Camping ganz luxuriös: Le Brasilia in Canet-Plage. Der Eingang. Foto: Hilke Maunder
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Glamping im Test: Le Brasilia

Le Brasilia : Camping auf dem Paradeplatz der Pyrénées-Orientales hat wenig damit zu tun, wie ich es einst als junge Frau erlebt hatte. Camping hieß damals schlicht zelten. Und bedeutete die preiswerteste Form, unterwegs sein Bett aufschlagen zu können.

Zelturlaub 1984

Mein erstes Mal Camping war … 1984. Ein Platz gleich hinter den hohen Dünen der Silberküste von Neu-Aquitanien. Hohe Pinien, Waldboden, ein Zelt, ein Schlafsack, eine dünne, schmale Isomatte. Gemütlich eng, mein römischer Freund Claudio gleich neben mir. Die Rucksäcke draußen auf dem Gras, denn drinnen war kein Platz. Wir konnten kaum die Köpfe heben, ohne die Plane zu berühren. Und das durfte auf keinen Fall passieren.

Camping 1984. Foto: Hilke Maunder
Claudio in unserem Mini-Zelt. Foto: Hilke Maunder

Neben dem Kopf lag griffbereit eine Taschenlampe. Falls man nachts mal raus musste … Schlaftrunken  stolperte ich zum Sanitärtrakt über Taue, Wurzeln, Taschen. Ängstlich prüfte ich alle WC-Kabinen, ob da vielleicht jemand wäre, der da nicht hingehörte. Und kroch dann wieder ins Zelt, bis die ersten Sonnenstrahlen unter dem Reißverschluss hervor blinzelten. Das war für mich Camping. Und ohne Claudio nicht recht attraktiv. Ich zog den Komfort von Jugendherbergen und Gästezimmern bei privaten Vermietern vor.

Camping 1984. Foto: Hilke Maunder
Mit Claudio ging es zeltend in den Süden von Frankreich. Foto: Hilke Maunder

1984 war Camping das radikale Gegenmodell zur durchgetakteten Konsumgesellschaft. Es war die Suche nach dem echten, ungefilterten Leben, reduziert auf das Wesentliche: eine dünne Isomatte, das Prasseln des Regens auf der dünnen Zeltplane und eine weithin sichtbare Gleichheit auf dem sprichwörtlichen Präsentierteller. Wer hier über Zeltleinen stolperte, teilte den gleichen puristischen Alltag wie sein Nachbar. Freiheit bedeutete Verzicht.

Vier Jahrzehnte später wird deutlich, wqie gründlich die Postmoderne diesen Freiheitsbegriff umgedeutet hat. Glamping den einfachen wie preiswerten Natururlaub in ein hochglanzpoliertes Erlebnis verwandelt. Hinter der bewachten Schranke, behütet von uniformiertem Personal, inszeniert das Fünfsterne-Ressort Le Brasilia die perfekte Illusion von Wildnis und Unabhängigkeit – eingebettet in den Komfort einer Gated Community. Ich staune – und bin beeindruckt.

Glamping im Test: Le Brasilia

Le Brasilia verkündet der helle Schriftzug auf trendigem Korstenstahl im Rostlook nördlich der Mündung der Têt in Canet-en-Roussillon im Département Pyrénées-Orientales vor einer imposanten Einfahrt mit Kreisel. Jenseits der schicken, modernen Rezeption findet ihr den Dorfplatz. 2018 wurde er im typisch nordkatalanischen Stil errichtet.

Das Shopping-Dorf

Rund um einen offenen Glockenturm säumen mehrere Geschäfte den kleinen Arkadenplatz mit akkurat geschnittenen Olivenbäumen.  Im Sommer findet dort regelmäßig ein Wochenmarkt mit lokalen Produkten statt!

Vor der Bäckerei, aus der es verführerisch duftet, hat sich eine kleine Schlange gebildet. Frisches Obst und Gemüse, fast alles aus der Region und meist bio, findet ihr bei Radouane.

Glamping in Frankreich. Der Einkaufsdorf von Le Brasilia in Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder
Vereint in einem katalanischen Dorf: das Service- und Shoppingangebot von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Süßweine wie Muscat de Rivesaltes, Banyuls und Maury birgt der Weinkeller von Gilles. Einmal pro Woche lädt er zur Verkostung. Dann entkorkt er auch die trockenen Tropfen der AOC Collioure. Die schweren Roten der AOC Côtes du Roussillon und Côtes du Roussillon village sind süffige Träume aus Grenache.

Christine und Eric versorgen euch in ihrer Boutique mit den gängigsten französischen und europäischen Zeitungen und Zeitschriften, Postkarten und Tabakwaren. In einer Gasse findet ihr weitere Geschäfte – eine Modeboutique, einen Deko-Shop und einen Friseur.

Glamping in Frankreich. Der Einkaufsdorf von Le Brasilia in Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder
Ebenfalls im katalanischen Dorf zu finden: der Münzwasch. Foto: Hilke Maunder

Wellness im Spa

Die Straße führt zu einem architektonischen Hingucker. Seine Bögen aus Stahl erinnern mit ihren filigranen Mustern an typisch arabische Moucharabieh. Wie Kunstwerke rahmt der graue Beton die skurrilen Wuchsformen der exotischen Pflanzen ein.

Drinnen findet ihr im Spa Papillon auf 250 Quadratmetern mehrere Kabinen für Massage- und Kosmetikanwendungen, ein Teehaus, ein Solarium, ein Dampfbad und einen großen Whirlpool, der ausschließlich den Spa-Besuchern vorbehalten ist.

Das Papillon-Spa von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Das Spa Papillon von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Badespaß im L’Archipel

Jenseits des Spas drängen sich viele weitere Aktiv- und Animationsangebote. Das 6.000 Quadratmeter große Open-Air-Erlebnisbad L’Archipel weckt tropisches Ferienfeeling. Große Felsen, sanft abfallende Lagunenbecken mit kristallklarem Wasser, Wasserfälle, Sprudelliegen, Kokospalmen und Tropenblüten: Brasilien zum Baden! Damit auch der Nachwuchs seinen Spaß hat, gibt es im Wasserpark auch ein beheiztes Planschbecken mit Wasserspielen und ein Spaßbecken mit Wasserrutsche und Wasserrohr.

Glamping in Frankreich: der Pool von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Der Pool von Le Brasilia und das Spa Papillon. Foto: Hilke Maunder

Aquacyling oder Aquagym?

Eher an Erwachsene wendet sich der zweite, minimalistisch  im Cool-Contemporary-Look gestylte Badebereich mit seinen beiden Überlaufbecken: das eine zum Bahnenschwimmen, das zweite für Aquacycling und Aquagym. Zum Angebot für Aktive gehören ferner ein Fußballplatz mit Naturrasen, ein Beachvolleyballfeld, eine Anlage zum Bogenschießen, ein riesiges Pétanque-Gelände sowie Geräte für Cardiofitness im Indoor-Sportraum.

Glamping in Frankreich: der Pool von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Der Pool von Le Brasilia. Dahinter: das Erlebnisbad mit Wasserrutsche und Sprudelliegen. Foto: Hilke Maunder

Wenn ich da an 1984 denke, erinnere ich mich nur an ein Seil, das wir fürs Volleyball-Spielen zwischen zwei Kiefern aufgespannt hatten. Auch das Zelten hat sich mächtig verändert. 705 Stellplätze bietet Le Brasilia, davon 287 zur Miete.

Geschützte Oasen für Zelt und Camper

Alle Unterkünfte erstrecken sich in einem 17 Hektar großen Kiefernwald. In der Wärme duftet er herrlich – und spendet Schatten. Hecken aus Pfaffenhütchen, Pittosporum und Ölweide umgeben die  80-100 qm großen Stellplätze für Zelt, Caravan oder Womo.

Sie verwandeln das Zuhause unter freiem Himmel in gemütliche private Oasen. So seid ihr geschützt vor den Blicken von Gästen oder anderen Besuchern. Wir lagen damals noch allesamt auf dem Präsentierteller. Jeder sah, hörte und erlebte, was der andere gerade machte.

Glamping in Frankreich: das Okavango-Dorf von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Glamping in Frankreich: das Okavango-Dorf von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Urwald-Hütte oder Kreolen-Chalet?

Noch etwas gab es damals gar nicht auf unserem Platz: Hütten oder Villen zum Mieten. Hier jedoch wandle ich zwischen den verschiedensten Hüttendörfern umher. Im Okavango Village entdecke ich auf den dunklen Fassaden seiner 27 komfortablen Hütten geschnitzte Masken zwischen dichtem Grün.

Glamping in Frankreich: Chalets der Îles Marquises von Brasilia.
Glamping in Frankreich: Chalets im Kreolen-Stil von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Die 22 Cottages Créoles wecken Erinnerungen an die weißen Villen der Karibik. Die zwölf Ferien-Cottages der Îles Marquises entführen euch mit polynesischem Ambiente in den Südpazifik.

In Sonnengelb oder Ockertönen sind die zwölf Häuser des Brasilia Village gehalten. Mit den Cottages PMR bietet Le Brasilia schließlich auch drei barrierefreie und rollstuhlgerechte Glamping-Hütten.

Glaming in Frankreich: Le Créoles-Ferienvillen von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Les Créoles-Ferienvillen von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder

Sämtliche Unterkünfte erstrecken sich zu beiden Seiten der blumengeschmückten Allée de l’histoire. An ihrem Anfang erinnert ein Granitstein inmitten von tropischen Pflanzen an die Gründer der Anlage.  Simone und René Pla waren dem Aufruf des damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle gefolgt.

Mission Racine: das Mega-Projekt am Meer

Er hatte im Juni 1963 mit der Mission Racine (Mission Interministérielle d’Aménagement Touristique du Littoral du Languedoc-Roussillon) die touristische Entwicklung der Küste gestartet. Sie sollte das Languedoc-Roussillon zur Nouvelle Floride, zu Frankreichs Antwort auf  Florida, machen.

Glamping in Frankreich: Gedenkstein für die Gründer von Le Brasilia. Foto: Hilke Maunder
Gedenkstein für die Gründer von Le Brasilia, Simone und René Pla. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe der wichtigsten Städte der Region – Nîmes, Montpellier, Béziers, Narbonne und  Perpignan – entwickelten renommierte französische Architekten sieben Badeorte auf dem Reißbrett: Port-Camargue, La Grande-Motte, Cap d’Agde, Gruissan, Port-Leucate, Port-Barcarès und Saint-Cyprien. Mehr zu dieser Floride Française erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Ein achter Badeort war an der Mündung der Aude geplant. Er wurde aber wegen fehlender Gelder aufgrund der Ölkrise aufgegeben. An der Mündung der Têt erhielt das Ehepaar Pla das Recht, einen Campingplatz zu eröffnen. Im Juni 1964 war Einweihung. Ihr Sohn Roger Pla führt heute ihr Lebenswerk fort.

Glamping in Frankreich: Direkt an der Mündung der Têt ins Mittelmeer liegt der 5-Sterne-Platz Le Brasilia. Im Hintergrund erhebt sich der Canigou. Foto: Hilke Maunder
Direkt an der Mündung der Têt ins Mittelmeer liegt der 5-Sterne-Platz Le Brasilia. Im Hintergrund erhebt sich der Canigou. Foto: Hilke Maunder

Wiege der Yelloh! Villages

Er hat den Platz in eine Fünfsterneanlage verwandelt, die zu den besten Glamping-Plätzen Europas gehört. Zusammen mit Bernard Sauvaire (Yelloh! Village la Petite Camargue und Yelloh! Village les Petits Camarguais) und Robert Giner (Yelloh! Village le Club Farret und Yelloh! Village Domaine de Sainte Cécile) vermarktet er sie seit dem Jahr 2000 erfolgreich unter dem Dach der Yelloh! Village-Gruppe. 86 Plätze in Frankreich, Spanien und Portugal gehören mittlerweile dazu.

Statt Verkauf für 70 Millionen…

Nach dem Tod von Simone Pla im Jahr 2013 geriet ihr Sohn und einziges Kind Roger in das Visier von Pensionsfonds und Immobilieninvestoren. Erst 40, dann 50 und schließlich 70 Millionen Euro boten sie dem kinderlosen Besitzer der luxuriösen Fünfsterneanlage Le Brasilia. Doch statt sich mit den Millionen zur Ruhe zu setzen, wählte Roger Pla einen anderen Weg und gründete die Fondation Famille Pla. Als Startkapital brachte er elf Prozent seines Aktienkapitals – entsprechend einer Summe von 150.000 Euro – in den Stiftungsfonds ein. Per Testament hat er verfügt, auf alle seine restlichen Gesellschaftsanteile zugunsten dieses Fonds zu verzichten, sodass die Stiftung nach und nach zum Mehrheitsaktionär des Campingplatzes wird.

… soziales Engagement

Die Initiative ist eine Premiere im Département Pyrénées-Orientales. Als Vorbilder dienen Roger Pla die Stiftungen von IKEA, Rolex und der Pierre Fabre Gruppe. Neben dem Erhalt des Campingplatzes erfüllt die Stiftung drei wesentliche Aufgaben: Sie agiert sozial, vermögensrechtlich und ökologisch. Besonders am Herzen liegt Roger Pla die Zusammenarbeit mit Kinderhilfskomitees und Wohlfahrtsorganen. Über eine Partnerschaft mit dem Secours Populaire ermöglicht die Stiftung Kindern aus prekären Verhältnissen oder mit Behinderungen richtige Ferien.

Die zweite Säule der Stiftung widmet sich dem regionalen Kulturerbe: Sie unterstützt Canet-en-Roussillon beim Erhalt historischer Stätten wie dem Château Vicomtal oder dem Village des Pêcheurs. Zuletzt widmet sich die Stiftung dem Umweltschutz und beteiligt sich aktiv an der Rettung der stark von Erosion bedrohten Mittelmeerküste im Stadtgebiet von Barcarès bis nach Canet.

Der eigene Weg

Darin liegt die wohl charmanteste Ironie dieser Küstengeschichte. Die Mission Racine war das Kind einer Ära, die den Fortschritt gerne in Beton goss. Charles de Gaulle träumte von einer Nouvelle Floride, einem perfekt durchdachten und am Reißbrett entworfenen Urlaubsimperium für die Massen. Es war ein urfranzösisches Großprojekt: monumental, ehrgeizig und fest an das unendliche Wachstum der Wirtschaftswunderjahre glaubend.

Doch an der Mündung der Têt bekam diese rein ökonomische Vision eine überraschende, fast philosophische Wendung. Wo Investmentfonds mit der stolzen Summe von 70 Millionen Euro locken, um das Erbe der Gründer zu privatisieren, reagiert Roger Pla mit einer sehr französischen Tugend: dem Eigensinn. Er widersteht dem Diktat des schnellen Geldes.

Statt den Luxus zu versilbern, wählt er den Weg der Fondation Famille Pla und vergesellschaftet den Erfolg. Es ist eine leise, aber wirkungsvolle Umdeutung des ursprünglichen Plans. Der High-End-Tourismus finanziert hier ein Stück gesellschaftliche Teilhabe. So verwandelt sich das kühl kalkulierte Erbe der Mission Racine in ein Projekt mit Seele – eine Art de vivre, die Menschlichkeit über Profit stellt.

Glamping in Frankreich: der Strand von Le Brasilia in Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Le Brasilia in Canet-Plage. Foto: Hilke Maunder

Glamping in Frankreich: meine Lieblingsplätze

Es gibt rund zwei Dutzend weitere Glamping-Plätze in Frankreich. Zu den schönsten Anlagen gehören:

  • Les Alicourts in der Region Centre
  • Camping Nature Parc L’Ardéchois in Auverne-Rhône-Alpes
  • Le Paradis in Nouvelle-Aquitaine
  • Le Ty Nadan in der Bretagne und
  • Castel Camping Domaine de la Bergerie in der Provence
  • Yelloh Village La Plage in der Bretagne (Penmarc’h)

Glamping in Schlafkugeln

Sehr ungewöhnlich ist eine Nacht in transparenten Zelt-Kugeln. Hier habe ich euch dieses camping à bulles vorgestellt.

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Sehr beliebt unter Campern ist in Frankreich auch ein FKK-Aufenthalt. Infos dazu findet ihr hier.

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Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

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