Café-Kultur in Paris: trendy oder klassisch?
Livrierte Kellner, geflochtene Stühle und kleine Rundtische auf der Terrasse, ein großer Zinktresen für den schnellen Schwarzen im Stehen: So wurde die Pariser Kaffeehauskultur, wie sie im Café du Dôme von Montparnasse oder dem Café de Flore von Saint-Germain-des-Prés zelebriert wird, weltberühmt.
Doch längst ist auch die angelsächsische coffee culture auch in Frankreichs Kapitale angekommen. Mit flat white, mocchacino und anderen Kreationen, die dem grand crème und petit noir Konkurrenz machen.
Boutique-Café statt Kette
Vergesst dabei die Ketten wie Starbucks. Sondern entdeckt Vorreiter wie Nicolas Clerc, den Inhaber des Télescope Café, der seine Bohnen aus Afrika, Nicaragua und anderen Staaten in Zentralamerika bezieht und selbst röstet.
Wahrzeichen seines trendig-kleinen Cafés in der 5, rue Villedo (1. Arr.) ist ein gelbes Transportfahrrad, das auf dem Trottoir steht. Croissant und Käseteller hat Nicolas ins Nirwana verbannt, bei ihm gibt’s zum Koffeinkick banana bread und chocolate chip cookies.
Schick und clean in Weiß
Als Café 2.0 gibt sich das Coutume in der 47, rue de Babylone (7. Arr.), wo das meist junge Publikum beim Latte-Schlürfen auf das iPad starrt, tippt oder telefonierte. Der alte Pariser Volkssport, die Passanten zu betrachten und dem Straßenleben zuzusehen, ist in dem von CUT architectures minimalistisch clean in Beton und Weiß gestylten Lokal völlig out.
Fehlanzeige heißt es auch für alle, die eine tartine beurrée oder eine Baguette genießen möchten. Sie können stattdessen Gourmet-Sandwiches oder Scones mit hausgemachter Marmelade ordern.
Und für den Nachwuchs gibt es einen Babyccino, Milch mit reichlich Schaum, in der Tasse. Geröstet wird die braune Bohne hier von keinem Geringeren als Antoine Netien, Meilleur Torréfacteur de France 2011.
Für Freunde von Filterkaffee gibt es an seiner Slow Bar mit V60, Chemex und AeroPress diverse Brühmethoden zum Testen.
Bohne ganz stylisch
Very british mit scones, sausage rolls und herzhaften sandwiches und doch bezaubernd französisch ist das kleine Café Ten Belles von Thomas Lehoux in der Nähe des Canal Saint-Martin (10, rue de la Grange aux Belles, 10. Arr.).
Das Loustic (40, rue Chapon) serviert den Koffeinkick als Grand Cru-Erlebnis – mit Honduras Nacimiento, Kenya Kapsokisio, Kenya Mutheka, Honduras Caballero oder Colombia Finca Tamana.
Die kleine Kaffeerösterei Café Lomi (3 ter, rue Marcadet, 18. Arr.) bildet nicht nur Barristas aus, sondern wagt auch ungewöhnliche Kreationen. Köstlich, auch wenn er nicht danach klingt, ist der café fromage.

Sehr stylisch!
Im Belle-Époque-Ambiente des Angélina genossen schon Coco Chanel und Audrey Hepburn unter den Arkaden (226, Rue de Rivoli, 1. Arr.) eine Auszeit von der Hektik. Heute trifft sich hier die Modewelt und genießt Angélinas berühmte heiße Schokolade unter der hohen Sahnehaube oder den Dessertklassiker Mont Blanc, eine imposante Méringue.
An den Grands Boulevards (34, Boulevard Bonne Nouvelle, 10. Arr) begeistert das Café Delaville mit seinem Mix aus Moderne und Art déco. Donnerstags bis sonnabends legen DJs auf. Sonntags trifft sich le tout de Paris auf der Terrasse zum Brunch.
Die Literaten-Treffs
Zum Treffpunkt der Existenzialisten wurden zwei Cafés, die heute zu den exklusivsten und teuersten Café-Häusern der Hauptstadt gehören. Im Café de Flore (172, Boulevard Saint-Germain, 6. Arr.) waren Jean-Paul Sartre und seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir Stammgäste. Alljährlich im November wird dort der Prix de Flore an talentierte Nachwuchsautoren vergeben.
André Gide, Paul Éluard und Albert Camus zog es in Café Les Deux Magots (6, Place de St-Germain-des-Prés, 6. Arr.). Das 1881 eröffnete Terrassencafé an der Ecke zum nicht minder berühmten Fleischrestaurant L’Entrecôte verleiht seit 1933 ebenfalls einen Literaturpreis: den renommierten Prix des Deux Magots.
Gefällt Dir der Beitrag? Dann sag merci mit einem virtuellen Trinkgeld.
Denn nervige Banner oder sonstige Werbung sind für mich tabu.
Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert.
Unterstütze den Blog! Per Banküberweisung. Oder via PayPal.
Weiterlesen
Im Blog
Alle meine Paris-Beiträge sind in dieser Kategorie vereint.
Im Buch
Hilke Maunder, Baedeker Paris*
1975 kam ich dank Interrail zum ersten Mal nach Paris und übernachtete in einem einfachen Sleep-in in der Rue de Turenne. Damals ahnte ich noch nicht, dass diese Stadt mich ein Leben lang begleiten würde. In den Jahren danach verbrachte ich fast jedes Jahr viel Zeit in der Kapitale: als junge Frau, die im 18e Arrondissement als Kellnerin jobbte, später mit Partner, schließlich mit meiner Tochter. Und bis heute fehlt mir etwas, wenn ich Paris nicht immer wieder neu erlaufen, erradeln oder durch das Labyrinth der Métro durchstreifen kann.
Aus dieser langjährigen, sehr persönlichen Beziehung zur Stadt ist mein Baedeker Paris* entstanden. Er versteht Paris nicht nur als Ansammlung berühmter Sehenswürdigkeiten, sondern als lebendige, vielschichtige Metropole, die sich mit jeder Reise neu erschließt. Natürlich findet ihr darin die großen Klassiker – vom Louvre über die Île de la Cité bis zum Eiffelturm –, doch ebenso wichtig sind mir die besonderen Orte, die leisen Viertel, die kleinen Entdeckungen abseits der Postkartenmotive.
Neben verlässlichen Fakten, übersichtlich aufbereiteten Karten und praxisnahen Tipps erzähle ich von ungewöhnlichen Details, kleinen Anekdoten und Momenten, die man nicht planen kann, die aber oft die schönsten Erinnerungen hinterlassen: ein Tanz unter freiem Himmel, ein unerwarteter Blick von oben, ein Abendessen, das länger dauert als gedacht. Genau diese Mischung aus Orientierung und Inspiration soll euch dabei helfen, Paris auf eure ganz eigene Weise zu erleben. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.
* Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

