Postkarte aus … Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil

Les Eyzies, Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Es war der Hund von vier Jungen, der 1940 in einem  Eichenwäldchen von Lascaux bei Montignac in Südfrankreich eine Höhle mit riesigen Wandgemälden entdeckt hat. Mammut und Jäger waren so frisch erhalten, als seien sie gestern gemalt worden.

Und stammten doch aus der Vorzeit vor rund 20.000 Jahren. Was Hans Baumann 1976 in dem Ravensburger Taschenbuch Die Höhlen der großen Jäger* beschrieb, faszinierte mich als Jugendliche.

Über dem Dorf thront der Cro-Magnon als Skulptur. Foto: Hilke Maunder

Doch erst vier Jahrzehnte später kam ich, wenngleich viel zu kurz, beim Pendeln in diese Region. Und besuchte Les Eyzies.

Das kleine Dorf im Tal der Vézère, inzwischen mit Tayac und Sireuil zu einer Großgemeinde verschmolzen, rühmt sich als Welthauptstadt der Urgeschichte.

Wuchtig wie eine Festung: das Nationalmuseum der Prähistorie in Les Eyzies. Foto: Hilke Maunder

Seit dem Paläolithikum lebten hier, 36 km südöstlich von Périgueux und 17 km nordwestlich von Sarlat-la-Canéda, Menschen..

Und haben mit ihren Zeugnissen und Hinterlassenschaften dem 1000-Einwohner-Dorf einen zweiten Superlativ beschert: Les Eyzies weist die höchste Konzentration an denkmalgeschützten und klassifizierten Stätten in Frankreich auf.

Foto: Hilke Maunder

Das hat den Ort zu einem touristischen Hotspot gemacht. Im Sommer drängen sich dort die Urlauber aus aller Welt vorbei an den Cafés, Bars und Boutiquen, die im Schatten der Tuffsteinfelsen die Hauptstraße säumen.

Nicht die grandiose Landschaft ringsum, sondern die archäologischen Entdeckungen begründeten einen Massentourismus, der im Juli und August den Ort völlig überrollt.

Der Abri Cro-Magnon. Foto: Hilke Maunder

Mit den Ausgrabungen, die Lartet und Christy 1863 in der Grotte Richard unternahmen, begann die Geschichte der Archäologie von Les Eyzies. Drei Jahre später entdeckte Lartet unter einem Tuffstein-Überhang den Cro-Magnon-Menschen.

Foto: Hilke Maunder

Dies lockte nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die Sammler an. Alle, die sich je für die Vorgeschichte interessierten, pilgerten nach Les Eyzies.

1891 wurde der erst 22 Jahre alte Denis Peyrony aus Cussac im Périgord Volksschullehrer des Dorfs. Als er dort den 15 Jahre älteren Dr. Louis Capitan traf, löste die Begegnung in ihm das “Fieber der Prähistorie” aus.

Foto: Hilke Maunder

Gemeinsam erforschten sie die Prähistorie von Dorf und Region. Im September 1901 entdeckten sie, begleitet vom jungen Abbé Breuil, erst die Höhle von Les Combarelles, am 12. September auch die Höhle Font-de-Gaume. Letzere ist heute die letzte mit vorzeitlichen Malereien versehene Orginal-Höhle, die noch öffentlich zugänglich ist.

Zehn Jahre lang forschten Capitan und Peyrony gemeinsam, präsentierten Schlag auf Schlag ihre vorzeitlichen Entdeckungen. Und forderten immer eindringlicher, das archäologische Kulturerbe des Périgord zu schützten.

Foto: Hilke Maunder

Denn neben den Forschern waren längst auch Sammler und Glücksritter ins Tal gekommen und hatten begonnen, die Fundstätten regelrecht auszuplündern.

Berühmtheit erlangte dabei der Deutschschweizer Otto Hauser, der regen internationalen Handel mit der Vorzeitkunst trieb.

Auch davon berichtet in Les Eyzies das Nationalmuseum für Vorgeschichte. 15 prähistorische Stätten und vorzeitliche, mit Wandmalereien geschmückte Höhlen im Vézère-Tal erklärte die UNESCO 1979 zum Weltkulturerbe.

Foto: Hilke Maunder

Neun davon befinden sichin der Gemeinde Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil: Abri de Cro-Magnon, Abri du Poisson, Font-de-Gaume, La Micoque, La Mouthe, Laugerie basse, Laugerie haute, Le Grand Roc und Les Combarelles.

Erst seit wenigen Jahren “vermarktet” die Großgemeinde Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil das Kulturerbe aus anderen Epochen. Besonders gut und häufig vertreten sind noch mittelalterliche Bauten wie die Wehrkirche von Tayac aus dem 12. Jahrhundert.

Und auch die troglos, die Tuffsteingrotten und -höhlen, wurden nicht nur in der Urzeit bewohnt, sondern bis in die Gegenwart genutzt: als Lager, Keller und Haus. Und in alten Schmieden, die vom Einzug der industriellen Ära im Tal zeugen, wurden einst die Kanonenkugeln für die königliche Marine geschmolzen.

Foto: Hilke Maunder

Les Eyzies: meine Reisetipps

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Etwas abseits vom großen Trubel: das Restsaurant nosco. Foto: Hilke Maunder

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8 Kommentare

  1. Liebe Hilke, danke fuer deine schoene Postkarte aus Les Eyzies. Du musst jetzt da gewesen sein. Das Bild vom abbri du cro magnon kann nicht aus den 80er Jahren stammen. Du warst also da, in kaum 18 km von uns hier in Plazac (ich habe mich frueher schon mal gemeldet, der mit dem Jungrind). Vielleicht bist du ja noch in der Gegend? Melde dich doch bei uns: Lieu dit Arnotie 24580 Plazac, 06 78 13 58 78.

    • Hallo Rudolf, ja, ich war in eurer Gegend – Mitte Oktober diesen Jahres. Danke für eure Einladung, mich das nächste Mal bei euch zu melden. Ich komme sicherlich noch einmal auf dem Weg nach England, wo Familie lebt, dort vorbei. Alles Gute und schöne Feiertage! Hilke

  2. Bonjour Hilke, leider haben wir es noch nicht geschafft die Höhlen zu besichtigen obwohl wir gar nicht soooo weit weg wohnen (Nord-Aveyron, an der Grenze zum Cantal).
    Aber, es wird eines unserer nächsten Ziele – nach dem Lockdown – sein.
    “Kenne” die Höhlen auch aus den Büchern von Martin Walker 😉.
    Ein kleiner Tipp, das Lot-Tal, die Pilgerorte Conques, Estaing, Espalion ist auch eine Reise wert mit den alten Dörfer, Kirchen und natürlich das Aubrac….Natur pur! Darum haben wir uns vor 3.5 Jahren diese Region ausgesucht.
    Falls Sie interessiert sind, kann ich Ihnen gerne mehr erählen.
    Schönen 3. Advent. Liebe Grüsse Verena

  3. Sehr schön erläutert werden diese Höhlen und ihre Geschichte in den “Bruno”-Krimis von Martin Walker. Auch das Perigord wird dort ausgezeichnet und unterhaltsam erläutert.

  4. Hallo Frau Maunder, da wecken Sie meine Sehnsucht nach dem Perigord Noir! Um Font de Gaume und les Combarelles besuchen zu können, muss man sich ab 5 Uhr morgens im Sommer dort anstellen, um dann Stunden später Einlass zu bekommen. Darum habe ich es noch nie geschafft, sie zu besichtigen. Termine gab es nur Monate im voraus. Die Ur- und Frühgeschichte ist seit 30 Jahren mein Hobby. Leider gibt es nach Lascaux immer noch keine öffentlichen Verkehrsmittel. Man muss von Les Eyzies trampen oder ein Taxi für die letzten 25 km nehmen. Danke für den Beitrag.

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