Zum Kugeln: Schlaf-Blasen mit Ausblick

Vauclin: Domaine des bulles. Foto: Hilke Maunder
Schlafblase im Tropen-Dschungel: die Domaine des bulles auf Martinique. Foto: Hilke Maunder

“Immer gut die Reißverschlüsse schließen!” sagt Deive Grier-Dufournier (35) und zippt den Verschluss der Außenhülle auf. Birgit und ich stehen draußen vor den beiden großen Kugeln, die eine weiße Schlauchblase verbindet. Farne und anderes gefächertes Grün, Bananenstauden, Lianen und Luftwurzeln umgeben unser privates Refugium, das ein hoher Zaun samt verschlossenem Eingang umgibt.

“Kommt rein!”. Hinter uns schließt Deive den Reißverschluss. Ein Holzregal mit Kaffeekapselmachine und Ablage. Links ein Reißverschluss, rechts ein Reißverschluss: “eure beiden Zimmer!” Leise surrt die Klimaanlage, verbannt die tropisch schwüle Luft aus der Schlafkugel.

Wir lassen uns aufs Bett fallen und beobachten, wie langsam die Sonne hinter dem Blätterdach entschwindet. Zwei Geckos kommen neugierig an die transparente Haut unserer Schlafkugel.

Das geräumige Bad mit Solar-Dusche Trocken-WC befindet sich außerhalb, aber nur wenige Schritte entfernt in einem separaten Sanitärblock, versteckt im Grün unseres privaten Gartens.

Deive, Gründer und Besitzer der Domaine des Bulles auf Martinique. Foto: Hilke Maunder

Bulles: Glamping ganz Zen

Drei solcher bulles hatte Deive zum Start seiner Domaine des Bulles in Le Vauclin auf Frankreichs Karibikinsel Martinique aufgestellt. Nummer vier folgte zum Winter 2017/18. Wie eine Galerie mit Arbeiten örtlicher Künstler – das Geld dafür erhielt Deive per crowdfunding. “Seid ihr bereit fürs dîner?” Als wir nicken, spricht Deive ins Walkie-Talkie.

Das Kopfende der bulles. Foto: Hilke Maunder
Das Fußende der bulles. Foto: Hilke Maunder

Für den Apéro empfiehlt er uns einen ganz besonderen Platz: diese kuschelige wie luftige Lounge mitten in den Baumwipfeln. Eine halbe Stunde später sitzen wir in der Laube unseres Gartens am gedeckten Tisch. Selbst Wein fehlt nicht. “Mein Bruder Frédéric ist Koch. Er kümmert sich um den table d’hôte.”

Und serviert dazu ein Überraschungsmenü mit regionalen Zutaten – poulet Boukané, Huhn aus dem Rauch, mit Süßkartoffel-Pommes-Frites. Oder Spieße mit karibischem Fisch und dauphin Christophine, einem cremig-käsigen Auflauf mit dieser tropischen Kürbisfrucht. Oder was ihm gerade einfällt. Und der eigene Garten und örtliche Markt hergeben.

Chillen Dschungel-Style. Foto: Hilke Maunder

Danach sind wir so satt und glücklich, dass wir ins Bett fallen könnten. Gäbe es neben der bulles nicht noch den Whirlpool… Lange, viel zu lange, lauschen wir, wie sich das Blubbern des Wassers mit dem Quaken, nein, Pfeifen, Tausender Pfeiffrösche vermengt.

Außen und innen trennt nur eine transparente Folie. Foto: Hilke Maunder

Dann schleicht sich eine sanfte Müdigkeit in die Knochen, und der Mond blickt vom pechschwarzen Himmel auf die Schlafenden in den bulles.

Lang ist die Nacht nicht. Denn pünktlich um sechs meldet sich der Tag zurück. Doch das morgendliche Schauspiel ist so grandios, dass das frühe Aufwachen für beste Laune sorgt. Und aus dem Vorraum steigt der Duft frisch gebrühten Kaffees in die Nase. Bonjour !

So werdet ihr morgens ganz karibisch geweckt! Foto: Hilke Maunder

Die schönsten Schlummer-bulles in Frankreich

Le Domaine des Bulles

Diese Anlage durfte ich auf Einladung des Fremdenverkehrsamtes von Martinique und ATOUT France testen. Es war ein tolles Erlebnis – und ganz anders als erwartet. Ich persönlich finde es schwierig, in Räumen zu schlafen, in denen ich kein Fenster aufmachen kann und fühlte mich in der Schlafblase etwas gefangen.

Als ich schlaftrunken nachts zum WC wankte, hatte ich zudem panische Angst, das Schließen der Reissverschlüsse zu vergessen. Denn dann entweicht die Druckluft, die die bulles aufrecht hält. Und sie sackt in sich zusammen…. Doch als touristisches Produkt ist die Anlage top: sauber, mit sehr herzlichem wie kompetenten Service, guter Küche und sehr gutem Camping-Komfort. Auch WLAN gibt es in der bulles.
• Chemin rural de Ravine Plate, Le Vauclin, Martinique, Tel.+596 596 74 69 54, www.ledomainedesbulles.com

Le Clos d’un Jour

Auch Véronique & Stéphane Azémar laden in Duravel zu einer ungewöhnlichen Nacht. Ihr Kuppelzelt steht samt Jacuzzi und breiter Terrasse inmitten eines Weingutes, rund 40 km von Figeac entfernt. Ihre Weine, 100 Prozent biologisch angebaut, könnt ihr direkt vor Ort bei den engagierten Winzern verkosten und kaufen.

Attrap’ Rêves

Allauch (13), La Bouilladisse (13), Saint-Maime (04), Montagnac-Montpezat (04) und Puget-Ville (83): Gleich fünf Standorte in drei Départements bietet dieser Veranstalter, und auf Wunsch auch Wellness. Gönnt euch einmal eine Massage in den Kugeln mit Blick auf Kiefernwälder oder den nahen See.

Les Noct’en bulle

Bruno und Pilli haben oberhalb von Cabrerets im Département Lot auf einer 10.000 qm großen Wiese ihren beiden Halbkugeln aufgeschlagen. Da es kaum Restlicht ringsum gibt, ist die Karstlandschaft der Causse ein Paradies für Sterngucker – und heißt deshalb auch “das schwarze Dreieck von Quercy”. Das Frühstück wird in einer renovierten Scheune serviert, für Sportliche gibt es ein Schwimmbad.

Bubble Room

Auf dem Camping des Cérisiers im südbretonischen Guillac bei Josselin ist das Luftblasenzelt mit Ausblick nicht die einzige ungewöhnliche Unterkunft – auch ein VW-Bus-Zelt im Hippie-Look gehört dazu. Richtig prickelnd wird die Nacht durch die option Champagne – dann gibt es Champagner dazu.

Bulles et une nuit

In den Vogesen könnt ihr inmitten der hügeligen Landschaft in Obersteinach und Le Valtin bei Bulles & une Nuit in größtenteils durchsichtige Sphären mit vier Meter Durchmesser zelten.

Innen ganz in Weiß im Look der 1970er-Jahre eingerichtet, besteht die bulles jeweils aus einer kuscheligen Schlafkugel mit King-Size-Bett und Hängeschrank und einer Badezimmer-Kugel. Eine gut funktionierende

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3 Kommentare

  1. Tolle Bilder, da kriegt man richtig Lust, in so einer durchsichtigen Kugel zu übernachten. Allerdings kann ja dann auch jeder von draußen reinsehen… 😉 Frankreich ist sicher das Land mit den meisten ungewöhnlichen Unterkünften in Europa. Vor allem bei Baumhäusern war das Land ja irgendwie Vorreiter. Dort ist das schon nichts mehr außergewöhnliches, daher kommen immer mehr originelle Hotels mit Themenzimmern und ausgefallene Outdoor-Unterkünfte wie diese dazu. Meiner Meinung nach ein Trend, der eine ganz neue Form des Übernachtens etabliert. Es gibt inzwischen auch Spezialanbieter wie https://www.crazybooker.com/de/ungewoehnliche-hotels/land/europa/frankreich.html wo man über die Ländersuche oder nach Kategorien sortieren kann. Frankreich ist da natürlich sehr stark vertreten. Ein Blick lohnt sich und bringt vielleicht Anregungen für den nächsten Urlaub. Auf Deinem Blog schaue ich bestimmt auch bald wieder vorbei!

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