Paul Cézanne: das letzte Atelier

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Alles ist im Atelier von Paul Cézanne so geblieben, als sei der Maler nur mal eben kurz fortgegangen. Foto: Hilke Maunder

Er hatte schon an vielen Orten gemalt, viele Studios eingerichtet. Und all dieses Wissen, all diese Erfahrungen flossen in die Gestaltung des letzten Ateliers ein, das Paul Cézanne (1839-1906) im oberen Geschoss eines kleinen Anwesens Les Lauves oberhalb von Aix-en-Provence einrichtete.

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Paul Cézanne liebte Äpfel –im Atelier sind sie als Deko zu sehen. Foto: Hilke Maunder

Das Landhaus des Malers

Das Landhaus umgaben damals noch 7000 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche, auf der Oliven- und Feigenbäume wuchsen. Cézanne hatte es im November 1901 von Joseph Bouquier gekauft. Genau hatte er dabei die Vorzüge der Lage bedacht.

Les Lauves befand sich noch außerhalb der Stadt – und doch schon genau auf halbem Weg zu einem Punkt, von dem aus er seine geliebte Montagne Saint-Victoire sehen konnte.

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Neben der Tür könnt ihr den Schlitz für die großformatigen Bilder erkennen. Foto: Hilke Maunder

Maßgeschneidert für Paul Cézanne

Die Wände ließ er grau mattieren, gen Norden deckenhohe Fenster einbauen. An der Südseite schützen Mauern vor dem starken Sonnenlicht des Südens.

Eine Öffnung neben der Fensterfront erlaubt ihm, großformatige Werke über eine Winde ganz bequem hinein- oder herauszutransportieren, ohne sie umständlich durch das Treppenhaus balancieren zu müssen.

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der tägliche Marsch des Malers

Von 1902 bis zu seinem Tod 1906 arbeitete er hier und marschierte fast täglich mit seinem, samt Staffelei 20 Kilogramm schweren, Malutensilien-Rucksack zu Motiven in die Natur und zum heutigen Terrain des Peintres mit Paradeblick auf den Berg. Auf zehn Tafeln sind hier Motive des Malers zu sehen.

Mittags ging’s zum déjeuner den Hügel hinab in die Stadt. Dort tafelte Cézanne häufig mit seinem Freund Zola am Cours Mirabeau in einer Brasserie, die mit vergilbten Spiegeln, Lüstern, Stuck, Gold und Glanz bis zum großen Brand von 2019 ein Schmuckstück der Belle Epoque war: Les 2 Garçons.

Charmant mit Schnauzer: der Ober einer Brasserie. Foto: Hilke Maunder
Charmant mit Schnauzer: der Ober der durch Brand zerstörten Brasserie Les deux Garcons. Foto: Hilke Maunder

Das einzige Porträt, das Cézanne je von Zola gemalt hat, hängt in Aix im Musée Granet – gemeinsam mit neun weiteren Werken des Malers.

In den historischen Mauern hatte Cézanne von 1857 bis 1862 zeichnen gelernt. Das alte Priorat des Malteserordens barg damals die kostenlose Zeichenschule der Stadt. Nachmittags marschierte Cézanne wieder hinauf zum Atelier, abends den Hügel hinab nach Hause.

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Die Utensilien eines Malers – und wieder ein Apfel, den Paul Cézanne so liebte. Foto: Hilke Maunder

Cézannes Atelier: ein Museum, das berührt

Nach dem Tod von Cézanne blieb das Atelier geschlossen, 15 Jahre lang. Erst dann verkaufte es der Sohn von Paul an Marcel Provence, der das Maler-Anwesen bis zu seinem Tod bewohnte. Danach verwaist, drohte der Abriss.

Nur dank der Initiative von James Lord und John Rewald könnt ihr heute ein Atelier erleben, das noch die Gegenwart des Malers spüren lässt. Fast scheint es, als sei Cézanne nur mal eben fortgegangen.

Lord und Rewald gründeten das Cézanne Memorial Committee. Sie starteten in den USA eine Spendenaktion, erwarben mit den eingesammelten Geldern das Anwesen und schenkten es der Universität Aix-Marseille.

Die Uni eröffnete in den Räumlichkeiten am 8. Juni 1954 ein Ateliermuseum. Seit 1969 ist die Stadt Aix-en-Provence Eigentümerin des Objekts und das dortige Office de Tourisme der offizielle Betreiber.

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Ein Kreuz über einer Sammlung von Objekten. Paul Cezannes Zugang zur Religion war komplex und zutiefst persönlich. Foto: Hilke Maunder

Info: Cézanne & Aix

Sur les pas de Paul Cézanne

Mit Metallplatten, die ein C tragen, ist in Aix ein Rundgang gekennzeichnet, der vom Geburtshaus des Malers bis zum Friedhof Saint-Pierre führt, wo Cézanne 1906 seine letzte Ruhestätte fand.

Geführte Besichtigung auf den Spuren von Cézanne, Apr. – Okt. Do. 10.00 Uhr, Office de Tourisme.

Atelier Paul Cézanne

9, Avenue Paul Cézanne, Aix-en-Provence, Tel.  04 42 21 06 53, www.atelier-cezanne.com

Aix-en-Provence: das Atelier von Cézanne. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Paul Cézanne in den Museen der Welt

Musee d’Orsay, Paris

Das Musée d’Orsay beherbergt eine umfangreiche Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Kunst, darunter eine bemerkenswerte Auswahl an Werken von Paul Cézanne. Die Sammlung umfasst Gemälde und Zeichnungen, die verschiedene Aspekte von Cézannes Karriere zeigen, von seinen frühen Einflüssen bis zu seinen bahnbrechenden Entdeckungen in Komposition und Form. Zu seinen wegweisenden Werken im Museum gehören „Die Kartenspieler“, „Mont Sainte-Victoire“ und „Stillleben mit Äpfeln“.

Musée de l’Orangerie, Paris

Das im Tuileriengarten gelegene Musée de l’Orangerie ist berühmt für Claude Monets  Seerosenserie. Neben Monet verfügt das Museum auch über eine Sammlung von Werken von Cézanne. Seine Gemälde hier zeigen oft seinen postimpressionistischen Stil, der durch kühne Pinselführung und eine einzigartige Herangehensweise an die Perspektive gekennzeichnet ist. „Les Grandes Baigneuses“ (Die großen Badegäste) ist eines seiner wesentlichen Werke, das in diesem Museum zu sehen ist.

The Barnes Foundation, Philadelphia/USA

Die Barnes Foundation beherbergt eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen impressionistischer, postimpressionistischer und früher modernistischer Kunst. Seine Paul-Cézanne-Sammlung ermöglicht es, Cézannes künstlerische Entwicklung zu verfolgen. Werke wie „Die Kartenspieler“, „Der Badende“ und „Die Pfefferminzflasche“ veranschaulichen seinen revolutionären Einsatz von Farben und geometrischen Formen.

Das Metropolitan Museum of Art, New York City/USA

Das Metropolitan Museum of Art beherbergt eine beeindruckende Sammlung europäischer Kunst, darunter mehrere bedeutende Werke von Paul Cézanne. Die Sammlung umfasst Landschaften, Porträts und Stillleben, die Cézannes Meisterschaft in Komposition und Technik unter Beweis stellen. Zu den wichtigsten Werken der Sammlung gehören „Madame Cézanne im gelben Stuhl“, „Die Badende“ und „Gardanne“.

Die Staatliche Eremitage, St. Petersburg/Russland

Die Staatliche Eremitage ist eines der größten und renommiertesten Kunstmuseen weltweit und besitzt eine bedeutende Anzahl von Cézannes Gemälden und Aquarellen, die seine Entwicklung als Künstler zeigen. Zu den Hauptwerken der Sammlung gehören „Der Junge in der roten Weste“, „Äpfel und Orangen“ und „L’Estaque mit roten Dächern“.

Paul Cézanne: Das Meer bei Estaque. National Gallery London. Foto: Hilke Maunder
Paul Cézanne: Das Meer bei Estaque. National Gallery, London/GB. Foto: Hilke Maunder

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