Der entspannte Charme von Dole

Dôle am Doubs. Foto: Hilke Maunder
Dôle am Doubs. Foto: Hilke Maunder

Ich bekenne mich schuldig: Auf dem Weg in den Süden bin ich zu oft einfach durch die Franche-Comté gesaust, würdigte die alte Freigrafschaft kaum eines Blickes, doch dann verdonnerte mich eine Autopanne zur Nacht in Dole, und ich gelobte Besserung.

Die ehemalige Hauptstadt der Franche-Comté ist idyllisch, ganz und gar malerisch, und dann doch wieder überraschend modern. Elegant und doch mit Patina, eben nicht blank geputzt für den Tourismus, sondern ganz sie selbst, stolz auf das Erbe, doch dabei ganz unprätentiös, herrlich unaufdringlich. Für Schlagzeilen in der Geschichte sorgte sie nur wenige Male. 1323 heiratete hier der Dauphin von Viennois Isabelle, die Tochter König Philipps von Frankreich.

Stiftskirche Notre-Dame (16. Jh.). Foto: Hilke Maunder

Stadtbummel mit Titus

Kennt ihr den Kinofilm „Ein Mann geht durch die Wand“ mit Heinz Rühmann? Die Vorlage für das Drehbuch lieferte ein bekannter französischer Autor, dessen Werke mehr verfilmt als gelesen wurden: Marcel Aymé (1902 – 1967). Auch sein Hauptwerk „Die grüne Stute“ – wie auch die meisten anderen seiner Bücher – wurden verfilmt, oft mit Michel Serrault in der Hauptrolle.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Aymé in Dole. Heute könnt ihr dort auf den Spuren des Märchenkaters Titus aus „Kater Titus erzählt“ (Benzinger, 1964) vier Kilometer lang Dole entdecken. Die Bronzepfeile im Boden führen euch zu den schönsten Plätzen und Stellen.

Und auch in die Rue Pasteur am Rande des Gerberviertels. Dort wurde 1822  in sehr ärmlichen Verhältnissen ein Mann geboren, dessen Erfindung bis heute alle Welt nutzt: Louis Pasteur (1822 – 1895). Er entdeckte, das das kurzfristige Erhitzen von Lebensmitteln auf 60 bis 70 grad Celsius das Gros der Keime abgetötet. Dieses „Pasteurisieren“ ist bis heute gang und gäbe. In der Maison Pasteur könnt mehr zum Leben und den Forschungen des Mikrobiologen erfahren.

Statue vor der Stiftskirche. Foto: Hilke Maunder

Perle von Dole: das Gerberviertel

Stundenlang spazierte ich an prächtigen Bauten und eleganten Stadthäusern entlang, in die hier und da Cafés und inhabergeführte Boutiquen und Läden gezogen sind, bis ich in den Gassen des Gerberviertels auf einen Markt stieß, auf dem Wildschwein-Hartwurst zum Probieren auf Holzbrettchen lag, Käsewürfel verkostet werden konnten, Obst und Gemüse aus der Region von Bio-Bauern und kleinen Produzenten Abnehmer suchte – und bei jedem Kauf ausgiebig geklönt wurde.

Vor der Stiftskirche Notre Dame aus dem 16. Jahrhundert, die die Altstadt überragt, fand ich ein nettes Café, und war beim Apéro dann gar nicht mehr unglücklich über den unfreiwilligen Zwangsstopp.

Und als ich schließlich auch noch die Ufer des Doubs entdeckte, auf dem einst das weiße Gold der Salinen in Salins-les-Bains und der Saline Royal via Dole in alle Winkel Frankreichs verschifft wurden und heute Ausflugsschiffe und Hausboote vertäut sind, wusste ich: Hier muss ich noch einmal einen Halt machen. Und dann geplant und etwas länger!

Das Lycée Charles Nodier an der Grande Rue beim Doubs. Foto: Hilke Maunder

Dole: meine Reisetipps

Wein genießen

Le Clavelin

„Clavelin“ – so heißt das 62-Zentiliter-Fläschchen, in dem der gelbe Wein, der vin jaune, abgefüllt wird. Auch ihn findet ihr auf der ausgesuchten Karte der Weinbar-Restaurants, die sich ganz den edlen Tropfen der Region verschrieben hat.
• 24, Rue Pasteur, 39100 Dole, Tel. 06 26 66 73 61, www.le-clavelin.com

Schlafen und schlemmen

Au Moulin des Écorses

Valerie und Patrick Franchini haben eine alte Wassermühle in eine Verwöhnadresse für alle verwandelt, die eine gute Küche schützen – und danach nicht mehr fahren, sondern gleich ins Bett fallen wollen. Patrick ist Patron und Küchenchef zugleich und verwöhnt euch mit Klassikern – Weinbergschnecken, Jakobsmuscheln, Zander, Seezunge, Charolaisrind oder Bressegeflügel mit gelbem Wein und Morillen. 18 Zimmer warten danach auf euch…
• 14, Allée du Pont Roman, 39100 Dole, Tel. 03 84 72 72 00, www.hotel-restaurant-dole-jura.com

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Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den  MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende.

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4 Kommentare

  1. Dole verzaubert!
    wir fanden sogar einen Parkplatz, da wir ein Streikwochenende erwischt hatten..
    Trotzdem hatten Samstag nachmittag die vielen kleinen Geschäfte geöffnet und ich fand auch meinen kleinen, versteckten Regionalladen wieder!
    Um jede Ecke neue Blicke auf historische Gebäude – bis hin zum Doubs, der der Stadt noch das Sahnehäuptchen aufsetzt. Ein Besuch lohnt sich!!

    • Liebe Sonja, wie schön: Dole in der Adventszeit! Ich kenne es bislang nur im Frühling und Sommer – muss ich doch gleich mal nachholen, den Besuch in der Adventszeit… und nicht schon in Besançon beim Pendeln halten. Hier gibt es einen wunderschönen kurzen Trailer zum Städtchen: https://www.youtube.com/watch?v=8qbaTAuxWRg. Viel Spaß beim Hinträumen… hier ist das Wetter grad richtig gruselig! Beste Grüße zum 2. Advent! Hilke

  2. Nicht zu vergessen sei das Gourmand Wochenende in Dole, das seit 2016 immer am letzten Septemberwochenende in der gesamten Innenstadt, drinnen und draußen stattfindet. Mehr davon ist zu lesen unter Weekend Gourmand du Chat Perché (wobei das Emblem der Chat einem den Weg durch die Stadt zeigt), nicht zu verpassen, vaut absolument un détour!

  3. Was für ein herrliches Vergnügen, durch Frankreich reisen zu können! Der Standpunkt einer deutschen Journalistin ist lehrreich.
    Als Student und Deutschlehrer in Frankreich habe ich oft die Möglichkeit gehabt, in Deutschland viele Aufenthalte zu verbringen und ich behalte viele gute Erinnerungen im Kopf. Ich bin jetzt Mitglied des Deutsch-Französischen Vereins Pontarlier (in der Franche-Comté) und interessiere mich sehr für die deutsch-französischen Beziehungen.
    Ihre Webseiten sind sehr interessant. Wenn Sie Lust haben, besuchen Sie auch den Blog unseres Vereins: http://acfapontarlier.wordpress.com/

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