Marie-Galante: Karibik ganz ursprünglich

Marie-Galante: Blick auf die Belle-Île-En-Mer vom Oberdeck der Fähre. Foto: Hilke Maunder
Blick auf die Belle-Île-En-Mer vom Oberdeck der Fähre. Foto: Hilke Maunder

Bienvenue auf Marie-Galante! Als „grande galette“ liegt die letzte Bauerninsel im Archipel von Guadeloupe kreisrund im Atlantik. Für die Arawaken, die ab 850 n. Chr. den „große Pfannkuchen“ besiedelten, hieß ihre Heimat „Aichi“.

Kolumbus, der 158 Quadratmeter große Insel auf seiner zweiten Reise 1493 entdeckte,  benannte das Eiland nach dem Flaggschiff seiner Flotte „Marie Gallante“.

Das Rathaus von Grand-Bourg hat Ali Tur erbaut. Foto: Hilke Maunder

Gottlose Untermenschen

Am 3. November 1492 hatte er in Anse Ballet die Anker werfen lassen. Es  folgte ein riesiger Völkermord an der karibischen Bevölkerung von Marie-Galante. Wie zuvor bei den Arawacks der Großen Antillen, sollte der Menschenmord Platz schaffen für 2000 spanische Siedler.

Sie waren die Ersten, die in den Westindies Zuckerrohr anbauten. Um die Kariben als Arbeitskräfte versklaven zu können, drängte Kolumbus den Papst, sie als gottlose Untermenschen einzustufen. Sein Argument: Kariben sind Kannibalen. Eine Behauptung, die nie bewiesen wurde.

Mit diesem Wandbild von Jimmy Sheikboudhou heißt Grand-Bourg seine Gäste am Fährhafen willkommen. Foto: Hilke Maunder

Indianer gegen Franzosen

1648 trafen die ersten französischen Kolonisten in Vieux-Fort ein. Fünf Jahre töten sie die Kariben mit Holzkeulen. Die Plage du Massacre erinnert daran Als ersten Gouverneur entsandte Frankreich den Marquis d’Aubigné. Seine Tochter Françoise sollte später als Madame de Maintenon berühmt werden.

Marie-Galante war damals nicht unbewohnt. Heftig leisteten die Kariben Widerstand, mordeten Dutzende Kolonisten. Frankreich reagierte mit einer zweiten Siedlerwelle.

Es schickte weitere 100 Kolonisten auf die Insel, baute bei Grand-Bourg eine Festung, und rächte sich unter Gouverneurs Hollel bei den Kariben mit Vertreibung, Versklavung und Völkermord.

Rohr und Rind – die typische Kombi am Feld. Foto: Hilke Maunder

Jüdische Zuckerhändler

Marie-Gallante war quasi entvölkert. Und damit prädestiniert für den Zuckerrohranbau im großen Stil, den die von den Portugiesen aus Brasilien und Surinam vertrieben Juden auf der Insel begannen. 1654 legten sie die erste Plantage an.

Ihre Arbeitskräfte importierten sie aus Afrika. „Mohrenkerle“, so teuer wie 50 Pfund Butter. Zucker wurde zum wertvollen Rohstoff. Der 1660 geschlossene Friedensvertrag zwischen den Indianern und Franzosen begünstigte den Anbau.

Vom Matrosen zum Zuckerbaron

1671 gab es 704 Sklaven auf der Insel. 1835, zum Höhepunkt der Zuckerindustrie, waren es 10.116 Sklaven, die für 106 Zuckerhäuser schufteten. Bereits 1770 hatte ein Capbretonese seine Heimat Aquitanien verlassen.

Der 30-Jährige Seemann wollte Marie-Galante sein Glück zu suchen. Dominique Murat sollte Inselgeschichte schreiben.

So zerstört von Sturm und Verfall war die Habitation Murat 1901. Foto: Archiv.

Erste unabhängige Kolonie

Dominique Murat gehörte damals einem Komitee von Siedlern an, die sich den Ideen der Französischen Revolution verschrieben hatten. Während Guadeloupe königstreu blieb, schasste Marie-Galante den französischen Militärkommandanten Desnoyers von der Insel und erklärte ihre Unabhängigkeit von Guadeloupe, und damit auch von Frankreich.

Erster Präsident des unabhängigen Eilands wurde im November 1792 Dominique Murat. Sechs Monate hielt sich seine „République des Douces“. Murat schaffte die Sklaverei ab und versorgte mit Umverteilungen Sklaven mit Wohnungen. Murat richtete ein gut ausgestattetes Krankenhaus ein – und sicherte sich ein repräsentatives Anwesen.

Auch als Ruinen sind die von den Sklaven eigenhändig errichten Baute der Habitation Murat heute eindrucksvolle Zeugnisse der Inselgeschichte. Foto: Hilke Maunder

Die Habitation Murat

1807 kaufte er mit seinem Sohn Dominique Emmanuel die Habitation von Marie Elisabeth Dumoulier. Die Witwe von Michel Jacques Poisson steckte in großen finanziellen Schwierigkeiten. Sie war praktisch ruiniert – und musste den Kaufpreis von 520.000 Pfund akzeptieren.

Das Herrenhaus der Habitation Murat birgt heute ein Heimatmuseum. Foto: Hilke Maunder

1901 war das Anwesen eine Ruine, zerstört von Stürmen und Verfall. Heute ist das Haupthaus der Plantagenbesitzer, restauriert. Stattlich und repräsentativ überblickt von der Anhöhe aus das gesamte Anwesen. Drinnen erzählt das  kleine Museum der Habitation Murat die bewegte Geschichte der Insel und der Zuckerfabrik.

Bellevue-Laplaine, so der neue Name dieser Akquisition, erhielt 1814 eine große sechsgeschossige Windmühle. Die Gebäude wurden erweitert, die Zahl der Kessel von vier auf neun aufgestockt, das Haus die wichtigsten Zuckerfabrik von Marie-Galante. Die Misswirtschaft der Erben führte jedoch 1868 zum Konkurs.

Im großen Park der Habitation Murat findet ihr zahlreiche Maschinen, die an die Zuckerproduktion erinnern. Foto: Hilke Maunder

Insel der 100 Windmühlen

Aus den Fenstern im Obergeschoss blickt ihr auf das Meer. Noch immer erstrecken sich auf Marie-Galante die Zuckerrohrfelder bis an den Horizont. Hier und da sind Ochsen vor dem Feldrain angebunden. Manchmal gesellt sich weiß ein Reiher dazu und pickt…

Gepresst wurde das Zuckerrohr von Mühlen. „Insel der 100 Windmühlen“ hieß Marie-Gallante einst. Heute sind die meisten Mühlen Ruinen. Nur die steinernen Stümpfe erheben sich aus dem Grün der hohen Halme, die sich in der leichten Brise wiegen.  So gut erhalten die Moulin de Bézard von 1840 sind nur sehr wenige.

Doch nicht nur der Wind trieb die Mühlen an. Auch viele „moulin à bêtes“ gab es einst auf Marie-Gallante. Mühlen zum Extrahieren von Zuckerrohrsaft, die Tiere antrieben.  „Vier Maulesel, zwei Rinder, oder auch Pferde“ waren es beim Château Murat.

Von tropischem Grün umgeben: eine Villa im Insel-Innern. Foto: Hilke Maunder

Der Wahlbetrug

1848 wurde die Sklaverei endgültig abgeschafft auf Marie-Galante. Drei Tage und drei Nächte wurde dies rund um den Teich der Habitation Pirogue gefeiert. Doch die neue Freiheit beendete nicht die Bitterkeit und den Hass auf die ehemaligen Besitzer.  Das zeigte sich in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1849, als bei ersten Parlamentswahl auch die befreiten Sklaven wählen durften.

Wie ein Sklave jedoch bemerkte, kam es dabei zu Ungereimtheiten. Es folgten Tumulte, Straßensperrungen und Schießereien. Der Bürgermeister, der den Wahlbetrug angezettelt hat, floh mit seiner Familie.

Wütend steckte das Volk das Rathaus von Morne Rouge, das damals Tartenson hieß, in Brand. Und goß die gesamte Zucker- und Rumproduktion aus der Pirogue-Fabrik, die in den Skandal verwickelt war, in den Dorfteich.

Habitation Rousel-Trianon: Von den einst separaten Zuckerplantagen sind einzige die Ruinen der Mühle, Ofens, Rinder- und Pferdestalls erhalten.. Foto: Hilke Maunder

Der größte Rum-Punch der Welt

Die wütenden freien Sklaven mischten so den großartigsten Punsch der  Antillen zusammen und setzten den „Mare au Punch“ in Brand. Bis heute erinnert ein Volkslied an die Tat.

»Yo dousi ma a yo / Yo mété sik, yo mété wom, yo mété difé /  Yo koupé tété a lésè, yo fé labé dansé / yo manjé sapoti an dob.«

(Ils ont adouci leur mare, mis du sucre, mis du rhum, mis le feu. Ils ont coupé les seins des religieuses, fait danser le curé et mangé des sapotilles en daube; sprich: Deutsch: Sie verfeinerten ihren Tümpel, schütteten Zucker und Rum hinein und setzten ihn in Brand. Sie schnitten den Klosterfrauen die Brüste ab, ließen den Pfaffen tanzen und verspeisten geschmorte Sapotaäpfel.)

Rhum Bielle, eine der drei großen, alten Rumbrennereien der Insel. Foto: Hilke Maunder

Blutiger Rum

Seit vielen Jahrhunderten lebt Marie-Gallante im Rhythmus von Zuckerrohr und Rum. Wie auf Martinique und Guadeloupe wird er als „rhum agricole“ nicht aus Melasse, sondern frischem Zuckerrohrsaft destilliert. Maschinen zerdrücken heute das geerntete Zuckerrohr.

Fermentiert und destilliert, besitzt der Rum einen Alkoholgehalt zwischen 70% und 95% Volumenprozent, den die letzten drei von einst zehn Inseldestillerien dann mit Wasser und/oder Kräutern auf 59 % Volumenprozent senken. Bielle, Bellevue und Poisson stellen damit den stärkster Rum der Karibik her.

Museumsreife – der Alambic von Rhum Bielle. Foto: Hilke Maunder

Perfekt, um den Kampfgeist anzustacheln, dachten sich schon früh Frankreichs Militärs – und orderten den Insel-Rum für ihre Soldaten.

Jung und fruchtig, kräftig und klar, kommt er in schlanke, hohe Flaschen. Oder landet im Holzfass, wo er vor sich hin reift. Diese „aging“ verändert den Charakter des Rums deutlich. Er macht ihn weicher, würziger. Und senkt den Alkoholgehalt.

Echtes Original

Wenn Zuckerrohr blüht, ist er reif für Ernte  – und das meist um Weihnachten. Dann könnt ihr auch die letzte Zuckerfabrik der Insel besichtigen, die Sucrerie de Grande Anse. Sie produziert jährlich 10.000 Tonnen Rohrzucker, und ist mit 1.800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Insel.

Nur auf Marie-Galante wächst auch graues Zuckerrohr. Auf ihnen fertigt Joël Moysan den Siwo Batterie, dem den die Franzosen in ihren Ti-Punch mischen.  Oder zum Kochen verwenden, wie vergilbte Rezepte an der Wand neben der Verkostungs-Theke verraten.

Der  Sirup ist schwarz und klebrig, wie Melasse, der Inhaber sichtlich verkatert. Wieder mal hat er die Nacht durchgezecht und gefeiert. Wortkarg füllt er den Sirup in winzige Plastikbecher.

Gaston José Vildini, Joël Moysan und Richard Flessel fachsimpeln über den Sirop de Batterie. Foto: Hilke Maunder

Runter mit dem Schlüpfer

„Chire kylote“ (tire culotte; Schlüpfer-Auszieher), verrät das Etikett. Als ich den Becher zum Mund führen, breitet sich auf dem wettergegerbten Gesicht von Joël Moysan ein Grinsen aus.

Gaston José Vildina, Wirt des Restaurant Ze und Mitglied der Musikgruppe Otamtir, klatscht auf die Theke. Richard Flessel sagt: „Lass uns gehen. Sie sind noch nicht nüchtern.“ Ich stelle den Becher ab, grüße und folge meinem Guide. Joël und Gaston pfeifen mir nach, und schenken sich noch einen ein.

Stunden später begegnet mir wieder der Sirop von Moyson. Säuberlich aufgereiht steht er auf einigen Ständen der offenen Markthalle von Grand-Bourg. Weiter die Gasse entlang, wandert er in der Bäckerei La Galantaise in den Kuchen.

„Bonbons“ heißen die hohen Blechkuchenschnitten auf der Insel, und der Bonbon Siwo steckt voller Sirup. Andere Kuchen bergen Konfitüre, Kokos oder sind mit Schoko überzogen.

„Bonbons“ sind keine Lutscher, sondern Blechkuchen. Foto: Hilke Maunder

Blaue Träume

Bevor das Zuckerrohr die Insel eroberte, lebte Marie-Gallante vom Geschäft mit der Königsfarbe Blau. Bevor es industrielle Erdölfarben gab, stellten 86 Indigoterien auf Marie Galante diese natürliche Farbe her.

Heute hält das Maison d’Indigo das alte Handwerk aufrecht. Und vermittelt in Kursen, wie mit der unscheinbaren Blüte ganz traditionell tolle Textilien hergestellt werden.

Hinter der Renaissance der tropischen Naturfarbe steht eine Elsässerin. Anne Bronard hatte mit ihrem Partner Ghislain erst auf La Désiderade gelebt, ehe sich Marie-Galante bei Grand-Bourg direkt am Meer ihre Workshop-Boutique eröffnete und Pierre Mouda als Helfer holte.

Zwischen ein, zwei Zügen an der Selbstgedrehten, die süßlichen Duft verströmt, taucht er Stoffstreifen in die Farbeimer aus Metall und hält den nassen Stoff gegen das Meer: Himmel, Meer und Tuch – was für eine Symphonie in Blau!

Wie balinesische Batik wird auch auf Marie-Galante mit Indigo und Knotentechnik die Baumwolle gefärbt. Foto: Hilke Maunder

Vergängliche Kunst

Auf dem Kirchplatz von Grand-Bourg hat Moïse Rippon seine Sneaker in weiße Farbe getaucht und hat so seine Spuren in der Inselhauptstadt hinterlassen. In den 1980er-Jahren verzauberte der Tänzer und Leadsänger der legendären Band Kassav‘ mit Zouk-Rhythmen die Welt.

Heute macht er ephemere Kunst auf Abfall. Und hält es dabei wie Friedrich Wilhelm Nietzsche,während er einige Pailletten auseinander nimmt und neu zusammenfügt zu Figuren, die der Imagination entspringen – und die Geschichte zitieren.

Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.

Recycling-Kunst: Skulptur von Moise Rippon am Kirchplatz von Grand-Bourg. Foto: Hilke Maunder

Autor der Négritude

Sein Bruder Max hält es ähnlich, und hat sich auf das Schreiben verlegt. Am 29. Februar 1944 in Grand-Bourg geboren, verließ er mit elf, zwölf Jahren Marie-Galante und ging nach Pointe-à-Pitre, um dort das Lycée zu besuchen.

Dort traf er schwarze Autoren wie Henri Lopès aus dem Kongo. Und den Dichter Guy Tirolien aus Guadeloupe, der sein Mentor wurde. Bis tief in die Nacht diskutieren sie karibische Poesie und Kultur.

Moise Rippon greift in seiner Recycling-Kunst Themen und Ereignisse der Inselgeschichte auf. Foto: Hike Maunder

Seit jenen Tagen transkribiert Max Rippon das kollektive Gedächtnis seiner Heimat. Marie-Galante ist die Quelle aller Inspiration, aus der Gedichte, Kurzgeschichten, Geschichten und Romane entstehen.

1987 verlegte er sein erstes Buch – Pawòl naï – und gründet dazu den Verlag  Aïchi Editions. Er wwurde das Sprungbrett für eine Karriere als Schriftsteller, der auch im Hexagon wahrgenommen wird.

Als Stimme der Antillen, die auf originelle Weise erzählt, und so schreibt, wie dort jeder fühlt, sieht, lebt und atmet. Das macht ihn zum Bestseller der Éditions Jasor, die seit 2003 seine Werke veröffentlicht.

Gelb wie die Sonne, grün wie das Zuckerrohr – die Farben von Marie-Galante. Foto: Hilke Maunder

Insel-Hymne

1986 widmete ein Pariser Chansonier der Insel seiner Eltern eine Hymne, die eine ganze Generation von Teenagern 1986 begeisterte: „Marie-Galante, Belle-Île-en-Mer…“, schwärmte 1986 Laurent Voulzy mit Lockenschopf und dunklem Teint.

Komponiert hatten den Hit zwei Freunde, die ihre komplementären Talente geschickt kombiniert hatten: Voulzy komponierte die Musik, für die Alain Souchon die Texte schrieb. Mit der musikalische Liebeserklärung an Marie-Galante und ihre bretonische Partnerinsel Belle-Île-en-Mer landeten das Duo einen ihrer größten Hits.

1996 wählten ihn 3.000 Fachleute während der  jährlich stattfindenden Musikpreisverleihung Victoires de la Musique zum besten Song der 80er Jahre und auf Platz 14 fer besten Songs des 20.  Jahrhunderts.

Marie-Galante: weiße Häuser, bunt verziert – eine solche Architektur ist typisch für Marie-Galante. Foto: Hilke Maunder

Ursprünglich und authentisch

Bis heute ist Maria-Galante noch ländlich, ursprünglich und authentisch. Die Küsten sind kaum urbanisiert. Der Tourismus beschränkt auf kleine, oft überraschend feine Häuser. Ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt das Eiland, herrlich ruhig und retro, erdverwurzelt und ganz eigen.

Doch die Ochsenkarren, die einst die Rumfässer zum Verladehafen in Grand-Bourg zogen, transportieren heute fast nur noch Ausflügler, Urlauber und Einheimischen, die Spaß haben wollen, über die schmalen Landstraßen.

Statussymbole, friedlich vereint. Foto: Hilke Maunder

Und auch neben dem Hausschwein, fest an einem Baum neben dem Haus angebunden, steht heute nicht mehr der Trecker, sondern ein PS-starker SUV oder eine schicke Limousine.

Sonntags werden die Ziegen ins Geschirr genommen und bei der Course de Capri den Hang hinauf gejagt; abends die Messer den Hähnen an die Beine gebunden und im Pit de Coq auf den Siegergockel gewettet.

Ziegenrennen sind Inseltradition. Früher deckte die Insel ihren MIlchbedarf zu 100 Prozent selbst. Heute wird alles importiert… Foto: Hilke Maunder

Steilküste und Traumstrände

Wer über die flache Insel fährt, auf der sich die Sedimente des Meeres abgelagert haben, kommt auf kurvigen, kleinen Landstraßen vom stark verkarsteten Plateau des Süden zur einer markanten Abbruchkante.

Dahinter beginnt der flachere Inselnorden. Dort verraten erste Windräder, dass die Insel energie-autonom werden möchte.

Dazu tragen zunehmend auch Solarfeld und Photovoltaikanlagen bei. Ganz im Norden stemmt sich die Insel eindrucksvoll mit hohen Felsen gegen die brandende See. Folgt der Schotterpiste hin zum Felstor Gueule Grand Gouffre.

Die Gueule Grand Gouffre – ein imposantes Felsentor. Foto: Hilke Maunder

Früher muss es dort mal eine Höhle gegeben haben. Doch dann stürzte die Decke ein. Ein klaffendes Loch birgt seitdem die Felswand, und durch den ehemaligen Höhleneingang strömt der Altantik mit kraftvollen Wellen in die Gruft.

Jenseits des Schlunds könnt ihr La Désiderade am Horizont erkennen. Lust auf noch mehr Felsküste? Dann besucht auch den Aussichtspunkt der Falaise Caye Plate!

Die schönsten Strände findet ihr vor allem im Süden. Die Plage de la Feuillière mit ihrem schützenden Korallengriff und den Palmen, die Schatten spenden, ist für viele der beste Strand der Insel.

An diesem Traumstrand nisten Meeresschildkröten. Foto: Hilke Maunder

Doch auch die Anse du Vieux Fort und die Anse Canot sind traumhafte Streifen zum Sonnen, Baden und Schnorcheln. An der Plage de Mays könnt ihr sogar Meeresschildkröten beim Brüten zusehen!

Achtung! Einige Bäume entlang der Strände weisen rote Ringe am Stamm auf. Sie markieren die hochgiftigen Manzanilla-Bäumen. Nicht nur der Genuss der Früchte, sondern bereits Regentropfen, die von den Blättern auf eure Haut fallen, können schwere Verätzungen hervorrufen!

Sie sehen wie kleine Äpfel aus, sind aber hochgiftig: die Früchte des Manzanilla-Baumes. Foto: Hilke Maunder

Marie-Galante: meine Reisetipps

Hinkommen

Von Paris-Orly fliegen Air France, Air Caraïbes, Corsair und LEVEL in rund acht Stunden zum internationalen Flughafen von Pointe-à-Pitre (Pôle Caraïbes/PTP). Nach Marie-Galante bringen euch Highspeed-Katamarane. 

Ein karibischer Traum – die Südküste. Foto: Hilke Maunder

Die Fähren starten ganzjährig in Point-à-Pitre am Gare Maritime, in der Hochsaison auch von Saint-François und Sainte-Anne. Die Überfahrt dauert rund eine Stunde; Anbieter sind L’Express des Îles und Valferry.

Schlemmen

Auf Marie-Galante dominiert die kreolische Küche, die von einfach-rustikal bis raffiniert angeboten wird. In den Restaurants von Saint-Louis könnt ihr beim Apéro oder Essen den Sonnenuntergang hinter den Bergen von Basse-Terre erleben. Auch am Strand von Capesterre, der Plage de la Feuillère, hat sich eine kleine, lebendige Szene mit Strandlokalen angesiedelt.

Planteur-Rumpunsch und Antipasti von der Insel, direkt am Meer – Schlemmen in Le Touloulou Foto: Hilke Maunder

Le Touloulou

Ein Planteur-Rumcocktail zum Sunset, krosse Accras oder gekochter Seeigel als Vorspeise,  ein „Colombo de raie“ (Rochen-Curry) mit Reis als Hauptgang, zum Dessert in Flan – dann auf den Tanzboden und spätnachts nebenan ins Bett: Das Strandlokal von José Viator und seiner Freundin Odile, dessen amerindianischer Name auf einen lokalen Krebs verweist, vereint Restaurant, Disko und Ferienwohnung direkt am Meer.
• Plage de Petite Anse, 97140 Capesterre-de-Marie-Galante, Tel.  +590 590 97 32 63, https://touloulou-89.webself.net

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Guadeloupe und seine Inseln

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Offenlegung

Guadeloupe entdeckte ich bei einer individuellen Pressereise, zu der mit das offizielle Fremdenverkehrsamt von Guadeloupe eingeladen hatte. Vor Ort begleitete mich Taïna Tharsis  von Guadeloupe Explor. Beiden sage ich merci und herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

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Street-Art am Hafen von Grand-Bourg. Foto: Hilke Maunder
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