Die Opalküste bei Berck-sur-Mer in Pas-de-Calais. Foto: Hilke Maunder
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Die Opalküste: Juwel in Nordfrankreich

Die Opalküste Nordfrankreichs: Vor pastellfarbenen Sommervillen leuchten blau-weiße Badekabinen. Dahinter: ein breiter Strand und ein bewegtes Meer. Mal funkelt es silbrig. Dann changiert seine Farbe von irisierendem Blau zu mystischem Grün.

Ebbe an der Opalküste. Foto: Hilke Maunder
Ebbe an der Opalküste. Foto: Hilke Maunder

Genau dieses Farbenspiel inspirierte im Jahr 1911 Édouard Lévêque. Der Industrielle aus Amiens, der nebenbei auch Maler und Dichter war, verliebte sich in der Belle Époque in Le Touquet-Paris-Plage und seine Küste. Der Mäzen von Malern wie Eugène Boudin aus Honfleur schlug im Jahr 1911 vor, den 90 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen der Bucht von Authie und der Mündung der Aa als Hommage an sein wechselndes Farbenspiel Côte d’Opale (Opalküste) zu nennen.

Einsam und weit: die Strände der Opalküste wie hier bei Blériot-Plage. Foto: Hilke Maunder
Einsam und weit: die Strände der Opalküste wie hier bei Blériot-Plage. Foto: Hilke Maunder

Die Kreideküste von Calais

Die weiße Kreideküste von Dover lernte jedes Schulkind spätestens im Lehrbuch Learning English bei einem Text kennen, der seit den 1960er-Jahren dort zu finden ist: 1066. William the Conqueror! Dass es auf der anderen Seite des Ärmelkanals ein ebenso beeindruckendes französisches Pendant zu finden gibt, wird mit keinem Wort erwähnt.

Die KirOpalküste: Hausgiebel bei Tardinghen. Foto: Hilke Maunder
Hausgiebel bei Tardinghen. Foto: Hilke Maunder

Auch nicht im Schulbuch Études Françaises, in dem Monsieur und Madame Leroc Land und Leute den Deutschen näher bringen. Sie reisen ans Mittelmeer, wandern durch die  Alpen, entdecken Paris – aber die Kreideklippen der Opalküste kennen sie nicht.

Opalküste: Die Kirche von Tardinghen. Foto: Hilke Maunder
Die Kirche von Tardinghen. Foto: Hilke Maunder

Und so ist die Küste von Berck-sur-Mer bis Calais besonders Belgiern und Holländern gut bekannt. Deutsche findet man meist nur vereinzelt als Wohnmobilisten oder auf der Durchreise nach England.

Calais. Foto: Hilke Maunder
Calais und sein Fort Risban. Foto: Hilke Maunder

Calais ist rund um die Uhr das Sprungbrett zur Insel. Fort, denkt da die Karawane am Kai. Ein Fehler, finde ich. Lasst euch überzeugen und klickt mal hier!

Calais, Strand. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Calais. Foto: Hilke Maunder

Fischerdörfer & Badeorte

Denn die Opalküste ist eine Naturküste, die Freiheit und Weite atmet. Sie bläst Stress mit jodhaltiger Frische weg und empfängt euch in stilvollen Badeorten und authentischen Fischerstädtchen mit offenen Armen.

International und elegant wie Le Touquet, das bis zur Ankunft von John Whitley im Jahr 1902 noch ein Fischerdorf war. Der britische Bauunternehmer verwandelte es in einen eleganten Ferienort, sehr britisch und schick mit seinen Villen, Tennis- und Golfplätzen, Parks und Promenade für Fußgänger und Radfahrer, von der aus ihr bei Ebbe sogar Robben beobachten könnt.

Opalküste: Die Strandpromenade "La Digue" von Wimereux im Winter. Foto: Hilke Maunder
Die Strandpromenade La Digue von Wimereux im Winter. Foto: Hilke Maunder

Andere, wie Malo-les-Bains, sind von nostalgischen Badehäuschen gesäumt. Oder sind familienfreundlich wie Wimereux, wo die Fischer mit offenen flobarts Plattfische und Krabben fangen. Der malerische Badeort hat bis heute jenen Charme bewahrt, der bei seiner Gründung in den 1860er Jahren die britische Kundschaft anzog. Ihre nostalgischen bunten Villen sind der Hingucker des Küstenortes!

Das Hôtel de la Plage von Wissant an der Côte d'Opale. Foto: Hilke Maunder
Das Hôtel de la Plage von Wissant an der Côte d’Opale. Foto: Hilke Maunder

In Wissant führt der Sentier des Peintres mit einer drei und einer sieben Kilometer langen Variante durch die Geschichte der Maler, die ab 1880 nach Wissant kamen und von der außergewöhnlichen Schönheit der Opalküste fasziniert waren. Der Pfad wurde vom Département Pas-de-Calais im Rahmen des Labels „Grand Site de France“ entwickelt und zeigt euch entlang des Wege Reproduktionen ihrer Gemälde.

Den Spuren der Küstenfischer und ihre berühmten Flobart-Booten folgt in Audresselles der 2,7 Kilometer lange Sentier des Pêcheurs (Fischerpfad). Plant eine knappe Stunde für diese interessante Runde ein!

Wissant an der Côte d'Opale. Foto: Hilke Maunder
Wissant an der Côte d’Opale. Foto: Hilke Maunder

Einzigartig in Frankreich ist das Château d’Hardelot, das Henry Guy auf einem Fundament von 1222 im Jahr 1870 im neogotischen Tudorstil erbaute: als Polygon mit neun Türmen, eingefasst von zwei Gräben. Später kaufte es John Whitley, der Mitbegründer des Ferienorts Hardelot. 2009 wurde es nach umfangreichen Umbauten als Kulturzentrum der Entente Cordiale eröffnet. Drinnen stellt es mehr als 500 Werke aus, die die britisch-französischen Beziehungen im Laufe der Jahrhunderte illustrieren.

Wilde Klippen

Der Blick vom Gris-Nez zum Blanc-Nez am Horizont. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Gris-Nez zum Blanc-Nez am Horizont. Foto: Hilke Maunder

Immer wieder unterbrechen Dünen und kleine Flussmündungen die Klippen, Kaps und Strände. 134 Meter hoch reckt das Cap Blanc-Nez seine Kreidenase in den Ärmelkanal.

Stolz schaut es auf seine kleine Schwester Gris-Nez herab, von deren Spitze ein Leuchtturm Schiffen den Weg durch die viel befahrene Seestraße weist. Gemeinsam bilden sie als Les Deux Caps seit 2011 einen Grand Site de France.

Ein Milchhof am Cap Blanc-Nez. Foto: Hilke Maunder. Foto: Hilke Maunder
Ein Milchhof am Cap Gris-Nez. Foto: Hilke Maunder.

Blanc-Nez, was so viel wie „Weiße Nase“ bedeutet, ist das markantere der beiden Felskaps. Auf seinem Gipfel erinnert ein grauer Obelisk an die Dover Patrol, die Zusammenarbeit der alliierten Seestreitkräfte während des Ersten Weltkriegs. Blanc-Nez besteht ganz und gar aus Kreide, die Rillen aus Feuerstein durchziehen.

Das 134 Meter hohe Kliff ist gerademal 80 Millionen Jahre alt und Teil einer größeren Kreideformation, die sich als Champagne-Kreide über den Ärmelkanal hinaus erstreckt und in England die berühmten White Cliffs von Dover bildet.

Am Gris-Nez blickt ein Fischer auf den Ärmelkanal: ein berührendes Denkmal! Foto: Hilke Maunder
Am Fuße des Blanc-Nez blickt der Pilot Charles Hubert Latham auf den Ärmelkanal: ein berührendes Denkmal.
Foto: Hilke Maunder

Das Gris-Nez besteht aus Lehm und Sandstein und krümmt sich unter dem Gewicht seiner 160 Millionen Jahre. Auf seiner grünen Kuppe stand bereits 1837 ein Leuchtturm. Der heutige Leuchtturm wirft seit 1957 sein Licht auf die viel befahrene Schifffahrtsroute, die zugleich Außengrenze der EU ist.

Die Kaps haben mit ihrer unterschiedlichen Geologie auch die Architektur geprägt: Während im Calaisis nordöstlich des Blanc-Nez die Häuser aus Feuerstein gebaut werden, schmücken sich die Häuser im Boulonnaise südwestlich der Kaps mit den Farben der Steine aus Baincthun, grau, golden oder weiß.

Hier könnt ihr direkt mit Blick auf das Cap Gris-Nez auf der Terrasse sitzen. Foto: Hilke Maunder
Hier könnt ihr direkt mit Blick auf das Cap Gris-Nez auf der Terrasse sitzen. Foto: Hilke Maunder

Weite Strände

In Wimereux säumen große Kiesel den Strand. Wuchtig brandet das Meer gegen den Schutzwall aus Beton, auf dem die Strandpromenade La Digue verläuft.

Vorbei an den Dünen von Slack kommt ihr nach Ambleteuse mit seinem wehrhaften Fort an der Wasserkante! Die Dunes de Slack gehören  zu den größten Dünenmassiven von Hauts-de-France.

Das Fort Mahon an der Mündung des Slack in den Ärmelkanal ließ Vauban erbauen, um die Einfahrt zu sichern.

Aufgrund der Nähe zu England hat die Opalküste immer wieder eine wichtige strategische Bedeutung in Kriegszeiten besessen. Kaum eine Küste ist so befestigt – und wurde so hart umkämpft, auch während der letzten beiden Weltkriege.

Auch an der Côte Opale findet ihr Spuren des Atlantikwalls der Nazis – auch bei Berck-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder
Auch an der Côte d’Opale findet ihr Spuren des Atlantikwalls der Nazis wie hier bei Berck-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder

Zwei Museen erzählen davon. Die Reste des Atlantikwalls ragen allerorten aus dem Strand, dem Meer und weiten, saftigen Weiden und Wiesen.

Im Wechselspiel der Tiden

Opalküste: In Blériot-Plage schippern die Englandfähren in Sichtweite am Strand vorbei. Foto: Hilke Maunder
In Blériot-Plage schippern die Englandfähren in Sichtweite am Strand vorbei. Foto: Hilke Maunder

Mit den Gezeiten wechselt das Licht, weicht sanfter Seenebel goldgelben Sonnenstrahlen. Tagsüber tanzt die Sonne mit silbrigem Funkeln auf dem Meer vor der Kreideküste.

Abends verabschiedet sich der Tag mit einem Sonnenuntergang vor Britannien, das sich schemenhaft am Horizont abzeichnet. Auf der Strandpromenade wird der Aperitif serviert. Mit etwas Glück könnt ihr vom Strand aus Kegelrobben, Delfine und Schweinswale entlang der Küste beobachten.

Der Strand von Wimereux im Winter. Foto. Hilke Maunder
Der Strand von Wimereux im Winter. Foto: Hilke Maunder

Sightjogging oder Strandsegeln?

Wer das Meer in all seinen Facetten liebt und gerne aktiv ist, findet an der Opalküste ein schier grenzenloses Terrain. Im Laufschritt geht’s beim Sightjogging durch Badeorte wie Le Touquet, beim Trail de la Côte d’Opale durch eine Naturküste mit Klippen, Kaps und sanften Dünen.

Opalküste: Berck-sur-Mer: Hinter den Dünen erstreckt sich feinsandig der Strand - 12 km lang! Foto. Hilke Maunder
Berck-sur-Mer: Hinter den Dünen erstreckt sich feinsandig der Strand – 12 km lang! Foto. Hilke Maunder

Die breiten, weiten Strände begeistern Strandsegler und Sonnenanbeter, die beste Brandung lockt Segler, Katamaran- und Kitesurfer – wie’s gelingt, verrät Marc Hocquet im Kite Camp. Direkt vom Bett geht’s ab aufs Brett! In Merlimont stellen sich die Stand-Up-Paddler aufs Board und gleiten stehend durch das Meer.

Solche Staketenzäune sind typisch für Frankreichs Küsten - ihr findet sie auch an der Côte d'Opale bei Berck-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder
Solche Staketenzäune sind typisch für Frankreichs Küsten – ihr findet sie auch an der Côte d’Opale bei Berck-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder

Walking mit Paddel

Bei der Ganzkörperfitness Longe Côte, 2005 an der Opalküste erfunden, wird auf Sentiers Bleus-Wasserwanderwegen mit oder ohne Paddel im brusttiefen Meer marschiert. Besonders nachts, wenn Mond und Sterne leuchten, oder beim Tanz der Winterflocken ein unvergessliches Erlebnis!

So wie Ausritte am Strand oder durch das grüne Hinterland, wo Golfplätze wie der Green von Wimereux locken, seit 1901 ein veritabler Links Course. Und der Parcours des Pins von Hardelot, der wie der Parcours de la Mer zu den Top 100-Plätzen Europas gehört.

Opalküste: Unterwegs in de Dünen von Blériot-Plage. Foto: Hilke Maunder
Unterwegs in den Dünen von Blériot-Plage. Foto: Hilke Maunder

Vom Cap Blanc-Nez segeln Gleitschirmflieger im Küstenwind bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell über weites Land und offenes Meer.

In Berck-sur-Mer tummeln sich hunderte bunter Drachen beim alljährlichen Festival Rencontres Internationales de Cerfs Volants (April) am hohen Himmel. Alles zu sportlich? Dann lasst euch in den Spas der Opalküste mit Thalasso, Massagen und mehr ganz entspannt verwöhnen!

Nausicaa: Seelöwen. Foto: Hilke Maunder
Die Seelöwen des Meereszentrums Nausicaá. Foto: Hilke Maunder

Niedergang am Kai: Der Kampf um den Fisch

Boulogne-sur-Mer war über Jahrzehnte das unbestrittene Herz der französischen Fischerei. Doch seit dem Inkrafttreten des Brexits und den damit verbundenen neuen Fangquoten der EU kämpft der Hafen um seine Existenz. Der verwehrte oder stark reglementierte Zugang zu den traditionellen, fischreichen britischen Gewässern hat eine beispiellose Abwärtsspirale in Gang gesetzt.

Die Kennzahlen der Flotte dokumentieren den schleichenden Abschied von einer jahrhundertealten Identität: Lagen im Jahr 2015 noch 176 aktive Kutter im Hafen, schrumpfte die Flotte bis 2020 auf 105 Boote. Nur zwei Jahre später, im Jahr 2022, waren es bloß noch 65 Einheiten: – 22 Trawler (chalutiers) und Wadenfänger (chalutiers-senneurs), die Schleppnetz- und Oberflächenfischerei verbinden, 15 Muschelfänger (coquillards), 24 Schleppnetzfischer (fileyeurs-caseyeurs) und vier Leinenfänger (ligneurs).

Der Blick vom Fischereihafen auf Boulogne-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Fischereihafen auf Boulogne-sur-Mer. Foto: Hilke Maunder

Heute, im Jahr 2026, hat sich die maritime Landesgrenze endgültig in den Logbüchern festgefressen: Viele der verbliebenen Trawler und Schleppnetzfischer verbringen mehr Zeit mit bürokratischen Lizenzanträgen als auf dem offenen Meer. Wo früher tonnenweise Kabeljau und Seezunge angelandet wurden, herrscht heute oft spürbare Ernüchterung. Der Streit um die Gewässer hat die Fangmengen in einigen Segmenten massiv einbrechen lassen – ein wirtschaftlicher Aderlass, den auch die riesigen, hochmodernen Kühlhallen am Kai nicht mehr kaschieren können.

Boulogne-sur-Mer ist der größte Fischereihafen Frankreichs. Foto: Hilke Maunder
Boulogne-sur-Mer ist der größte Fischereihafen Frankreichs. Foto: Hilke Maunder

Die Welt der Ozeane

Was sich noch alles in den Ozeanen tummelt, verrät das nationale Meereszentrum Nausicaá. Mit  36.000 Tieren in mehr als 40 Becken gehört es zu den größten Aquarien Europas. Hier habe ich es im Blog vorgestellt.

Nausicaa: das Tropenbecken. Foto: Hilke Maunder
Das Tropenbecken von Nausicaá. Foto: Hilke Maunder

Der Hering: der Brotfisch der Opalküste

Der Brotfisch der Küste ist der Hering. Viele Jahrhunderte sicherte er das Überleben der ärmeren Bevölkerungsgruppen. Zu Hungerszeiten wurde er so hoch gehandelt, dass er sogar als  Zahlungsmittel diente. Die Hochsaison für den silbrig schimmernden Fisch beginnt im November, wenn er in Boulogne-sur-Mer und Étaples-sur-Mer massenhaft in die Netze der Hochseefischer wandert.

35.000 Tonnen  sind es jedes Jahr, begrenzt durch die Fangquoten der EU. Mit zwei großen Volksfesten wird der Hering bis heute in Boulogne und Étaples im November groß gefeiert. Gegrillt oder geräuchert, zu Kaffee oder Glühwein, kommt der Hering im Hafen auf den Tisch, begleitet von Seemannsgesang und Markttreiben. Stände unterhalten mit traditionellen Gesellschaftsspielen, alten Berufen und maritimem Vermächtnis.

Die Opalküste bei Tardinghen. Foto: Hilke Maunder
Ein Seelenschiff – gesehen vor der Kirche von Tardinghen. Foto: Hilke Maunder

Ein überraschender Fund

Auf den Ruinen einer mittelalterlichen Kirche ließ im 19. Jahrhundert der Abt Haffreingue die Notre-Dame-Basilika in Boulogne-sur-Mer errichten. Zum Auftakt der Arbeiten befahl er, sämtlichen Bauschutt zu entfernen. Was er dabei im Jahr 1827 entdeckte, war eine Sensation: ein 1.400 Quadratmeter großes Labyrinth aus Galerien und riesigen Sälen, 100 Meter lang, mit Nebenräumen, Fresken und Säulen aus römischer Zeit!

Jahrelang restauriert, spiegelt die längste Krypta Frankreichs in ihrer Ausstellung die mehr als die .2000-jährige Geschichte von Boulogne-sur-Mer wider. Ihre Sammlung vereint Schätze sakraler Kunst und weltliches Erbe: liturgische Gegenstände, Gemälde, Skulpturen und sogar jene Kanonenkugeln, mit denen Engländer zwischen 1544 und 1550 die Stadt an der Opalküste bombardiert hatten. Zu sehen ist ferner eine Emaillereliquie mit dem Blut Christi – und eine schwarze Madonna in weißem Gewand. Im Jahr 636 soll sie, stehend im Boot, einen Engelschor nach Boulogne geleitet haben.  

Die Dorfkirche von Bazinghen. Foto: Hilke Maunder
Die Dorfkirche von Bazinghen. Foto: Hilke Maunder

Im Hinterland der Opalküste

Mit jeder  Tide wechselt die Opalküste ihr Antlitz. Rollt die Flut heran, taucht Seenebel das sanft gewellte Land in einen feinen Schleier, verschwinden die alten granitenen Hofanlagen, die Steinmäuerchen, Felskaps und Fischteiche im Dunst. Bei Ebbe reißt der Himmel auf. Am Horizont funkelt la Manche, der Ärmelkanal.

„Ich  brauche den weiten Blick, die Freiheit ringsum, diese Weite“, sagt Jean-Pierre Larive und streckt seine Arme aus, als wolle er das Land umfassen. Jean-Pierre lebt in Bazinghen, einem Bauerndorf im Hinterland der Opalküste. Durch die Arbeit am länderverbindenden Tunnel unter dem Ärmelkanal kam Jean-Pierre in die Region und baute als Elektroingenieur am Eurotunnel mit.

Stolz hängt ein Großfoto des Bauprojektes, das seit 1993 Britannien mit Frankreich verbindet, in seiner Werkstatt. Seit ein paar Jahren Rentner, holt er sich mit der charmanten chambre d’hôte „Les Collines de la Mer“ die Welt ins Haus.

Bazinghen liegt hoch über dem Tal der Slack. Eine markante Kirchturmspitze prägt das Örtchen. In seinem Herzen finden ihr den Estaminet Le Saint-Eloi. Véronique und Christophe Thomas, ein Paar aus Montreuil, servieren dort auch ein ganz typisches Gericht aus Nordfrankreich. Dazu gehört auch der Potjevlesch, eine Art Sülze mit drei bis vier hellen Fleischsorten in Weißwein. Unbedingt probieren!

Bazinghen: der Dorfgasthof. Foto: Hilke Maunder
Bazinghen: der Dorfgasthof. Foto: Hilke Maunder

Umstritten: Tropicalia – das weltgrößte Tropenhaus

Zwischen Rang-du-Fliers und Verton wollte 2026 mit Tropicalia das weltgrößte Tropenhaus eröffnen, jetzt wird es wohl 2027, heißt es aus dem Umwelt vom Tierarzt und Unternehmer Cédric Guérin von der Société Opale Tropical Concept. Unter seiner 35 Meter hohen und 150 Meter breiten Kunststoffkuppel soll eine Hügellandschaft mit tropischem Wald entstehen.

Auf insgesamt 20.000 Quadratmetern will Tropicalia bei konstant warmen wie feuchten 26 Grad Celsius die Flora und Fauna des Regenwaldes präsentieren. Ursprünglich war die Eröffnung bereits 2024 geplant – doch es gab immer wieder Proteste der Bevölkerung gegen das Bauprojekt. Laut dem französischen Architekturbüro Coldefy soll die exotische Erlebniswelt energieautark sein.

Opalküste: Wanderweg an der Côte d'Opale bei Tardinghen. Foto: Hilke Maunder
Auch der Weitwanderweg GR 120 folgt der Côte d’Opale wie hier bei Tardinghen. Foto: Hilke Maunder

Opalküste: meine Reise-Infos

Hinkommen

Die größeren Orte der Opalküste lassen sich gut per Bahn erreichen, die Autobahn A 16 ist von der belgischen Grenze bis zur Abfahrt Nr. 29 auf die N416 südöstlich von Boulogne mautfrei.

Erleben und unternehmen

GR 120

Der gesamten Küste folgt die Grande Randonnée GR 120.

Sentier des Pêcheurs

In Audresselles könnt ihr entlang des Fischer-Weges auf den Spuren der Fischer wandeln.
www.lesdeuxcaps.fr

Die Opalküste bei Tardingen. Foto: Hilke Maunder
Die Opalküste bei Tardingen. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

Die Opalküste ist eine Hochburg der moules frites. Diese Miesmuscheln mit Pommes Frites werden hier in einer erstaunlichen Vielfalt serviert – besonders zur Mittagszeit. Über das Meer kam der welsh aus Wales an die Opalküste, ein opulentes Sandwich, das aus geschmolzenem Käse, Bier und verschiedenen weiteren Zutaten wie Senf und Gewürzen besteht, serviert auf geröstetem Brot.

Le Nord-Oué

Bodenständig wie die beliebte Brasserie ist ihre Küche mit Tartar, Filet Mignon und Kabeljau.
• 2, rue de la Lampe, 62200 Boulogne-sur-Mer, Tel. 03 21 91 37 24, www.restaurant-lenordoue.fr

Brasserie des deux caps

Auf der Ferme de Belle Dalle braut Christophe Noyon bestes Craft Beer.
• 1413, route d’Ausques, 62179 Tardinghen, Tel. 03 21 10 56 53, www.2caps.fr

Opalküste: Terrassenlokal in Wissant. Foto: Hilke Maunder
So lange es nicht regnet, schlemmt man draußen – auch in diesem Terrassenlokal in Wissant. Foto: Hilke Maunder

Hostellerie de la Quenoeuille

Eingebettet in einen 8.000 Quadratmeter großen Park liegt, nur wenige Minuten von der Autobahn A 16 und dem Örtchen Marquise entfernt, ein herrschaftliches Anwesen aus dem Jahr 1833: das Château de Ledquent. Wer hier ein klassisches Hotelzimmer sucht, steht mittlerweile vor verschlossenen Türen – das Haus hat sich neu erfunden und fungiert heute ausschließlich als Restaurant und Event-Location unter dem Namen Hostellerie de la Quenoeuille.

Es residiert in einem herrschaftlichen Anwesen, das 1833 zunächst als Privathaus für wohlhabende Industrielle erbaut wurde, sich zur Missionsstation des Departements wandelte, von den Deutschen besetzt und erheblich beschädigt und 1945 und 1948 restauriert wurde. Bevor die Gastronomie einzog, diente das Schloss als Mütterheim, Kindergarten, Frauenzentrum und soziales Reintegrationszentrum.

Heute wird das Restaurant mit viel Herzblut vom CODEF des 2 Caps geführt. Das Besondere: Es handelt sich um ein inklusives Beschäftigungsprojekt, bei dem Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Küche und im Service eine feste Perspektive finden. An den Töpfen steht ein eingespieltes Küchenteam unter professioneller Leitung, das die kulinarische Identität des Nordens zelebriert.

Statt Sterneküche kommt hier ehrliche, vorzügliche Regionalküche zu unschlagbaren Preisen auf den Tisch. Beim Menu Ch’ti ist habt ihr die zwischen dem deftigen Potjevlesch, einer traditionellen Sülze aus hellen Fleischsorten, oder dem opulenten Welsh – jenem mit Bier und Senf geschmolzenen Cheddar-Käse auf Toast, der einst über den Ärmelkanal an die Küste schwappte. Dazu passt das herbe lokale Bière des 2 Caps.
• Château de Ledquent, 1075, Hameau de Ledquent, 62250 Marquise, Tel. 03 21 99 57 47, www.chateau-de-ledquent.com

Hier könnt ihr schlafen*

 
Opalküste: Buhnen – wie hier in Blériot-Plage – brechen die Kraft des Wasser am Ärmelkanal. Foto: Hilke Maunder
Buhnen – wie hier in Blériot-Plage – brechen die Kraft des Wassers am Ärmelkanal. Foto: Hilke Maunder