Mein Frankreich: Liliane Fontaine

Liliane Fontaine vor der Maison Carrée in Nîmes. Foto: privat.
Liliane Fontaine vor der Maison Carrée in Nîmes. Foto: privat.

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal antwortet Liliane Fontaine.

Die Kunsthistorikerin wurde in Saarlouis im Saarland geboren. Heute lebt sie mit der Familie in Bremen, schreibt dort als Liliane Skalecki Bremen- und Bodenseekrimis. Unter ihrem Geburtsnamen Liliane Fontaine veröffentlicht sie beim Piper Verlag die Krimireihe um Madame le Juge Mathilde de Boncourt.

Seitdem ich denken kann, übt Frankreich eine große Faszination auf mich aus – ganz sicher die Folge meiner französischen Wurzeln. Die Fahrten zu meinen Verwandten ins benachbarte Lothringen nach Metz oder Bouzonville, die wöchentlichen Einkäufe in Sarreguemines, als ich noch im Saarland lebte, die vielen Wochen, die ich in unserem Haus in der Nähe von Nîmes verbringe.

Ich bin geboren in Saarlouis, einer kleinen Festungsstadt, gegründet vom Sonnenkönig Louis XIV., erbaut von seinem Baumeister Vauban. Saarlouis ist eine Stadt, die das französische savoir-vivre lebt.

Hier bin ich zur Schule gegangen, habe mein Abitur gemacht und meinen Mann kennengelernt. Mein weiterer Weg führte mich an die Universität des Saarlandes in Saarbrücken und zum Studium der Kunstgeschichte mit dem Abschluss zum Dr. phil. Ich bin also Kunsthistorikerin – ein Beruf, der mir beim Schreiben meiner südfranzösischen Krimis hilft, wenn ich den Leser mit den Kulturschätzen Frankreichs vertraut machen möchte.

Liliane steht neben einem „deutschen“ Torero: Christian Montcouquiol aka Nimeno II. wurde 1954 in Speyer geboren. Foto: privat

Von der Saar an die Weser

Aus dem Saarland ging es nach Bremen. Eine echte Herausforderung für mich, denn ich bin eine Köchin aus Leidenschaft, die es gewohnt war, wöchentlich aus dem Angebot der französischen Kulinarik zu schöpfen. Was für ein Glücksgefühl, als ich entdeckte, wieviel Frankreich auch in Bremen steckt.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts sind z.B. die Bordeaux-Weine aus unserer Stadt nicht wegzudenken. Und so kam ich mitsamt drei Kindern, zwei Hunden, einem Pferd und meinem Mann, der in Bremen die Geschicke des Landesdenkmalamtes leitet, in die schöne Hansestadt.

Unser Schatz vom Flohmarkt

Einer dieser Hunde war übrigens Claire. Eine schwarze Labrador- Mix Hündin, die wir in der Nähe von Béziers als Welpen von einem Flohmarkt mitgenommen hatten. Sie war mit ihren Geschwistern von einer sehr netten Dame abgegeben worden. Wir schmuggelten die Maus – sie war kaum größer – nach Saarbrücken, und sie begleitete uns viele Jahre immer wieder in ihre alte Heimat. Ein echter Schatzfund auf einem marché aux puces.

In Bremen widmete ich mich wieder meinem Beruf und schrieb Unternehmensdarstellungen, die Chronik des Bremer Rennvereins, Katalogbeiträge zu großen Ausstellungen, Artikel rund um die Kultur des Pferdes – mein Lieblingsthema – in einer Fachzeitschrift. Doch da fehlte etwas – ein erster Roman. Dieser erschien vor nunmehr sieben Jahren. Jetzt sind es mittlerweile sieben Krimis, die in Bremen und am Bodensee angesiedelt sind.

Liliane bei der Zeitungslektüre in Sète. Foto: privat

Mathilde,  meine Madame le Juge

Mein Herzenswunsch jedoch war ein Kriminalroman, in dem ich das vorstellen kann, was ich besonders liebe: Südfrankreich, meine zweite Heimat, das Languedoc. Hier sollten meine Protagonisten dem Verbrechen auf der Spur sein. Und so entsprang eines Tages meiner Feder die Figur der Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt.

Sie ist in der Nähe von Saint-Gilles geboren und aufgewachsen. Nie würde sie woanders leben wollen, und es ist ihr unbegreiflich, dass Kollegen, die aus Paris in die Provinz versetzt werden, oft starke Eingewöhnungsschwierigkeiten haben.

Das Languedoc mit dem benachbarten Roussillon – die gesamte Region Occitanie – gilt es für den Leser meiner Romane zu entdecken. Die sichelförmige Küste mit ihren feinen Sandstränden von der Mündung der Rhône bis zur spanischen Grenze. Städte wie Nîmes, Montpellier, Aigues-Mortes oder Sétè, Béziers und Carcassonne, deren Geschichte und Kultur spannend, tragisch, reich und blühend ist.

Auf dem Markt von Sommières. Foto: privat

Tatort Okzitanien

Eine Landschaft, die sich erstreckt zwischen dem Tal der Rhône und der Bucht von Collioure, gefasst wie ein Edelstein von den Cevennen mit ihren Schluchten und Höhlen und den Pyrenäen mit ihren geheimnisumwitterten Hochburgen, letzte Zufluchtsstätte der Katharer. Im Hinterland die kargen Garrigues mit ihren Steineichen, Wacholder und Ginsterbüschen, in den Ebenen Weinfelder soweit das Auge blickt.

Für mich gibt es nichts Herrlicheres, als mit einem Glas Weißwein in meinem Garten Madame le Juge, Mathilde de Boncourt, bei ihrer Arbeit zu begleiten. Ein Stück Mathilde steckt auch in mir: gemeinsam ist uns die Liebe zum Midi mit all seinen Facetten und das Genießen der mediterranen Lebensart.

Die Liebe zum Midi

Es gibt kaum ein Städtchen, eine Stadt, in der nicht etwas Besonderes zu entdecken wäre: ein antikes Relikt, eine romanische Kirche, ein Markt, der alle Sinne anspricht, ein Antiquariat, das zum Stöbern einlädt, eine Ölmühle, ein Weingut, in dem man seinen Lieblingswein entdeckt. Und wenn der Abend mit einem Glas Wein und einer Daube du gardian auf dem Teller endet, kann man nur noch seufzend fragen, was kann man sich noch mehr wünschen?

Liliane Fontaine: Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard

Vor dem Palais de Justice in Nîmes wird auf die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt geschossen. Sie überlebt schwerverletzt und ist sich sicher: Hinter dem Attentat steht ein Mädchenhändlerring. Um sich von ihren Verletzungen zu erholen, zieht sich Mathilde auf das Weingut ihres Großvaters im Languedoc zurück. Von dort ermittelt sie gemeinsam mit Rachid Bouraada, Commandant der Police judicaire mit algerischen Wurzeln, und sagt den Tätern den Kampf an.

Derweil ist auch der deutsche Reiseschriftsteller Martin Endress im Midi und will den Tod seiner jüdischen Großmutter aufklären. Er ahnt nicht, in welch ein Wespennest er mit seinen Fragen sticht… Beide Handlungsstränge verweben sich im ersten Fall von Mathilde de Boncourt zu einem spannenden Krimi mit viel Frankreich-Flair. Wer mag, kann den Krimi hier* direkt online bestellen.

Liliane Fontaine: Die Richterin. München: Piper-Verlag 2018. ISBN 978-3492501781


Liliane Fontaine gehört zu den inzwischen schon vielen Gastautoren, die in dieser Blogparade auf Mein Frankreich.com ihre Verbundenheit zu Frankreich vorstellen – ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken.

Ich freue mich, wenn  viele von euch ihrem Beispiel folgen und ihre Texte euch zum Mitmachen inspirieren. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, nur Fotos oder nur Text: Schickt mir eine Mail an info at maunder punkt de! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht. Alles bisherigen Artikel findet ihr hier.

Austern schlemmen in Sommières. Foto: privat

 

Merci für's Teilen!

2 Kommentare

  1. wunderschön liebe Hilke! vielen dank an Liliane! Mit Genuss und großem Interesse lausche ich deiner Blogparade liebe Hilke! und ich werde dir sehr bald auch meinen Gastbeitrag zukommen lassen, als Francoautrichienne, sozusagen, die ihr Herz schon lange SüdenFfrankreichs, im MIDI geparkt hat….
    à bientôt und sonnige advent- grüße von tina *y*

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