Radeln im Nebbiu. Foto: Hilke Maunder
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Korsikas Nebbio: per E-Bike nach Saint-Florent

Dicke Wolken brauen sich an diesem Morgen über dem Étang de Biguglia zusammen. Das Nebbio, Korsikas vernebeltes Bergland im Nordosten der Insel, will erst erobert werden. Mit dem E-Bike geht es von der größten Lagune der Insel hinauf zu einer Schlucht, einer Münzstätte der Rebellen, zwei Kirchen aus grünem Stein – und einem Märtyrer, der seit 250 Jahren in einem gläsernen Sarg schläft.

Acht Kilometer südlich von Bastia liegt sie: die größte Wasserfläche Korsikas, kaum einen Meter tief, aber 1.450 Hektar groß, eingebettet in ein 1.790 Hektar großes Naturschutzgebiet. Elf Kilometer zieht sich der Étang de Biguglia an der Ostküste entlang, an seiner breitesten Stelle 2,5 Kilometer. Fünf Flüsse speisen die Lagune, und nur eine Schieferschicht am Grund verhindert, dass die Erosion einen tieferen Graben gräbt. Seit 1994 steht das Gebiet unter Schutz. Mehr als 200 Vogelarten nisten, rasten oder überwintern hier – Kormorane, Eisvögel, Rohrweihen, im Sommer sogar Rosaflamingos. Sumpfschildkröten ziehen still durch die Entwässerungskanäle. Ein Naturparadies, ein Geheimtipp – doch heute bleibt keine Zeit dafür. Die Führerin will los, hinauf ins Nebbiu, das sich hinter Nebelschwaden versteckt.

Goldschüssel mit Nebelschwaden

Das Nebbio erstreckt sich im Nordosten Korsikas, eingerahmt von vier völlig unterschiedlichen Nachbarn: im Norden Sandstrände und Felsküste am Mittelmeer, im Osten die kastanienreiche Castagniccia, im Süden das menschenleere Ödland der Déserts des Agriates, im Westen die sanfte Balagne. Sein Name kommt nicht von ungefähr: nebbia heißt Nebel auf Italienisch, und tatsächlich hängen über dem Talkessel, den hier alle die Conca d’Oro, die „goldene Schale“, nennen, oft graue Schwaden, während rundherum die Sonne scheint.

Das Mountainbike mit Elektromotor, das an diesem Morgen zur Verfügung steht, ist für norddeutsche Körpermaße deutlich zu klein geraten, der Lenker sitzt tief. Werkzeug zum Verstellen gibt es nicht – das war beim Radverleih schlicht nicht vorgesehen. So ist Improvisation gefragt: Lenker mit einer Hand halten, auf dem Sattel ganz nach hinten rutschen, und los geht es bergauf.

Kleines Rad, große Leistung

Typisches E-Bike im Verleih von Biguglia. Foto: Hilke Maunder
Typisches E-Bike im Verleih von Biguglia. Foto: Hilke Maunder

Nach den Erfahrungen der ViaRhôna, der 815 Kilometer langen Radwanderroute vom Genfer See zum Mittelmeer, ist die Antriebsunterstützung eines E-Bikes vertraut. Trotzdem überrascht, wie leicht dieses E-Mountainbike die Straße nimmt – bei einer durchschnittlichen Steigung von 4,2 Prozent, stellenweise bis zu acht Prozent, und das bereits bei der niedrigsten Motorleistung, der „Schneckeneinstellung“. schon Antriebsunterstützung gewohnt, bin ich doch erstaunt, wie leicht dieses E-Mountainbike die Straße nimmt, die eine durchschnittliche Steigung von 4,2 Prozent aufweist, stellenweise auch acht Prozent. Und das bereits bei der „Schneckeneinstellung“ und der geringsten Motorleistung.

Die Strecke folgt der D62, einer gewöhnlichen und von Einheimischen recht flott befahrenen Landstraße. Als schmales Band bricht sie aus dem grünen und grauen Schiefer. Für Laster und Wohnmobile ist die Strecke tabu, aber selbst Auto fahren möchte ich hier nicht. Schon mit dem Rad ist es eine Straßenführung mit leichtem Nervenkitzel. Markierte Radwege und ausgebaute Radrouten sind auf Korsika noch Mangelware, am ehesten finden sie sich rund um die touristischen Zentren der Küste.

Spektakuläre Schluchtenroute

Unterwegs im Nebbiu. Foto: Hilke Maunder
Der Défilé de Lancone. Foto: Hilke Maunder

Flott nähert sich unsere kleine Gruppe dem Défilé de Lancone. 120 Meter tief hat sich der Bevinco, ein Fluss mit bescheidenem Wasserstand und gewaltiger geologischer Vergangenheit, in das Gebirgsmassiv eingeschnitten. Hinter einer Handvoll Häusern – die Karte nennt den Weiler Casatorra – öffnet sich der Blick zurück: erst der Étang de Biguglia, dahinter schon das offene Mittelmeer. Ein Panorama, das jede Anstrengung der vorigen Kilometer aufwiegt.

Die spektakuläre Schlucht endet kurz vor dem Col de San Stefano. Fünf Straßen münden in den Kreisverkehr an der Passhöhe, 368 Meter über dem Meer. Statt der Hauptroute zu folgen, geht es auf einem Abstecher weiter bis Murato. Unterwegs liegt, aus 475 Metern Höhe, plötzlich die Westküste zu Füßen – und tief unten, kaum mehr als ein heller Punkt, taucht Saint-Florent auf, das Etappenziel des Tages.

Nebbiu; Der Blick vom Col de San Stefano auf die Westküste mit Saint-Florent. Foto: Hilke Maunder
Der Blick vom Col de San Stefano auf die Westküste mit Saint-Florent. Foto: Hilke Maunder

Murato: Münzstätte der Rebellen

Das pittoreske Bergdorf Murato, mit kaum 600 Einwohnern eines der größeren Nebbio-Dörfer, hat eine bewegte Geschichte. Hier schlug Pasquale Paoli – u Babbu di a Patria, „der Vater des Vaterlandes“, wie ihn die Korsen bis heute nennen – während seines Kampfes um die Unabhängigkeit der Insel vorübergehend sein Hauptquartier auf. In Murato ließ er auch die erste eigene korsische Münze prägen.

Im Palazzu di a Moneta, der bis heute als A Zecca bekannten Münzstätte, entstanden ab 1762 Soldi mit dem Profil des Tête de Maure, des Maurenkopfs, den Paoli zum Symbol der jungen Republik machte. Aus dem alten Sklavensymbol mit verbundenen Augen formte er ein Zeichen der Freiheit: Das Stirnband wanderte von den Augen auf die Stirn. Bis heute ziert dieser Kopf Korsikas Flagge.

Von April bis September und über Weihnachten verkauft die Casa di l’Artigiani in Murato korsisches Kunsthandwerk. Im Dorf wird zudem Brot nach alter Bauerntradition gebacken: Scaccie, Scacettes und Miche heißen die knusprigen Spezialitäten, die in Korsika zu den bekanntesten Brotsorten überhaupt zählen. Käse und Erzeugnisse aus eigener Schlachtung gibt es bei Madame Vinci – ruft vorher kurz auf dem Handy an, Tel. 06 10 56 76 88.

Das Wahrzeichen von Murato

Berühmtestes Wahrzeichen des Dorfes ist die etwas außerhalb gelegene Kirche San Michele de Murato. „Die schönste und eleganteste Kirche, die er auf Korsika gesehen habe“, nannte sie der französische Schriftsteller Prosper Mérimée, der 1839 als Generalinspekteur der historischen Denkmäler über die Insel reiste – und seither hängt dieses Urteil wie ein Gütesiegel an dem kleinen Gotteshaus. Bereits 1840, nur ein Jahr nach Mérimées Besuch, wurde San Michele als historisches Monument eingestuft und gehört seitdem zu den ältesten geschützten Bauwerke Korsikas.

Errichtet zwischen 1130 und etwa 1280 auf einem Felssporn in 475 Metern Höhe, gilt die Kirche als eines der besterhaltenen romanischen Sakralgebäude der Insel. Ihr Markenzeichen ist die Polychromie: dunkelgrüner Serpentin aus dem Flussbett des Bevinco wechselt sich in Streifen und schachbrettartigen Mustern mit hellem Kalkstein aus Saint-Florent ab – fast wie bei den berühmten Kirchen von Pisa, deren Baumeister im 11. und 12. Jahrhundert die korsische Architektur prägten.

Galopp bei Gott

Galopp bei der Église San Michel von Murato. Foto: Hilke Maunder
Koppel reitender Kinder: der Pfarrgrund der Église Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Auch in Murato wurde heller und dunkler Marmor verwendet. Doch an diesem Vormittag haben zwei junge Reiterinnen keine Augen für Steinmuster. Im Galopp umrundet Alves Jade Moreiro mit ihrem Pferd die Kirche, immer schneller, immer ausgelassener. Ihre Freundin kann kaum mithalten.

Erst als die Mädchen fortgeritten sind, wagen wir es, uns der Kirche zu nähern. Schöner als das schlichte Innere ist der Schmuck der Fassade mit Rädern und anderen geometrischen Mustern, Blättern und Tieren und immer wieder menschlichen Figuren.

Der Winzer nach der Sintflut

Eine Szene zeigt offenbar Noah als ersten Winzer der Menschheit, der nach der biblischen Sintflut Reben pflanzt und Wein keltert – ein Motiv, das Steinmetze des 13. Jahrhunderts mit Bildwelten verwoben haben, die weit älter sind als das Christentum selbst und bis in die griechisch-römische und keltisch-mediterrane Antike zurückreichen. Andere Reliefs erinnern an die biblische Versuchung Evas. Über dem Hauptportal ruht der ungewöhnlich hohe, rechteckige Glockenturm auf zwei walzenförmigen Säulen aus demselben grün-weißen Gestein – eine Bauweise, die auf der ganzen Insel ihresgleichen sucht.

Romanik mit Streifen

Dem Figurenschmuck begegnet die Gruppe ein zweites Mal, oberhalb von Saint-Florent in der ehemaligen Kathedrale des Nebbiu oberhalb von Saint-Florent. Santa Maria Assunta ist das Überbleibsel der von den Sarazenen zerstörten alten Hauptstadt.

Santa Maria Assunta, so der offizielle Name, ist das letzte Zeugnis der einstigen Bischofsstadt Nebbio, die im 13. Jahrhundert von sarazenischen Angreifern bis auf dieses eine Gebäude zerstört wurde. Die Geschichte reicht noch weiter zurück: Bereits im Jahr 817 wurde die damals von den Sarazenen besetzte Stadt von christlichen Truppen unter Graf Ugo und dem Grafen von Barcelona zurückerobert – ein Sieg, dem die Kathedrale ihre erste Weihe verdankt haben soll.

Errichtet wurde das heutige Gebäude zwischen 1125 und 1140, auf den Fundamenten einer noch älteren, frühchristlichen Basilika und vermutlich auf dem Boden der antiken Siedlung Cersunum. Bis 1789 war Santa Maria Assunta Bistumssitz des Nebbio, bevor die Diözese in jener der Französischen Revolution zum Opfer fiel und mit Ajaccio verschmolzen wurde. Wegen der Unsicherheit an der Küste und der Malaria, die in den umliegenden Sümpfen wütete, gaben die Bischöfe die Kathedrale immer wieder auf – im 16. Jahrhundert soll sie zeitweise sogar dachlos dagestanden haben, bevor sie wieder instandgesetzt wurde.

Saint-Florent: Skulpturenschmuck im Dom des Nebbio. Foto: Hilke Maunder
Der Skulpturenschmuck im Dom des Nebbio. Foto: Hilke Maunder

Wie ebenmäßig dennoch ihr Mauerwerk aus weißen Kalksteinquadern wirkt! Eine örtliche Führerin schließt das Portal auf. Schlicht ist das Innere: kein Gewölbe, nur das sichtbare Dachgebälk, spärliches Licht durch wenige schmale Öffnungen. Strahler lenken den Blick auf den Figurenschmuck der Säulen, die Haupt- und Seitenschiff trennen. Muscheln, Löwen und Schlangen zieren die Kapitelle – Symbole, die in der pisanischen Romanik Korsikas immer wieder auftauchen und von Handwerkern stammen, die offenbar zwischen mehreren Baustellen der Insel pendelten.

Saint-Florent: Skulpturenschmuck im Dom des Nebbio. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der Soldat im gläsernen Sarg

Aus einem gläsernen Sarkophag blickt mich eine Mumie an. Ihr Mund it halb geöffnet, der Kopf mit einem kunstvollen Kranz aus Stoffblüten geschmückt, der Körper auf rotem Samt gebettet. Seit 1771 liegt sie so hier, perfekt konserviert. Mir schaudert. „Es ist Saint-Florent “, erklärt die Führerin, „ein römischer Soldat. Er starb um 303 nach Christus den Märtyrertod, während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian.“

Saint-Florent: Die Reliquie des Heiligen Florians. Foto: Hilke Maunder
Saint-Florent: Die Reliquie des Heiligen Florians. Foto: Hilke Maunder

Der damalige Bischof von Nebbio hatte sich mit der Bitte um diese Reliquie an Papst Klemens XIV. gewandt – eine im 18. Jahrhundert verbreitete Praxis, bei der römische Katakombenfunde als Reliquien an Bistümer in ganz Europa verschenkt wurden. Seither wird der Heilige alle drei Jahre am Pfingstmontag in einer Prozession durch Saint-Florent getragen, begleitet von Blasmusik und geschmückt mit grünen Bögen und Girlanden an den Ortseingängen. Ann dieser jahrhundertealte Tradition beteiligen sich bis heute Pilger und Einheimische gleichermaßen..

Saint-Florent: das korsische Saint-Tropez

Der Blick auf Saint-Florent. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Saint-Florent. Foto: Hilke Maunder

Nach der Stille der Kathedrale wirkt Saint-Florent selbst wie ein anderer Planet. Der Küstenort, korsisch San Fiurenzu, zählt knapp 1.700 Einwohner und liegt am gleichnamigen Golf, eingerahmt vom menschenleeren Désert des Agriates im Westen und dem schmalen Cap Corse im Norden.

Wegen seines mediterranen Flairs trägt der Ort den Beinamen „das korsische Saint-Tropez“ – in den 1970er-Jahren verkehrte hier tatsächlich der internationale Jetset, und noch heute liegen im Sommer blütenweiße Motorjachten neben schlanken Segelbooten am Kai, fast tausend an der Zahl in der Hochsaison, womit der Hafen nach Ajaccio der zweitgrößte der ganzen Insel ist.

Gegründet wurde das heutige Saint-Florent erst 1440 von den Genuesen, nachdem die alte Bischofsstadt Nebbio im Landesinneren der Versumpfung der Lagune von Aliso zum Opfer gefallen war. Rund um die Befestigung entstand ein Fischerdorf, aus dem über die Jahrhunderte der heutige Ferienort wurde. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hielt die Malaria die Stadt klein. Erst die Trockenlegung der Sümpfe brachte die Wende, später beschleunigt durch den aufkommenden Tourismus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Zitadelle: ein Bollwerk wie aus Nordafrika

Vom Hafen aus fällt der Blick fast automatisch auf sie: die runde Zitadelle, ein 30 Meter durchmessender Verteidigungsbau, flankiert von zwei halbrunden Wachtürmen und einem quadratischen Turm. Mit ihrer gerundeten, kompakten Form erinnert sie eher an die Küstenforts Nordafrikas als an die eckigen Festungen, die die Genuesen sonst auf Korsika hinterließen – eine Eigenheit, die Saint-Florent unter den korsischen Zitadellenstädten einzigartig macht. Bis ins 18. Jahrhundert diente der Bau zugleich als Sitz des Bischofs von Nebbio und als Gouverneurspalast, später als Pulvermagazin und zeitweise sogar als Gefängnis. 1943 sprengte die deutsche Wehrmacht beim Rückzug Teile der Anlage in die Luft; was an Mauerwerk blieb, steht seit 1994 unter Denkmalschutz.

Im Inneren erzählt heute ein kleines Museum von dieser wechselvollen Geschichte, im Sommer ergänzt durch Kunstausstellungen und Konzerte unter freiem Himmel – zugänglich ist die Zitadelle allerdings nur im Juli und August. Von der Esplanade davor öffnet sich einer der schönsten Ausblicke des ganzen Nebbio: der Hafen, dahinter der Golf, der sich blau und weit zwischen Cap Corse und Désert des Agriates auftut.

Wer hier steht, versteht sofort, warum Admiral Horatio Nelson, der spätere Sieger von Trafalgar, dem Golf von Saint-Florent strategischen Rang zusprach: Mit diesem Ankerplatz, soll er gesagt haben, ließe sich verhindern, dass auch nur ein einziges Schiff Marseille oder Toulon verlässt. Genuesen, Ara Atmosphäre am Kai: Fischer, Yachten und ein Hauch von Glamour

Lebendige Fischerei

Während sich am neuen Hafenbecken das mondäne Leben abspielt – Aperitif auf der Terrasse, Sonnenuntergang über dem Golf, die immer gleiche Choreografie aus Weinkühlern und Bootsschuhen –, hat sich am alten Kai, näher zur Zitadelle hin, ein anderer Rhythmus erhalten. Dort, zwischen den bunten Fassaden der frühesten Häuser, dümpeln noch immer kleine Arbeitsboote zwischen den Jachten, und mit ihnen die Fischer, die hier seit Generationen ihrem Handwerk nachgehen.

Geduldig lösen sie am Kai die Fische aus den Maschen ihrer Netze, sortieren den Fang in Kisten, während wenige Meter weiter die Sonnenschirme der Restaurants schon den Mittagstisch decken. Diese Mischung aus echtem Fischerdorf und mondänem Jachthafen ist es, die Saint-Florent von seinem südfranzösischen Namensvetter unterscheidet: weniger Pose, mehr Patina, auch wenn der Vergleich mit Saint-Tropez nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

Stars der Trente Glorieuse

In den 1970er-Jahren machte der internationale Jetset den Ort tatsächlich für einige Sommer zu seinem Rückzugsort. Liz Taylor und Richard Burton sollen mit ihrer Jacht im Golf geankert haben, Sophia Loren verbrachte hier mit ihrer Familie mehrere Urlaube, und Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni – damals ein Paar – ließen sich in der Gegend fotografieren und sollen sich sogar ein altes Kloster zum Feriendomizil umgebaut haben. Glamour, der bis heute nachwirkt, ohne dass Saint-Florent je den Pomp seines Pendants an der Côte d’Azur erreicht hätte. Spuren dieser Zeit finden sich höchstens noch in den Erzählungen älterer Hafenbewohner – das Bild, das sich heute bietet, ist eher das eines Ortes, der mondänes Flair und dörfliche Bodenständigkeit in erstaunlicher Balance hält.

Schlendern, schauen, sonnenbaden

Zwischen der Place des Portes und der Place Doria mit ihrem Brunnen lädt die kleine Altstadt zum Bummeln ein. Rudn um die , die spitzturmige Kirche Sainte-Anne findetihr kleine Spezialitätenläden und enge Gassen, die hinter fast jeder Kurve einen neuen Blick auf Meer oder Berge freigeben. Das Kloster Saint-François war eines der bedeutendsten Franziskanerklöster Korsikas und Schauplatz wichtiger Ereignisse während der Paoli-Zeit. Heute gehört es Privatleuten und dient kulturellen Veranstaltungen. Abends könnt ihr ein Konzert mit korsischem Polyphoniegesang in der Kathedrale erstelben. Die mehrstimmige Paghjella klingt archaisch und von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Erholung bietet der knapp drei Kilometer lange Sandstrand La Roya direkt vor den Toren der Stadt. Nicht weit entfernt liegt Patrimonio, das älteste und renommierteste Weinbaugebiet der Insel. Es liefert Rotweine aus der autochthonen Rebsorte Niellucciu und einen würzig-süßen Muscat. Ist das nicht ein schöner Anlasse, zum Abschluss des Tages ein Glas zu heben? Santé !

Per Rad durch den Nebbio: meine Reisetipps

Leihräder & geführte Touren

europe active

Geführte E-Bike-Tour durch das Nebbiu, Juni – Sept.
• Tel. 04 28 31 24 14 (Fahrradverleih Korsika), www.europe-active.com

E-Bikes heißen im Französischen VAE = vélo à assistance éléctrique, Mountainbikes VTT = vélo tous terrains

GT 20

Wanderer kennen die legendäre GR 20, die Korsika von Nord nach Süd durchquert. Für Radler entstand 2019 ihr Pendant: die Grande Traversée de Corse, kurz GT20. Eröffnet wurde sie im August jenes Jahres am Col de Vergio, dem mit 1.464 Metern höchsten Punkt der Strecke. Rund 600 Kilometer führt die Route von Bastia über das Cap Corse, die Balagne und den Golfe de Porto bis nach Bonifacio, mit einem Gesamthöhenunterschied von etwa 9.500 Metern. Ein Netz von Ladestationen, das in Kooperation mit Bosch entstand, macht die Strecke auch mit dem E-Bike zugänglich.- Kombiniert mit der Route des Grandes Alpes von Thonon-les-Bains bis Nizza ergibt sich für ambitionierte Fernradler sogar eine durchgehende, rund 1.000 Kilometer lange Achse zwischen Genfer See und Bonifacio, einmal quer durch zwei der spektakulärsten Gebirgslandschaften Frankreichs.

Saint-Florent

Schlemmen und genießen

Steakhouse Le Grill

Beliebtes Fisch- und Steak-Restaurant mit Gemüse aus eigenem Anbau, direkt am Hafen mit Blick auf die Jachten.
• Quai d’Honneur, 20271 Saint-Florent, Tel. 06 75 71 56 93, www.instagram.com/legrillstflorent

Hier könnt ihr schlafen

Hôtel Santa Maria

Modernes Hotel mit 27 Zimmer und drei Junior-Suiten, teilweise mit Balkon. Recht charmefreier Empfang und Service, aber sauberer Komfort und kostenloses WLAN.
• Lieu dit Cisternino, 20217 Saint Florent, Tel. 04 95 37 04 44, www.hotel-santa-maria.com

Noch mehr Betten*

 
Murato. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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Im Buch

Jenny Hoch: Gebrauchsanweisung für Korsika*

Cover: Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. Foto: Hilke Maunder33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi hier lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

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