucht – und Banyuls.

Banyuls: Die Baillaury trennt den Badeort vom Hafen. Foto: Hilke Maunder
Die Baillaury trennt den Badeort vom Hafen. Foto: Hilke Maunder
Banyuls: Die Baillaury ist - meistens - ausgetrocknet und kann zum Parken genutzt werden. Im Winter solltet ihr den Wagen dort nicht abstellen - dann kann sich das trockene Tal nach Regen und Schnee rasch in einen reißenden Fluss verwandeln. Foto: Hilke Maunder
Die Baillaury ist – meistens – ausgetrocknet und kann zum Parken genutzt werden. Im Winter solltet ihr den Wagen dort nicht abstellen – dann kann sich das trockene Tal nach Regen und Schnee rasch in einen reißenden Fluss verwandeln. Foto: Hilke Maunder

Im Osten der Kieselstrand, dahinter die Wohngebiete von Cap d’Oune und das alte Herz des Badeortes, im Westen der Sport- und Fischereihafen, die Anlagen der Meeresforschung und Wohnhäuser, die vorwiegend erst nach dem zweiten Weltkrieg entstanden.

Banyuls: Ein Fischer im Hafen von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Ein Fischer im Hafen von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Hinter der Eisenbahnbrücke im Süden erhebt sich auf einem Hügel das einstige Dörfchen Banyuls, das heute als Ortsteil von Banyuls Puig del Mas heißt. Einst war es die Heimat einer Schmuggelbande – und weitab vom Meer. Jenseits des Col de Banyuls liegt bereits Spanien.

Jenseits der Bahnbrücke seht ihr den ältesten Ortsteil von Banyuls: Puig del Mas. Foto: Hilke Maunder
Jenseits der Bahnbrücke seht ihr den ältesten Ortsteil von Banyuls: Puig del Mas. Foto: Hilke Maunder

Die Winzer-Fischer

Reben umgeben bis heute den alten Kern, ziehen sich hoch an den Hängen. “Die Einheimischen waren Fischer-Winzer”, verrät eine Infotafel am Hafen. “Wenn das Wetter für den Fischfang zu schlecht war, arbeiteten sie im Weinberg. Transportiert wurden ihre Tropfen einst nur per Schiff. Straßen nach Banyuls gab es lange nicht.”

Bei Banyuls ist der Weinanbau bis heute kaum mechanisiert. Foto: Hilke Maunder
Bei Banyuls ist der Weinanbau bis heute kaum mechanisiert. Foto: Hilke Maunder

Wein prägt bis heute Banyuls. Bereits wenige Schritte vom Strand entfernt, säumen Kellereien die Straßen. Weinanbau und -verarbeitung liegen meist in der Hand von traditionsreichen Familien wie den Parcé. Bereits 1685 war die Familie von der Loire nach Banyuls gezogen.

Banyuls: Pierre Gaillard aus dem Rhônetal kaufte 2002 die Domaine Madeloc. Ihren Keller findet ihr an der Avenue Général du Gaulle. Foto: Hilke Maunder
Pierre Gaillard aus dem Rhônetal kaufte 2002 die Domaine Madeloc. Ihren Keller findet ihr an der Avenue Général du Gaulle. Foto: Hilke Maunder

Doch erst dem Dorfarzt Dr. Gaston Parcé, Großvater des heutigen Besitzers der Domaine du Mas Blanc, schaffte es 1910, durch Einheirat  in eine alte katalanische Familie in den Besitz von Weinbergen zu gelangen.

Weinbau in Schwarzweiß

Ebenfalls eng mit dem Namen Parcé verbunden ist die Domaine de la Rectorie. Auf ihren 28 Hektar wachsen 6000 Weinstöcke pro Hektar. Der durchschnittliche Ertrag beträgt pro Rebstock ein Glas Wein.

Banyuls: Die Domaine de la Rectorie. Foto: Hilke Maunder
Die Domaine de la Rectorie. Foto: Hilke Maunder

Kunstvoll halten Trockenmauern aus geschichtetem Schiefer das Erdreich der steilen Hänge fest. Eine Mechanisierung ist kaum möglich. Wie einst werden alle Arbeiten im Weinberg von Hand verrichtet. Pierre Parcé zeigt sie eindrucksvollen Schwarzweißfotos in der Jugendstilvilla der Domaine de la Rectoire.

L'Étoile, die Genossenschaftskellerei von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
L’Étoile, die Genossenschaftskellerei von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Weiter die Avenue du Puig del Mas hinauf, erreichen wir die Genossenschaftskellerei Étoile de Banyuls. Auch sie hat Eingang in Yann Solas Krimis gefunden. In „Gefährliche Ernte“ gerät Perez dort auf die Spuren eines Drogenrings.

Letzte Ruhe

Der Friedhof von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Der Friedhof von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Eine Biegung nach Süden, und schon stehen wir vor dem Friedhof von Banyuls, der längst über sich hinaus gewachsen ist. Nicht nur innerhalb der Friedhofsmauern werden die Angehörigen in geschmückten Gruften bestattet.

Banyuls, Gruften. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Auch jenseits der Straße verstecken sich die Familiengräber im Grün – in nächster Nachbarschaft zum Gemüsegarten oder Autostellplatz.

 

Banyuls: Schrebern neben Gräbern. Foto: Hilke Maunder
Schrebern neben Gräbern. Foto: Hilke Maunder

Den Friedhof überragt seit 1502 die romanische Chapelle de la Rectorie, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Mit ihrem offenen Geläut, den schlanken Zedern und der geometrischen Fassade überzeugt sie mit schlichter, fast strenger Schönheit. Drinnen erklingen regelmäßig Konzerte.

Banyuls: Chapelle de la Rectorie. Foto: Hilke Maunder
Die romanische Chapelle de la Rectorie. Foto: Hilke Maunder

Ganz modern interpretiert die Église Saint-Baptiste im Ortszentrum das historische Vorbild. So ganz mag sich Yann Sola mit dem modernen Bau in Beton nicht anfreunden.

Die moderne Kirche von Banyuls aus Beton. Foto: Hilke Maunder
Die moderne Kirche von Banyuls aus Beton. Foto: Hilke Maunder

Ob er ihr deshalb im vierten Band seiner Krimireihe eine etwas makabre Rolle zugedacht hat? „Perez findet eines Nachts jemanden auf dem Altar hingerichtet“, verrät der Autor.

Die neun Keller

Alt und neu – diese Kontraste sind auch im Weinbau in Banyuls allgegenwärtig. Ganz besonders bei Les 9 Caves. Ein buntes Weinfass lässt das Besondere bereits ahnen.

Die 9 Caves von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Die 9 Caves von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Bioweine im Laden, entspannter Genuss im lässig stylischen Lokal, Live-Musik und Ausstellungen gehören ebenso dazu wie drei Gîtes, die auf dem Dach der Keller zur ruhigen Nacht laden. Und natürlich der Süßwein Banyuls, den Bruno Duchêne  als einer der neun Winzer hier 100 % bio herstellt.

Banyuls: Yann Sola (r.) mit Bruno Duchêne. Foto: Hilke Maunder
Banyuls: Yann Sola (r.) mit Bruno Duchêne. Foto: Hilke Maunder

Der vergessene Forscher

Bei seinen Recherchen entdeckt Yann Sola immer wieder versteckte und vergessene Orte. So, wie den deutschen Wehrmacht-Bunker, den selbst Einheimische nicht kennen. Das hinter Oleander versteckte Weinlager der Parcé im Fels.

Banyuls: Versteckt hinter Oleanderbüschen: das einstige Weinlager der Winzerfamilie Parcé. Foto: Hilke Maunder
Versteckt hinter Oleanderbüschen: das einstige Weinlager der Winzerfamilie Parcé. Foto: Hilke Maunder

Und die Skulptur eines Mannes, der einst die meeresbiologische Forschung in Banyuls begründet hat: Henri de Lacaze-Duthiers vom Institut Arago, heute eine Außenstelle der Sorbonne. In “Letzte Fahrt” lässt Yann Sola einen ihrer Forschungstaucher verschwinden … und einen Professor im Pool sterben.

Banyuls: Abgesperrt im Abseits: der Gründer des Institut d'Arago. Foto: Hilke Maunder
Abgesperrt im Abseits: der Gründer des Institut d’Arago. Foto: Hilke Maunder

Hinter Gittern

Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt entlang der weiten Bucht der Anse du Fontaulé kommen wir an Netze flickenden Fischern und Tauchern vorbei, die ihre Ausfahrt vorbereiten.

Mitten zwischen Segelschule und Wassersportverleih taucht die Polizeiwache auf: sonnengelb – mit vergitterten Fenstern. Direkt vor dem Bau ließ Yann Sola in „Tödlicher Tramontane“ eine große Jacht explodieren.

 

Die Polizeiwache von Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Die Polizeiwache von Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Das Vorbild

In der Avenue du Puig del Mas blockiert ein Wagen die Straße. Gelassen stellt ein Mann mittlerem Alters Waren in einem Nachbarhaus ab. Dann fährt er fort, kommt zu Fuß zurück, bringt seine Einkäufe in seinen Laden gegenüber, stellt ein Weinfass vor die Tür und beginnt, Gemüse zu schnippeln.

“Manu von der Weinbar El Xadic del Mar hat mich zu Perez inspiriert”, verrät Yann Sola, beginnt mit dem sonst eher wortkargen Mann ein Gespräch und reserviert einen Tisch für den nächsten Abend.

Banyuls: Eine Lieblingsadresse von Yann Sola: der kleine Bistro-Weinhandel El Xadic del Mar. Foto Hilke Maunder
Eine Lieblingsadresse von Yann Sola: der kleine Bistro-Weinhandel El Xadic del Mar. Foto Hilke Maunder

Vor dem Café des Platanes endet mittags unser Rundgang. Oder, wie bei Yann Solas Krimis, ungefähr bei Seite 350. Er öffnet auf dem Gepäckträger den Koffer, holt den Helm heraus und saust davon.

Auf einem Roller, wie die Einheimischen. Gibt es eine bessere Tarnung, um für den nächsten Krimi zu recherchieren?

Yann Sola in Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Wer ist Yann Sola?

Yann Sola ist das Pseudonym von Werner Köhler. Gelüftet wurde dieses Geheimnis 2017 vom deutsch-französischen Fernsehsender arte, der in Banyuls unter dem Titel „Mordsidyll-in Banyuls-sur-mer mit Yann Sola“  eine Dokumentation über das Winzer-Seebad und den Autoren gedreht hatte. ”

Yann gefiel mir schon immer als Vorname, und “Sola” war der Familienname einer jungen Frau, bei der ich mein französisches Bankkonto eröffnete.

Yann Sola über seinen Künstlernamen

Werner Köhler lebt seit mehr als 20 Jahren in der Kölner Südstadt. Am 10. Januar 1956 kam er in Trier zur Welt. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Buchhändler. 19 Jahre lang arbeitete er in seinem Beruf. Im März 2000 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit.

Yann Sola bummelt gerne durch das alte Banyuls. Foto: Hilke Maunder
Yann Sola bummelt gerne durch das alte Banyuls. Foto: Hilke Maunder

Banyuls und Köln

Zusammen mit Partnern gründet er das Internationale Literaturfest lit.COLOGNE, das laut F.A.Z. heute das weltgrößte seiner Art ist.

Jedes Jahr zieht es mit rund 200 Veranstaltungen mehr als 120.000 Besucher in den Bann. Seit 2017 gibt es mit lit.Ruhr einen Ableger im Ruhrgebiet mit  lit.COLOGNE ein etwas kürzeres, ausschliesslich mit hochkarätigen Namen bestücktes Literaturfest im Herbst.

Ebenfalls mitbegründet von Köhler wurde mit der phil.COLOGNE ein internationales Philosophiefestival, das jedes Jahr im Juli die Menschen anzieht.

Bereits als Jugendlicher verfasste Köhler eigene Theaterstücke, von denen er heute sagt: „vielleicht ganz gut, dass sie in der Kiste geblieben sind.“ Der leidenschaftliche Koch schrieb mit „Satt“ ein Kochbuch, das Kultstatus hat. Nur eines von vielen weiteren Kochbüchern.

100 Folgen lang kochte er außerdem im Fernsehen für die WDR Lokalzeit. „Angestiftet“, so Köhler, von Kerstin Gleba, Cheflektorin und seit 1. Januar 2019 auch Verlegerin des Verlages Kiepenheuer & Witsch, verfasste Werner Köhler seinen ersten Roman: Cookys, eine coming off age-Geschichte, in der er teilweise autobiografisch aus einer Jugend in den 1970ern erzählt.

2005 begann er mit dem Kölner Kommissar Jerôme „Jerry“ Crinelli eine Serie eher harter, düsterer Krimis. Seine Südfrankreich-Krimis sind, so Köhler, „eher weicher und auf angenehme Weise altmodisch, ganz in der Tradition von Miss Marple“.

Banyuls: Diese Straße erinnert mit ihrem Namen und einer bemalten Paella-Pfanne an den ktalanischen Reigentanz "Sardane". Foto: Hilke Maunder
Diese Straße erinnert mit ihrem Namen und einer bemalten Paella-Pfanne an den ktalanischen Reigentanz “Sardane”. Foto: Hilke Maunder

Die Südfrankreich-Krimis von Yann Sola

Yann Sola: Tödlicher TramontaneTödlicher Tramontane (2016)

Der Schmuggel hat nahe der spanischen Grenze an der Côte Vermeille eine so lange Tradition, dass ihn die Einheimischen schon fast als Gewohnheitsrecht ansehen. Auch Perez versorgt sein kleines Restaurant mit manch einer Zutat, die vorbei an der Steuer zu ihm kam.

Der geplante Ausbau des Hafens sorgt indes für Aufruhr in Banyuls, und wütend spannt Marianne, die Geliebte von Perez, als Zeichen des Protests BHs über die Straße – eine wahre Episode, die Yann Sola im Krimi aufgreift.

Doch dann verschwindet Marianne spurlos, explodiert im Hafen von Banyuls eine Jacht – und Perez wird in der Folge vom neuen Polizeichef als Mordverdächtiger festgenommen… Wer mag, kann den Band hier* direkt online bestellen. Leseprobe

Yann Sola: Gefährliche ErnteGefährliche Ernte (2017)

Mitten in den Sommerferien wird in einem der Rebgärten der Steilhänge, auf denen die  Trauben für einen schweren, roten Süßwein reifen, ein Toter gefunden. Der Weinberg gehört Perez’ Vater und dient dem findigen Delikatessenhändler und Restaurantbesitzer Perez als Alibi für dessen legendären wie teuren Wein „Creus“, der tatsächlich ganz preiswert aus Spanien kommt.

Aus Angst, erwischt und enttarnt zu werden, beginnt Perez zu ermitteln. Seine Ermittlungen führen ihn direkt zur Drogendrehscheibe Südfrankreich, hinein in die Auffanglager der Asylbewerber. Europas Flüchtlingskrise, korrupte Politik und familiäre Tragödie bildet das Gespinst dieses zweiten, spannenden Krimis. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen. Leseprobe

Yann Sola: Letzte FahrtLetzte Fahrt (2018)

In Band drei wird Perez’ schlimmster Alptraum wahrt: Er muss mit einem Schiff aufs Meer. Und dann noch im Winter, wo eine feine Schneeschicht den sonst so sonnenverwöhnten Strand von Banyuls-sur-Mer ziert.

Doch: Sein Freund Mata, Taucher am Institut Arago, der meeresbiologischen Forschungsstätte der Sorbonne an der Côte Vermeille, ist spurlos verschwunden. Ein Professor wurde tot im Pool gefunden und hochgerüstete Boote suchen im Mittelmeer zwischen Frankreich und Spanien ein mysteriöses Wrack.

Ebenso seltsam erscheint Perez der Club der Superreichen, dem die Chefs der Bergungsunternehmen angehören. Gemeinsam mit seiner Ziehtochter Stéphanie und seinem Schwiegersohn Jean-Martin beginnt Perez seine Ermittlungen. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen. Leseprobe

Johannisfeuer (2019)

Yann Sola: JohannisfeuerZu Johanni pilgern die Katalanen alljährlich auf den Canigou und entzünden ihr heiliges Feuer. Und auch Perez hat diesen Aufstieg seiner Schwiegertochter versprochen.

Während sich der durch und durch unsportliche und nun auch noch sprichwörtlich auf den Hund gekommene Ermittler versucht, in den Bergen rund um Banyuls fit für eine Besteigung des Canigou zu machen, stößt er plötzlich auf ein menschliches Wesen.

Eine Frau liegt mitten auf dem Weg. Seine Ermittlungen ziehen immer weitere Kreise und führen ihn schließlich mitten hinein ins kalte Herz einer verstörend agierenden Sekte.

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2 Kommentare

  1. Wir fahren auch schon seit 30 Jahren regelmäßig dahin. In der Stadtführung fehlt uns etwas ganz Wesentliches und kaum zu Übersehendes: Das segensreiche und erfolgreiche Wirken von Lisa und Hans Fittko bei der Rettung von deutschen Flüchtlingen vor den Nazis in den frühen 40ger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Lisa führte Gruppen auf alten Schmugglerwegen über die Pässe nach Spanien. So auch bei der Flucht von Walter Benjamin direkt vor seinem tragischen Selbstmord in Port Bou. Wir haben schon öfter gehört, dass die heuige Stadtverwaltung an dieen “alten Geschichten” nicht mehr so interessiert ist. Sie wollen ein neues “moderneres Immage für Banyuls. Fehlt die Geschichte deswegen auch hier?
    Viele Grüße
    Hartmut Emig
    https://www.researchgate.net/figure/Lisa-Fittko-who-led-Walter-Benjamin-and-his-party-from-Banyuls-to-Port-Bou-From-Mein_fig2_309395568

    • Hallo Hartmut,
      nein, keineswegs! Lisa und Hans Fittko sind hier nicht erwähnt, da der Spaziergang nur den Spuren des Autors Yann Solas und dessen Kommissars folgt. Über die Fluchtwege und Schmuggelpfade hat der Kölner Autor noch keinen Krimi veröffentlicht – aber vielleicht inspiriert ihn ja dazu Dein Kommentar! Es ist sicherlich auch einmal einen eigenen Beitrag wert. Ich freue mich immer über Gastbeiträge. Magst Du vielleicht etwas dazu verfassen? Ich bin gespannt! Viele Grüße, Hilke

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