Buchmesse Spezial: die Literaturpreise Frankreichs


Vom 11. bis zum 15. Oktober 2017 ist Frankreich Ehrengast der 69. Frankfurter Buchmesse. Unter der Schirmherrschaft von Staatspräsident Emmanuel Macron kehrt die Heimat von Camus und Corneille seit 1989, und damit nach fast 30 Jahren, wieder an den Main zurück. Francfort en français / Frankfurt auf Französisch: Zur Rückkehr aus der Sommerpause gehören auch stets neue Werke – die Rentrée litteraire.

Mit der Bekanntgabe der Gewinner der wichtigsten Literaturpreise wird die neue „Lesesaison“ eröffnet. Jeder Preis hat dabei seine eigene Geschichte und gibt Einblicke in die Vielfalt und Kreativität der französischsprachigen Literatur. Die wichtigsten Werke erscheinen dann etwas später meist auch in deutscher Übersetzung.

Die Literaturpreise: geplante Termine der Verleihung

Prix de l’Académie Française : 26. Oktober 2017

Prix Goncourt: 6. November 2017

Prix Renaudot: 6. November 2017

Prix Fémina: 8. November 2017

Prix Interallié: 8. November 2017

Prix Médicis: 9. November  2017

Prix Goncourt des Lycéens: 16. November 2017

Der Prix de l’Académie Française

Der Preis, der seit 1915 verliehen wird, ist einer der wichtigsten Auszeichnungen der Académie, der schon 1635 gegründeten Gelehrtengesellschaft, die über die französische Sprache und Literatur wacht. Der nur mit 10 000 Euro dotierte Preis hat eine große Außenwirkung. 

Der große Romanpreis der Académie Française wurde 2016 an die Ex-Bankerin und Journalistin Adelaïde de Clermont-Tonnerre und ihr Werk Le dernier des nôtres (Editions Grasset) vergeben. Darin beschreibt die Autorin die amour fou eines jungen, ambitionierten Mannes mit der Tochter eines Milliardärs am Ende der 1960er-Jahre. Die Autorin springt in ihrem Werk zwischen Geschichtsbuch und Thriller durch Zeit und Raum. Da verlässt man kurz Manhattan und findet sich im zerbombten Dresden von 1945 wieder.

Liste der Preisträger

Der Prix Goncourt

Der seit 1903 zu Ehren der Schriftstellerbrüder Edmond und Jules Goncourt vergebene Prix Goncourt ist einer der wichtigsten Literaturpreise Frankreichs. Er wird zusammen mit dem Prix Renaudot traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben. Die 9-köpfige Jury, bestehend aus Schriftstellern und Literaturkritikern, zeichnet dabei in jedem Jahr das beste Prosawerk in französischer Sprache aus.

Auch wenn das Preisgeld mit der Summe von 10 € eher symbolischen Charakter hat, so ist doch der Erfolg in den Buchläden im In- und Ausland meist garantiert. Im Schnitt verkauft sich das ausgezeichnete Werk 300.000 Mal. Die Gewinner des Prix Goncourt wurden in den letzten zehn Jahren ausnahmslos in die deutsche Sprache übersetzt.

Der renommierte Literaturpreis Prix Goncourt wurde 2016 an Leïla Slimani für ihren Roman Chanson douce vergeben. Die Franko-Marokkanerin Slimani erzählt in dem bei den Editions Gallimard erschienen Roman die Geschichte des Mordes einer Kinderfrau an zwei ihr anvertrauten Kindern in einer modernen, wohlbetuchten und klassenbewussten Familie, die mit ihrer Unnahbarkeit das Drama in Gang setzt.

Liste der Preisträger

 Prix Goncourt des Lycéens 2016: Preisträger Gaël FayePrix Goncourt des Lycéens

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde 1988 von der FNAC zusammen mit dem Rektorat Rennes und unter der Schirmherrschaft der Académie Goncourt ins Leben gerufen. Der Preis gelangte seitdem zu hohem Ansehen. Die Jury, die den Preisträger aus etwa zwölf Romanen der offiziellen Selektion der Académie Goncourt auswählt, besteht aus 15-18-jährigen Schülern unter der Aufsicht ihres Literaturlehrers.

2016 wurde der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten an den jungen französisch-ruandischen Autor Gaël Faye für den Roman Petit pays (Éditions Grasset) vergeben. Faye beschreibt den Bürgerkrieg und Genozid im Ruanda der 1990er-Jahre mit den Augen eines Kindes aus einer privilegierten französisch-ruandischen Familie.

Liste der Preisträger

Der Prix Renaudot

Der Prix Renaudot wurde 1926 von Literaturkritikern komplementär zum Prix Goncourt ins Leben gerufen. Er erinnert an den Arzt, Philantropen und Herausgeber der ersten französischen Zeitung La Gazette Théophraste Renaudot. Der Preis wird zusammen mit dem Prix Goncourt traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben.  

Den Prix Renaudot 2016 erhielt die Schriftstellerin und Dramatikerin Yasmina Reza für ihr Werk Babylone (Éditions Flammarion).In ihrem Thriller beschreibt Reza ein Nachbarschaftsfest, das zu einem Verbrechen entartet. Sie stellt dabei Fragen nach der Rolle von Emotionen, die bis hin zum Verlust der Menschlichkeit gehen. 

Liste der Preisträger

Der Prix Fémina

Der 1904 unter Federführung der Gräfin Anna de Noailles von 22 Mitarbeitern des Magazins La vie heureuse (heute Fémina) geschaffene Prix Fémina wird von einer Jury aus zwölf Frauen unter dem Vorsitz von Régine Desforges vergeben. Dieser nicht dotierte Preis ist mit 100.000 bis 250.000 verkauften Exemplaren meist ein Kassenschlager. Er wird am ersten Novembermittwoch – also einige Tage vor dem Prix Goncourt – im Pariser Hôtel Crillon vergeben. Sein Ziel ist es, ein Gegengewicht zu diesem zu bilden, da dessen Jury ursprünglich weibliche Literaten weder fördern, noch auszeichnen wollte.

2016 ging der Prix Fémina an Marcus Malte für seinen Roman Le Garçon (Editions Sulma) Der Autor beschreibt dabei das Leben eines kleinen Jungen, der mit seiner Mutter in Südfrankreich in der Einsamkeit lebt, und der sich instinktiv auf den Weg ins Leben und zu den Menschen macht und dabei das Universum erschließt. Dabei geht es um die Frage, wie weit jugendliche Unschuld in der Gesellschaft gehen kann.

Liste der Preisträger

Der Prix Médicis 

Die Begründer des 1958 geschaffenen Prix Médicis, Gala Barbisan und Jean-Paul Giraudoux, wollten mit dieser Auszeichnung einen „etwas anderen Literaturpreis“ schaffen. Der Prix Médicis zeichnet in seinen drei Kategorien (französischer bzw. ausländischer Roman/Bericht sowie Essay) vielversprechende junge Autoren mit einer neuen Ton- und Stilart aus. Der Ausland-Médicis wird seit 1970 und der Essay-Médicis seit 1985 vergeben. Die Jury gibt die Preisträger zusammen mit der Jury des Prix Fémina am ersten Novembermittwoch im Pariser Hôtel Crillon bekannt.

Der Prix Médicis 2016 ging an den Historiker Ivan Jablonka für seinen Roman Laëtitia ou la fin des hommesIn dem bei den Editions du Seuil erschienenen Werk begibt sich der Autor auf die Suche nach den Hintergründen eines Mordes an einem 18-jährigen jungen Mädchen, der Paris, die Politik und die Justiz 2011 erschütterte. Eine Verbindung von Literatur, Geschichte und Sozialwissenschaften.

Liste der Preisträger

Der Prix interallié

Die Idee für den Prix interallié wurde 1930 im illustren Privatclub des Cercle de l’Union interalliée in der Nr. 33 der Rue du Faubourg-Saint-Honoré in Paris geboren, als eine Reihe von Journalisten auf die Ergebnisse der Beratungen der Frauen-Jury zum Prix Femina wartete. Die Idee war so gut, dass der Preis bis heute ohne jegliches Preisgeld auskommt. Er wird im Restaurant Lasserre an der Avenue Franklin Roosevelt vergeben.

Den Prix interalliés 2016 erhielt der Autor Serge Joncour für seinen Roman Repose-toi sur moi (Editions Flammarion)Dabei geht es um die langsame Annäherung zwischen Aurore und ihrem Nachbarn Ludovic in einem Pariser Hinterhof, die zu einer großen Liebe wird. Vor dem Hintergrund einer sich aller Regeln entledigenden Gesellschaft begibt sich der Autor auf die Suche des Spannungsverhältnisses von Stadt und Land, Solidarität und Egoismus und der Kraft der Liebe.

Liste der Preisträger

Datenbank Literaturpreise und Preisträger

Binationale Literaturpreise

Die deutsch-französische Freundschaft fördern zwei Literaturpreise, die ich euch ebenfalls vorstellen möchte.

Prix des Lycéens Allemands

Bereits 2004 startete das Institut français Deutschland mit der Ernst Klett Sprachen GmbH die Initiative „Prix des Lycéens Allemands“.  Im Unterricht, daheim oder in einer AG lesen Schülerinnen und Schüler eine Auswahl von vier spannenden Büchern, präsentieren sie – auf Französisch! – vor der Schul- und Landesjury und wählen das Lieblingsbuch. Bei der Bundesjury küren dann die Schülerinnen- und Schülervertreter der 16 Bundesländer den Gewinner des Prix des Lycéens allemands – in diesem Jahr auf der Buchmesse in Frankfurt!

Prix Franz Hessel

Mit dem Franz-Hessel-Preis werden seit 2010 jedes Jahr Autoren aus Deutschland und Frankreich ausgezeichnet, die im jeweiligen Nachbarland bisher kaum bekannt sind. Ein deutsch-französische Jury wählt gemeinsam die PreisträgerInnen aus, die Verleihung findet jeweils im Wechsel in Deutschland und Frankreich statt. Der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Vergeben wird er von der Villa Gillet in Lyon und der Stiftung Genshagen.

2013 wurde Eric Vuillard für die Erzählungen „La Bataille d’Occident“ und „Congo“ ausgezeichnet.

Voraussetzung für eine Nominierung sind eine aktuelle Veröffentlichung – möglichst im Jahr der Preisvergabe – und die noch ausstehende Übersetzung des Werkes in die jeweils andere Sprache. Der deutsche Kulturstaatsminister und das französische Ministère de la Culture et de la Communication fördern den Preis, der Teil der der deutsch-französischen Agenda 2020 – Grundlage der deutsch-französische Zusammenarbeit in diesem kommenden Jahrzehnt.

Mit seinem Namen erinnert der Preis an einen wichtigen Mittler zwischen den Kulturen, den der Faschismus tötete. Franz Hessel, im November 1880 in Stettin geboren, arbeitete als  Schriftsteller, Lektor und Übersetzer in Berlin und Paris. Als die Wehrmacht in Frankreich einmarschierte, floh er vor den deutschen Besatzern in die Provence nach Sanary-sur-Mer. Doch schon bald wurde er mit anderen Exildeutschen, so auch Lion Feuchtwanger, im Lager Les Milles interniert. Dort erlitt der 60-Jährige einen Schlaganfall und verstarb am 6. Januar 1941.

 

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