Gaillac: die Heimat des Hahnenweins
Das südliche Tarntal zwischen Albi und Toulouse gehört zu den ältesten Weinbaugebieten Frankreichs. Bereits vor der Ankunft der Römer wurden rund um Gaillac Reben gekeltert.
Zeugnis geben davon Töpferfunde aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, die bei Montans am linken Tarnufer gefunden wurden.
Alte Rebsorten
Auf den sanft gewellten Hügeln zwischen den Ufern des Tarn und den Kalkböden bei Cordes-sur-Ciel werden bis heute vorwiegend alte autochthone Rebsorten angebaut. Mauzac, Duras, Braucol und Len de l’El sind nur in diesen Lagen von Gaillac zu finden. Zusätzlich gibt es noch die seltenen Sorten Verdanel und Ondenc , die ebenfalls typisch für das Weinbaugebiet Gaillac sind.
Rotweine
Die Rotweine von Gaillac sind tiefrot und oft kräftiger als die Clairet-Weine aus Bordeaux. Sie machen den größten Teil der Produktion aus. Die wichtigsten roten Rebsorten sind Braucol, Duras sowie der Syrah, der im gesamgten Süden des Landes weit verbreitet ist. Diese Weine sind bekannt für ihre Aromen von dunklen Früchten, Gewürzen und erdigen Noten. Sie haben oft eine gute Struktur und Tannine, die sie für die Alterung geeignet machen.
Braucol
Diese rote Rebsorte ist im gesamten Südwesten Frankreichs daheim, wo sie auch Fer Servadou heißt. Im Anbaugebiet Gaillac ist sie mit 22,4 Prozent Anteil im Weinberg die rote Haupttraube. Sie ergibt reiche, körperreiche Weine mit Aromen von schwarzen Früchten, Gewürzen und erdigen Noten.
Duras
Nach der Stadt Duras ist diese dunkelhäutig rote Rebsorte benannt, die vollmundige, tanninhaltige Weine mit Aromen von Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren und Gewürzen hervorbringt. Duras wird oft mit anderen Rebsorten wie Braucol verschnitten und wächst auf 17,4 Prozent der Rebfläche.
Roséweine
Gaillac produziert auch Roséweine, die oft aus denselben Rebsorten wie die Rotweine hergestellt werden. Diese Weine sind fruchtig und lebhaft, mit Aromen von roten Beeren und einer frischen Säure.
Weißweine
Sehr vielfältig sind auch die Weißweine von Gaillac. Die wichtigsten weißen Rebsorten sind Mauzac, Len de l’El (auch bekannt als Loin de l’Œil), Ondenc und Verdanel. Diese Weine können trocken, halbtrocken oder süß sein und bieten eine breite Palette an Aromen, von blumig und fruchtig bis hin zu honigartig und nussig.
Der Perlé ist der Crémant von Gaillac, ein leichter, trockener Weißwein mit einem dezenten Kohlensäureüberschuss, der ihm eine feine, natürliche Perlung verleiht. Sein Name Perlé verweist auf die langsam aufsteigenden Bläschen im Glas .
Len de l’El (Loin de l’Œil)
Fast nur in der AOP Gaillac findet ihr diese weiße Rebsorte, die 31,3 Prozent in den Rebgärten stellt – und damit fast genauso viel wie der Mauzac. Sie bringt aromatische, blumige Weine mit Aromen von Pfirsich, Aprikose und Honig hervor.
Len de l’El wird vorwiegend für die Herstellung von süßen Weinen aus der Spätlese verwendet, eignet sich aber auch für trockene und halbtrockene Weine.
Mauzac
Diese weiße Rebsorte ist eine der ältesten und mit 31 Prozent die wichtigste Rebsorte in der Region Gaillac. Sie besitzt einen hohen Säuregehalt und apfelähnliche Aromen. Sortenrein gibt es sie kaum. Meist wird sie mit anderen Rebsorten verschnitten – bei trockenen Weinen ebenso wie bei Süß- oder Schaumweinen.
Gaillac ist traditionell ein Rotweingebieet, doch auch die Weißweine werden zunehmend beliebter. In Gaillac werden jährlich etwa 174.350 Hektoliter Rotwein produziert, was etwa 23 Millionen Flaschen entspricht. Im Vergleich dazu werden etwa neun Millionen Flaschen Weißwein und sechs Millionen Flaschen Roséwein produziert.
Himmlische Wurzeln
Als offizieller Beginn des Weinbaus nach ersten Wurzeln in der Antike gilt die Gründung der Benediktinerabtei Saint-Michel im Jahr 972. Rasch avancierte die Abtei zum Zentrum des Weinbaus. Die Benediktinermönche bauten auf den Ländereien der Abtei nicht nur Wein für den Eigenbedarf an, sondern auch für den Verkauf an die umliegenden Gemeinden.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Abtei Saint-Michel zu einem bedeutenden Weinproduzenten des Gaillac, kaufte immer mehr Weinberge auf – und produzierte im 18. Jahrhundert jährlich mehr als 500.000 Liter Wein.
Legendär: der vin du coq
Der Exportschlager der Abtei Saint-Michel war ein Rotwein mit einer recht ungewöhnlichen Reifungstechnik: der vin du coq . Dieser „Hahnenwein“ ist eine Cuvée aus mehreren Rebsorten, darunter Duras, Braucol und Syrah. Mindestens drei Jahre lang reift er in Eichenfässern, bevor er in die Flaschen kommt.
Im Mittelalter exportierte sie den vin du coq aus Gaillac sogar nach England und in die Niederlande. Bereits im 13. Jahrhundert legte Raymond VII., Graf von Toulouse, eine Qualitätscharta für Gaillac-Weine fest.
Während dieses Reifungsprozesses setzten einst die Winzer aus Gaillac einen Hahn auf das Fass, um die Oxidation zu verhindern. Zugleich diente der Hahn auf dem Fass als Zeichen für Qualität. Ein gesunder, lebhafter Hahn galt als Zeichen für einen guten Wein, während ein kranker oder schwacher Hahn auf einen minderwertigen Wein hinwies.
Showcase der AOP
Heute birgt die Abtei Saint-Michel ein Weinzentrum, das neben Verkostungen auch Führungen durch die historischen Weinkeller und Weinberge der Abtei anbietet.
Im Ausschank sind nicht nur Tropfen der Abtei, sondern nahezu aller führenden Winzer der AOP – Genossenschaften und andere Großbetriebe ebenso wie unabhängige Winzer.
Die besten Winzer aus Gaillac
Domaine Plageoles
Dieses Weingut in Familienbesitz gehört seit 1805 zu den angesehensten und innovativsten Erzeugern in der AOP Gaillac. Es ist bekannt für seine Konzentration auf einheimische Rebsorten, biologische und biodynamische Anbaumethoden und einzigartige Weinbereitungstechniken. Der Domaine Plageoles bietet auch einen sortenreinen Verdanel-Wein an, der die Besonderheiten dieser seltenen Rebsorte hervorhebt.
• Durantou, 81140 Cahuzac-sur-Vère, Tel. 05 63 33 90 40, www.vins-plageoles.com
Domaine d’Escausses
Auf halbem Weg zwischen der Bischofsstadt Albi und dem mittelalterlichen Dorf Cordes-sur-Ciel findet ihr das Weingut der Familie Balaran. Sie vinifiziert auf zwei Terroirs in Gaillac. Jean-Marc kümmert sich in Sainte-Croix um den Domaine d’Escausses, seine Tochter Aurélie in Cahuzac-sur-Vère um das Château L’Enclos des Roses.
• 32, Route de la Salamandrié, 81150 Sainte-Croix, Tel. 05 63 56 80 52, https://famillebalaran.com
Château Lastours
Dieses historische Weingut stammt aus dem 13. Jahrhundert und produziert eine Reihe von Spitzenweinen, darunter Rot-, Weiß- und Roséweine. Es ist bekannt für die Anwendung traditioneller Weinbereitungstechniken und sein Engagement für Nachhaltigkeit.
• Lastours, 81310 Lisle-sur-Tarn, Tel. 05 63 57 07 09, www.chateau-lastours.com
Domaine Causse Marines
Das Weingut Causses Marines gehört zu den Pionieren des biodynamischen Weinbaus in Frankreich. Zahlreiche Winzer, die heute so produzieren, nennen dieses Weingut immer wieder als Vorbild – oder haben sogar dort gearbeitet. Winzer Patrice Lescarret und sein Team verbinden bei ihrer Arbeit biodynamische Praktiken mit traditionellen Kellertechniken.
Sie folgen einem Mondkalender, um zu bestimmen, wann die Reben gepflanzt, geerntet und in Flaschen abgefüllt werden, und sie verwenden natürliche Präparate wie Kompost und Kräutertees, um den Boden zu düngen und die Reben vor Krankheiten zu schützen. Ihre Weinstöcke sind fast ausschließlich lokale, endemische Rebsorten wie Mauzac, Len de l’El und Braucol.
• Le Causse, 81140 Vieux, Tel. 05 63 33 98 30, https://causse-marines.com
Domaine du Moulin
Auf beiden Ufern des Tarn erstrecken sich auf 38 Hektar die Weinberge der Familie Hirissou, die sie seit drei Jahrhunderten bearbeitet – handwerklich wie einst.
• Chemin des crêtes, 81600 Gaillac, Tel. 05 63 57 20 52, www.ledomainedumoulin.com
Domaine des Terrisses
Seit vielen Generationen lebt die Familie Cazottes im Herzen ihres Weinguts. Als Alain Cazottes 1984 die Nachfolge seines Vaters antrat, begann er die Umstellung auf nachhaltigen Anbau. Unkraut beispielsweise wird seitdem nur unter den Rebreihen auf Basis von Blattdünger bekämpft.
• 249, chemin des Terrisses, 81600 Gaillac, Tel. 09 50 27 11 38, www.domainedesterrisses.fr

Dies sind nur einige Beispiele für die vielen außergewöhnlichen Winzer des Gaillac. Mit seiner langen Geschichte und seiner Vielfalt an Rebsorten ist Gaillac eine AOP, die auch weiterhin einige der spannendsten und innovativsten Weine Frankreichs hervorbringt.
Verschifft wurden die Weinfässer von den beiden Häfen Lisle-sur-Tarn und Rabastens. Letzterer prägte eine bis heute beliebte Redensart. Être entre Gaillac et Rabastens heißt im Volksmund „betrunken sein“. Und das kann leicht passieren. Denn nicht nur die Tropfen des Moulin Hirissou, der Rot-, Rosé- und Weißweine trocken wie süß herstellt, sind köstlich.
Gaillac: meine Reisetipps
Schlemmen und genießen
Vigne en Foule
Bistro und Weinbar vereint diese Bar-Restaurant mit Terrasse – seine Küche zeichnete Michelin für sein gutes Preis-Leistungsverhältnis mit dem Bib Gourmand aus.
• 80, place de la Libération, 81600 Gaillac, Tel. 05 63 41 79 08, https://vigneenfoule.fr
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Im Blog
Albi
Nicht weit von Gaillac entfernt findet ihr im Tarn-Tal die alte Bischofsstadt Albi. Mehr zum Welterbe mit dem Beinamen la rouge erfahrt ihr hier.
Rauf aufs Rad im Tarntal
Durch das Tarntal führt eine Radwanderroute. Hier erfahrt ihr mehr!
Im Buch
Mein Reiseführer-Tipp: Midi-Pyrénées*

Annette Meiser, die u.a. die erste müllfreie Schule Deutschlands mitbegründete, hat in der einstigen Region Midi-Pyrénées ihre Wahlheimat. Dort lebt und arbeitet sie seit vielen Jahren und bietet erdgeschichtliche und kulturhistorische Wanderreisen an.
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Für mich ist es der beste Reiseführer auf Deutsch für alle, die individuell unterwegs sind – sehr gut gefallen mir die eingestreuten, oftmals überraschenden oder kaum bekannten Infos. Wie zum einzigen Dorf Frankreichs, das sich in zwei Départements befindet: Saint-Santin liegt genau auf der Grenze von Aveyron und Cantal. Wer mag, kann den Band hier* direkt online bestellen.
Hilke Maunder, Okzitanien: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*
Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.
Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im
Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker! Hier* gibt es euren Begleiter.
Hilke Maunder Le Midi*
Die poule au pot ist eine der 80 echten, authentischen Speisen, die ich bei meiner kulinarischen Landpartie durch den Süden von Frankreich entdeckt habe. Zwischen Arcachon, Hendaye und Menton schaute ich den Köchen dort in die Töpfe, besuchte Bauern, kleine Manufakturen, Winzer und andere lokale Erzeuger.
Gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Müller reiste ich wochenlang durch meine Wahlheimat und machte mich auf die Suche nach den besten Rezepten und typischsten Spezialitäten der südfranzösischen Küche. Vereint sind sie auf den 224 Seiten meines Reise-Kochbuchs Le Midi.
Ihr findet darin 80 Rezepte von der Vorspeise bis zum Dessert, Produzentenportraits, Hintergrund zu Wein und Craftbeer, Themenspecials zu Transhumanz und Meer – und viele Tipps, Genuss à la Midi vor Ort zu erleben. Wer mag, kann meine 80 Sehnsuchtsrezepte aus Südfrankreich hier* online bestellen.
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