Herbstliche Landpartie im Fenouillèdes

Herbst im Vallée de l'Agly. Foto: Hilke Maunder
Herbst in der Vallée de l'Agly. Foto: Hilke Maunder

Bei einer herbstlichen Landpartie im Fenouillèdes begegnet er euch überall: der Fenchel. Mit doldenförmigen Blüten in Sonnengelb wächst der wilde fenouil überall am Wegesrand.

Er gab diesem uralten Landstrich, in dem schon vor 450 000 Jahren die ersten Menschen siedelten, seinen Namen. Seine Einzigartigkeit schützt seit 2021 Frankreichs jüngster Naturpark: der PNR Corbières-Fenouillèdes. Im Herbst leuchtet das Laub der dortigen Weingärten von Gold bis Tiefrot. Welch ein Auftakt zur Landpartie im Fenouillèdes!

Das Tor zum Fenouillèdes

Saint-Paul-de-Fenouillet: der Glockenturm des Chapître. Foto: Hilke Maunder
Der Glockenturm des Chapitre ist das Wahrzeichen von Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Start und Ziel dieser Landpartie im Fenouillèdes ist der Marktflecken Saint-Paul-de-Fenouillet, den der  siebeneckige Turm des Chapitre-Collégiale überragt. Im Inneren birgt der einstige Kirchenbau der Benediktiner fantastische Stuck-Reliefs und ein Heimatmuseum, das den Ort und sein Umland facettenreich vorstellt.

Oberhalb der Pfarrkirche von Saint-Paul-de-Fenouillet befinden sich die einstigen Minen der Chaîne de Lesquerde. Foto: Hilke Maunder
Oberhalb der Pfarrkirche von Saint-Paul-de-Fenouillet befinden sich die einstigen Minen der Chaîne de Lesquerde. Foto: Hilke Maunder

Von seinem Turm eröffnen sich weite Ausblicke auf das Tal des Agly, der am Fuße des Pech de Bugarach entspringt und sich gen Norden und Süden seinen Weg in schroffe Kalkriegel gefräst hat: gen Norden die Gorges de Galamus, gen Süden die Clue de la Fou.

In dieser windumtosten Klamm entspringt eine Quelle, die vor mehr als 100 Jahren Saint-Paul-de-Fenouillet zum Thermalort machte. Heute füllen die Einheimischen dort ihr Trinkwasser ab.

Die Bogenbrücke über den Agly in der Clue de la Fou bei Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder
Die Bogenbrücke über den Agly in der Clue de la Fou bei Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Das weiße Gold

Nachdem die D619 die Klamm durchquert hat, biegt links die D19 ab und windet sich hinauf nach Lesquerde. Am Ortseingang bietet ein kleiner Parkplatz weite Blicke bis zum 2.785 Meter hohen Pic du Canigou. Der heilige Berg der Katalanen, meist von einer Schneekappe bekrönt, präsentiert sich dort in seiner ganzen Pracht.

Fenouillèdes: In der Ferne am Horizont: der Canigou. Foto: Hilke Maunder
In der Ferne am Horizont: der Canigou. Foto: Hilke Maunder

Ringsum wurde jahrhundertelang Gipsspat, Eisen und Silber abgebaut. 1933 wurden die Stollen geschlossen. Gips, das weiße Gold des Fenouillèdes, wird in Lesquerde immer noch von einer Familie gefördert. Rotes Gold hingegen wächst auf den Weinbergen: die kraftvollen Reben der AOP Côtes du Roussillon Village de Lesquerde. Mitten durch das Weinbaugebiet windet sich malerisch die D19.

Fenouillèdes: Blick auf Lesquerde. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Lesquerde. Foto: Hilke Maunder

Die Synklinale

Bevor sie zum Winzerdorf Maury hinabführt, bieten sich herrliche Blicke über die Synklinale des Fenouillèdes. Die Senke schuf kein Fluss, sondern der Zusammenprall der Kontinentalplatten Europas und Afrikas.

Mitten durch den vier Kilometer breiten Korridor zwischen Maury, Saint-Paul-de-Fenouillet und Caudiès- de-Fenouillèdes führen die D117 und die Gleise der roten Touristenbahn Train du Pays Cathare et du Fenouillèdes.

Fenouillèdes: Unterwegs im Train Rouge. Foto: Hilke Maunder
Unterwegs im Train Rouge. Foto: Hilke Maunder

Folgt dem Verlauf dieses Unikums auf der D117, bis vor Estagel die D9 nach Latour-de-France abzweigt, einem Burgdorf an der Grenze von Roussillon und Fenouillèdes.

Von dort führt uns die D17 durch das Tal des Coumo de Mérens zum Col de l’Arque (331 m). Kurz vor der Passhöhe erhebt sich zur Linken das Château de Cuxous, dessen Wurzeln bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Die Burg sicherte einst die im Vertrag von Corbeil festgelegte Grenze zwischen Frankreich und Aragón. Vorbei an Cassagnes stößt die D7 auf die D21

Zwei Tage auf Landpartie…

Fenouillèdes: Die einstige Genossenschaftskellerei birgt heute das schönste Hotel des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder
Die einstige Genossenschaftskellerei von Bélesta birgt heute das schönste Hotel des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder

Wer für den Roadtrip durch den Fenouillèdes zwei Tage Zeit hat, biegt nach links ab und erreicht auf der D21 den kleinen Ort Bélesta mit seinem Dino-Museum und der Domaine Riberach.

Die örtliche Winzerkooperative hat ihre einstige Kellerei in eines der besten Hotels Okzitaniens verwandelt. Seine elf Zimmer befinden sich in den früheren Arbeitsräumen des Küfers.

Riberach: der Hotel-Pool. Foto: Hilke Maunder
Der Hotel-Pool der Domaine Riberach. Foto: Hilke Maunder

Die Hotelterrasse überblickt einen Bach, der den Naturpool des Hotels speist. Und die Küche ist das Reich des jungen Küchenchefs Julien Montassié, der die Gäste mit seiner kreativen Regionalküche begeistert und verwöhnt.

… oder nur einen Tag unterwegs?

Wer nur einen Tag Zeit hat für die große Runde durch den Fenouillèdes folgt gen Nordwesten der D21 nach Caramany. In den alten Kopfsteingassen des Orts drängen sich die alten Feldsteinhäuser mit geschmückten Fassaden um die wuchtige Kirche und ihren Glockenturm.

Fenouillèdes: Blick auf Caramany. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Caramany. Foto: Hilke Maunder

Zu Füßen des Dorfes wurde 1994 der Agly aufgestaut. Vor dem Bau förderten archäologische Grabungen eine Nekropole aus dem Neolithikum zutage.

Bereits um 4300 v. Chr. hatten dort Menschen im Tal gelebt. Heute lockt die weite Wasserfläche des Plan d’Eau de l’Agly vor allem Angler an.

Fenouillèdes: der Stausee des Agly wird auch Lac de Caramany genannt. Foto: Hilke Maunder
Der Stausee des Agly wird auch Lac de Caramany genannt. Foto: Hilke Maunder

Im Netz landen neben Karpfen Regenbogenforellen, Flussbarsch, Döbel, Gründling und Aal. Künftig soll es dort auch ein Strandbad geben. Falls der Klimawandel nicht diese Pläne zunichtemacht.

Im Frühjahr 2023 konnte man aufgrund der anhaltenden Dürre auf dem Boden des Sees spazieren gehen. Der Agly war damals nur noch ein kleines Rinnsal.

Der Trinkwasserstausee Lac de Caramany im April 2022. Foto: Hilke Maunder
Der Trinkwasserstausee Lac de Caramany im April 2023. Foto: Hilke Maunder

Die Wasserleitung der Römer

Überquert die D21 und folgt bei eurer Landpartie im Fenouillèdes nun dem rechten Ufer des Agly. Am Westende überquert die Uferstraße nun als D9 den Stausee, dann den kleinen Fluss Deisix.

Scharf rechts führt kurz darauf eine schmale Stichstraße hinab zu einem Parkplatz an der Wassermühle am Agly.

Das Aquädukt von Ansignan. Foto: Hilke Maunder
Der Aquädukt von Ansignan. Foto: Hilke Maunder

Von dort führt ein Wanderweg durch Wein- und Kleingärten zum Aquädukt von Ansignan. Wer nicht wandern möchte, fährt zum Wanderparkplatz, folgt dann dem Feldweg Richtung Aquädukt, überquert den Agly und fährt dann weiter Richtung Aquädukt zum Parkplatz direkt an der historischen Stätte

Nach der Besichtigung des Monuments aus der Römerzeit geht es zurück auf die D9, hinein ins Dorf Ansignan und auf der D619 weiter ins Winzerdorf Feilluns.

Der Baum der Freiheit

Fenouilledes: Feilluns. Foto: Hilke Maunder
Der Baum der Freiheit erinnert in Feilluns an die französische Verfassung. Foto: Hilke Maunder

Das Dörfchen Feilluns drängt sich um einen kleinen Platz mit Feldsteinkirche und Bushaltestelle. Ihn schmückt eine Platane, die als Baum der Freiheit an das Jahr 1848 erinnert.

Damals war bei der Abfassung der Verfassung die Devise „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zum Grundsatz der Republik erhoben worden.

Noch älter ist die Buche, die sich im Wald von Le Vivier versteckt.  Mehr als 600 Jahre soll die majestätische Fajas d’en Baillette (Rotbuche) in der Forêt de Boucheville zählen!

Über dem Dorf erhebt sich die Ruine einer Burg, die zum Verteidigungsgürtel an der Grenze des Königreichs Frankreich gehörte.

Die Burgen von Fenouillet

Fenouillèdes: die Burgruine des Château. Foto: Hilke Maunder
Die Burgruine des Château de Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Am Westende des Staatswaldes von Boucheville thront Fenouillet 530 Meter hoch an einer Kreuzung alter Handelswege. Diese strategische Lage sicherten einst das Château Saint-Pierre und die beiden Nebenburgen Castel Fizel und Sabarda.

Bei der Fahrt auf der D9 hinab nach Caudiès-de-Fenouillèdes eröffnen sich bei eurer Landpartie im Fenouillèdes immer wieder schöne Ausblicke auf den Pech de Bugarach, mit 1.231 Metern der höchste Gipfel der Corbières, und die gotische Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-Laval.

Die Wallfahrtskirche Notre-Dame de Laval. Foto: Hilke Maunder
Die Wallfahrtskirche Notre-Dame de Laval. Foto: Hilke Maunder

Der Pass zur Schlucht

Die D9 passiert das Dorf Caudiès-de-Fenouillèdes, das in seinem Herzen noch die Reste einer Burg birgt, und windet sich dann in großen Kehren hinauf zur Passhöhe des Col Saint-Louis, der die Grenze zwischen den Départements Pyrénées-Orientales und Aude markiert.

Fenouillèdes: die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder
Die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Vorbei an Camps-sur-l’Agly, in dessen Nähe der Agly in einer Grotte entspringt, erreicht ihr die spektakulären Gorges de Galamus, die tiefe Schlucht des jungen Agly. Sanft führt die D7 hinab durch die Garrigue und Weinberge zurück nach Saint-Paul-de-Fenouillet, dem Start- und Zielpunkt eurer Landpartie im Fenouillèdes.

Gorges de Galamus: Blick vom Eingang der Schlucht gen Süden auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Eingang der Gorges de Galamus gen Süden auf den Canigou. Tief unten im Tal des Agly liegt Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Bummelt nun noch ein wenig durch das Städtchen, seine Gärten und seine Weinberge. Und folgt dem Lauf des Agly hin zu einem kleinen Wasserfall.

Von dort könnt ihr auf einem zweiten, anfangs leicht ansteigenden Weg wieder zurückkehren nach Saint-Paul und noch einen Apéro im P’tit Chapitre auf der Place Saint-Pierre oder im Pouss Café, dem Treff der Motorradfahrer auf der Place de la République, genießen.

Die Croquants de Saint-Paul werden traditionell zum Wein des Ortes genossen, körperreichen Grenache-Rotweinen. Foto: Hilke Maunder
Die Croquants de Saint-Paul werden traditionell zum Wein des Ortes genossen, körperreichen Grenache-Rotweinen. Foto: Hilke Maunder

Landpartie im Fenouillèdes: die Infos

Start und Ziel: Saint-Paul-de-Fenouillet

Länge: 110 Kilometer

Dauer: 1–2 Tage

Beste Reisezeit: Mai–Oktober

Schlemmen und genießen

La Garrigue

Wie die Flora ringsum, die die Hänge des Fenouillèdes bedeckt, heißt das gutbürgerliche Lokal der charmanten Auberge Le Relais des Corbières. Marie und Eric bieten schmackhafte lokale Küche und neun kuschelige Zimmer am Ortseingang von Saint-Paul-de-Fenouillet.
• 10, Avenue Jean Moulin, 66220 Saint-Paul-de-Fenouillet, Tel. 04 68 59 23 89, www.lerelaisdescorbieres.com

Le P’tit Chapitre

Lachstatar, Entenfilet oder Dorade aus der Pfanne: Was bei José Quesada aus der Küche kommt, ist klassisch und gut. In seinem Café auf der Place Saint-Pierre trifft sich Saint-Paul.
• 26, Rue Saint-Pierre, 66220 Saint-Paul-de-Fenouillet, Tel. 09 86 21 51 10, https://le-ptit-chapitre.eatbu.com

Brasserie Les Deux Moi Z’elles

Wirklich gute Pizza, sonst eine Seltenheit in  meiner zweiten Heimat, gibt es bei Bérengère Trupheme und ihrer Partnerin in der Pizzeria des Foyer Rural – auch zum Mitnehmen!
• 1, Rue Léo Lagrange, 66220 Saint-Paul-de-Fenouillet, Tel. 04 68 50 56 80, Di, – So. 17-22 Uhr

Restocave Le Pichenouille

Laurent Vidal ist der charmante wie kundige Patron dieses gemütlichen Wein- Bistros von Maury, das seit 1917 Schaufenster der örtlichen Weine ist.
• 33, Av. Jean Jaurès, 66460 Maury, Tel. 04 68 59 02 18, www.facebook.com

La maison du terroir

Eine echte Schlemmeradresse ist dieses traditionsreiche Restaurant in Maury, das seine kühle Eleganz von einst eingetauscht hat gegen ein Flair mit trendigem Cosy-Faktor – im großen Speisesaal wie an der Bar und auf der Terrasse mit ihren Tischen unter großen alten Olivenbäumen. Erstklassig sortiert mit den besten Weinen der Winzer vor Ort ist die Boutique der Maison du Terroir.
• 2, Avenue Jean Jaurès, 66460 Maury, Tel. 04 68 68 92 54, www.facebook.com/maurylamaisonduterroir

Café Carton

Kaufladen, Bar und Bühne: Kristof hat das Café Carton von Caramany seit 2017 zu einer der hippsten Locations im Fenouillèdes gemacht.
• 18, Grand Rue, 66720 Caramany, Tel. mobil 06 13 91 07 02, www.facebook.com/kristof66720

Bar L’Émotion

Die beliebte, schlichte Bar serviert auf ihrer weinumrankten Terrasse eine überraschend gute Lokalküche.
• 8, Avenue du Roussillon, 66220 Caudiès-de-Fenouillèdes, www.facebook.com/marius.tricoire.9

Fenouillèdes: Die Zimmer des Hotels Riberach sind sytlisch mit Naturmaterialien eingerichtet. Foto: Hilke Maunder
Die Zimmer des Hotels Riberach sind stylisch mit Naturmaterialien eingerichtet. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Hôtel Le Châtelet

Das Zwei-Sterne-Haus befindet sich etwas außerhalb von Saint-Paul-de-Fenouillet direkt an der D117 mit 14 Zimmern, guter Küche und Außenpool inmitten der Weinberge.
• Route de Caudiès, 66220 Saint-Paul-de-Fenouillet, Tel. 04 68 59 01 20, www.logishotels.com

Domaine Riberach

Sternstunden für alle Sinne in Bélesta: im Restaurant La Coopérative, im Spa, in den Zimmern – und beim Spazieren in der herrlichen Landschaft ringsum mit Wein und Garrigue.
• 2, Route de Caladroy, 66720 Belesta, Tel. 04 68 50 30 10, www.riberach.com

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Im Blog

Fenouillèdes: (noch) ein Geheimtipp

Sonne im Glas: die Vins Doux Naturels

Im Buch

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Das zweite gemeinsame Werk mit Klaus Simon stellt euch die schönsten Traumstraßen zwischen Normandie und Côte d’Azur vor. 14 Strecken sind es – berühmte wie die Route Napoléon durch die Alpen oder die Route des Cols durch die Pyrenäen, aber auch echte Entdeckerreisen wie die Rundtour durch meine Wahlheimat, dem Fenouillèdes.

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