Languedoc: Spielwiese der Winzerinnen


Weinbau bei Ansignan im Fenouillèdes

Das Languedoc gehört zu den aufregendste Weinregion Frankreichs. Die Landschaft im Südwesten lockt mit einer unvergleichlichen Vielfalt an „terroirs“. Erfahrene wie experimentierfreudige Winzer komponieren dort  seit der Antike Weine wie flüssige Seide, kräftig und harmonisch.

Bereits die Römer bauten im Languedoc Wein an

Bereits im sechsten Jahrhundert vor Christus pflanzten griechische Siedler im Languedoc die ersten Rebstöcke. Unter den Römer erlebte der Weinbau seinen ersten Höhepunkt. Winzer aus der Provinz Gallia Narbonensis schickten Amphoren mit ihrem Wein nicht nur nach Rom, sondern exportierten ihre Tropfen bereits bis nach Germanien.

Das Geheimnis des Klosterbruders

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches sorgten Mönche für neue Impulse, und bis heute entstehen in einst heiligen Hallen geistvolle Tropfen wie Le Secrèt de Frère Nonenque. Mit Hingabe studierte Philippe d’Allaines, das „Geheimnis des Klosterbruders“ der Abbaye de Valmagne  – und fand des Rätsels Lösung: ein Cuvée aus 30 Prozent Morastel, Carignan, Cinsault und Grenache.

L'Abbaye de Valmagne - eine Kathedrale des Weins im Languedoc

Dank solch engagierter Winzer erlebt das sonnenverwöhnte Languedoc, das im 19. Jahrhundert zum Hauptproduktionsgebiet der „gros rouges“, ehrlicher, alkoholreicher Landweine geworden war, seit der Jahrtausendwende eine wahre Wein-Revolution.

Klasse statt Masse

Anbau, Verarbeitungsmethoden und Vermarktung kamen damals auf den Prüfstand. Klasse statt Masse, hieß die Devise. Mehr als 100.000 Hektar Weinberge verschwanden; neue, international erfolgreiche Gewächse gesellten sich zu alteingesessenen autochtonen Sorten wie Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault und Carignan.

Weinbau im Languedoc bei Portel

Neue Appellationen kamen hinzu, andere wurden in der damals neu geschaffenen Regionalappellation Côteaux de Languedoc zusammen geführt, zu der acht Gebiete mit ganz unterschiedlichen „terroirs“ gehören. Für einfache, aber mitunter herausragende Rebsorten-Landweine wurden 1987 neue Qualitätskategorie Vins de Pays d’Oc geschaffen.

Frankreichs größter Rebengarten

Heute bildet das Languedoc gemeinsam mit dem benachbarten Roussillon mit 320.000 Hektar Rebfläche und 16 Millionen Hektoliter Wein pro Jahr nicht nur Frankreichs größtes Anbaugebiet, sondern auch sein aufregendsten: Zwischen Nîmes und Narbonne liegt Frankreichs Spielwiese für junge, ambitionierte Winzer, die Erfahrung mit Experimentierfreude paaren – und dabei geschickt die kontrastreiche Landschaft nutzen.

Sie beschert dem Languedoc eine einzigartige Vielfalt an „terroirs“: vom felsigen Fitou bis zum körnigen Picpoul, von den lehmig-kalkhaltigen Böden der Corbières bis zu den sandigen Böden an der Küste. „L’art de faire parler le terroir“ – die Kunst, den Boden zum Sprechen zu bringen, lautet das Credo der Winzer im Languedoc, dem sich besonders die neue WinzerInnen-Generation verschrieben hat.

Grenache: Star-Traube voller Vielfalt

Die Languedoc-Winzerin Catherine Delaunay von Les Jamelles in Marseillette (Aude) bekam schon zahlreiche Ehrungen für ihre Weine. Ihr Grenache-Syrah ist ein geschmacksintensiver, traumhaft saftiger Rotwein mit typisch südfranzösischem Bouquet.

Isabelle Mangeard verschlug es ins Minervois. Begeistert Licht und der Landschaft im Languedoc, beschloss sie mit ihrem Mann Christian, Wurzeln zu schlagen – und dort ihre drei „Nines“, wie die Kinder auf Okzitanisch genannt werden, aufzuziehen. Mitten in der Garrigue von Fabrègues zwischen Montpellier und Sète kaufte sie neun Hektar Land – und nannte ihr Weingut mit einem Augenzwinkern auf ihre Kinder Clos de Nines.

Handverlesen sorgt für Qualität

Seine Reben wachsen auf Ton- und Sandsteinböden, die durchzogen sind mit versteinerten Austernschalen, einzig der Cinsault gedeiht auf rotem Sandstein. Gelesen wird ausschließlich per Hand: „Diese Mehrarbeit hat maßgeblich Anteil an der Qualität meiner Weine“, ist die sympathische Winzerin überzeugt, die aus den Trauben zwei AOCs der Coteaux de Languedoc, eine Spätlese sowie die “Pulp“-Landweine komponiert.

Ihr AOC „L’Orée“ ist ein runder Cuvée aus 50% Grenache, 25% Cinsault und 25% Syrah mit kurzem Aufenthalt im Barriquefass; ihr AOC „O Du Clos“ aus 80% Syrah und 20% Grenache wird 18 Monate lang im Barriquefass ausgebaut.

Seit der Jahrtausendwende vinifiziert Isabelle auch eine Spätlese: „Ouate“, schrieb ein französischer Journalist begeistert, sei ein Vorbote des Paradies – und ein himmlischer Begleiter zu einem Schokoladenkuchen, Walnüssen oder grün gesprenkeltem Schimmelkäse. Das auch ihre Pulp-Landweine hervorragende Tropfen sind, beweist sie alljährlich im späten Frühjahr mit einer „Brasucade“ auf ihrem Clos.

Auch sie stellt auf Youtube ihr Weingut und ihre Weine vor.

Unter offenem Himmel werden Austern aus dem Étang de Thau auf der Glut abgeschnittener Weinranken gegrillt – und dazu frisch auf die Flasche gezogene Pulp-Landweine serviert. Bei den Roten sind sie eine Assemblage aus Carignan und Alicante, deren Rebstöcke sind mindestens 50 Jahre alt sind, für die Pulp-Weißweine verarbeitet sie Viognier, Vermentino und Muscat. Und während das Feuer knistert, der Wein sein Bukett entfaltet, die Kräuter der Garrique kräftig duftet, vereinen sich Gitarrenklänge und das Zirpen der Grillen zu einem unvergesslichen Tag im Languedoc.

Das „Versailles des Languedoc“

Miren und Nicolas de Lorgeril sind die Besitzer der Vignobles Lorgeril, zu denen sechs Weingüter gehören: Mas des Montagne, Château de Caunettes,  Domaine de Garille, Domaine de la Borie Blanche, Château de Ciffre sowie Château de Pennautier als Bekanntestes. Auf Youtube stellt es die Sendereihe „Des Racines & Des Ailes“ vor – beeindruckend!

Seinen Grundstein legte der Schatzmeister der Languedoc, Bernard de Pennautier, bereits vor fast 400 Jahren – 1620. Ein paar Jahre später baute sein Sohn das Schloss nach Plänen des Versailler Architekten Le Vaux um und ließ den 30 ha großen Garten vom königlichen Gartenarchitekten André Le Nôtre im Barockstil anlegen. Am 14. Juli 1622 besuchte König Louis XIII. das „Versailles des Südens“ und ließ als Gastgeschenk seine gesamten Reisemöbel auf dem Schloss zurück.

Kurz nach Ende des 1. Weltkriegs heiratete Paule de Pennautier den Grafen Christian de Lorgeril. So kam das Schloss in den Besitz der Familie Lorgeril. Als Nicolas de Lorgeril in zehnter Generation die Verwaltung des Nachlasses seines Großvaters übernahm, setzte er gemeinsam mit seiner Frau Miren alles daran, die traditionelle Weinbereitung am Leben zu erhalten. 1967 begann er mit umfangreichen Neupflanzungen. Heute sind die 350 ha Rebfläche vollständig saniert. Unterstützt von einem dynamischen jungen Team, werden Lorgerils Weine heute in mehr als 20 Länder der Erde exportiert.

Cabardès: Wo das Mittelmeer auf den Atlantik trifft…

Gleich drei ihrer Weingüter findet ihr in der Nähe von Carcassonne in der AOC Cabardès. Im Süden des Massif Central in den sonnigen Hügeln der Montagne Noire gelegen, gedeihen auf den Böden aus Lehm und Kalk komplexe, kernige Weine, die in einer landesweit einzigartigen Appellation zusammengefasst sind. Nur im Cabardès werden sowohl die traditionell im atlantischem Klima beheimateten Rebsorten Merlot und Cabernet wie auch die aus mediterranen Regionen stammenden Reben Syrah, Grenache und Cinsault angebaut.

Wie gut der Mix aus Mittelmeer und Atlantik, aus heißer Sonne und kalten Winden, den Weinen tut, lässt sich gleich vor Ort erleben: bei einer Verkostung oder einem Dinner im Restaurant des Château Pennautier.

Urlaub beim Winzer

Auch für das passende Bett haben Miren und Nicolas gesorgt. Nachdem das Paar auch ihren anderen Weingütern im Languedoc gemütliche Gîtes als Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet haben, bauten sie das Château de Pennautier zum Viersterne-Hotel um. Von dort ist nicht weit zu gleich zwei Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes. Die wehrhafte Cité von Carcassonne und der romantische Canal du Midi sind nur fünf Kilometer vom Schloss entfernt.

Zu den berühmtesten Kellereien im Languedoc gehört auch die Vignobles JeanJean aus dem südfranzösischen St-Félix-de-Lodez. Das börsennotierte Familienunternehmen, das längst auch seine Fühler in das Bordeaux ausgestreckt hat, wird heute in sechster Generation von Brigitte Jeanjean geleitet.

Voller Liebe spricht sie von ihrer Heimat, die für sie der Inbegriff des „Bon Vivre“ ist: „Hier wird gut gegessen, gut getrunken – und die Menschen sind herzlich zueinander.“ Das läge dort einfach in der Natur, sagt sie. „Diese einzigartige Lebensart im Languedoc hat ihren Ursprung in einem einzigartigen Mosaik aus intensiven Farben, Gerüchen und Genüssen.“ Und betont:  „Bevor Sie unsere Tropfen verkosten, müssen Sie sich unsere „terroirs“ ansehen – dann erst verstehen Sie, warum unsere Weine so unterschiedlich sind!

Der amerikanische Traum – à la français

JeanJeans Karriere gleicht einem amerikanischen Traum: vom kleinen Küfer zum Grossunternehmen mit sieben Weingütern, die ihre Weine in High-Tech-Keller fast schon wie am Fließband herstellt. Keine romantische Vorstellung vielleicht. Was aber herauskommt, ist aber grundsolide Qualität. Ohne einzigartigen Charakter, aber ein angenehmer Wein, der mundet. Und mit einem Preis von neun Euro als Spitzengewächs bei den Discountern an der Küste Einzug gehalten hat.

Das Weingut Le Mas de Lunès in der Nähe von Montpellier liegt mitten in einem Naturschutzgebiet. Sanfte Hügel mit Heide und der für die Languedoc typischen Garrigue umgeben die Weingärten. An heißen, langen Sommertagen atmen die Weinstöcke, die hier auf 71 Hektar wachsen, die ätherischen Öle von Thymian, Anis und anderen Kräutern ein und geben sie an die Traube weiter. Sie sorgen für ein unvergleichliches Geschmacksfeuerwerk beim Genuss des Muscat, der hier gedeiht.

Auf dem Plateau von Aumelas bauen Hugues Jeanjean und seine Kinder auf der Domaine Devois des Agneaux herausragende Rot- und Weißweine aus. Zum Imperium des Familienunternehmens, das unter den Brüdern Bernard und Hugues Jeanjean zum Marktführer im Languedoc aufstieg, zählen auch die Domaine de Fenouillet im Anbaugebiet Faugères und die Domaine du Mas Neuf. 1990 kam die Domaine Le Pive hinzu. Sie ist berühmt für ihren „vin de sable“ – Sandwein, der am Golf du Lion auf Sandböden gedeiht und wie kein anderer Wein den Sommer einfängt: als blumiger, lachsfarbener Rosé oder fahlgelber Weißer mit viel Finesse. Santé!

Weinland Languedoc: Erlebt es hautnah!

Château de Villemagne

In den Weinbaugebieten Corbières und Minervois laden 71 Winzer zum Aufenthalt in einem „Gîtes ruraux“ auf ihrem Weingut ein – 21 von ihnen sogar während der Weinlese. Zu ihnen gehört auch Roger Paulette vom Château Villemagne. Beim Besuch seiner Domaine erfahrt ihr alles über die typischen Rebsorten des Languedoc, den Rebenschnitt, die Weinlese und die Herstellung des Weines – der anschließend professionell im Keller verkostet wird.
• Château Villemagne, F-11220 Lagrasse, Tel. 04 68 24 06 97, https://chateau-villemagne.plugwine.com

Monastère de Solan

Bereits römische Bauherren nutzen das Kalkgestein und die Sandsteine aus der Umgebung bei Saint-Laurent-la-Vernède im Departement Gard. Und sie kannten auch schon die Vorzüge dieser Böden für den Anbau von Reben. Das gleiche Baumaterial diente für den Bau des Klosters von Solan in Bastide-d’Engras. Seine Nonnen betreiben heute auf fünf Hektar  biologischen Weinbau am Nordhang des Flüsschens Tave.

Das Architektenbüro Perraudin schuf mit der Konzeption der neuen Klosterkellerei einen gelungenen Bindestrich zum Kloster und zur Landschaft. Auch hier könnt ihr Urlaub machen: Im Kloster werden Gäste jeder Glaubensrichtung oder freigeistlicher Gesinnung für einige Tage willkommen geheißen.

Übersicht über das Weinland Languedoc

 

 

 

 

 

 

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