Die echte „Savon de Marseille“

Savonnerie de Licorne: der traditionelle grüne "cube" der Savon de Marseille. Foto: Hilke Maunder
Der traditionelle grüne "cube" der Savon de Marseille. Foto: Hilke Maunder

Savon de Marseille: Wer durch Marseille bummelt, entdeckt allerorten grüne Kuben. Manchmal sind sie auch gestempelt: 72% Olivenöl. Leider sind Herstellung und Ingredienzien der „echten“ Savon de Marseille bis heute nicht geschützt.

So gibt es viele Nachahmer. Um den Verkauf anzukurbeln, fügen sie Parfüms hinzufügen. Oder verwenden, um noch mehr Gewinn zu machen, statt Olivenöl billiges Palmöl aus Asien.

Die Werkstatt der Savonnerie de Licorne in Marseille. Foto: Hilke Maunder

Nur noch eine Handvoll Betriebe stellen die Savon de Marseille tatsächlich noch traditionell her. Zu ihren gehört die Savonnerie de la Licorne am Cours Julien.

Als ich den kleinen Laden betrat, sah ich, dass dort direkt vor Ort produziert wurde. Und täglich außer sonntags jeden Vor- und Nachmittag Führungen angeboten wurden.

Seifenflocken für die Savon de Marseille. Foto: Hilke Maunder

Zeitloses Handwerk

In der Werkstatt war der gesamte Boden mit feinem Seifenpuder bedeckt. Den Maschinen konnte man ansehen, wie lange sie schon im Einsatz waren. Kein blitzblankes Chrom, sondern schweres Eisen, Holz.

Werkzeuge, das auf Tischen und Schemeln lang, Stühle mit verschlissenem Bezug. Papierstapel, Stempel, Karton, ein paar Kaffeebecher. Eine Szenerie, zeitentrückt, ursprünglich, und wie geschaffen für Stilleben.

Seife, noch in Streifen. Foto: Hilke Maunder

Savon de Marseille: 10 Tage gekocht

Als könnte er meine Gedanken lesen, setzte unser junger Guide die erste Maschine in Gang. In großen Kupferkesseln vermischte sich das Olivenöl mit Natron, Alkali und Meersalz.

Acht Stunden lang köchelte es für die Saponification oder auch „Empâtage“ langsam vor sich hin, ehe es sich in eine grünliche Seifenmasse verwandelt. Die Rohmasse wird nun mehrfach in Salzwasser gewaschen, um auch das letzte Natron heraus zu lösen. Danach wird die Seifenmasse bei 100° Celsius erneut gekocht – zehn Tage lang.

Rohseife – auch als breites Band. Foto: Hilke Maunder

Währenddessen schöpft der Seifenmeister regelmäßig das herausgelöste Alkali ab. Da die Masse leicht überkochen kann, wird sie sie immer wieder mit einem langen Löffel umgerührt und nur tagsüber erhitzt…

Nachts wird der Kesse abgeschaltet. Um zu prüfen, ob die Masse fertig für die Weiterverarbeitung ist, muss der Seifenmeister sie wie ein Koch probieren. Iiihh, denke ich mir…

Die Rohmasse für die Savon de Marseille – als Endloswurst. Foto: Hilke Maunder

Mit reinem Wasser gewaschen

Danach wird der Kupferkessel abgedeckt. So kann sich die Masse in den folgenden 36 Stunden setzen. Nach mehreren Waschvorgängen mit reinem Wasser ist die Seife rein genug für das Prädikat „extra pur“. Noch 50 – 70°C warm, wird die Seifenmasse in Becken abgegossen und mit dem Spachtel geglättet.

Jetzt beginnt die Trocknung an der frischen Luft. Der Mistral hilft dabei mit seinen kräftigen Nordwinden. Mit Hilfe eines Drahtes werden die Barren in die berühmten Würfel geschnitten. Sobald sich an der Oberfläche eine Kruste gebildet hat, kann der Stempel aufgedrückt werden,

Model geben der Savon de Marseille Form und Muster. Foto: Hilke Maunder

Neben den klassischen Kuben in Olivgrün werden in der Savonnerie auch noch andere Seife ganz traditionell gefertigt. Bei ihrer Herstellung wirdkalt verarbeitete Seife gemahlen und gewalzt. Drei Mal wird die klumpige Rohseife durch mehrere Walzen gerollt, um alle Spuren von Lauge zu entfernen.

So sauber geputzt, kommen die Seifenspäne in eine Maschine. Sie spukt an ihrem Ausgang unten Seife als Endlosstück aus. Ein junger Mann teilt die „Wurst“ in handlange Barren und reicht sie der Frau an der Presse. Ein Hebeldruck, fertig. Und ab ins Papier und in den Laden…

Die Seifen-Presse der Savon de Marseille. Foto: Hilke Maunder

Savon de Marseille: meine Reise-Infos

Savonnerie de la Licorne

• Fabrikation + Verkauf: 34, Cours Julien, 13006 Marseille
• nur Verkauf: 24, quai de Rive Neuve, 13007 Marseille; 112, quai du Port, 13002 Marseille, Tel. 04 91 59 43 58, www.savon-de-marseille-licorne.com
Kostenlose Führungen durch die Werkstatt: Mo. – Sa. 11, 15, 16 Uhr.

MuSaMA

Am 12. März 2018 eröffnete der Seifensieder Sylvain Dijon in den ehemaligen Räumlichkeiten des „L’Espace Vieux-Port“ auf 413 Quadratmetern sein MuSaMa – sein Musée du Savon de Marseille, das euch Geschichte und Kultur der berühmten Seife nahebringt.
• 1, rue Henri Fiocca, Tel. 09 72 54 51 09, www.facebook.com

Die Savon de Marseille gibt es längst auch mit duftenden Zusätzen – und in vielen Farben und Formen. Foto: Hilke Maunder

Die Seifensieder von Marseille

Im Großraum Marseille gibt es noch weitere Seidensiedereien – klickt mal hier:

Savon de Marseille… Foto: Hilke Maunder

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3 Kommentare

  1. Salut 🙂
    Leider sind alle meine vorherigen Savon de Marseille Lieferanten vom Markt verschwunden. Können Sie mir sagen, wo ich noch welche (auch die Duftseifen) beziehen kann? ich betreibe einen kleinen Laden in Norddeutschland mit Produkten aus Südeuropa, auch aus der Provence.
    Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen.
    Sibylle Kraschutzki
    http://www.solysal.de

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  1. 72 Stunden Marseille - Mein Frankreich

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