Le Donezan: Indian Summer bei den Katharern

Indian Summer im Donezan. Foto: Hilke Maunder
Indian Summer im Donezan. Foto: Hilke Maunder

Ganz und gar von Bergen umschlossen versteckt er sich im äußersten Osten des Départements Ariège: der Donezan. Oder, wie die Okzitanier ihn nennen: Donasan. Gerade mal 40 Quadratkilometer ist er groß. Doch für die knapp 500 Einwohner in seinen sieben Dörfern ist der Donezan ein kleines Stück Kanada.

Donezan: Nur sieben Dörfer birgt das Hochtal. Foto: Hilke Maunder
Nur sieben Dörfer birgt das Hochtal. Foto: Hilke Maunder

Eine Insel des Grünen inmitten des Granits. Mit reicher Flora und Fauna, klarer Luft und weitem Blick zu den Bergen. Und einem atemberaubend farbigen Indian Summer. Grund genug also, ein rotes Ahornblatt auf weißem Grund als Wappen zu wählen.

Schmale Landstraßen, kleine Dörfer. Und weiter Blick: der Donezan. Foto: Hilke Maunder
Schmale Landstraßen, kleine Dörfer. Und immer ein weiter Blick: der Donezan. Foto: Hilke Maunder

Auf der Höhe: sieben Dörfer

ArtiguesCarcanières, Le PlaLe PuchMijanèsQuérigut und Rouze heißen seine sieben Nester. In Höhen von etwa 900 bis 1200 Metern schmiegen sie sich an die Hänge der Berge, die 2300 bis 2800 Meter hoch in den südfranzösischen Himmel ragen.

Auf großen Wiesen weiden bei Wind und Wetter Kühe und Rinder. In der Ferne wird Holz eingeschlagen. Dicht an dicht ist am Ackerrain ein Apfelbaum mit kleinen, süßen Früchten behangen.

Donezan: wilde Früchte - ein Apfelbaum. Foto: Hilke Maunder
Wilde Früchte: ein Apfelbaum im Donezan. Foto: Hilke Maunder

Wildbäche wie die Bruyante, die Artigue und der Quérigut gurgeln und rauschen. Sie hüpfen über Felsen, bilden kleine Wasserfälle und füttern die hoch gelegenen Bergseen von Quérigut, Laurenti und Rabassoles.

Der Donezan ist bis heute bäuerlich - und sehr authentisch und ursprünglich. Foto: Hilke Maunder
Der Donezan ist bis heute bäuerlich – und sehr authentisch und ursprünglich. Foto: Hilke Maunder

Eine Landschaft, wie aus der Zeit gefallen. Und doch Jahrhunderte lang hart umkämpft. Hin und her wechselten die Herrscher. Mal war das Hochtal Teil der Grafschaft Razès, dann der Cerdanya, ab 1118 im Besitz der Grafschaft Barcelona. Im 14. Jahrhundert war sie sogar eine kurze Zeit unabhängig. Erst mit dem Pyrenäenfrieden (1659) kam der Donezan endgültig zu Frankreich.

Im Herbst leuchtet der Donezan - die Laubfärbung inszeniert einen echten Indian Summer. Foto: Hilke Maunder
Im Herbst leuchtet der Donezan. Die Laubfärbung inszeniert einen echten Indian Summer. Foto: Hilke Maunder

An das Hin und Her der Macht erinnern heute nur noch zwei mittelalterliche Burgruinen. Beide sind mit dem Fels nahezu verschlossen. Es sind das Château de Quérigut und das Château d’Usson.

Die Burg von Quérigut

Das Château de Quérigut erhebt sich mitten in der gleichnamigen Hauptstadt des Donezan. Erst einige Steinstufen, dann Treppen mit Gitterrosten führen zur Burg hinauf, die rund um die Uhr kostenlos besichtigt werden kann. Nachts wird sie angestrahlt!

Donezan: die Burg von Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Quérigut. Gegenüber von diesem Haus führt eine Gasse hin zu den Felsen samt Kreuz, von denen ihr die Burg samt der Pyrenäen sehen könnt. Foto: Hilke Maunder

Erstmals erwähnt wird die Burg von Quérigut in der Schenkungsurkunde von König Peter II. von Aragon an den Grafen von Foix Raymond-Roger aus dem Jahr 1209.

Vom 15. Jahrhundert bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie mehrmals von den Spaniern belagert. 1495 scheiterte eine Eroberung. Doch knapp 100 Jahre später, im Jahr 1589, gelang es den Belagerern, sie niederzubrennen.

Die Burg von Queribus. Foto: Hilke Maunder
Die Burg von Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Der Zugang zur Burg mit seinen Gitterrosten. Foto: Hilke Maunder
Der Zugang zur Burg von Quérigot mit den Gitterrosten. Foto: Hilke Maunder

Ludwig XVIII. ließ die Burg wieder aufbauen und errichtete dort eine Garnison, die bereits am 25. April 1638 wieder abgeschafft wurde. 1676 wurde die Burg erneut niedergebrannt. 1709 ordnete Ludwig XIV. die Restaurierung der Burg ein und machte sie erneut zur Garnison.

Im Innern der Burg von Quéribus. Foto: Hilke Maunder
Im Innern der Burg von Quérigut. Foto: Hilke Maunder

❤️  Den schönsten Blick auf die Burg und die Bergspitzen der Pyrenäen habt ihr, wenn ihr auf der D 316 – die Burg mit großem Haus und Gärten zu eurer Linken – rechts abbiegt in eine Gasse, die euch zu den mit einem Kreuz bekrönten Felsen bringt. Von der Gasse führt zwischen zwei Grundstücken ein schmaler Pfad zu den Granitblöcken mit dem Kreuz. Von dort oben ist der Blick auf die Burg atemberaubend!   ❤️

Frankreichs südlichste Katharerburg

Usson ist die südlichste Festung der Katharer in Frankreich. Um 1240 war die Burg auf der Felsspitze die letzte Bastion der in die Burg von Montségur geflüchteten Katharer. Aus Usson erhielten sie Waffen und Lebensmittel.

Blick von der Burg auf die Pfarrkirche von Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von der Burg auf die Pfarrkirche von Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Quérigut. Foto: Hilke Maunder
Von diesem Kreuz aus könnt ihr das Château de Quérigut vor den Bergspitzen der Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
Von diesem Kreuz aus könnt ihr das Château de Quérigut vor den Bergspitzen der Pyrenäen sehen. Foto: Hilke Maunder

Nach Usson war vor der Belagerung von Montségur der Schatz der Katharer gebracht worden. Nach Usson entkamen auch die letzten sechs „Ketzer“, die Kirche und Krone massiv verfolgten. Und schließlich ausrotteten.

Die Burgruine von Usson. Foto: Hilke Maunder
Die Burgruine von Usson. Foto: Hilke Maunder

1257 – nach anderen Quellen 1258 – wurde Bernard d’Alion als letzter Burgherr von Usson gefangen genommen und nach einem Inquisitionsprozess in Perpignan verbrannt. Die reinen Menschen gab es nicht mehr. Doch ihre Geschichte, ihr Erbe und ihr Glaube sind im Süden von Frankreich tief verwurzelt.

Donezan: meine Reisetipps

Schlafen & schlemmen

Donezan: die Betreiberin des Sabin Rouge von Artigues Foto: Hilke Maunder
Die Betreiberin des Sapin Rouge von Artigues Foto: Hilke Maunder

Le Sapin Rouge

Drei Doppel-, zwei Einzelzimmer, eine wunderschöne Gaststube, eine zum Teil überdachte Terrasse – und zwei Gastgeber, die mit Herzblut und Herzlichkeit als Pächter der Gemeinde das schönste Hotel und Restaurant des Donezan betreiben. Doch auch sie werden älter. Und suchen daher Nachfolger, die ihren Gasthof übernehmen.

Donezan: Foie Gras im Sapin Rouge von Artigues. Foto: Hilke Maunder
Kolossal köstlich: der Foie Gras im Sapin Rouge von Artigues. Foto: Hilke Maunder

Doch so lange das Hotel-Restaurant nicht verkauft ist, betreiben es Régine aus Toulouse und François aus Marseille weiterhin mit Charme. Und köstlicher Küche!
• rue de l’École, 09460 Artigues, Tel. 04 68 74 36 65, www.gite-sapin-rouge.fr

Donezan: Le Sapin Rouge - was für ein schöner Gîte... und was für ein Restaurant! Foto: Hilke Maunder
Le Sapin Rouge: was für ein schöner gîte … und was für ein Restaurant! Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Betten*
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Donezan: Blüten ... auch mitten im Herbst... Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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Im Donezan leben noch viele Selbstversorger. Hier presst eine Familie ihre Äpfel zu Saft – Vitamine für den Winter. Foto: Hilke Maunder
Im Donezan leben noch viele Selbstversorger. Hier presst eine Familie ihre Äpfel zu Saft – Vitamine für den Winter. Foto: Hilke Maunder

Weiterreisen

Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt. Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte.

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Donezan: heller Kalk und gelbes Laub... Foto: Hilke Maunder
Donezan im Herbst: heller Kalk und gelbes Laub. Foto: Hilke Maunder
Donezan: schmale Landstraße und immer wieder Felsdurchbrüche... Foto: Hilke Maunder
Donezan: schmale Landstraße und immer wieder Felsdurchbrüche. Foto: Hilke Maunder
Donezan: halbwilde Pferde. Foto: Hilke Maunder
Donezan: halbwilde Pferde. Foto: Hilke Maunder
Bis 2.800 m hoch umrahmen die Bergspitzen der Pyrenäen den Donezan. Foto: Hilke Maunder
Bis zu 2.800 Meter hoch umrahmen die Bergspitzen der Pyrenäen den Donezan. Foto: Hilke Maunder
Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Frau Maunder,

    vielen herzlichen Dank für diesen wunderschönen und inspirierenden Beitrag! Ich werde diese Region auf jeden Fall zu meiner Reiseziel-Liste hinzufügen – es sieht einfach traumhaft und sehr authentisch aus! Ein farbenfrohes Wanderparadies für den Herbst:-)

    Bonne journée und viele Grüße

    Karin Denzler

    • Liebe Frau Denzler, ja, den Donezan kann ich nur aus vollstem Herzen empfehlen – ein wundervolles Fleckchen in Frankreich!
      Viele Grüße, Hilke Maunder

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