Von Bucht zu Bucht: in den Calanques von Cassis

Die Calanques-Küste bei Marseille

Klares, türkisfarbenes Wasser in der Bucht. Und steil ins Meer abfallende Kalksteinklippen, die kleine Fjorde bilden: die Calanques von Cassis. Vom malerischen Hafen von Cassis, in dem noch zahlreiche traditionelle Fischerboote neben Jachten und Seglern vertäut sind, starten stündlich Ausflugsboote zu einem Törn den zehnten Nationalparks Frankreichs. Sie setzen auf Wunsch euch auch unterwegs ab.

Versteckte Traum-Bucht

So auch in der Calanque d’En-Vau, die mit ihrem türkisfarbenen Wasser, steilen, hellen Kalkfelsen und flach abfallendem Strand aus Sand und Kiesel zu den schönsten Buchten der Mittelmeerküste gehört. Kermeseichen und Aleppokiefern krallen sich mit ihren mächtigen Wurzeln an den Fels. Wacholder und Strauchheiden bedecken das Steilufer. Zwischen Adlerfarn, Saladellen (Hirtenblumen), Steinbrech und wildem Spargel zirpen Zikaden. Am hohen Himmel kreisen Habichtsadler. Dann schießt ein Haubenkormoran ins Wasser und holt sich eine Sardine.

10. Nationalpark Frankreichs

Bis heute sind die Calanques eine wilde, ursprüngliche Naturlandschaft, entstanden nach der letzten Eiszeit, als der Meeresspiegel um 120 m stieg und alte Täler auffüllte, die heute – Fjorden gleich – weit in die zerfurchte Küste reichen. Seit dem 18. April 2012 bilden die naturbelassenen Kalksteinbuchten den zehnten Nationalpark Frankreichs.

Zugangsregelung im Sommer

Das Refugium zu Land und Wasser ist  nicht nur wunderschön, sondern auch gefahrvoll – durch Waldbrände, Bergrutsche oder Baumstürze. Wer hier unterwegs ist, sollte sich daher vor Beginn der Wanderung über die aktuelle Lage informieren. Von Mai bis September gilt eine Zugangsregelung; Infos gibt es bei der Office de Tourisme, per Band unter der Rufnummer 08 11 20 13 13 sowie online auf www.bouches-du-rhone.pref.gouv.fr.


Weitwanderweg von Marseille nach Cassis

Die gesamte Calanques-Küste erschließt auf 28 km Länge der GR 98-51, die Grande Randonnée von Marseille nach Cassis, die durchgehend  rot-weißen markiert ist. Ein lohnenswerter Anstecher: die Refuge du Piolet auf dem Plateau de Cadeiron. Von der einfachen Schutzhütte aus Stein eröffnen sich traumhafte Ausblicke auf das Mittelmeer und die Bucht von En-Vau.

Hoch oberhalb der Steilküste geht es auf dem GR 98, der sich mit dem GR 51 verbindet, weiter zum Sandstrand der Calanque de Port-Pin, der kleinsten und grünsten der drei Calanques von Cassis, zur Prêsqu’île de Cacou. Die Halbinsel markiert die Gemeindegrenze zwischen Marseille und Cassis.

In Neptuns Nasenloch spritzt es!

Durch das Trou de Souffleur, auch „Narine de Neptune“ genannte Blasloch an der Spitze der Pointe du Cacau spritzt bis heute bei rauer See das Meerwasser hoch. Unter dem Trichter befindet sich eine Höhle, in der 1968 – 1972 Archäologen auf Zeugnisse stießen, die belegen, das bereits im Quartär dort Menschen lebten.

Knochen von Elefanten, Hirschen, Vögeln und Pferden fanden die Forscher, erlegt von Jägern und Sammlern, die vor 20.000 Jahren in der Höhle Unterschlupf fanden – mit Blick auf die über dem Cap Corneille aufgehenden Sonne und einer See, die 120 m tiefer lag als heute.

Kalkstein für New York

Bereit in der Antike wurde auf der Cacau-Halbinsel Kalkstein geschlagen; 1720 begann der kommerzielle Abbau, um 1855 waren 130 Arbeiten in 30 Steinbrüchen tätig. Aus dem Stein der Halbinsel wurden die Hafenanlagen von Alexandria, Alger, Piräus und Port-Saïd erbaut, die Kais und Kirchen von Marseille, das Fort Lamalgue in Toulon.

Und sogar der Sockel der Freiheitsstatue von New York besteht aus dem Kalk der Calanques! Der bis zur Erfindung des Betons weltweit gefragte Stein hatte zwei Vorteile: Er war sehr witterungsbeständig – und konnte gleich vor Ort aufs Schiff geladen werden.

Als Verladehafen für den in den 1980-er Jahren geschlossenen Solvay-Steinbruch diente Port-Miou in der gleichnamigen Bucht. Heute dominieren keine Frachter, sondern Tausende Segelboote den Hafen der sehr langen, schmalen Calanque. In ihrer Mitte sprudelt eine untermeerische Süßwasserquelle.

Süßwasserquelle im Meer

Sie wird gespeist vom Regenwasser aus dem Karstgebirge bei La Sainte-Baume. Die Quelle könnte zusätzliches, bisher nicht genutztes Trinkwasser für den von Trockenheit geprägten Süden liefern. Der örtliche Wasservertrieb Société des Eaux de Marseille hat daher die wissenschaftliche Untersuchungen der Quelle mitfinanziert, zögert aber bei ihrer Erschließung.

Schlemmen mit Strandblick

Der alte Arbeitsweg des Steinbruchs führt direkt zum Freizeitkomplex La Prêsqu’île (Quartier Port Miou, F – 13260 Cassis, www.restaurant-la-presquile.fr) mit Tennisplätzen, Planschbecken und zwei Restaurants. Im legeren Plage Bleue (04 42 01 15 40) mundenvon Mai bis September gegrillter Sardellen und anderer Fisch unter freiem Himmel.

Im Gourmetrestaurant Prêsque-Île (Tel. 04 42 01 03 77) serviert  Küchenchef Jean-Bernard Jugnon nach der Suppe von Felsenfischen mit Safran-Rouille eine Dorade mit Fenchel, Hummer oder Loup de Mer, bevor ein warmes Schokoküchlein, innen noch flüssig, das Mahl beschließt.

Naturpfad um das Kap

So gestärkt, folgt als letzter kleiner Schlenker der Sentier du Petit Prince, der Naturpfad um das Cap Cable mit elf Infotafeln zu Flora, Fauna und Geschichte der Region. Vorbei an der Kapelle Notre Dame du Bon Vovage und dem Viersternehotel Roches Blanches mit Badepool über den Klippen geht es am Ufer der Anse de la Grande Mer zurück nach Cassis, wo sich am Hafenbecken dicht an dicht die Terrassencafés drängen.

Info: www.gipcalanques.fr

Karte: IGN, Carte de Loisir de Plein Air, Les Calanque des Marseille à Cassis, Maßstab 1: 15.000, 8,50 €, http://loisirs.ign.fr/5279186/produit/13-les-calanques-de-marseille-a-cassis.htm

Sommerliche Zugangsregelung: In Abhängigkeit der Witterungsbedingungen ist der Zugang zu den Calanques in drei Risikostufen unterteilt:
• Orange : Fußgänger können den gesamten Tag lang frei das gesamte Massiv betreten.
• Rot: Der Zugang ist nur von 6 bis 11 Uhr im 200 Meter breiten Küstenstreifen erlaubt.
• Schwarz: Spaziergänge sowie das Fahren und Parken von Fahrzeugen sind den gesamten Tag lang verboten.

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Zum Einstimmen

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7 Kommentare

  1. Hallo Hilke
    Gratuliere zur „médaille du tourisme“ und danke für deine Seite!
    Ich kann deine „Liebe“ zum Naturpark der Calaques, von Marseille bis La Ciotat gut nachvollziehen – ich fahre mit meiner Frau seit 10 Jahren dorthin in die Ferien… diesen Mai bereits das 18. Mal 🙂 (Immer Frühjahr und Herbst)
    Die Wandergegend ist so toll, das ich nicht genug bekommen kann 🙂 Die über 200 Kilometer Wanderwege finde ich so genial, weil man je nach Wetter, Kraft, Lust und Laune immer wieder eine neue Runde oder Route, länger oder kürzer zusammenstellen kann. Die Gegend ist ja auch so umwerfend schön, dass ich mich jedesmal darauf freue!
    Ich sollte noch etwas mehr Zeit haben (oder mir nehmen…) um die Touren mit Fotos auf Outdooractiv hochzuladen. Z.B. eine, die ich jedesmal in irgend einer Variante mache – mit dem Demi-Lune darin, meine Lieblingsstrecke!
    https://www.outdooractive.com/de/wanderung/provence-alpes-cote-d-azur/callelongue-marseilleveyre-rundtour/111900078/
    Dir weiter viel Freude in deiner Wahlheimat!
    Simon

  2. Danke für die tollen Tipps!
    Ich hätte gerne eine kleine, nette Übernachtungsmöglichkeit für eine Familie, nicht zu teuer. Bitte um Info.
    Danke!

    • Hallo Julia,
      ich denke, in La Ciotat sind die Unterkünfte günstiger als in Cassis oder Marseille – schau doch mal auf der Webseite des Fremdenverkehrsamtes die Angebote an: http://www.laciotat.info – auch auf Deutsch. Ich übernachte meist privat bei Freunden, wenn ich dort bin… Falls ihr Selbstversorger sein wollt, sind vielleicht auch die gîte etwas für euch, Ferienhäuser oder Wohnungen. Toi, toi, toi!
      Viele Grüße, Hilke

  3. Die Calanques sind wirklich ein spannender Landstrich. Ist dieses Blasloch „Trou de Souffleur“ von Land erreichbar? Ich könnte mir vorstellen, dass es bei hohen Wellen ein interessantes Spektakel bietet.
    Auch von Westen, also von Marseille her, lohnt es sich, die Felsklippen und „Fjorde“ zu erwandern. Als ich Anfang des Jahres dort war, wehte ein heftiger Mistral, der vor der Île Maïre, dem westlichen Vorposten der Calanques, gewaltige Gischtfahnen über dem Meer aufwirbelte.

1 Trackback / Pingback

  1. Kommt mit in die Calanques von Marseille! - Mein Frankreich

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