Fécamp: Hochseefischer & himmlische Tropfen

Fécamp: der Hafen. Foto: Hilke Maunder
Fécamp: der Hafen. Foto: Hilke Maunder

Fécamp erobert die Sinne. Salz liegt in der Luft, die Möwen schreien, die frische Brise belebt den Geist, macht frisch und neugierig. Neben der Hafeneinfahrt recken sich sich zu beiden Seiten die imposanten Kreidefelsen der Alabasterküste in den hohen Himmel.

Der Strand von Fécamp. Foto: Hilke Maunder
Der Strand von Fécamp. Foto: Hilke Maunder

An der Promenade von Fécamp steht die Statue einer Fischersfrau, mit Holzschuhen, schweren Händen, den Blick zum weiten Meer gewandt. Sie wartet auf ihren Mann. Ab dem 16. Jahrhundert war Fécamp Heimathafen einer bedeutenden Fangflotte.

Sie fischte vor den weit entfernten Küsten Neufundlands nach Kabeljau. Die Überfischung schädigte schließlich nachhaltig diesen einst ertragreichen Wirtschaftszweig.

Fécamp: Promenade an der Klippenküste. Foto: Hilke Maunder
Die Klippenküste – auch in Fécamp war sie Motiv der Maler. Foto: Hilke Maunder

Aufs Foto gebannt: der Fischer-Alltag von Fécamp

Das Milieu der Hochseefischer fasziniert auch Jean Gaumy. 1970 zog der weltberühmte Fotograf der Bildagentur Magnum nach Fécamp. Dort hält er seitdem das Leben der örtlichen Fischer im Bild fest.

Und das nicht nur an Land, sondern auch auf See. 15 Jahre lang, von 1984 bis 1998, teilte er mit ihnen den häufig entbehrungsreichen Alltag an Bord eines Trawlers.

Fécamp: der Hafen. Foto: Hilke Maunder
Blick auf den Hafen. Foto: Hilke Maunder

Segeln mit Tante Fine

Tante Fine heißt ein Segelschiff, auf dem ihr nach Herzenslust mit anpacken können – beim Segel hissen, Deck schrubben, Festmachen. Unter dem Kommando eines verschmitzten Skippers mit Asterixbart schippert ihr vor den Kreideklippen wahlweise für wenige Stunden oder gleich mehrere Tage durch die normannischen Gewässer.

Tante Fine wurde 1960 in Plouhinec gebaut und war lange Zeit vor den Küsten Mauretaniens und im Golfe de Gascogne zum Langustenfischen unterwegs. Danach ausgemustert, wurde sie 1991 vom AFDAM, einem Verein Fécamps zur Entwicklung und Förderung von maritimen Aktivitäten, entdeckt und wieder flottgemacht. Mehr als 1000 Stunden arbeiteten dafür Ehrenamtliche auf den öffentlichen Docks.

Der Einsatz hat sich gelohnt. Heute ist Tante Fine das Schmuckstück der inzwischen drei Schiffe umfassenden Flotte. Eine feste Route für die Ausflugsfahrten entlang der Alabasterküste gibt es nicht. Bei Flaute unterstützt ein kraftvoller Hilfsmotor die 170 Quadratmeter große Segelfläche des 26 Meter langen Schiffes.

Seit 2009 gehört ein zweiter Holzsegler zur Flotte: der 22 Meter lange Langustenfänger „Michel & Patrick”, von der Crew liebevoll „Mil’ Pat” genannt. Das 1962 in erbaute Holzschiff schipperte bis 1988 in der Irischen See. Danach diente es als Taucherboot, bis Ehrenamtlich es ab 2001 ebenfalls liebevoll restaurierten.

Fécamp.Normannisches Fachwerk. Foto: Hilke Maunder
Fécamp: Fachwerk des Maison du Grand Cerf. Foto: Hilke Maunder

La Morue Normande

Am 8. Dezember 2017 eröffnet in der ehemaligen Kabeljau- und Heringfabrik von Fécamp der Nachfolger des Museums der Neufundlandfahrer von Fécamp. Auf sieben Etagen und 4.700 Quadratmetern greift das Musée des Pêcheries die jahrhundertelange Geschichte der Neufundland- und Heringsfischerei von Fécamp auf.

Es entführt euch auch in die impressionistische Vergangenheit Fécamps während der Entstehung der Seebäder in der Normandie und das Leben der lokalen Bevölkerung. Das Museum residiert im Hafen in einem bemerkenswerten Bau. In dem im Jahr 1950 gebauten Gebäude wurde bis in die 1970er-Jahre tonnenweise Kabeljau aus Neufundland getrocknet, weiterverarbeitet und bis nach Brasilien exportiert.

Ab den 1960er- bis in die 1990er-Jahre wurden dort Hering und Lachs geräuchert. Die industrielle Vergangenheit des Ortes wurde konsequent in die Ausstellung integriert. So könnt ihr beispielsweise alte Raucheröfen oder das ehrwürdige Büro des Reeders besichtigen.

Doch zu Beginn erwartet euch erst einmal ein modernes Highlight: ein Glasbau, der auf das historische Gebäude gesetzt wurde, eröffnet tolle 360°-Blick auf die Alabasterküste und die Fischerstadt Fécamp. Das Innere des Museums gestalteten die Münchner Ausstellungsmacher von Die Werft.

Fécamp. Foto: Hilke Maunder
Dieses Haus erinnert an die Herzöge von Fécamp. Foto: Hilke Maunder

Himmlische Bluts-Tropfen

Dort, wo das Flüsschen Valmont eine Senke in die Klippen gefräst hat, schwemmte vor mehr als 1000 Jahren die See in einem Feigenbaumstamm eine Reliquie an den Strand, die Fécamp zum Tor des Himmels machte: einige Blutstropfen Christi.

Heute ruhen sie in einem Tabernakel aus weißem Marmor vor der spätgotischen Marienkapelle der ehemaligen Abteikirche de la Trinité, deren Ursprünge bis auf das 10. Jahrhundert zurück gehen.

Hinter der Klosterkirche erstreckt sich rund um die Place des Halettes das bunte Altstadtviertel.

Kreuz vor der Abbatiale de Fécamp. Foto: Hilke Maunder
Dieses alte Kreuz steht vor der Maison du Grand Cerf und der Abbatiale de Fécamp.Foto: Hilke Maunder

Köstliche Promille-Kräuter

Die anderen berühmten Tropfen im einstigen Wallfahrtsort sind hochprozentig: der würzige Kräuterlikör Bénédictine. Bruder Bernardo, der als Mönch im Jahr 958 gegründeten Benediktinerkloster lebte, bereitete ihn im Jahr 1510 als Elixier aus 27 Kräutern.

Die Abbatiale de Fécamp. Foto: Hilke Maunder
Die Abbatiale de Fécamp. Foto: Hilke Maunder

Santé, Bénédictine!

Unter den zahl- und namenlosen Mönchen des im Jahr 958 gegründeten Benediktinerklosters Fécamp wurde einer berühmt: Bru- der Bernardo. Er bereitete im Jahr 1510 ein Elixier aus 27 Kräutern, dessen Rezeptur einem köstlichen Getränk zugrunde liegt. Mehr als sechs Millionen Flaschen des Likörs „Bénédictine“ werden heute jährlich in alle Welt verkauft – und oft kopiert.

Doch nur der Bénédictine in der typischen bouteille normande mit dem Zusatz D.O.M. (deo optimo maximo – dem besten und größten Gott geweiht) stammt wirklich aus Fécamp.

Dort wird er im Palais Bénédictine, den Firmengründer Camille Albert im 19. Jahrhundert im Stilmix aus Neugotik und Neorenaissance errichten ließ, vor euren Augen in riesigen Kupferkesseln gebrannt.

Fécamp: meine Reise-Tipps

Schlemmen

Auberge de la Rouge

Etwas außerhalb in St-Léonard serviert Thierry Enderlin in der Auberge de la Rouge köstliche Jakobsmuscheln. Ihr könnt dort auch übernachten!
• Route du Havre, Tel. 02 35 28 07 59, www.auberge-rouge.com

Restaurant Marée

Im Restaurant Marrée, zu dem ein kleiner Fischmarkt gehört, gibt es den Hafenblick gratis zum Fang des Tages.
• 77, quai Bérigny, Tel. 02 35 29 39 15

Schlafen

Hôtel Normandy

Das Hôtel Normandy mit seinen 33 Zimmer liegt zentral.
• 4, ave. Gambetta, Tel. 02 35 29 55 11, www. normandy- fecamp.com

Château de Sassetot

Kaiserin Sisi verbrachte 1875 ihre Ferien im Château de Sassetot. Hier logiert ihr feudal in 25 Zimmern und drei Suiten.
• Sassetot-le-Mauconduit, Tel. 02 35 28 00 11, www.hotelchateaudesissi.com

Noch mehr Betten*
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Entdecken & erleben

Musée Découverte du Chocolat

Zur sinnlichen Entdeckungsreise rund um eine braune Bohne, die Naschkatzen begeistert, lädt das Musée Découverte du Chocolat, in dem reichlich probiert werden darf.
• Chocolats Hautot , 851, route de Valmont, Tel. 02 35 27 62 02, www.chocolatshautot.com

Aktiv

Erlebnisbad „La Piscine“ (67, Rue Couturier). Wandern in Baumwipfeln, GPS-Spiele und anderen Outdoor-Fun findet ihr im Woody Park.
• 198, Avenue du Maréchal de Lattre de Tassigny, 02 35 10 84 83, www.woody-park.com

Radwandern

La Vélomaritime

Seit 2021 führt der 1.500 Kilometer lange Küstenradweg Vélomaritime von der Nordsee über den Ärmelkanal bis zum Atlantik durch die Regionen Nordfrankreich, Normandie und Bretagne. Erste Abschnitte wurden bereits im September 2020 eingeweiht

Die normannische Küste präsentiert sich entlang der Vélomaritime in ihrer ganzen Vielfalt mit der beeindruckenden Steilküste zwischen Dieppe, Fécamp und Étretat, den Seebädern und Fischerdörfern wie Honfleur, Trouville oder Cabourg, den geschichtsträchtigen Landungsstränden, der wilden Halbinsel Cotentin und dem magischen Mont Saint-Michel.

Top: Die Vélomaritime ist angeschlossen an weitere Radwanderrouten der Normandie. Dazu gehören die Avenue Verte (Paris – London), die Vélo-Francette durch die normannische Schweiz, der Véloscénie von Paris zum Mont Saint-Michel und die ebenfalls neue Seine à vélo. www.lavelomaritime.com

Auf der Strandpromenade von Étretat musizieren gerne Straßenmusikanten. Foto: Hilke Maunder
Auf der Strandpromenade von Étretat musizieren gerne Straßenmusikanten. Foto: Hilke Maunder

Umgebung

Étretat

Rechts und links zwei eindrucksvolle Felsformationen der Alabasterküste, geradeaus das Meer, das die Kiesel gurgeln lässt, im Rücken ein Bilderbuchstädtchen mit normannischem Fachwerk. Wen wundert’s, dass sich hier schon früh die Künstler getummelt haben? Mehr zu diesem normannischen Idyll findet ihr hier.

Yport

Kreidefelsen umgeben auch das westliche gelegene Seebad Yport, das illustre Gäste wie Guy Maupassant oder Eugène Boudin willkommen hieß.  Unter Genießern ist für seine tarte au sucre berühmt. Am 15. August werden dort jährlich am Strand die Boote gesegnet.

Das Event

Im Juli 2020 setzte die Hafenstadt Fécamp mit ihrem ersten großen Segeltreffen Fécamp Grand Escale ihre Jahrhunderte alte maritime Tradition in Szene. Große Segel-schiffe, kleinere Boote und Yachten bevölkerten den Hafen von Fécamp. Seemannsgesänge, (Foto-)Ausstellungen, Schiffsbesichtigungen, Straßenmusik, Verkostungen lokaler Produkte und Konzerte prägten das Programm des maritimen Festen, das nach dem großen Erfolg im Auftaktjahr nun regelmäßig im Sommer stattfinden soll.

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4 Kommentare

  1. Liebe Heike,

    sicher ist es nur ein Versehen, aber das erste Bild ist nicht auf der Promendae von Fécamp aondern in Etretat aufgenommen worde. Wir können es mit Bestimmtheit sagen, da wir nur 4,5 km von dort wohnen (in der Regel von April bis Oktober eines jeden Jahres seit 1999…) Herzliche Grüße aus dem Markgräfler Land
    Familie Evelyne und Rainer Koch in Bad Bellingen

  2. Seit 1963 sind Fécamp und Reinfelden/Baden (bei Basel) verschwistert. Auch nach fast 60 Jahren finden regelmäßig zu den jährlichen Festen gegenseitige Besuche statt. Neben den jeweiligen Partnerschaftsvereinen sind auch zahlreiche private Verbindungen entstanden.
    Ihre Beschreibungen von Fécamp ist zutreffed und detailliert. Nur beim “Überfischen der Kabeljau- und Heringsgründe” haben Sie die (vorwiegend) japanischen Fabrikschiffe vergessen, die in den 60ern/70ern aufgekommen sind. Dort wurde gefangen und sofort bis zum Endprodukt verarbeitet. Da konnten nicht nur die Fischer aus Fècamp nicht mehr mithalten.

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