Ein Wochenende in … Marseille

Marseille: Ein Bootsshuttle bringt euch im alten Hafen vom einen zum anderen Ufer. Foto: Hilke Maunder
Ein Bootsshuttle bringt euch im alten Hafen vom einen zum anderen Ufer. Foto: Hilke Maunder

Marseille, Austragungsort der Olympischen Segelwettbewerbe 2024, erfindet sich neu: mit Architektur zum Staunen, Shopping der Superlative und grenzenloser Kultur rund um die Uhr. Schick, schön, stylisch.

Die Bar des Hôtel C2. Foto: Hilke Maunder

Entlang der alten Hafenkante und rund ums MuCEM, 2013 zum Kulturhauptstadtjahr eröffnet, lässt sich das neue Marseille hautnah entdecken. Auch die anderen Stadtviertel sind mitten im Umbruch.

Alles voran Noailles. Auch das Multikultiviertel im Herzen der Metropole ist in den Sog der Gentrifizierung geraten. Marseille ist ein melting pot, den seit 2600 Jahren die Kulturen des Mittelmeerraumes formen.

Alteingesessen: der Schlachter von Noailles. Foto: Hilke Maunder

Eine faszinierende Stadt gibt es kaum in Frankreich. Nicht immer schön, aber stets spannend, überraschend, voller Vitalität und Dynamik. Und dann wieder stiller Winkel, lauschiger Ecken, grüner Parks, Badebuchten und Meer. Eine Stadt für Entdecker und alle, die gerne Neues wagen.

Notre-Dame de la Garde wacht als „la bonne mère“ über den Hafen. Foto: Hilke Maunder

Tag 1: Stadt-Kultur

8 Uhr: „Petit Dej“ beim Bio-Bäcker

Die Bar à Pain von Emmanuel Arnoux lockt mit knusprigen Croissants, luftigen Brioches und ausgefallenen Kreationen zum Morgenkaffee. Köstlich: die schockigen Sesam-Nuss-Cookies und das Mandel-Feigenbrot.

Ein Fischer verlässt den Vieux-Port von Marseille. Foto: Hilke Maunder

9 Uhr: Fisch ahoi im Vieux-Port

Der alte Hafen mit seinen Ausflugsschiffen, Jachten und Kuttern versprüht bis heute eine echte Marseille Athmospäre, maritim, ursprünglich, authentisch. Und auch die Mittelmeerfischer sind noch dort.

Der Fischmarkt von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Ihr legendärer Fischmarkt im Alten Hafen von Marseille ist etwas für Frühaufsteher. Jeden Morgen verkaufen die Fischer am Quai des Belges ihren Ta- gesfang – Seelachs, Seeteufel, Rotbarsch und Makrelen.

Der legendäre Fischmarkt am Vieux-Port. Foto: Hilke Maunder

Andere Händler haben sich auf Meeresfrüchte spezialisiert. Garnelen, Seeigel, Muscheln und mit unter auch die seltene Violet de Mer stapeln sich  auf ihren hölzernen Auslagen . Doch nur, wer  früh kommt, kann sichergehen, alle Zutaten für die traditionelle Bouillabaisse noch hier zu finden!

Wie die legendäre Fischsuppe der Stadt gelingt, verrät Christian Buffa bei Kochkursen. Infos, Impressionen – und sein Rezept – finden ihr hier im Blog!

Christian Buffa vom Restaurant Miramar im Vieux-Port von Marseille mit Bouillabaisse. Foto: Hilke Maunder

11.30 Uhr: Die Wiege von Marseille: Le Panier

Zum Kulturhauptstadtjahr 2013 saniert, lockt das ältesten Viertel der Stadt heute mit einem spannenden Mix aus mediterran-dörflichem Erbe und trendigem Zeitgeist.

In Le Panier stellen die Lokale Tische und Stühle nach draußen, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen. Foto: Hilke Maunder

Über schmale Gassen, steile Treppen und lauschige Plätze mit angesagten Lokalen wie dem Café des Épices zu Künstlerateliers, kleinen Boutiquen und versteckten Werkstätten. Mehr zu Le Panier findet ihr hier im Blog.

In Le Panier haben viele Kreative ihre Ateliers für Besucher geöffnet. Foto: Hilke Maunder

Im Panier-Viertel hat auch José Orsoni seine Bäckerei. Im Four des Accoules bäckt er knusprige Kekse, die Kult sind in der Metropole am Meer. Und alljährlich zu Mariä Lichtmess am 2. Februar auch gesegnet werden! Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Knuspriger Genuss: Die Navettes de Marseille von José Orsoni. Foto: Hilke Maunder

13 Uhr: Pizza bei Étienne…?

Oder besucht einmal ein Lokal, das Kult ist unter den Einheimischen: Chez Étienne. In der einfachen Pizzeria in der Rue de Lorette 43 gab es bis vor kurzem keine Preise auf der Karte. Wie teuer das Essen wurde, entschied der Patron nach dem Blick auf den Gast.

Der Klassiker heißt dort „moitié-moitié“, eine halbe Pizza, die zur Hälfte mit Tomaten und Oliven, auf dem zweiten Viertel mit Käse dick bedeckt wird. Ihr werdet nicht satt davon?

Dann bestellt euch noch einen Teller „supiens frits“, frittierter Minikraken, die mit Zitrone und einer großen Schale gemischter Blattsalate serviert werden – auch ein volkstümlicher kulinarischer Klassiker aus Marseille.

… oder schlemmen bei Gérald Passedat?

Oder lasst euch im MuCEM von  Gérald Passedat verwöhnen. Im obersten Stock von J4 serviert der Dreisternechef des Petit Nice hinter einer riesigen Maschrabiyya, einem geschnitzten Holzgitter der traditionellen arabischen Architektur, m „La Table“mediterrane Gourmetküche.

In „La Cuisine“ könnten ihr euren Hunger stillen mit provenzalische Kichererbsen-Crêpes, Krebs mit Chili oder Schakschuka aus Tomaten und Paprika. Im Garten-Bistro „Le Café“ locken gegrilltes Hähnchen mit Honig und Zitrone, Meeräsche mit Zitronenconfit oder Fischbällchen mit Kreuzkümmel und Safran.

14.30 Uhr: Mediterrane Entdeckungen im MuCEM

Rudy Ricciotti entwarf den spektakulären Bau des MuCEM. Foto: Hilke Maunder

Marseille ist seit 2600 Jahren eine multikulturelle Stadt am Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident. Die kulturhistorische Vielfalt des Mittelmeerraums lässt sich Museum der europäischen Zivilisationen des Mittelmeeres, kurz MuCEM entdecken.

Besucht die Dauerausstellungen „Galerie de la Méditerranée“ im J4 und „Le temps des loisirs“ im Fort Saint-Jean – am besten mit einem Multimediaguide!

Die beiden Bereiche des MuCEM am Vieux-Port verbindet Alt und Neu, Orient und Okzident. Foto: Hilke Maunder

Oder bei Führungen, die auch auf Deutsch angeboten werden. Als Ort der Begegnung und des Austauschs initiiert das MuCEM regelmäßig Sonderausstellungen, Workshops und andere Veranstaltungen, die zum Nachdenken anregen. Und darüber, was Afrika mit Europa verbindet.

16 Uhr: Euroméditerranée: neue Architektur am Kai

Ein kleiner Koffeinkick am Kai mit Blick auf die Fähren, die nach Korsika und Nordafrika ablegen, macht fit für Marseilles Euroméditerranée, von Lord Norman Foster revitalisiert als schicke Einkaufs- und Büromeile mit Architekturikonen von Zaha Hadid und Jean Nouvel.

Blick von der Villa Méditerranée über die Hafenpromenade zur Kathedrale La Joliette. Foto: Hilke Maunder

17 Uhr: Aussichtsreich: Shopping am Hafen

Selbst am Sonntag sind von 10-20 Uhr die 190 Läden und Lokale der Megashoppingmall Les Terrasses du Port geöffnet, die im Mai 2014 im alten Werftviertel La Joliette eingeweiht wurde.

Luxuslabels wie Boss, Michael Kors, The Kooples und ein Apple Store laden ebenso zum ausgiebigen Shopping wie das Warenhaus Printemps und Pop-Up-Stores.

Marken-Shopping in XXL: Les Terrasses du Port. Foto: Hilke Maunder

Nicht verpassen: die 260 m lange Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer – die perfekte Kulisse, um beim Ricard, dem berühmten Pastis aus Marseille, den Abend zu planen.

Paradeblicke auf Stadt und Meer: die Terrasse der Terrasses du Port. Foto: Hilke Maunder

Oder sich zu stärken für den nächsten Shoppingmagneten am Meer: Les Docks Village. Gegenüber der Hafenterrassen locken die revitalisierten Hafenspeicher mit weiteren Läden und Lokalen.

Blick von den Terrasses du Port aufs gegenüberliegende Shoppingzentrum von Les Docks Village. Foto: Hilke Maunder

Auch unterhalb der schwarz-weiß gestreiften Cathédrale de la Major findet ihr in den Voûtes de la Major tolle Adressen zum Stöbern, Shoppen und Genießen – vom Parfümhersteller Fragonard über den Feinkosttempel Les Halles de la Major bis zum opulent-edlen Restaurant Le Palais de la Major.

Schmuckstück am Fährhafen: La Joliette. Foto: Hilke Maunder

19 Uhr: Kultur pur ….

Da fällt die Wahl schwer: Zur besten Essenszeit beginnt auch das abendliche Kulturprogramm. Le Silo, einst größtes Getreidesilo Frankreichs, lockt mit Tanz, Theater und Dachblick aufs Dockviertel. Das nahe Théâtre Joliette-Minoterie hat sich als Bühne für zeitgenössische Inszenierungen einen Namen gemacht.

Sprungbrett am Meer: la Villa Méditerranée. Foto: Hilke Maunder

Wie ein 16 m-Sprungbrett ragt die Villa Méditerranée neben dem MuCEM auf – und unterhält mit Ausstellungen, Kino und Vorträgen im Unterwasserauditorium. Einblicke in Marseilles lebendige Subkulturen bietet La Friche la Belle de Mai.

La Friche Belle de Mai residiert in einer ehemaligen Tabakfabrik. Foto: Hilke Maunder

Die ehemalige Tabakfabrik lockt heute mit Kino und Kulturevents, Studios und Büros von z.B. Marseilles Radiosender La Grenouille, Skaterpark, angesagtem Café (EG) und Restaurant Les Grandes Tables im OG.

Street-Art und Skating: das Open-Air-Gelände der Friche. Foto: Hilke Maunder

Verpasst auch nicht die riesige Dachterrasse mit anderen, ungewohnten Aussichten auf Marseille, Bar und Bühne. Mein Portrait der Friche Belle de Mai findet ihr hier im Blog.

Die Dachterrasse der Friche Belle de Mai. Foto: Hilke Maunder

… oder große Küche?

Keine Fischsuppe ist so geheimnisumwoben wie Marseilles Bouillabaisse. Was neben sieben Edelfischen, Felsenfischen, Fenchel und Safran zum Suppenklassiker gehört?

Bei Chez Fonfon der Paradeblick aufs Meer! Einen Michelinstern schmückt auch die traditionsreiche Gaststätte Chez Michel an der Plage des Catalans, Pilgerziel der Bouillabaisse-Fans wie Le Rhul.

Sieben Edelfische gehören in die Bouillabaisse. Foto: Hilke Maunder

Leckere preisgünstige Küche und abwechslungsreiche Kultur, Tapas und Tanz verbindet das Multikulti-Restaurant Mundart in der Rue de la Joliette – donnerstags stehen Apéros Linguistiques auf dem Programm. Freitags gibt es Jazz. Sonnabends könnt ihr das Tanzbein schwingen!

22 Uhr: Rein ins Nachtleben

Marcel Pagnol war Stammgast in der Hafenbar Le Marine (15, Quai de Rive Neuve). Eine großartige Weinbar mit riesiger Auswahl ist La Part des Anges (33, Rue Sainte). Nachts wird im Bazar abgehottet.

Malerisch: Le Panier am Abend. Foto: Hilke Maunder

24 Uhr: Bonne nuit

Glücklich, erschöpft und voller neuer Eindrücke geht’s ab in die Federn – ganz stylisch in Philippe Starcks Budgetbude Mama Shelter. Oder schlicht edel im C2, das Luxus neu definiert hat.

Für alle, die die neue Hafenfront erkunden wollen, sind das Best Western-Hotel La Jolietteund das schicke Intercontinental Hôtel-Dieu oberhalb des Vieux-Port perfekt gelegen.

Ein typisches Zimmer im Hôtel C2. Foto: Hilke Maunder

Tag 2: Inseln & Shopping

8 Uhr: Café & Croissant

… zum Beispiel auf der Terrasse des Café de l’Abbaye (3, rue d’Endoume) – glutrot steigt die Sonne über dem Vieux-Port auf. Oder setzt euch in oder vor die Maison Vauban von Victor Parodi, einem kleinen Café im Hipster Look. Retro und Zeitgeist verbinden sich zu einem gemütlichen Ambiente, das mir so gut gefallen hat, dass ich auch mittags Stammgast wurde.

Auch für mittags habe ich einen Tipp im Vauban-Viertel. Macht eure Pause im Restaurant Sepia von Paul Langlere in der Rue Vauvenargues, wo sich feinste Bistronomie mit grandiosen Ausblicken auf Marseille verbinden.

Die dritte Lieblingsadresse im Vauban-Viertel: JoggingJogging, der Concept Store von Oliver Amsellem und Charlotte Bunet in der Rue Paradis. Zu den Trendlabels wie Jaquemus, JW Anderson, Alyx und Maryam Nassir Zadeh im Shop gehört ein Hinterhofgarten.

Dort trefft ihr die die Locals werktags zum Mittagessen – und am Wochenende zum Brunch.

8.30 Uhr: Notre Dame de la Garde

„La bonne mère“: Notre Dame de la Garde. Foto: Hilke Maunder

Auf einem 154 m hohen Hügel wacht seit 800 Jahren die vergoldete Jungrau von Notre Dame de la Garde über Marseille. Auf dem Weg zum Wahrzeichen liegt mit dem Jardin de la colline Puget der älteste Park von Marseille.

Rot-weiß gestreifter Marmor, funkelnde Blattgold und feinste Fresken und Mosaik: Wie ein Märchen aus 1001 Nacht wirkt der neobyzantischenPrunk von Notre-Dame de la Garde! Foto: Hilke Maunder

Für die Mühen des Aufstiegs hinauf zur „La Bonne Mère“ entschädigt der Traumblick auf das Häusermeer, die Küste und die Bergketten im Hinterland. Und das prunkvolle Innere der byzantinischen Basilika – ein Märchen aus 1001 Nacht in glitzerndem Gold!

Ist er nicht wunderschön, der Ausblick von Notre Dame de la Garde auf Marseille? Foto: Hilke Maunder

Einen Stopp auf dem Rückweg Richtung Hafen wert: retour elles, das kleine Boutique-Café von Charlotte und Serena mit Schmuck und Deko, Mode und Schuhen, Bagels, Brunch und bestem Tee.

10.30 Uhr: Ab ins Inselreich

Von der Sonne verbrannt, von Wind und Wellen geformt, das sind Pomègues, Ratounneau, Tiboulen und If, vier Inseln aus Kalk in der Bucht von Marseille mit einer Handvoll Restaurants, Jachthafen, Meerbarsch-Zucht.

Château d’If. Foto: Hilke Maunder

Und dem Château d’If, das Franz I. zum Schutz des Marseiller Hafens errichten ließ. Als Kerker von José Custodio Faria, dem „Grafen von Monte Cristo“, machte Alexandre Dumas das Felsinselchen weltberühmt.

Zum Archipel von Frioul legt der Frioul-If-Express vom Vieux Port ab. Manchmal begleiten Delfine die Fähre.

15 Uhr: Zeit für Shopping

Mekka für Street Art und urbanen Lifestyle: Cours Julien. Foto: Hilke Maunder

Designerläden und Concept Stores wie Oogie sind im Szeneviertel La Plaine zu finden, das auch mit einem Wochenmarkt und angesagten Cafés; Bars und Restaurants lockt. Der nahe Cours Julien ist ein Mekka für Street Art!

Ganz schön feurig, die Street Art am Cours Julien. Foto: Hilke Maunder

Seit den 1980er-Jahren beleben dort auch Start-ups von Designern Marseilles alte Textiltradition. Marken wie Diable Noir, Casablanca und Zaza of Marseille waren die Avantgarde, während Sessún, American Vintage und Le Temps de Cérises für frischen Wind sorgen.

Angesagte Modeboutique: Sessún. Foto: Hilke Maunder

Wie die berühmte Seife aus Marseille hergestellt wird, könnt ihr wenige Schritte weiter in der Savonnnerie de Licorne entdecken. Hier habe ich euch die bis heute handwerkliche Fertigung vorgestellt.

Der klassische Kubus der savon de Marseille enthält mindestens 72 Prozent Olivenöl und nur natürliche Bestandteile. Foto: Hilke Maunder

Originelle Geschäfte gibt es auch in der nahen Rue du Paradis und in der exquisiten Rue Grignan (Tipp: die Sonnenstoffe von Souleiado), die besten Antiquitätenläden der Stadt im Quartier Préfecture.

Ebenfalls sehr beliebt zum Shopping ist das Quartier d’Opéra hinter der Oper. Größtes Einkaufszentrum der Region Provence Alpes-Côte d’Azur (PACA) ist Le Grand Littoral mit mehr als 200 Geschäften – und prall gefülltem Erlebnisprogramm, zu dem Spielfelder für Pétanque und Fußball, Kinderanimation und kostenlose Konzerte gehören.

19 Uhr: Sportlicher Apéro

Nach Sightseeing und Shopping erfrischen ein paar Runden im „Bain de Mer“, einem Freibad mit Strandbistro. Seit 1854 treffen sich die Einheimischen zum Apéro im Le Petit Pavillon.

20 Uhr: Schlemmen am Meer

Im L’Epuisette inszeniert Guillaume Sourriau kulinarische Kunstwerke und serviert bei einer neungängigen „balade gastronomique“ die Aromen des Mittelmeeres als sinnesbetörende Gabelhappen.

Die Corniche von Marseille mit dem Dreisternerestaurant Le Petit Nice von Gérard Passédat. Foto: Pressebild, Copyright OTCM

21.30 Uhr: Flanieren mit Fernblick

Der Spazierklassiker ist die fünf Kilometer lange Promenade „La Corniche“. Genießt die Paradeblicke auf die bunt bemalte „pointus“-Fischerboote im Vallon des Auffes, die Klippenküste und den Frioul-Archipel. Der Spazierung ist besonders zum Sonnenuntergang wunderschön!

Das wohlhabende Bürgertum liebte diese Aussicht und errichtete prachtvolle Villen wie Valmer (1865). Das prachtvolle Villa Château Berger (1890) ist heute ein Spa mit Hamam, Antistress-Behandlungen und Thalassotherapie.

23 Uhr: Husch, in die Betten

Die Dachterrasse der Cité Radieuse. Foto: Hilke Maunder

Philippe Starck hat Mama Shelter gestylt, Le Corbusier in den fünfziger Jahren in der Architektur-Ikone Cité Radieuse. Die vertikale Stadt mit Traumausblicken auf Marseille und die Küste birgt auch ein Hotel mit 21 Zimmern.

Die Unterkünfte im Hôtel Le Corbusier* sind mal schlicht und einfach, mal komfortabler – und einige punkten sogar mit Loggia und Blick aufs Meer.

Ein typisches Zimmer des Hôtel Corbusier. Foto: Hilke Maunder

Fitnessraum, Sauna und Tennisplatz dürfen alle Gäste des Hôtel Le Corbusier* kostenlos nutzen. Das Hotelrestaurant hofft auf den ersten Michelinstern.

Das Restaurant des Hôtel Corbusier. Foto: Hilke Maunder

Tag 3: Das grüne Marseille

8 Uhr: Fotofrühstück

Fast alle Cafés in Marseille öffnen erst um zehn Uhr. Im Polikarpov am Cours Honoré d’Estienne d’Orves jedoch  könnt ihr schon morgens um acht ausgiebig frühstücken und dabei Fotoausstellungen betrachten. Und das sommers wie winters!

Auch im Winter schon morgens gut besucht: das Café Polikarpov. Foto: Hilke Mauder

9 Uhr: Ab in die Calanques

Kalkweiße Felsen, azurblaues Wasser, helle Strände, steile Klippen, Pinienduft und leichte Brise: die Calanques, eine Kette von Minifjorden zwischen Marseille und Cassis, sind einzigartige Naturparadiese. Entdecken könntihr sie auf zwei und 3,5-stündigen Törns, die am Vieux-Port starten.

Einfach paradiesisch: die Calanques von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Die Calanques schützt Frankreichs einziger Nationalpaar mit Schutzzonen an Land wie im Meer. Und er gehört ganz und gar zum Stadtgebiet von Marseille! Klickt mal hier für Infos und Impressionen!

Bei der Calanque-Safari mit Segelboot oder Katamaran gehört der Sprung ins Wasser mit dazu. Um die Natur aus nächster Nähe zu beobachten, gibt es nichts Besseres als Halbtages- und Tagestouren im Seekajak.

Die Calanque von Morgiou. Foto: Hilke Maunder

Taucher entdecken 1991 in den Calanques in 35 Meter Tiefe eine Höhle mit urzeitlichen Zeichnungen. Heute ist sie gesperrt, die Unterwasserwelt aber noch immer ungeheuer beeindruckend. Schnorcheln und Tauchgänge im klaren Wasser bieten zahlreiche Klubs und Vereine.

Die malerische Küste ist auch äußerst beliebt bei Wanderern und Kletterern, die bei Les Goudes, Marseilleveyre, Sormiou, Morgiou, Luminy, und La Gardiole gesichert mit Seilen am Fels kleben.

Kletterer in den Klippen von Sormiou. Foto: Hilke Maunder

17 Uhr: Flanieren auf der Promenade

Zurück in Marseille, leuchten die Fassaden des Quai du Port im Licht der Sonne. Gibt es eine schönere Einladung, noch einmal am Vieux-Port zu bummeln, auf der Promenade Louis Brauquier den Sockel des Fort Saint-Jean zu umrunden und Abschied vom alten Hafen zu nehmen?

Bummelpromenade am Vieux-Port im Schatten des Fort Saint-Jean. Foto: Hilke Maunder

20 Uhr: Junge Provence-Küche

Ein Jungdreißiger ist er, und kocht so göttlich, dass selbst etablierte Sterneköche ins Schwärmen geraten: Ludovic Turac ist Marseilles „rising star“ – und verjüngt im Table du Sud am Vieux-Port so kreativ wie raffiniert provenzalische Klassiker.

Das Paradies von Marseille findet ihr im Prado-Stadtviertel – dort liegt die Rue du Paradis. Foto. Hilke Maunder

Hier könnt ihr schlafen!*

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In Le Panier haben viele Kreative ihre Ateliers für Besucher geöffnet. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

Der Winter endet in Marseille mit der Segnung der Navettes. Ganz besonders eng mit Marseille verbunden, fühlt sich der Komponist und Sänger Jean Caprice.  Die Olivenölseife aus Marseille ist weltberühmt. Wo & wie sie bis heute handgefertigt wird, erfahrt ihr bei dem Besuch von traditionsreichen Seidensiedereien wie der Savonnerie de Licorne.  Als Szeneviertel und Street-Art-Hochburg gilt der Cours Julien von Marseille.

Den Melting Pot Marseille in seiner ganzen Vielfalt und Farbigkeit von Menschen und Kulturen, Küchen, Kunst und Handwerk erlebt ihr in Noailles.  Das älteste Viertel von Marseille heißt Le Panier.  Le Corbusier baute in Marseille die Cité Radieuse. Heute gehört das „Haus des Verrückten“ zum Welterbe.  La Friche Belle de Mai war einst eine Tabakfabrik. Heute brummt hier die Kultur – und auch die Küche kommt nicht zu kurz.  Vor den Toren der Stadt liegen die wundervollen Klippen und Badebuchten der Calanques.

Im Buch

Marseille, mon amour

Marseille. Man kann es verabscheuen. Sein Chaos hassen, seine fehlende Disziplin, seine Anwohner, die sich anschreien und beschimpfen. Die Gewalt, die Diebe und die Dreistigkeit, mit der sie alten Damen auf offener Straße ihre Handtaschen entreißen. Die jungen Männer, die mit Drogen dealen und sich gegenseitig mit ihren Kalaschnikows erschießen. Marseille? Man kann es lieben. Für seine Energie, seine Freiheit, seine rebellische Haltung… Marseille ist eine Stadt der Extreme.

So schreibt Michel Henri, Journalist der Libération, im Vorwort zu dem kleinen, feinen Bildband Marseille mon amour*von Marcel Antoni, der im Dezember 2012 im Georg Pawlowski Verlag, München, erschien. Keine Hochglanz-Hommage an die neuen Viertel aus Glas und Stahl im politisch korrekten Look der internationalen Moderne.

Marseille. Mon amour. Ein schmaler, besonderer Band, Mit Streiflichter und Momentaufnahmen aus einer Stadt, die in keine Schablone passt, nie steril sein wird. Sondern immer voller Farben und Gerüchte, oft arm, aber immer stolz. Ein Melting Pot der Mittelmeerkulturen, deren Vielfalt auch Thema des Kulturhauptstadtjahres 2013 war. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence: Das Licht des Südens*

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas ProvenceIn meinem DuMont Bildatlas Provence: Das Licht des Südens* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.

Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen könnt – oder ihr ganz aktive das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Einmal bitte träumen!

DuMont-Bildband Südfrankreich„Le Grand Süd“ nennen die Franzosen die weite Region ihrer Mittelmeerküste. Gemeinsam mit Klaus Simon und Rita Henß als Co-Autoren präsentiere ich im DuMont Südfrankreichdie vielen Facetten des Südens zwischen der Provence und den Pyrenäen in unterhaltsamen Stories und auf Infoseiten.

Großformatige Bildseiten machen diesen Band zu einem tollen Geschenk für Frankreich-Freunde. Oder euch selbst! Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hierdirekt bestellen.

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10 Kommentare

  1. Das denke ich mir auch, in Paris ist das zum Glück weniger ein Problem. Da gibt es vieles auch auf Englisch und auch in den Cafes, Restaurants und Bars kommt man mit Englisch gut zu recht. In Toulouse war das zB schon schwieriger…die großen Museen hatten aber eigentlich immer Audioguides in verschiedenen Sprachen. Liebe Grüße, Judith

    • In Toulouse gibt es in allen großen Museen inzwischen Audioguides in vielen Sprachen, nur die kleinen Sammlungen nur auf Französisch beschildert. Auch Marseille hat da enorm aufgeholt. Musst einfach mal wieder in den Süden :-). Bises! Hilke

  2. Wir haben erst die Notre Dame bestiegen und am nächsten Tag das MuCem aufgesucht. Dadurch hatten wir die strategische Lage der beiden Forts von oben gesehen und waren noch mehr beeindruckt von der Transformation, die mit einer einmaligen Megasumme erzielt worden ist. Die Forts dienten dem Sonnrnkönig auch zur Unterdrückung der Marseiller, es muss furchtbar ausgesehen haben vor dem Museumsbau. Dieser Architekt hat ein filigranes Meisterwerk erschaffen. Selbst bei Regen fasziniert ein Gang durch die Wabenstruktur. Leider war die Austellung „Isles“ mal wieder nur auf französisch, wie ich diese Arroganz hasse!

    • … dann geht mal in deutsche Museen… fast immer auch nur auf Deutsch… es sollte weltweit Standard sein, das mindestens noch eine (weitere) Weltsprache den Inhalt darstellt. In Hamburg wie in Marseille wie in Timbuktu…

  3. Der Beitrag und die Fotos sind absolut top! Ich bin jetzt noch mehr ergriffen nach so einer schönen Stadt ziehen zu können dank meiner Praktikum. Vielen Dank und mach bitte weiter

  4. Wir waren am 1.Juni-Wochenende 2015 in Marseille. Schade, dass wir Ihren Beitrag erst jetzt gefunden haben. Wir hatten Glück: Am 1. Sonntag im Monat sind in Frankreich die Museen kostenlos. Das haben wir für das MuCem ausgenutzt. Schon die Architektur des 21. Jhdts. und deren Verknüpfung mit dem mittelalterlichen Fort Saint-Jean ist einfach genial. Auch das interaktive Ausstellungskonzept hat uns begeistert. Der neugestaltete Stadtteil La Joliette wirkt noch ein bisschen kühl und wartet sicherlich noch auf Mieter oder Käufer von Wohnungen und Geschäften. Wir haben dort im B&B-Hotel preiswert und ordentlich übernachtet (sogar mit Tiefgarage – in dieser Gegend nicht zu verachten).

    • Hallo Ute und Jürgen,
      ja, die B&B-Hotels sind wirklich preiswerte Unterkünfte, in denen man gut übernachten kann – auch für andere Ecken Frankreichs kann ich sie empfehlen. La Joliette wird jeden Tag ein wenig vielseitiger und lebendiger …! Es ist ungeheuer spannend, wie sich Marseille verändert!

  5. Das MuCEM kann auch ich nur empfehlen, auch und gerade für junge Leute! Auch wenn man kein großer Museumsgänger ist, dieses Haus besticht durch seine Interaktivität und seinen Abwechslungsreichtum. Hier dürfte sich niemand langweilen,

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