ENTDECKT
Seine-Maritime
Wo die Seine in den Ärmelkanal mündet und das weiße Kreidefelsen hell zwischen den Blautönen von Himmel und Meer leuchten, liegt das Département Seine-Maritime, das dieses Farbspiel landein weiterführt auf den Flachsfeldern des Plateau de Caux und den Schleifen am Unterlauf der Seine.
Das 6.278 Quadratkilometern große Département im Norden der Normandie grenzt im Süden und Osten an die normannischen Départements Calvados und Eure, im Norden an das Département Somme der Region Hauts-de-France.
Rouen: Stadt der hundert Kirchtürme
In der Hauptstadt Rouen atmet jeder Stein Geschichte. Hier wurde Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannt, malte Monet die Kathedrale im Wechselspiel des Lichts und feiert die Stadt die Windjammer der Welt alle vier Jahre bei der Armada de Rouen — das nächste Mal im Sommer 2027.

Das Tal der Abteien
Den Lauf der Seine säumt seit dem Mittelalter eine Kette spiritueller Kraftorte. Berühmte Abteien wie Jumièges, das die Victor Hugo als die „schönste Ruine Frankreichs“ bezeichnete, aber auch Saint-Georges de Boscherville und Graville haben hier Geschichte geschrieben, Küche und Kultur geprägt und ein Erbe hinterlassen, das heute auch Kunstausstellungen und Konzerten zu Leben erwacht. In Saint-Wandrille erklingen in der Klosterscheune bei Konzerten gregorianische Gesänge. Wenige Schritte weiter brauen die Mönche ein höchst süffiges Klosterbier. Hoch über den Fluss bei Les Andelys wacht das Château Gaillard, die uneinnehmbare Festung von Richard Löwenherz, über dem Tal.

Welterbe der Moderne
Auch Le Havre, dessen Nachkriegsarchitektur von Auguste Perret zum Welterbe gehört, ist eine urbane Perle, die ihr nicht verpassen solltet. HIer im Bout du Monde einen Apéro zum Sonnenuntergang über der Seine zu genießen, ist Kult. Und vor oder nach dem Stadtbummel könnt ihr sogar am Kieselstrand baden und sonnen!
Den Strand und die Klippen von Étretat, einem künftigen Grand Site de France an der Alabasterküste, machte die Netflix-Serie Lupin weltberühmt. In Bruneval gelang den Alliierten der erste Sieg gegen die Nazis; in Saint-Valery-en-Caux öffnet sich ein Tal ohne Fluss zum Hafen.

Fécamp erzählt in seinem Fischereimuseum von Männern, die vor Neufundland den Kabeljau aus dem Ozean zogen, der England-Fährhafen Dieppe weiter nördlich seinem Burgschloss von kühnen Korsaren und feiner Elfenbeinschnitzerei. Acht Kilometer weiter die Côte d’Albâtre hinauf findet ihr Frankreichs größte Hortensiensammlung – den Jardin Shamrock von Varengeville.
An der Grenze zur Picardie erzählt die Kleinstadt Eu vom Leben einer königlichen Familie im 19. Jahrhundert im Château d’Eu, einst Sommerresidenz des Bürgerkönigs Louis-Philippe. Gemeinsam mit Le Tréport und Mers-les-Bains bildet Eu die „Drei Schwesterstädte“.

Das bäuerliche Pays de Bray
Südlich davon verändert sich das Landschaftsbild radikal: Das Pays de Bray ist die grüne Seele des Départements. Diese sanft gewellte Bocage-Landschaft mit ihren Hecken, Streuobstwiesen und kleinen Bächen wirkt wie eine Idylle aus einem vergessenen Jahrhundert. Inmitten dieser Hügel liegt Forges-les-Eaux, dessen eisenhaltige Quellen einst schon Ludwig XIII. und Richelieu anzogen. Heute bietet der kleine Kurort mit seinem Casino und den weiten Parkanlagen eine Oase der Ruhe abseits des touristischen Trubels der Küste. Wer Wälder liebt, wird überrascht sein, welches Geheimnis die Forêt d’Éawy birgt – es schrieb Weltgeschichte!

Fernwandern oder weitradeln?
Ganz entspannt entdecken lassen sich die vielen Schätze des Départements Seine-Maritime auf dem sentier littoral. Der Küstenwanderweg führt immer an der Kante der Alabasterküste entlang und bietet spektakuläre Ausblicke. Per Rad könnt ihr auf der Véloroute du Lin die Leinentradition des Pays de Caux erkunden – oder auf der Radroute Vélodyssée quer durch das Département Seine-Maritime strampeln und weiter Frankreichs Westküste entlang bis zur spanischen Grenze bei Hendaye.

Kulinarik: Kräuter, Herzen und das Meer
In Fécamp wird bis heute der legendäre Kräuterlikör Bénédictine in einem prunkvollen Palast destilliert – ein Elixier aus 27 Pflanzen und Gewürzen. Wer es herzhaft mag, greift zum Neufchâtel aus dem Pays de Bray. Dieser älteste Käse der Normandie zeigt buchstäblich Herz: Er wird traditionell in Herzform gepresst, eine Geste, mit der die lokalen Bäuerinnen angeblich während des Hundertjährigen Krieges englischen Soldaten ihre Zuneigung gestanden.



































