Blick vom Stadtstrand auf die Zitadelle von Calvi. Foto: Hilke Maunder
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Calvi: Mythos Kolumbus

Sieben Uhr morgens in Calvi. Die ersten Sonnenstrahlen klettern einen Felsdorn empor, auf dem eine wuchtige Zitadelle thront.

Neben dem Falltor des Eingangs blickt eine bronzene Männerbüste auf einem steinernen Schiffsrumpf in die Ferne. Auch die Hauptstadt der Balagne behauptet, Geburtsort von Christoph Kolumbus zu sein.

Stammt Kolumbus aus Calvi? Foto: Hilke Maunder
Stammt Kolumbus aus Calvi? Foto: Hilke Maunder

Kolumbus – ein Korse?

Calvi stand damals semper fidelis, immer treu zu Genua. Unstrittig ist heute auch, dass der „Entdecker“ Amerikas 1451 in der Republik Genua geboren wurde. Und deren Herrschaftsgebiet reichte damals bis Korsika. Warum also nicht: Cristoforo Colombo aus Calvi?

Die kleine Küstenstadt pflegt den Mythos – auch, wenn ihn andere Städte in Italien, Portugal und Spanien ebenfalls in Anspruch nehmen.

Blick von der Zitadelle auf Calvi. Foto: Hilke Maunder
Blick von der Zitadelle auf Calvi. Foto: Hilke Maunder

Von seinem Geburtshaus in der Carrughju Di U Filu des Zitadellenviertels indes ist nur wenig erhalten. Die Engländer zerschossen es 1794. Nur Überreste sind heute zu sehen.

Auf der Plakette ist das Geburtsjahr 1436 notiert. Und damit ein ganz anderes Jahr also sonst in den Annalen. Kolumbus bleibt rätselhaft.

Calvi: Blick von der Zitadelle auf Stadt und Bucht. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Zitadelle auf Stadt und Bucht. Foto: Hilke Maunder

Panoramarunde in der Festung

Von der Place Christophe Colomb laufe ich hinein in die Festung. Ich folge dem Panoramarundweg, der kreuz und quer durch das Gelände  führt. Einige Häuser scheinen geradezu mit dem Fels verwachsen zu sein. Ein Labyrinth schmaler Gassen, Treppenwegen und Durchgängen verbindet sie.

In der Zitadelle von Calvi sind manche Häuser fest mit dem Fels verwachsen. Foto: Hilke Maunder
In der Zitadelle von Calvi sind manche Häuser fest mit dem Fels verwachsen. Foto: Hilke Maunder

Im Zentrum der Zitadelle steige ich eine große Freitreppe hinauf zur Cathédrale Jean-Baptiste. Im 15. Jahrhundert brannte sie fast völlig ab. Kaum aufgebaut, zerstörte eine Explosion im nahen Pulverarsenal das Gotteshaus ein zweites Mal…

1570 war sie wieder aufgebaut. So ist sie heute erhalten: hell und einladend im Innern, mit Marmoraltar und Kanzel aus Eiche.

Calvi: Foto: Hilke Maunder
Viele ausgetretene Stufen führen hinauf zur Cathédrale Jean-Baptiste. Foto: Hilke Maunder

Der schwarze Christus

Vor der Rosenkranz-Madonna, einem Geschenk aus Spanien, brennen schlanke Kerzen. In einer Vitrine entdecke ich Jesus am Kreuz. Schwarz ist seine Haut, silbern sein Lendentuch.

Ein Christ des Miracles, der das Ende der türkischen Belagerung herbeigeführt haben soll. Zum Dank wird der schwarze Christus am Karfreitag durch die Straßen von Calvi getragen.

Blick auf die Bucht von Calvi von der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder
Atemberaubend: der Blick auf die Bucht von Calvi von der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder

Was für Aussichten!

Von der Zitadelle eröffnen sich beim Panoramarundweg immer wieder tolle Aussichten auf die sichelförmige Bucht von Calvi und die umliegende Felsküste.

Im Hafen von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Im Hafen von Calvi. Foto: Hilke Maunder

Am Hafen-Kai haben sich längst kostspielige Jachten von Abramowitsch & Co. zwischen die Kutter der Fischer gemischt, die am Kai ihre Netze ordnen.

Zitadelle und Hafen von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Über dem Hafen von Calvi erhebt sich wehrhaft die Zitadelle. Foto: Hilke Maunder

Kult seit 1935: Tao

Rückblende. 1928 kommt der Exil-Tscherkesse Tao Khan Kerefoff mit Felix Felixowitsch Fürst Jussupow, dem Drahtzieher der  Ermordung von Rasputin, nach Calvi.

Der Ex-Leutnant der Zarenarmee kauft den alten Sommersitz der Bischöfe von Sagona, restauriert ihn – und eröffnet darin 1936 den ersten Nachtclub der Insel.

Das Leitbild des ältesten Nachtclubs von Calvi steht bis heute als Mural auf der Wand. Foto: Hilke Maunder
Das Leitbild des ältesten Nachtclubs von Calvi steht bis heute als Mural auf der Wand. Foto: Hilke Maunder

Das Motto von Tao steht auf seinen Wänden: Vivez heureux aujourd’hui, demain il sera trop tard  – Lebt heute glücklich, morgen wird es zu spät sein.“

Charles Aznavour und Guy Bedos teilten dieses Credo und kamen nach Calvi. Und Jacques Higelin, der den Club mit seiner Terrasse mit seiner ballade de chez Tao unsterblich machte.

Kultlokal von Calvi: Tao. Foto: Hilke Maunder
Auch das Tao bietet Traumblicke auf Calvi und seine Bucht. Foto: Hilke Maunder

Korsika macht schön

Tania Andréo von Corsica Beauty vor ihrem Laden in der Altstadt von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Tania Andréo von Corsica Beauty vor ihrem Laden in der Altstadt von Calvi. Foto: Hilke Maunder

Davon ist zumindest Tania überzeugt, die gemeinsam mit ihrer Schwester Aurélia in der Unterstadt von Calvi die Kosmetikboutique Corsica Beauty eröffnet hat.

Draußen stapelt sich kunterbunt Herzseife im Korb. Die Fassade schmückt getrocknete Immortelle. Unser „Currykraut“ wächst auf der Insel allerorten in der Macchia.

Und hat, davon sind die beiden überzeugt, unglaublich viele Vorteile für Schönheit und Gesundheit. In einer Creme lässt das Helichrysum Italicum Hämatome abschwellen und heilt Schnittwunden und Verbrennungen.

Als Lotion schützt es die Haut vor Akne oder Neurodermitis. Als Aufguss oder Tee lindert die Immortelle, von der es mehr als 500 wilde Arten gibt, Bauchschmerzen und Magenkrämpfe.

Der unvergleichliche Duft der Insel

Calvi: Duftorgel von Corsica Beauty. Foto: Hilke Maunder
Die Duftorgel verrät: So riecht die Macchia! Foto: Hilke Maunder

Ein schöner, makelloser Teint und eine gelassene, entspannte Seele: Schönheit von innen und von außen! Tania lacht und hält mir ein Duftfläschchen hin.

„Riech mal – das sind die ätherischen Öle der Goldblume. Wir haben auch noch die Macchia und viele andere Aromen der Insel auf diesem Duftbrett eingefangen.“

Napoleon, Du würdest Dich hier wohlfühlen! Hättest Du dieses Brett gehabt, wäre Deine Insel auch in der Ferne Dir nah gewesen. Der Kaiser hatte gesagt, Korsika könne er am Duft erkennen.

Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder
Der Stadtstrand von Calvi. Foto: Hilke Maunder

Fallschirme am Strand

Seit 1967 ist die französische Fremdenlegion in Calvi stationiert. In der Caserne Sampiero ist die Militärpolizei untergebracht, im Camp Rafalli das 2. Regiment der Fallschirmjäger.

Sie sorgen im Sommer für Abwechslung am Strand. Wenn sie mit ihren Fallschirmen über dem Golf von Calvi üben, verharrt für Minuten das Badeleben an der Plage de Calvi, dem schmalen, mehrere Kilometer langen Sandstrand am Golf von Calvi.

Calvi: Notre-Dame de la Serra. Foto: Hilke Maunder
Wehrhaft: Notre-Dame de la Serra. Foto: Hilke Maunder

Die Sunset-Kapelle

Am späten Nachmittag verlasse ich Calvi, um rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der kleinen Kapelle von Notre-Dame de la Serra anzukommen.

Wehrhaft thront sie südwestlich von Calvi auf einem Hügel oberhalb der Klippenküste und eröffnet traumhafte Rundblicke.

Calvi: Notre-Dame de la Serra, Votivtafeln. Foto: Hilke Maunder
Votivtafeln allerorten: Notre-Dame de la Serra. Foto: Hilke Maunder

Von der Stadt, der vorgelagerten Zitadelle, dem Hafen und dem Golf mit seinem weiten Strand schweift mein Blick über die Macchia. Bleibt hängen an einem Friedhof mit stattlichen Familiengräbern in die Hügel der Balagne.

alvi: Blick von Notre-Dame de la Serra auf den Friedhof. Foto: Hilke Maunder
Blick von Notre-Dame de la Serra auf den Friedhof. Foto: Hilke Maunder

Und schweift dann weiter zu den fernen Bergspitzen des Inselinnern. Dann senkt sich die Nacht, taucht das Land in ein Dunkel, in dem Calvi so funkelt, als wolle es den Sternen Konkurrenz machen.

Blick von Notre-Dame de la Serra auf Calvi. Foto: Hilke Maunder
Blick von Notre-Dame de la Serra auf Calvi. Foto: Hilke Maunder

Calvi: meine Reisetipps

Schlemmen & ausgehen

Tao

Die legendäre Adresse in der Zitadelle von Calvi mit traumhaftem Sunset-Blick von der Terrasse – am Abend ein Restaurant, später ein Nachtclub – bis 5 Uhr früh!
• Rue Saint-François, 20260 Calvi, Tel. 04 95 65 06 09, www.cheztao.com

U Fanale

Korsische Küche und Fischspezialitäten im Speisesaal mit Blick auf die Pointe de la Revelatta und die Bucht von Calvi. Und auf einer geschützten Terrasse unter alten Pinien.
• Route de Porto, 20260 Calvi, Tel. 04 95 65 18 82, https://www.facebook.com

Shopping

Garantiert aus Korsika stammen die pflegenden und dekorativen Kosmetikprodukte,die die beiden Schwestern Tania Andréo und Aurelia Filippi in ihrem Altstadt-Geschäft verkaufen. Schnuppert an der Duftorgel einmal an den typisch korsischen Aromen, die in die Parfüms und Seifen wandern!
• 32, rue Clémenceau (Gasse oberhalb der Hafenpromenade), 20260 Calvi, Tel. 06 24 46 71 68,  https://corsicabeauty.com

Corsica Beauty

Naschen

Axelle Claveau von der Confiserie Axou. Foto: Hilke Maunder
Axelle Claveau von der Confiserie Axou. Foto: Hilke Maunder

Axou

Zehn Kilometer von Calvi entfernt fertigt Axelle Claveau bei Lumio per Hand korsisches Traditionskonfekt – Guimauves, Marzipan, Bonbons, glasierte Mandeln  etc. – ohne Konservierungsstoffe und ohne Gluten.
• 36, route du bord de mer, 20260 Lumio, Tel. 06 77 19 57 61, www.facebook.com/AXOUCONFISERIES

Schlafen

Hotel L’Onda

Familienhotel mit drei Sternen 100 m vom Strand und 500 m von der Stadt entfernt.
• Avenue Christophe Colomb, 20260 Calvi, Tel. 04 95 65 35 00, www.hotel-londa.com

Hôtel La Villa

Seit mehr als 20 Jahren überraschen Marion und Jean-Pierre Pinelli jedes Jahr mit neuen Projekten die Gäste ihres Fünfsterne-Relais-&-Châteaux-Hauses – zum Beispiel mit Gastkünstlern. Patrick Bruel und Romane Bohringer gehören zu den Stammgästen. Und lieben die Küche von Laurent Renard, der zu den neun Sterneköchen der Île de la Beauté gehört.
• Chemin Notre Dame de la Serra, 20260 Calvi, Tel. 04 95 65 10 10, www.hotel-lavilla.com

Noch mehr Betten*

 

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Im Blog

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Im Buch

Jenny Hoch: Gebrauchsanweisung für Korsika*

Cover: Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. Foto: Hilke Maunder33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi hier lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika*

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, der Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Marcus X. Schmid: Korsika*

Marcus X. Schmid, Korsika

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll.

Ich kann seinen Führer aus ganzem Herzen empfehlen – er hat mich auf allen Erkundigungen nie im Stich gelassen und mir oft schöne, neue, unbekannte und überraschende Ecken gezeigt.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ und „Südfrankreich“ erschienen sowie Führer zu italienischen Destinationen. Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Hilke Maunder: Baedeker „Korsika“*

Baedeker Korsika

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild.

„Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo.

Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: “ Goûtez !“ Lasst euch mit meinem Baedeker Korsika* an Orte wie diesen (ver)führen. Genussmomente und einzigartige Erlebnisse: Sie machen den Band besonders. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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2 Kommentare

  1. ich kann nur bestätigen, Calvi ist super. Am Strand fährt die kleine Bummelbahn, die die Möglichkeit eröffnet andere Strände mal zu besuchen, ohne das Auto anzufassen

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