Le Havre: der Garten der Stille

Der erste Garten des Jardin de Silence. Foto: Hilke Maunder
Der erste Garten des Jardin de Silence. Foto: Hilke Maunder

Es war eine wahrhaft göttliche Eingebung: In Le Havre haben Karmeliterinnen mit einem Garten ein Immobilienprojekt gestoppt, das ihr klösterliches Leben bedrohte.

Gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Samuel Craquelin und zwei Künstlern, der bildenden Künstlerin Chantal Giraud und dem Bildhauer Jean-Pierre Lartisien, haben sie einen Garten der Stille geschaffen.

Ihr Jardin de Silence ist seitdem ein Ort der Meditation, der Besinnung, der Reflexion und der Betrachtung dessen, was die Schönheit der Natur und des Lebens sein kann.

Schwester Marthe-Bénédicte. Foto: Hilke Maunder
Karmeliterschwester Marthe-Bénédicte spricht fließend Deutsch. Sie war als Jugendliche eine Austauschschülerin in Karlsruhe gewesen. Foto: Hilke Maunder

 

 

Schwester Marthe-Bénédicte erzählt, was das Besondere dieses Klostergartens in der Rue Félix Faure 151 ist. Für alle, die das Französische nicht ganz so gut beherrschen, voilà einige Informationen zum Garten auf Deutsch.

Der erste Garten

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto Hilke Maunder

Der erste Garten ist ein trockener, steiniger Platz mit mediterranen Pflanzen. Dieser “Mineralienhof” besteht aus konzentrischen Kreisen um einen Kalvarienberg. Das Überqueren dieser Kreise symbolisiert den Eintritt in die eigene Innerlichkeit.

Der Garten der Stille basiert auf den Lehren der heiligen Teresa von Avila. Teresa von Ávila wurde am 28. März 1515 als Teresa de Cepeda y Ahumada  im spanischen Ávila geboren. Sie verstarb dort am 4. Oktober 1582.

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Zum  geistliches Leit- und Lebensmotiv wird das castillo interior, die “innere Burg”. Die Ordensfrau vergleicht die Seele des Menschen mit einer Burg mit vielen Wohnungen und Gemächern.

Jeder Raum führt tiefer hinein in die Seele des Menschen, in deren Innersten nach Teresas Ansicht Gott wohnt. Je größer die Gotteskenntnis, desto größer sei die Selbsterkenntnis.

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Die seelische Einöde spiegeln Pflanzen, die Trockenheit vertragen, und Kies auf dem Boden. Doch der Brunnen, dicht an der Mauer zum nächsten Garten, verspricht Wasser. Die Glaskunst – ein stilisiertes Noria-Schöpfrad – holt symbolisch das Wasser des Lebens hinauf.

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der zweite Garten

Den zweiten Garten prägt ein Bewässerungskanal. Die Karmeliterinnen legten ihn an als Symbol der inneren Begegnung mit Jesus Christus. Ruhig fließt dahin das Wasser bis zu einem Wasserspiel. Das Wasser lässt die Vegetation aufblühen, dicht und grün und mit ersten Blüten säumt sie den Wasserlauf.

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der dritte Garten

Das Wasser bewässert den Rasen, der nach Vorbild der Kalksteinwiesen des Pays de Caux angelegt wurde. Eine Bank lädt zur Meditation unter hohen Bäumen. Das Wasser als Quell des Lebens hat die Kraft, Großes zu schaffen.

Wer diese Stufe in seinen inneren Garten erreicht hat und die Seele täglich “gießt” mit Glauben und Gebet, der werde als Mensch sich verändern, zu blühen beginnen und ebenso Großes schaffen, sagt Marthe-Bénédicte.

Lange Zeit habe sie nicht gewusst, was sie mit ihrem Leben machen solle. Doch hier sei sie angekommen – bei den Karmeliterinnen in Le Havre.

Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Jardin de Silence, Carmel, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Nicht verpassen

Das Kreuz, das sich auf der Place des 7 demeures am Eingang der Klosteranlage befindet, gestaltete Chantal Giraud als Lichtkreuz. Ein skulpturales Muster aus Rippen belebt das Glas wie einen Lebensbaum.

Die Kirche des Karmeliterinnenklosters von Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Die Kirche des Karmeliterinnenklosters von Le Havre mit ihrem “Lichtkreuz”. Foto: Hilke Maunder
Das Kloster der Karmeliterinnen. Foto: Hilke Maunder
Das Kloster der Karmeliterinnen. Foto: Hilke Maunder

Himmlisch lecker

Die Karmeliterinnen von Le Havre stellen im Kloster köstliche Konfitüre her. 20 Sorten sind im Angebot. Verkauft werden sie vor Ort im Klostershop der Schwestern – und online im virtuellen Shop der französischen Klöster: www.artisanatmonastique.com

20 Sorten Klostermarmelade verkauft der Carmel du Havre. Foto: Hilke Maunder

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Blick von Le Havre auf Sainte-Adresse. Foto: Hilke Maunder
Blick von Le Havre auf Sainte-Adresse. Foto: Hilke Maunder

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