Fécamp: Hochseefischer & himmlische Tropfen

Das neue Fischereimuseum von Fécamp

An der Promenade von Fécamp an der normannischen Alabasterküste steht die Statue einer Fischersfrau, mit Holzschuhen, schweren Händen, den Blick zum weiten Meer gewandt. Sie wartet auf ihren Mann. Ab dem 16. Jahrhundert war Fécamp Heimathafen einer bedeutenden Fangflotte. Sie fischte  vor den weit entfernten Küsten Neufundlands nach Kabeljau. Die Überfischung schädigte schließlich nachhaltig diesen einst ertragreichen Wirtschaftszweig.

Aufs Foto gebannt: der Fischer-Alltag von Fécamp

Das Milieu der Hochseefischer fasziniert auch Jean Gaumy. 1970 zog der weltberühmte Fotograf der Bildagentur Magnum nach Fécamp. Dort hält er seitdem das Leben der örtlichen Fischer im Bild fest. Und das nicht nur an Land, sondern auch auf See. 15 Jahre lang, von 1984 bis 1998, teilte er mit ihnen den häufig entbehrungsreichen Alltag an Bord eines Trawlers.

Segeln mit Tante Fine

Tante Fine heißt ein Segelschiff, auf dem ihr nach Herzenslust mit anpacken können – beim Segel hissen, Deck schrubben, Festmachen. Unter dem Kommando eines verschmitzten Skippers mit Asterixbart schippert ihr vor den Kreideklippen wahlweise für wenige Stunden oder gleich mehrere Tage durch die normannischen Gewässer.

Tante Fine wurde 1960 in Plouhinec gebaut und war lange Zeit vor den Küsten Mauretaniens und im Golfe de Gascogne zum Langustenfischen unterwegs. Danach ausgemustert, wurde sie 1991 vom AFDAM, einem Verein Fécamps zur Entwicklung und Förderung von maritimen Aktivitäten, entdeckt und wieder flottgemacht. Mehr als 1000 Stunden arbeiteten dafür Ehrenamtliche auf den öffentlichen Docks.

Der Einsatz hat sich gelohnt. Heute ist Tante Fine das Schmuckstück der inzwischen drei Schiffe umfassenden Flotte. Eine feste Route für die Ausflugsfahrten entlang der Alabasterküste gibt es nicht. Bei Flaute unterstützt ein kraftvoller Hilfsmotor die 170 qm Segelfläche des 26-m-Schiffes.

Seit 2009 gehört ein zweiter Holzsegler zur Flotte: der 22 m Langustenfänger „Michel & Patrick”, von der Crew liebevoll „Mil’ Pat” genannt. Das 1962 in erbaute Holzschiff schipperte bis 1988 in der Irischen See, diente dann als Taucherboot und wurde ab 2001 ebenfalls von den Ehrenamtlichen liebevoll restauriert.

La Morue Normande

Am 8. Dezember 2017 eröffnet in der ehemaligen Kabeljau- und Heringfabrik von Fécamp der Nachfolger des Museums der Neufundlandfahrer von Fécamp. Auf sieben Etagen und 4.700 Quadratmetern greift das neue Musée des Pêcheries nicht nur die jahrhundertelange Geschichte der Neufundland- und Heringsfischerei von Fécamp auf, sondern entführt euch auch in die impressionistische Vergangenheit Fécamps während der Entstehung der Seebäder in der Normandie und das Leben der lokalen Bevölkerung.

Das Museum residiert im Hafen in einem bemerkenswerten Bau. In dem 1950 gebauten Gebäude wurde bis in die 1970er-Jahre tonnenweise Kabeljau aus Neufundland getrocknet, weiterverarbeitet und bis nach Brasilien exportiert. Ab den 1960er bis in die 1990er-Jahre wurden dort Hering und Lachs geräuchert. Die industrielle Vergangenheit des Ortes wurde konsequent in die Ausstellung integriert. So konnt ihr beispielsweise alte Raucheröfen oder das ehrwürdige Büro des Reeders besichtigen.

Doch zu Beginn erwartet euch erst einmal ein modernes Highlight: ein Glasbau, der auf das historische Gebäude gesetzt wurde, eröffnet tolle 360°-Blick auf die Alabasterküste und die Fischerstadt Fécamp.

Gestaltet wurde das Innere des Museums von Die Werft – hier könnt ihr schon vor der Eröffnung erste Eindrücke gewinnen!

Himmlische Tropfen

Dort, wo das Flüsschen Valmont eine Senke in die Klippen gefräst hat, schwemmte vor mehr als 1000 Jahren die See in einem Feigenbaumstamm eine Reliquie an den Strand, die Fécamp zum Tor des Himmels machte:  einige Blutstropfen Christi.

Blutstropfen & Promille-Kräuter

Heute ruhen sie in einem Tabernakel aus weißem Marmor vor der spätgotischen Marienkapelle der ehemaligen Abteikirche de la Trinité (urspr. 10. Jh.). Hinter der Klosterkirche erstreckt sich rund um die Place des Halettes das bunte Altstadtviertel.

Die anderen berühmten Tropfen im einstigen Wallfahrtsort sind hochprozentig: der würzige Kräuterlikör Bénédictine. Bruder Bernardo, der als Mönch im Jahr 958 gegründeten Benediktinerkloster lebte, bereitete ihn im Jahr 1510 als Elixier aus 27 Kräutern.

Santé, Bénédictine!

Unter den zahl- und namenlosen Mönchen des im Jahr 958 gegründeten Benediktinerklosters Fécamp wurde einer berühmt: Bru- der Bernardo. Er bereitete im Jahr 1510 ein Elixier aus 27 Kräutern, dessen Rezeptur einem köstlichen Getränk zugrunde liegt. Mehr als sechs Millionen Flaschen des Likörs „Bénédictine“ werden heute jährlich in alle Welt verkauft – und oft kopiert.

Doch nur der Bénédictine in der typischen „Bouteille normande“ mit dem Zusatz D.O.M. (deo optimo maximo – dem besten und größten Gott geweiht) stammt wirklich aus Fécamp. Dort wird er im Palais Bénédictine, den Firmengründer Ca- mille Albert im 19. Jahrhundert im Stilmix aus Neugotik und Neorenaissance errichten ließ, vor euren Augen in riesigen Kupferkesseln gebrannt.

Fécamp: meine Reise-Tipps

Schlafen

Hôtel Normandy

Das Hôtel Normandy mit seinen 33 Zimmer liegt zentral.
• 4, ave. Gambetta, Tel. 02 35 29 55 11, www. normandy- fecamp.com

Château de Sassetot

Kaiserin Sisi verbrachte 1875 ihre Ferien im Château de Sassetot. Hier logiert ihr feudal in 25 Zimmern und drei Suiten.
• Sassetot-le-Mauconduit, Tel. 02 35 28 00 11, www.hotelchateaudesissi.com

Schlemmen

Auberge de la Rouge

Etwas außerhalb in St-Léonard serviert Iserviert Thierry Enderlin in der Auberge de la Rouge (ihr könnt dort auch übernachten!) köstliche Jakobsmuscheln.
• Route du Havre, Tel. 02 35 28 07 59, www.auberge-rouge.com

Restaurant Marée

Im Restaurant Marrée, zu dem ein kleiner Fischmarkt gehört, gibt es den Hafenblick gratis zum Fang des Tages.
• 77, quai Bérigny, Tel. 0235293915, www.restaurant-maree-fecamp.fr

Entdecken & erleben

Musée Découverte du Chocolat

Zur sinnlichen Entdeckungsreise rund um eine braune Bohne, die Naschkatzen begeistert, lädt das Musée Découverte du Chocolat, in dem reichlich probiert werden darf.
• Chocolats Hautot , 851, route de Valmont, Tel. 02 35 27 62 02, www.chocolatshautot.com/musee-du-chocolat

Aktiv

Erlebnisbad „La Piscine“ (67, Rue Couturier, Zeiten & Tarife: www.agglo-fecampcauxlittoral.fr). Wandern in Baumwipfeln, GPS-Spiele und anderen Outdoor-Fun findet ihr im Woody Park (198, Avenue du Maréchal de Lattre de Tassigny, 02 35 10 84 83, www.woody-park.com).

Umgebung

Etretat habe ich euch hier vorgestellt.

Das kleine Seebad Yport (westl.) ist für seine „Tarte au Sucre“ berühmt. Am 15.Aug. werden dort am Strand die Boote gesegnet.

Weiterlesen

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Normandie

Sechs Kapitel, gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten, geben einen Überblick über die raue Provinz mit Charme. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen und Specials. Sie erklären, warum der Golfstrom die Normandie zum Garten am Meer macht, betrachten die Poesie in Beton von Le Havre und die Renaturierung des Mont St-Michel. Jedes Kapitel endet mit Infoseiten zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten, die auf der Reisekarte lokalisiert sind. Dazu: Empfehlungen zu Hotels und Restaurants, Anregungen zum Aktivsein – und meine ganz persönlichen Tipps. Wer mag, kann den Band hier * bestellen – es gibt ihn auch als eBook!

Hilke Maunder, Normandie – ein Garten am Meer. DuMont Reiseverlag, Ostfildern. 121 S.
ISBN: 978-3770-1942-85

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