Mariä Lichtmess: Marseille futtert „navettes“

Die Navette von Marseille

Navettes, Schiffchen, heißen die süßen Botschafter aus Marseille, die traditionell zur Mariä Lichtmess bei der Fête de la Chandeleur alljährlich am 2. Februar gesegnet und genossen werden. Mariä Lichtmess markiert den Tag, an dem die Tannenbäume aus den Kirchen geräumt und die Krippenfiguren verpackt werden. Es ist das letzte Fest in der Weihnachtszeit.

Das Datum berechnet sich vom 25. Dezember her, denn zählt man vom 1. Weihnachtstag 40 Tage weiter, kommt man zum 2. Februar. 40 Tage sind ein traditionelles Zeitmaß in christlich-jüdischen Kalender und finden sich beispielsweise auch in den 40 Tagen der Fastenzeit wieder.

Die schwarze Madonna

Früher durfte das längliche Gebäck mit dem feinen Orangenblütenaroma, das ursprünglich aus dem Maghreb stammt, nur zur kirchlichen Feier am 2. Februar  gebacken werden. Einer frommen Legende zufolge soll ihre Form an die kleine Barke erinnern, mit dem der Heilige Lazarus und seine Schwestern Marthe und Madeleine einst in der Hafenstadt gelandet sind.

Wenn noch die Dunkelheit die Straßen umhüllt, wird frühmorgens die Schwarze Madonna von Saint-Victor durch die Straßen getragen. Mit einer brennenden, grünen Kerze in der Hand folgt das Volk der Heiligen, und steigt gegen fünf Uhr früh vom Quai des Belges hinauf zur Abtei, wo der Erzbischof von Marseille die noch warmen, ofenfrischen Schiffchen segnet.

Die Hüter des Traditionsgebäck

Das Geheimnis ihrer Herstellung wird seit 1781 streng von wenigen Bäckereien gehütet: der Four des Navettes nahe der Abtei Saint-Victor, die sich rühmt, Marseilles älteste Bäckerei zu sein, und der Bäckerei Les Navettes des Accoules im Quartier Le Panier von José Orsoni (Fotos), für mich die beste der Bäckereien.

Neben den Navettes ruhen in Körbchen auch andere typische provenzalische Kekse, mal saftig wie die Macarons aus Mandeln, Ei und ohne Mehl, oder hart und knusprig wie die Croquants, Canistrelli und Cucciole, die in den Kaffee oder Tee gestippt werden.

Zu den Fans des Traditionsgebäcks von Marseille gehörte auch ein Karikaturist von Charlie Hebdo, der der Bäckerei „Les Navettes des Accoules“ eine Originalzeichnung widmete: Charb.

Das Rezept zum Nachbacken !

Zutaten

  • 500 g Mehl
  • 200 g Zucker
  • 2 Eier
  • 80 ml Olivenöl
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Biozitrone (Schale)
  • 3 El Eau de Fleur d’Oranger
  • 1 Prise Salz
  • evtl.Milch zum Bepinseln

Zubereitung

Mehl, Salz, Zucker, Vanillezucker und Salz in eine Schüssel geben, In einer zweiten Schüssel Eier und Olivenöl verquirlen. Die Schale einer abgewaschenen Biozitrone fein darüber reiben. Eier-Öl-Mix mit dem Mehl klumpenfrei vermengen. Der Teig sollte glatt und geschmeidig, aber noch fest sein – mindestens fünf Minuten lang kräftig kneten, danach ruhen lassen, mindestens 15 Minuten.

Dann den Ofen auf 180 ° Celsius vorheizen. Den Teig zu 1,5 cm dicken Rollen formen, jene in 4 cm lange Stücke schneiden., die Ende mit Zeigefinger und Daumen zusammendrücken und mittig mit dem Messer einschneiden. Jetzt müssten eure Kekse die traditionelle schmale Schiffchenform haben!

Im Ofen auf mittlerer Schiene backen, bis sie goldbraun sind. Ich liebe sie noch lauwarm… aber korrekt futtert man sie kalt, wenn sie erhärtet sind, und tunkt sie in Tee, Kaffee oder Wein. Nimmt man statt Öl Butter, werden sie weicher. Mir gefallen die traditierte Zubereitung besser.

Lecker ist es auch, den Grundteig mit gemahlenen Mandeln, Anis oder anderen Aromen zu verändern. Probiert es einfach mal aus!

Ok, José Orsoni wäre wohl leicht entsetzt, wenn er die letzten Zeile lesen würde…

Hier gibt es die echten Navettes

Le Four des Navettes

•  136, rue Sainte, F – 13007 Marseille, Tel. 04 91 33 32 12, www.fourdesnavettes.com.

Les Navettes des Accoules

• 68, rue Caisserie, F – 13002 Marseille, Tel. 04 91 90 99 42, www.les-navettes-des-accoules.com

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4 Kommentare

      • Ja, ich habe mich in Marseille verliebt! Allerdings, die Navettes schmecken mir nicht…aber sonst liebe ich alles an Marseille!!!
        Ich muss mal wieder hin!!!
        Hilke, alle Deine Beiträge sind so toll, man erfährt so Vieles, das sonst nirgends steht!

      • Liebe Christel,
        hach, danke! Und ja: Auch ich mochte die Navettes zunächst nicht, waren mir zu hart und zu ungewohnt im Geschmack. Doch jetzt liebe ich sie, stippe sie in Tee oder Rotwein – und freue mich, wenn beim Weichwerden sich der Süden offenbart. Liebe Grüße! Hilke

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