Inseln der Liebe und der Leidenschaft - dazu gehört auch die Île de Raz. Foto: ATOUT Frence/Louis-Frédéric Dunal
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Inseln der Liebe und Leidenschaft

Die Inseln der Bretagne sind weit mehr als nur windgepeitschte Landschaften und malerische Küsten: Sie sind seit Jahrzehnten magischer Stoff für die Leinwand. Von tragischen Familiendramen über Mystery-Sagas bis zu charmanten Alltagskomödien fesseln sie Zuschauer mit ihrer wilden Schönheit und den teils rauen Lebensgeschichten ihrer Bewohner. Taucht ein in die Filmwelt zwischen Granitfelsen, Leuchttürmen und Atlantik und entdeckt, wie tief die Bretagne in der französischen Filmkultur verankert ist.

In der Komödie Das große Los – 1 Insel, 40 Einwohner, 2 Betrüger* (Originaltitel: À L’Ancienne ) legte Hervé Mimran 2024 das Remake eines Kultfilms aus den späten 1990er-Jahren vor und portraitierte den solidarischen Gemeinschaftsgeist einer bretonischen Insel mit viel Herz und Humor. Als Kulisse diente eine Atlantikinsel, die schon in vielen Filmen sich als absolut filmreif erwiesen hat: die Île d’Ouessant.

Jean-Jean (Didier Bourdon) und Henri (Gérard Darmon) leben seit jeher dort. Als sie erfahren, dass einer der Bewohner den Jackpot in der nationalen Lotterie geknackt hat – mindestens acht Millionen Euro! – beginnt die große Suche. Doch der glückliche Gewinner ist vor Schreck über seinen plötzlichen Reichtum gestorben, den Lottoschein noch in der Hand.

Was tun? Die beiden Freunde schmieden einen raffinierten Plan. Doch um die Lottogesellschaft zu täuschen, brauchen sie die Hilfe der gesamten Dorfgemeinschaft. Und die hat natürlich ihre ganz eigenen Interessen. Der Film zelebriert dabei den Zusammenhalt der Insulaner, die ähnlich wie in einem gallischen Dorf der Einflussnahme der Außenwelt trotzen. Jeder kennt jeden, kein Geheimnis bleibt lange geheim.

Mimran gelang mit seiner Adaption der irisch-britischen Kultkomödie Lang lebe Ned Devine!* (1998) eine charmante Liebeserklärung an die bretonische Inselwelt. Die wilde Schönheit der Landschaft, das Gemeinschaftsgefühl der Insulaner und die turbulenten Verstrickungen sorgen für 89 Minuten beste Unterhaltung. Der Film lief ab April 2025 in deutschen Kinos.

Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne

Julie Delpy widmete 2024 der Bretagne eine warmherzige Tragikomödie. In Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne *dreht sich alles um die Kleinstadt Paimpont, in der die Welt scheinbar noch in Ordnung ist. Die Grundschullehrerin weiß alles besser, die Supermarktbesitzerin kämpft mit einem Alkoholproblem, der elsässische Klempner gibt sich bretonischer als die Einheimischen, und der Dorfpolizist könnte kaum einfältiger sein.

Als syrische Flüchtlinge statt der erwarteten Ukrainer ins Dorf kommen, bröckelt der viel beschworene Zusammenhalt der Gemeinde. Die Herausforderungen der Gewöhnung an diese Fremden sind amüsant, rührend und manchmal unangenehm nah an der Wahrheit über menschliche Vorurteile. Der Film mit Julie Delpy, Sandrine Kiberlain und Laurent Lafitte startete im Juni 2025 in deutschen Kinos.

Elisa – Rache und Versöhnung auf der Île de Sein

Die beiden Komödien des Jahres 2024 zeigen: Die Bretagne kann auch Humor. Zuvor hatten Krimis und großes Gefühlskino vor allem das Bild der bretonischen Inseln geprägt.

Serge Gainsbourgs Chanson Élisa inspirierte Jean Becker 1994 zu seinem gleichnamigen Spielfilm* über das Waisenkind Marie, verkörpert von Vanessa Paradis, das sich mit Kleinkriminalität über Wasser hält.

Im Alter von 17 Jahren beschließt es, seinen Vater Lébovitch – eindringlich gespielt von Gérard Depardieu – zu finden und sich an dem Komponisten für den Selbstmord ihrer Mutter Elisa zu rächen. Doch als sie dem ausgebrannten Trinker auf der Île de Sein gegenübersteht, erkennt sie ihr Spiegelbild: einen Menschen, verletzt, aber nicht zerstört.

Enez-Sun heißt das Mini-Eiland sechs Kilometer westlich der Pointe du Raz auf Bretonisch. Den Rhythmus auf der Insel bestimmt die Ankunft der Fähre – sie bringt ganzjährig nicht nur Besucher, sondern selbst das Brot. Auf der Île de Sein gibt es weder eine Boulangerie noch eine Gendarmerie, aber unendlich viel Ruhe, frischen Wind und Freiraum. Hin kommt ihr mit der Compagnie Maritime Penn ar Bed ab Brest, Camaret und Audierne, www.pennarbed.fr.

Dreiecksdrama am Ende der Welt

Auf den Inseln der Bretagne entstanden zahlreiche Filme, die bis heute großes Kino sind. Eine Stunde dauert die Schifffahrt hinüber zur Granitinsel Île d’Ouessant, auf der Philippe Lioret 2004 seine dramatische Liebesgeschichte L’Équipier* (Die Frau des Leuchtturmwärters*) drehte.

Eingebettet in die Rahmenhandlung – Camille kommt nach Jahren an ihren Geburtsort zurück und will nach dem Tod der Mutter das Haus verkaufen – ist eine Retrospektive: Im Haus entdeckt Camille das Tagebuch der Mutter, das die Ereignisse des Jahres 1963 wieder aufleben lässt. Damals war Antoine aus dem Algerienkrieg auf die Insel gekommen, um das Team der Leuchtturmwärter zu verstärken.

Ihr Arbeitsplatz ist La Jument ( Ar Gazek-Koz ). Die „alte Stute“ erhebt sich westlich der Insel auf einer Felsklippe im Atlantik. Mit einem offenen Korb am Drahtseil werden die Wärter vom Schiff aus zum 47,5 Meter hohen Turm gezogen. 20 Tage und 20 Nächte lang dauert ihr Einsatz, den nur eines prägt: Einsamkeit – arbeitet der eine, schläft der andere. Von Sonnenuntergang bis nachts um zwei dauert die erste Schicht, bis zum frühen Morgen die zweite – ein Leben im Sechs-Stunden-Rhythmus, eingeengt auf wenigen Quadratmetern.

Tagsüber müssen die Spiegel der Laterne geputzt, verstopfte Leitungen repariert und die Petroleumfässer gewartet werden. Ist das Meer ruhig, wird aus dem geöffneten Fenster geangelt, um die knappen Lebensmittelrationen aufzustocken. Zurück auf der Insel, warten die Männer auf den nächsten Einsatz, spielen Karten und trinken, während die Frauen Haus und Hof bestellen.

Bei einem der Landgänge macht Brigitte Antoine den Hof, doch er lässt sie abblitzen. Stattdessen beginnt er mit Mabé Le Guen, die mit dem Vorarbeiter der Leuchtturmwärter, Yvon, verheiratet ist, am französischen Nationalfeiertag eine leidenschaftliche Affäre. Danach verlässt er die Insel. Und Camille erkennt, dass sie Antoines Tochter ist…

Doch die Klippe, aus dem Stoff ein kitschiges Melodrama zu inszenieren, hat Lioret geschickt umschifft. Mit seiner Mischung aus Empathie und Zurückhaltung, Dokumentation und Nostalgie, innerer Spannung und dramatischen Momenten ist Die Frau des Leuchtturmwärters* ein Film der Zwischentöne. Herb, rau und doch voller Herz – wie die Insel, die nicht nur vomMeer umtoste Felsklippen kennt, sondern auch stille Buchten, Blumenwiesen und weiße Häuser mit farbigen Fensterläden.

Die Insel am Eingang des Ärmelkanals wird täglich von Brest angefahren, in der Saison auch von Camaret und Molène ( Compagnie Maritime Penn ar Bed, www.pennarbed.fr). Wer sie entdecken will, sollte es der Filmheldin Sandrine Bonnaire gleichtun und ein Fahrrad mieten. Leihräder gibt es am Fähranleger Port du Stiff oder in der Inselhauptstadt Lampaul bei Cycl’evasion, Tel. 02 98 48 85 15, www.cyclevasion.fr und La Bicyclette, Tel. 02 98 48 81 34, https://ot-ouessant.fr/se-deplacer-a-ouessant/locations-de-velo/55-la-bicyclette.html

Finis Terræ auf Bannec

Ein gefährlicher Gezeitenstrom – der Passage du Fromveur – trennt Ouessant von der kleinen Insel Bannec, auf der bereits 1929 Jean Epstein das Stummfilmdrama Finis Terræ gedreht hat. Engagiert wurden damals ausschließlich Einwohner von Ouessant.

Auf professionelle Schauspieler hatte der große polnisch-französische Regisseur und Filmtheoretiker bewusst verzichtet, da sie, so Epstein, „nicht Seite an Seite mit dem brutal-authentischen Ozean spielen könnten“.

Und so sind windgepeitschte Landstriche, atemberaubende Lichtspiele, Wellen und Wasser die eigentlichen Stars des Stummfilms, der von vier Männern berichtet, die auf der Insel Algen sammeln wollten, in Streit geraten und dramatisch gerettet werden.

Finis Terræ bildet den Auftakt einer Trilogie, die Epstein mit Mor Vran (1931) und L’Or des Mers (1932) komplettiert und seinen geliebten bretonischen Inseln so ein beeindruckendes cineastisches Denkmal gesetzt hat.

Mysteriöses Familiendrama auf der Belle-Île

Mysteriöse Todesfälle erschütterten 2005 die Belle-Île-en-Mer, die im französischen TV-Thriller Dolmen(Dolmen – Das Sakrileg der Steine*) von Didier Albert und Eric Summer den Namen Ty Kern erhielt. Keltische Legenden, düstere Familiengeheimnisse, Verschwörungstheorien und mythische Ereignisse wie blutende Menhire sind die Vehikel, mit denen der Dreiteiler 600 Minuten lang die Spannung hält.

Anlässlich ihrer Hochzeit mit ihrer Jugendliebe Christian Bréhat (Xavier Deluc) kehrt die junge Polizistin Marie Kermeur (Ingrid Chauvin) auf ihre Heimatinsel zurück, auf der vier Familien durch ein Geheimnis vergangener Zeiten miteinander verstrickt sind: die Kersaints, die Le Bihans, die Perecs und die Kermeurs.

Am Tag vor der Hochzeit häufen sich mysteriöse Vorfälle. Um sie aufzuklären, reist Inspektor Lucas Fersen (Bruno Madinier) nach Belle-Île – und trifft bei seinen Ermittlungen auf erbitterten Widerstand. Der Mix aus Mystery, Fantasy und Familiensaga traf den Geschmack der Massen: Mit zwölf Millionen Zuschauern war Dolmen in Frankreich das TV-Event 2005.

Von Quiberon schippert die Compagnie Océane in 45 Minuten zur Inselhauptstadt Le Palais und zum kleinen Hafen Sauzon (www.compagnie-oceane.fr). Auf der größten bretonischen Insel empfiehlt sich ein Leihwagen.

Îles Logoden

Mit sechs Césars, dem französischen Oskar, und dem Spezialpreis der Jury wurde 1980 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Mon oncle d’Amérique* (Mein Onkel aus Amerika) ausgezeichnet. Als Schauplatz für sein Film-Puzzle, das kritisch die Verhaltenspsychologie hinterfragt, wählte der 1922 in Vannes geborene Alain Resnais einen Archipel seiner Kindheit: die Îles Logoden im Golfe du Morbihan.

Jean (Roger Pierre), der in Paris auf eine Karriere als Politiker hofft, René (Gérard Depardieu), ein Fabrikdirektor vor dem beruflichen Aus, und das Arbeitermädchen Janine (Nicole Garcia), das gegen den Willen ihrer Eltern Schauspielerin werden will, treffen dort per Zufall aufeinander. In der Auseinandersetzung ihrer Lebensentwürfe verändert sich das Schicksal jedes Einzelnen.

Das 18 Quadratkilometer große Insel-Duo in Sichtweite von Arradon lässt sich nur mit einem Leihboot erreichen. Segeljachten im Stil von 1900 gibt es bei Belle Plaisance, Tel. 02 97 44 80 91, www.belleplaisance.com.

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Roadtrips FrankreichDas zweite gemeinsame Werk mit Klaus Simon stellt euch die schönsten Traumstraßen zwischen Normandie und Côte d’Azur vor. 14 Strecken sind es – berühmte wie die Route Napoléon durch die Alpen oder die Route des Cols durch die Pyrenäen, aber auch echte Entdeckerreisen wie die Rundtour durch meine Wahlheimat, dem Fenouillèdes.

Von der Normandie zur Auvergne, vom Baskenland hin zu den Stränden der Bretagne und dem wunderschönen Loiretal laden unsere Tourenpläne ein, Frankreich mobil zu entdecken – per Motorrad, im Auto, im Caravan oder Wohnmobil. Hier* gibt es das Fahrtenbuch für Frankreich!

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