Die Blüten und Hennen von La Fajolle

La Fajolle: bunte Hennen überall. Foto: Hilke Maunder
Schmuckes Heim für die Henne... Foto: Hilke Maunder

65 Häuser, 15 Einwohner: Das ist La Fajolle. Ein Straßendorf im Tal des Rébenty, die letzte menschliche Siedlung auf dem Weg zum Col du Pradel, dem Pass nach Ax-les-Thermes in Ariège.

Jahrhunderte alte Häuser, erbaut aus wuchtigen Feldsteinen, säumen den Bach, kleine Brücken verbinden die Kreisstraße mit Häusern. Hier ist das Land des „Fajal“, der Buche, wie sie auf Okzitanisch heißt.

Von Bergen umschlossen: La Fajolle im Pays du Sault. Foto: Hilke Maunder

Der Tannen, die sich weiter höher an den den Fels krallen, des gelben Enzians, aus dessen Wurzeln Schnaps gebrannt wird, und der Rindern, die Anfang Juni auf die Almen getrieben werden.

Bis Mitte Mai ist die Passstraße gesperrt, leben die Menschen hier wie einst als Selbstversorger. Dann beginnt langsam der Frühling, rauscht der Répenty, picken Auerhähne die Knospen von den Laubbäumen.

Auf dem Pass von Pradel blüht der gelbe Enzian in rauen Mengen. Foto: Hilke Maunder

Grün fürs Grau

Doch blühen – das tat 2016 auf 1.100 m Höhe hier nur wenig. Im engen Tal war der Platz für Gärten begrenzt, war eher Garage als Grün gefragt. Bis Françoise Freu das begann, was in Großstädten trendig „seed bombing“ heißt.

Feldstein und Rosen: was für eine schöne Kombination! Foto: Hilke Maunder

Am Straßen- und Bachrand, auf den kleinen Plätzen und anderen öffentlichen Stätten des Orten ließ sie Samen fallen, pflanzte vor der Hauswand einen Rosenstock – und überzeugte die Nachbarn, dem Dorf so Farbe und Flair zu geben.

La Fajolle erblühte. Und der Stolz der Einwohner, ihr Gemeinsinn und Miteinander, auch. Noch im gleichen Jahr nahm die Gemeinde mit Hilfe des CAUE, der in Zusammenarbeit mit dem Departement und der Agence de développement touristique de l’Aude,  den Wettbewerbs Villes et Villages fleuris teil.

Le Jardin du Repos – der Friedhof. Foto: Hilke Maunder

Das erste Sternchen

La Fajolle begeisterte die Jury. 20ß16 gab es für die Gemeinde den ersten Preis für Dörfer mit weniger als 100 Einwohnern; 2017 das begehrte Zusatz-Ortsschild mit der ersten Blume. Ebenfalls 2017 schloss sich La Fayolle zero phyto an und erhielt das nationale Label für gesunden Boden.

Nach dem Gassen des Ortes hat Françoise sich den Friedhof vorgenommen und auch ihn in einen „Jardin du repos“ verwandelt, einen blühenden Garten der Ruhe und der Erinnerung.

Blumenübersät: der Friedhof von La Fajolle. Foto, Hilke Maunder

Die ersten Hennen

Mit Jackie Castel fand Françoise Freu eine Mitstreiterin, die ihre Blumenleidenschaft teilt. Und eine ungewöhnliche Idee beisteuerte. Sie griff zur Nähmaschine und verwandelte Stoffreste in kunterbunte, knuffige Hennen.

Die Henne der Place de l’Apero. Foto: Hilke Maunder

Jackie stellte sie ins Fenster. Flug machten es die Nachbarn nach. Es entwickelte sich geradezu ein echter Wettbewerb, wie das textile Tier am besten in Szene gesetzt werden könnte.

Huhn hält Hof. Foto: Hilke Maunder

Im Vogelkäfig, auf dem Heuballen, auf einem riesigen Wagenrad, mittendrin in den Blumen. Wer die Augen offen hält, findet die hübschen Hennen an den erstaunlichsten Orten. Und natürlich sind alle handgemacht und nicht gekauft!

Diese Henne hat viel Holz vor, pardon, für die Hütte… Foto: Hilke Maunder

Zu den Hennen haben sich längst andere Hingucker gestellt. Gummistiefel und Nachttöpfe schmücken mit Blumen Steigen und Stiegen. Im zinnernen Wäschetrog hält eine Puppe ihre Angel in den Bach: Der Rébenty ist berühmt für seinen Forellen!

Angeln am Rébenty – ein Stillleben. Foto: Hilke Maunder

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Die einstige Telefonzelle wandelte sich zum Bücherschrank für alle. Foto: Hilke Maunder
Der Platz für den Apero. Foto: Hilke Maunder

 

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4 Kommentare

  1. Wie immer ein interessanter Artikel, liebe Hilke, den Ort muss ich mir merken, vaut le détour;-) Beste Gruesse aus der wieder mal heissen Ostschweiz:-)
    Rainer

    • Hallo Reiner, merci! Hab gerade gehört, dass uns Le Havre mit 38 Grad heute übertroffen hat. Wir hatten gestern 41 Grad, heuer sind’s nur 32. Viele Grüße in die Ostschweiz! Ich pendle immer durch die Schweiz, allerdings im Westen – und habe im Osten Familie…die gerade auf Amrum Ferien macht….Bises, Hilke

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