Denis Diderot – der Lessing Frankreichs

Diderot, der Aufklärer aus Langres. Foto: Hilke Maunder
Diderot, der Aufklärer aus Langres. Foto: Hilke Maunder

„Ich bin und bleibe ein Kind meiner Heimat“, bekannte Denis Diderot (1713 – 1784), Philosoph, Kunstkritiker und Schriftsteller der Aufklärung – und Sohn eines Messerschmieds aus Langres im Département Haute-Marne. Als 15-Jähriger zog er nach Paris, um Philosophie zu studieren. Sein Vater wünschte, er solle Geistlicher oder Jurist werden. Doch Diderot gab diese Pläne bald auf, um zu schreiben.

Diderot: Genialer Freigeist

Diderot führte das Leben eines Bohémiens, traf einflussreiche Schriftsteller und Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau. In einer Jugend folgte Diderot den Ideen Voltaires, der seinerseits von Newton und seinen Theorien zu Optik und Gravitation beeinflusst war. Doch nach und nach wandte sich Diderot davon ab und neigte mehr zur Denkrichtung des Materialismus und Atheismus.

Er stelle alles in Frage und lehnte es ab, sich der starren Kirchenlehre zu unterwerfen. In seinen Schriften stellte er die herkömmliche Struktur und den Inhalt von Novellen in Frage, wie in seinem Werk Jacques der Fataliste und sein Herr (Jacques le Fataliste et son Maître).

Seinen Vater verärgerte er weiter durch die Heirat mit einem armen, römisch-katholischen Mädchen, das eine Tochter gebar. Diderot verdiente nie viel Geld, trotz seiner Hingabe an seine Arbeit. Um seine Tochter mit einer Mitgift auszustatten, musste er sogar seine umfangreiche Büchersammlung verkaufen. Katharina die Große erfuhr von seinen Nöten und erwarb Diderots komplette Bibliothek. Sie beließ die Bücher in Paris und stellte Diderot als Bibliothekar an. Bei seinem Tod 1784 übergab die Zarin die Sammlung derNationalbibliothek von Russland .

Frankreichs einziges Diderot – Museum

Am 5. Oktober  2013 eröffnete das Maison des Lumières Denis Diderot (Denis Diderots Haus der Aufklärung) zum Leben und Werk des großen Philosophen. Es ist das einzige seiner Art in Frankreich. In seinen acht Sälen zeigt es persönliche Gegenstände, Originalmanuskripte, Druckplatten seiner Enzyklopädie, Zeichnungen und wissenschaftliche Objekte. Infotafeln, Filme und interaktive Stationen illustrieren Diderots Denken und Wirken. Zudem gewähren sie Einblicke in das Zeitalter der Aufklärung. Und die Art und Weise, wie das 18. Jahrhundert die neue Sicht auf die Welt, die Gesellschaft und den Platz des Menschen in der Welt revolutionierte.

Die Enzyklopädie

Quelle der Inspiration für Diderots Enzyklopädie war Chambers „Cyclopaedia, or An Universal Dicitonary of Arts and Sciences“, veröffentlich 1728 in London. Diderot hatte Englisch studiert und schon mehrere Übersetzungsarbeiten ausgeführt. 1744 begann er, die Enzyklopädie ins Französische zu übersetzen. Mit seinem wachen und forschenden Geist ging er schon bald über diese Aufgabe hinaus.

Er strebte eine wesentlich komplexere Aufgabe an, die nicht nur Kunst und Wissenschaft, sondern das gesamte Wissen der Zeit umfassen sollte. Und mehr noch: Das Werk sollte dazu beitragen, das gewohnte Denken des Menschen zu verändern.

„Ändert euer Denken!“

Die Enzyklopädie war für ihre Zeit sehr fortschrittlich. Zugleich war sie auch sehr unorthodox, vor allem bei den Einträgen zu Religion und Naturgesetzen. Diderot befürwortete die religiöse Toleranz und die Freiheit des Denkens. Das führte dazu, das Kirche und Adel das werdende Werk als Bedrohung empfanden. Der Schriftsteller wurde überwacht und verfolgt. Sein Werk wurde zensiert, 1759 sogar verboten.

Viele einflussreiche Partner, Zulieferer von Beiträgen und Sponsoren schieden aus, und auch seine Freunde mieden ihn. Doch in dem Maße, in dem der Skandal wuchs, stieg auch die Zahl derjenigen, die ein Exemplar erwerben wollten. 4.000 Subskribenten ermutigten Diderot, trotz aller Kontroversen weiterzumachen

35 Bände Wissen

Im Geheimen schloss er das Mammutwerk ab. Oft verbrachte er die Tage mit Recherchen und die Nächte mit dem Schreiben der Einträge. Er schwebte dabei ständig in der Angst vor polizeilichen Razzien. Erst 1772 erhielten die Besteller die letzten der insgesamt 35 Bänden der „Enzyklopädie oder kommentiertes Wörterbuch der Wissenschaften, freien und mechanischen Künste. Nach 20 Jahren harter Arbeit war das Projekt zwei Jahre vor Diderots Tod abgeschlossen.

Langres – meine Reisetipps

Diderot erleben

2013 feierte Langres den 300. Geburtstag seines großen Philosophen ein ganzen Jahr lang. Seitdem könnt ihr Langres‘ berühmten Bürger im Museum hautnah entdecken  – in der Maison des Lumières Diderot und beim Stadtspaziergang mit den 28 Etappen der  App, die es auch auf Deutsch gibt.
• 2, Rue Chambrulard, 52200 Langres, Tel. 03 25 86 86 40www.musees-langres.fr

Schöne Pause

La Villa Vauban

Stylisches Café-Restaurant mit großer Terrasse direkt an der Festungsmauer.
• Place du Colonel de Grouchy, 52200 Langres, Tel. 03 25 86 00 54, www.facebook.com/lavillavauban

Kunst unter freiem Himmel

Mitte August arbeiten alljährlich ein Wochenende lang die Kreativen der Stadt unter freiem Himmel und töpfern, malen, kleben, drucken und sprayen auf den Plätzen, in den Parks und den Straßen und Gassen.

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Das ganze Land

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