Le Cap d’Agde: der Millionen-Facelift

Der geplante Iconic-Komplex von Cap d'Agde
Der geplante Iconic-Komplex von Cap d'Agde

Jean Le Coutour entwarf das Cap d’Agde als Urlaubsstadt auf dem Reißbrett. Gut 50 Jahre später investiert der Badeort im Hérault erneut umfangreich in den Tourismus. Bereits fertiggestellt ist ein neues Quartier hinter dem Sportboothafen. In nur 18 Monaten wurde es vollendet.

Das Kongresszentrum von Wilmotte. Foto: Hilke Maunder
Das Kongresszentrum von Wilmotte. Foto: Hilke Maunder

2017 gaben die Stadtväter grünes Licht für den Bau eines Kongresszentrums mit 1200 Plätzen, eines Kasinos und eines Viersternehotels. Auch Wohnungen sind vorgesehen in dem Entwurf von Jean-Michel Wilmotte, den Kaufman & Broad unter dem Namen Iconic errichtet.

Das Kongresszentrum von Wilmotte. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Eine neue Ikone

Ungewöhnlich für Le Cap d’Agde ist die Architektur auf jeden Fall. Wilmotte entwarf die beiden, rund 20 Meter hohen Gebäude als kreisrunde Bauten aus weißem Beton mit gestaffelten Geschossen.

So schuf er Platz für Gärten, Terrassen und viel Grün. In den Innenhöfen wachsen Palmen und mediterrane Kräuter neben der Vegetation der Garrigue. Viele der Wohnungen haben Terrassen und Meerblick.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Erfolgreich hat Wilmotte die Verkehrsbereiche getrennt. Bereits vor dem Kreisel, der die Zufahrt zum Kongresszentrum und dem benachbarten Casino Barrière regelt, können Fußgänger aussichtsreich auf einer Rampe die Gebäude erreichen – und abseits vom Verkehr weiter spazieren bis zur Dachterrasse mit weitem Blick bis zum Hafen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das Baugrundstück ist ein ehemaliger, zehn Hektar großen Parkplatz neben dem Office de Tourisme. Geplant ist auch eine Rambla. In Verlängerung der Rue du Tambour verbindet sie als Bummelpromenade den neuen Komplex mit dem  Hafen, seinen Promenaden und seinen Restaurants und Bars. Baubeginn war 2018. Im Sommer 2022 soll alles fertig sein.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Die Aufhängung der Außenverschaltung. Foto: Hilke Maunder
Die Aufhängung der Außenverschaltung. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

101 Ferienwohnungen

Die Verkaufspreise für die 101 appartements de tourisme mit zwei bis vier Zimmern beginnen ab rund 5000 Euro pro Quadratmeter, so Kaufman & Broad. Sie sind damit fast doppelt so teuer wie sonstige Ferienwohnungen in Cap d’Agde, wo je nach Lage der Quadratmeterpreis zwischen 2500 – 3000 Euro schwankt. Ebenfalls dort verkauft werden ein bis vier Zimmer große Wohnungen für Dauernutzer.

Die Dachterrasse des Kongresszentrums. Foto: Hilke Maunder
Die Dachterrasse des Kongresszentrums. Foto: Hilke Maunder

„Die Stadt muss ihr Angebot vom Niveau her anheben und sich eine neue Identität und Attraktivität geben, um sich den Bedürfnissen der Touristen anzupassen und die Einheimischen zu halten“, sagt Jérôme Cavailles, Kommunikationschef der Kommune. In Agde und seinen Ortsteilen leben 25.000 Bürger. Zur Hauptsaison steigt die Bevölkerungszahl auf 250.000 Menschen.

Der Sportboothafen von Cap d'Agde. Foto: Hilke Maunder
Einer der acht Sportboothäfen von Le Cap d’Agde. Foto: Hilke Maunder

Schwarze Perle am blauen Meer

„Schwarze Perle des Languedoc“, so wird die Strandstadt auch gerne genannt. Denn ihre 14 Kilometer langen Sandstrände, die sich auf mehrere Buchten verteilen, bergen auch schwarzen Vulkansand.

Zu den Stränden führen Fußwege (ramblas). Der meiste Betrieb herrscht an der Plage du Mole. Die Plage Richelieu ist der größte Strand von Cap d’Agde. Berühmt für ihren schwarzen Sand ist die Plage de la Grande Conche unterhalb der Klippen.

Das Herz von Cap d’Agde bildet ein künstlicher Binnensee. An ihm wurden acht Sportboothäfen gelegt, die pastellfarbene, niedrige Häuser im Stil des Languedoc einrahmen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Vor den Stränden wurde im 17. Jahrhundert nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Sébastien de Vauban auf einer Vulkaninsel das kleine Fort des Brescou errichtet. Während der Saison pendeln Ausflugsschiffe Cap d’Agde und Grau d’Agde dorthin. Welche Meeresbewohner das Mittelmeer birgt, verrät das Aquarium mit 30 Becken. Auch Mu ränen und Haie sind dabei.

Das Musée Ephèbe birgt die einzige Sammlung der französischen Mittelmeerküste, das die  archäologischen Fundstücke aus dem Meer, aus den Seen oder den Flüssen zeigt. Prunk- stück ist die Bronzestatue eines schönen griechischen Jünglings, die 1964 aus dem Fluss Hérault geborgen wurde.

Berühmt wurde Le Cap d’Agde vor allem als Hochburg der Freikörperkultur. Sein Village Naturiste  gilt als weltgrößtes Zentrum für FKK.  Allerdings lockten die Nudisten in den letzten Jahren verstärkt auch Swinger an. Daher verlor Cap d’Agde das Qualitätssiegel vom französischen FKK-Verband.

Das alte Agde

Agde, Vogelkäfig. Foto: Hilke Maunder
In der Altstadt von Agde. Foto: Hilke Maudner

Von der Brücke an der Einmündung des Canal du Midi in den Hérault seht ihr das alte Agde. Sein Name ehrt die griechischen Glücksgöttin Agathe Tyche – denn es waren griechische Seefahrer, die einst das Städtchen um 500 vor Christus gründeten.

Agde.Foto: Hilke Maunder
In der Altstadt von Agde. Foto: Hilke Maunder

Auffällig ist Farbe der Fassaden. Nicht nur die Häuser, sondern auch die Kathedrale Saint-Étienne sind aus Lavastein gebaut. Erfahrt im Musée Agathois von Juni bis September mehr über die Stadt. Und bummelt ausgiebig durch die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und alten  Bürgerhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert!

Agde, Vogelkäfig. Foto: Hilke Maunder
Die Einheimischen scheinen Singvögel zu lieben – an vielen Balkonen hängen im Sommer die Vogelkäfige. Foto: Hilke Maunder
Agde, Vogelkäfig. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Gefällt euch dieser Beitrag? Nützen euch die Infos? Dann freue ich mich über euer merci . Fünf Möglichkeiten gibt es. Und auch PayPal.

Weiterlesen

Im Blog

Madeleine – eine Malerin aus Leidenschaft

In Agde bewahrt Chantal Haupt das Erbe ihrer Mutter Madeleine Thoubillon de Moncroc. Für meinen Blog durfte ich die Werke der bekannten französischen Malerin daheim bei der Tochter bewundern. Der Hausbesuch bei Madeleine: bitte einmal hier klicken.

La Florida Française

Wie die Küste des Languedoc sich zum Florida Frankreichs wandelte, erfahrt ihr hier.

Am Hafen von La Grande Motte. Foto: Hilke Maunder
Am Hafen von La Grande Motte. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Diesen Titel habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen seit sechs Ausgaben umfangreich erweitert und aktualisiert.

Strandvergnügen und Kultur, quirlige Städte und wildromantische Landschaften: Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet haben. Denn dieser Landstrich ist seit 2014 meine zweite Heimat.

Wandert rund um den Mont Lozére, radelt durch die Petite Camargue, schippert im Hausboot auf dem Canal du Midi, taucht mit der Zahnradbahn in die faszinierende Tropfsteinwelt der Cevennen ein oder entdeckt die Côte Vermeille bei einer Schnorchelwanderung. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps und Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von der Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sterncen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

Merci fürs Teilen!

4 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    vielen Dank für deine tollen Informationen, Reiseberichte etc.
    Ich habe schon sehr viele Jahre eine Immobilie in Cap d’Agde Naturiste.
    Eine Anmerkung habe ich in diesem Artikel. Sie schreiben: „Sein Village Naturiste Héliopolis gilt als weltgrößtes Zentrum für FKK“
    Bitte den Namen Héliopolis in diesem Kontext streichen, den Héliopolis heißt eines der Gebäude mit Appartments im Naturiste Viertel.
    Schöne Grüße, Elke

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.