Die Literaturpreise in Frankreich

Eric Vuillard für die Erzählungen "La Bataille d'Occident" und "Congo" mit dem Franz Hessel-Preis ausgezeichnet

Mit der Bekanntgabe der Gewinner der wichtigsten Literaturpreise wird die neue „Lesesaison“ eröffnet. Jeder Preis hat dabei seine eigene Geschichte und gibt Einblicke in die Vielfalt und Kreativität der französischsprachigen Literatur. Die wichtigsten Werke erscheinen dann etwas später meist auch in deutscher Übersetzung.

Wichtige Literaturpreise in Frankreich

Der Prix de l’Académie Française

Der Preis, der seit 1915 verliehen wird, ist einer der wichtigsten Auszeichnungen der Académie, der schon 1635 gegründeten Gelehrtengesellschaft, die über die französische Sprache und Literatur wacht. Der nur mit 10 000 Euro dotierte Preis hat eine große Außenwirkung. 

Der Prix Goncourt

Der seit 1903 zu Ehren der Schriftstellerbrüder Edmond und Jules Goncourt vergebene Prix Goncourt ist einer der wichtigsten Literaturpreise Frankreichs. Er wird zusammen mit dem Prix Renaudot traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben. Die 9-köpfige Jury, bestehend aus Schriftstellern und Literaturkritikern, zeichnet dabei in jedem Jahr das beste Prosawerk in französischer Sprache aus.

Auch wenn das Preisgeld mit der Summe von 10 Euro eher symbolischen Charakter hat, so ist doch der Erfolg in den Buchläden im In- und Ausland meist garantiert. Im Schnitt verkauft sich das ausgezeichnete Werk 300.000 Mal. Die Gewinner des Prix Goncourt wurden in den letzten zehn Jahren ausnahmslos in die deutsche Sprache übersetzt.

Prix Goncourt des Lycéens

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde 1988 von der FNAC zusammen mit dem Rektorat Rennes und unter der Schirmherrschaft der Académie Goncourt ins Leben gerufen. Der Preis gelangte seitdem zu hohem Ansehen. Die Jury, die den Preisträger aus etwa zwölf Romanen der offiziellen Selektion der Académie Goncourt auswählt, besteht aus 15-18-jährigen Schülern unter der Aufsicht ihres Literaturlehrers.

Der Prix Renaudot

Der Prix Renaudot wurde 1926 von Literaturkritikern komplementär zum Prix Goncourt ins Leben gerufen. Er erinnert an den Arzt, Philantropen und Herausgeber der ersten französischen Zeitung La Gazette Théophraste Renaudot. Der Preis wird zusammen mit dem Prix Goncourt traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben.  

Der Prix Fémina

Der 1904 unter Federführung der Gräfin Anna de Noailles von 22 Mitarbeitern des Magazins La vie heureuse (heute Fémina) geschaffene Prix Fémina wird von einer Jury aus zwölf Frauen unter dem Vorsitz von Régine Desforges vergeben. Dieser nicht dotierte Preis ist mit 100.000 bis 250.000 verkauften Exemplaren meist ein Kassenschlager. Er wird am ersten Novembermittwoch – also einige Tage vor dem Prix Goncourt – im Pariser Hôtel Crillon vergeben. Sein Ziel ist es, ein Gegengewicht zu diesem zu bilden, da dessen Jury ursprünglich weibliche Literaten weder fördern, noch auszeichnen wollte.

Der Prix Médicis 

Die Begründer des 1958 geschaffenen Prix Médicis, Gala Barbisan und Jean-Paul Giraudoux, wollten mit dieser Auszeichnung einen „etwas anderen Literaturpreis“ schaffen. Der Prix Médicis zeichnet in seinen drei Kategorien (französischer bzw. ausländischer Roman/Bericht sowie Essay) vielversprechende junge Autoren mit einer neuen Ton- und Stilart aus. Der Ausland-Médicis wird seit 1970 und der Essay-Médicis seit 1985 vergeben. Die Jury gibt die Preisträger zusammen mit der Jury des Prix Fémina am ersten Novembermittwoch im Pariser Hôtel Crillon bekannt.

Der Prix interallié

Die Idee für den Prix interallié wurde 1930 im illustren Privatclub des Cercle de l’Union interalliée in der Nr. 33 der Rue du Faubourg-Saint-Honoré in Paris geboren, als eine Reihe von Journalisten auf die Ergebnisse der Beratungen der Frauen-Jury zum Prix Femina wartete. Die Idee war so gut, dass der Preis bis heute ohne jegliches Preisgeld auskommt. Er wird im Restaurant Lasserre an der Avenue Franklin Roosevelt vergeben.

Binationale Literaturpreise

Die deutsch-französische Freundschaft fördern zwei Literaturpreise.

Prix des Lycéens Allemands

Bereits 2004 startete das Institut français Deutschland mit der Ernst Klett Sprachen GmbH die Initiative „Prix des Lycéens Allemands“.  Im Unterricht, daheim oder in einer AG lesen Schülerinnen und Schüler eine Auswahl von vier spannenden Büchern, präsentieren sie – auf Französisch! – vor der Schul- und Landesjury und wählen das Lieblingsbuch. Bei der Bundesjury küren dann die Schülerinnen- und Schülervertreter der 16 Bundesländer den Gewinner des Prix des Lycéens allemands.

Prix Franz Hessel

Mit dem Franz-Hessel-Preis werden seit 2010 jedes Jahr Autoren aus Deutschland und Frankreich ausgezeichnet, die im jeweiligen Nachbarland bisher kaum bekannt sind. Ein deutsch-französische Jury wählt gemeinsam die PreisträgerInnen aus, die Verleihung findet jeweils im Wechsel in Deutschland und Frankreich statt. Der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Vergeben wird er von der Villa Gillet in Lyon und der Stiftung Genshagen.

Voraussetzung für eine Nominierung sind eine aktuelle Veröffentlichung – möglichst im Jahr der Preisvergabe – und die noch ausstehende Übersetzung des Werkes in die jeweils andere Sprache.

Der deutsche Kulturstaatsminister und das französische Ministère de la Culture et de la Communication fördern den Preis, der Teil der der deutsch-französischen Agenda 2020 – Grundlage der deutsch-französische Zusammenarbeit in diesem kommenden Jahrzehnt.

Mit seinem Namen erinnert der Preis an einen wichtigen Mittler zwischen den Kulturen, den der Faschismus tötete. Franz Hessel, im November 1880 in Stettin geboren, arbeitete als  Schriftsteller, Lektor und Übersetzer in Berlin und Paris. Als die Wehrmacht in Frankreich einmarschierte, floh er vor den deutschen Besatzern in die Provence nach Sanary-sur-Mer. D

och schon bald wurde er mit anderen Exildeutschen, so auch Lion Feuchtwanger, im Lager Les Milles interniert. Dort erlitt der 60-Jährige einen Schlaganfall und verstarb am 6. Januar 1941.

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