La Chandeleur: Der Tag der Crêpes

Crêpes für alle: die Crèperie "La Fleur du Blé", 2-4 rue Edouard Herriot, in Hennebont. Foto: Hilke Maunder
Crêpes für alle: die Crèperie La Fleur du Blé in Hennebont. Foto: Hilke Maunder

40 Tage nach Weihnachten ist es so weit: Ganz Frankreich isst Crêpes. Denn der 2. Februar ist ein christlicher Feiertag. La chandeleur nennen ihn die Franzosen.

In Deutschland ist er den Katholiken als Mariä Lichtmess bekannt. Und doch auch bei uns seit der Liturgie-Reform 1970 aus dem Alltag schon fast verschwunden. Denn seitdem endet die Weihnachtszeit für die meisten schon am Sonntag nach dem Dreikönigstag am 6. Januar.

Vom katholischen Fest zum landesweiten Brauch

In Frankreich indes wird la chandeleur als eines der ältesten Feste der Christen von den Katholiken noch zelebriert. Spaß daran habe längst auch andere, nicht-katholische Franzosen. Zumal Supermarktketten daraus eine kommerzielle Werbeaktion gemacht haben.

Bis zur Decke stapeln sich im Carrefour unseres Ministädtchens die Crêpes-Pfannen. An der Kasse liegen Berge an Zetteln mit Werbung für die Zutaten, die Pfannen und das perfekte Crêpes-Rezept für la chandeleur aus.

Die Église Saint-Joseph von Le Havre. Foto: Hilke Maunder

Das Kerzen-Fest

Seit dem 5. Jahrhundert wurde es in Jerusalem gefeiert. 650 n. Chr. machte es Rom sogar zum offiziellen Feiertag. Spätestens dann ist es Zeit, die Krippe fortzuräumen – und den Tannenbaum zu entsorgen.

Der Name des Festes verweist auf die chandelle, die Kerze. Und damit zugleich an die Bräuche und Bauernregeln, die mit dem Tag verbunden sind. Seit mehr als 1000 Jahren werden am 2. Februar in Frankreich die Kerzen gesegnet, die die Familien und Kirchen für das neue Kirchenjahr benötigen.

Wachsmärkte, Lichtermessen und Kerzenprozessionen kamen im 11. Jahrhundert auf. Meist waren es die Kinder, die mit den Kerzen durch die Gassen zogen. Und danach, zur Feier des Tages, süße Crêpes futtern durften.

Rouen: in der Kathedrale von Rouen. Foto: Hilke Maunder
Das Kirchenschiff der Kathedrale von Rouen. Foto: Hilke Maunder

Bauernregeln und Bräuche

Zu Lichtmess erhielten einst die Dienstboten ihren Jahreslohn. Und hatten bis Agatha (5.2.) drei Tage frei. Auf den Feldern war die Winterpause beendet. Nicht wenige Wetterregeln sind daher mit dem Tag verknüpft.

Neige et vent à la Chandeleur, printemps proche
Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.

A la Chandeleur, l’hiver se meurt ou prend vigueur.
An Mariä Lichtmess verabschiedet sich der Winter – oder gewinnt an Kraft

Quand pour la Chandeleur le soleil est brillant, il fait plus froid après qu’avant
Wenn zu Lichtmess die Sonne scheint, ist es danach kälter als zuvor.

Ein Bogen zum Martinstag im November schlägt diese alte Bauernregel

Martin allume la lumière; Marie l’éteint à nouveau
Martin zündet das Licht an; Maria bläst es wieder aus.

Crêpes-Bäckerin im picardischen Saint-Quentin. Foto: Hilke Maunder
Crêpes-Bäckerin im picardischen Saint-Quentin. Foto: Hilke Maunder

La chandeleur: das perfekte crêpes-Rezept

Crêpes sind so kreisrund für die Sonne. Das macht sie in Frankreich zum Licht und geliebten Symbol für das Ende der dunklen Winterzeit.

Zutaten (ca. 20 dünne crêpes)

  • 250 g Mehl
  • 500 ml Milch
  • 100 ml Wasser
  • 2 Eier
  • 1 TL Speiseöl
  • 1 TL grobes Salz
  • 1 Vanilleschote (altern. 1 TL Vanillezucker)
  • wer mag: 1 TL Kristallzucker

Zubereitung

  • Alle Zutaten zu einem glatten Teig vermengen.
  • Den Teig mindestens eine Stunde lang ruhen lassen, am besten im Kühlschrank.
  • Den bilig  bzw. die Crêpes-Pfanne erhitzen und mit Öl auspinseln. Eine kleine Kelle Teig hineingeben und mit dem rateau oder rouable bzw. Pfannenwender sofort dünn ausstreichen.
  • Abbacken, bis die crêpe goldbraun ist. Dann mit der spatule bzw. dem Pfannenwender vorsichtig vom Untergrund lösen und wenden. Die zweite Seite goldbraun backen.
  • Mit Butter und Zucker, Zucker und Zitronensaft, Nutella, Karamell, Salzbutter oder gerne auch mit Cointreau, Grand Marnier (crêpes Suzette), Rum oder Armagnac genießen. Bon appétit !

Keine Geldsorgen mehr!

Beim Wenden und Werfen der Crêpes muss man eine Goldmünze in der Hand halten. Dann geht das Geld das ganze Jahr hindurch nicht aus, heißt es in Frankreich. Bonne chance !

Crêpe beurre caramel, mit Salzkaramellbutter. Foto: Hilke Maunder
Köstlich: eine crêpe beurre caramel mit Salzkaramellbutter. Foto: Hilke Maunder

Gibt’s Glück ?

Sind euch die Crêpes gelungen? Dann habt ihr vielleicht das ganze Jahr hindurch Glück. Denn auch das verspricht der Volksmund:

Celui qui retourne sa crêpe avec adresse, qui ne la laisse pas tomber à terre ou qui ne la rattrape pas sous la forme navrante de quelque linge frippé, celui-là aura du bonheur jusqu’à la Chandeleur prochaine

Wer seinen Pfannkuchen geschickt umdreht, wer ihn nicht auf den Boden fallen lässt oder ihn nicht in Form von zerknülltem Leinen auffängt, der wird bis zur nächsten Lichtmess glücklich sein.

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Zu Füßen des Eiffelturmes werden köstliche Crêpes gebacken! Foto: Hilke Maunder

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11 Kommentare

  1. Liebe Frau Maunder,
    toll – dank dieses interesannten Beitrags habe ich heute das perfekte Dessert für mein Mittags-Menue. Der Teig für meine Crêpes Suzette ruht schon im Kühlschrank. Somit wird der 2.Februar heute auch für mich zum Feiertag. Vielen Dank !

    Liebe Grüße
    Elisabeth

  2. Liebe Hilke, danke für den neuen Beitrag. Crepes kenne ich und unsere Enkelin backt immer crepes sucre mit meiner Frau. Heute ist natürlich nach deinem Bericht auch bei uns La chandeleur. Ich war vor einer Woche in Paris und habe die Stadt aus einer Penthousewohnung genossen,

  3. Liebe Hilke, ich genieße Deine Berichte im wahresten Sinn dieses Wortes. Es kommt bei mir immer mehr Vorfreude auf, zu unserer Reise im kommenden Herbst, entlang der Rhone.
    Viele herzliche Grüße Brigitte

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