Lourdes: Die Pilgerstadt erfindet sich neu

Der Wallfahrtsbezirk von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Der Wallfahrtsbezirk von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Lourdes war im Jahr 1858 eine kleine Stadt am Nordrand der Hochpyrenäen. Und genau in jenem Jahr, als der Vertrag von Tientsin den zweiten Opiumkrieg mit China beendete, die Lyoner Seidenweber sich bei der revolte des canuts erhoben und Gustave Flaubert seinen Roman „Madame Bovary“ veröffentlichte, erlebte Bernadette Soubirous in der Grotte von Massabielle zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli insgesamt 18 Erscheinungen. Nur wenig später deutete die katholische Kirche jene Visionen als Marienerscheinungen.

Bernadette war das älteste der insgesamt neun Kinder des Müllers François Soubirous (1807–1871) und seiner Frau Louise, geb. Castérot (1825–1866). An einem bibberkalten Wintertag erblickte Bernadette am  7. Januar 1844 im moulin de Boly das Licht der Welt.

Das Elternhaus von Bernadette Soubirous in Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Das Elternhaus von Bernadette Soubirous in Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Der moulin de Boly war eine der vielen Wassermühlen, die am Lapacca-Bach, der heute unter dem Boulevard de la Grotte verschwunden ist und in den Gave de Pau mündet, das Getreide mahlte. Zehn Jahre lang lebte Bernadette mit ihren Eltern und Geschwistern in der Mühle. Es müssen glücklich Zeiten gewesen sein, denn Bernadette nannte ihr Zuhause le moulin du bonheur, die Mühle des Glücks.

Lourdes zählte damals rund 4.000 Einwohner. Die Stadt litt unter wachsender Verarmung, und Epidemien grassierten. Auch die Familie von Bernadette blieb von Armut und Leid nicht verschont.

1854 musste Bernadettes Vater den Betrieb seiner Wassermühle  aufgeben. Fortan verdingte er sich als Tagelöhner. Die Mutter arbeitete auf dem Feld, schuftete in einer Wäscherei, flickte Kleidung und schaffte es dennoch kaum, die Familie zu ernähren. Auch, weil beide Eltern dem Alkohol zu stark zusprachen.

Die Visionen von Bernadette

Hohe Tor schützen den Zugang zum Heiligtum – hier die Porte Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder
Hohe Tore schützen den Zugang zum Heiligtum – hier die Porte Saint-Michel. Foto: Hilke Maunder

Bernadette war  14 Jahre alt, als sie die Erscheinungen erlebte. Das junge Mädchen litt seit frühester Kindheit unter Asthma, spürte die Folgen der Mangelernährung und war mit einer Größe von nur 1,40 Metern deutlich kleiner, als es ihrem Alter entsprach.

Ihr väterliches Elternhaus gehört als Maison Paternelle de Sainte-Bernadette heute fest zum Besichtigungsprogramm von Lourdes. Im Inneren könnt ihr Möbel, Gegenstände und Fotos entdecken, die der Familie Soubirous gehörten. Das Haus ist noch immer im Besitz der Familie und wird von den Nachkommen Bernadettes geführt.

Den zwölf Meter hohen Calvaire des Bretons von Yves Hernot de Lannion aus dem Jahr 1900 schmückt eine zwei Meter hohe Jesus-Statue. Foto: Hilke Maunder
Den zwölf Meter hohen Calvaire des Bretons von Yves Hernot de Lannion aus dem Jahr 1900 schmückt eine zwei Meter hohe Jesus-Statue. Foto: Hilke Maunder

In einer der vielen Erscheinungen wies die „Dame“ das Mädchen an, aus einer Quelle zu trinken und zu baden. Bernadette gehorchte, begann zu graben und wühlte in der Erde, bis Wasser hervorsprudelte. Dieser Quelle wurden heilende Kräfte nachgesagt. Schon bald zog die Quelle der Grotte von Massabielle unzählige Kranke und Leidende an.

1862 bestätigte der Vatikan Bernadettes Visionen. Papst Pius XI. sprach Bernadette Soubirous am 14. Juni 1925 selig und am 8. Dezember 1933 heilig. Siebzig Wunder hat die katholische Kirche in Lourdes seit 1862 offiziell anerkannt.

Die wichtigste Kultstätte des Sanctuaire de Notre-Dame de Lourdes ist die Basilique de l'Immaculée-Conception. Foto: Hilke Maunder
Die wichtigste Kultstätte des Sanctuaire de Notre-Dame de Lourdes ist die Basilique de l’Immaculée-Conception. Foto: Hilke Maunder

Das letzte Wunder von Lourdes

Das letzte Wunder von Lourdes geschah 2008. Damals wurde die 79-jährige französische Nonne, Schwester Bernadette Moriau, auf unerklärliche Weise wieder gesund. Mehr als vier Jahrzehnte hatte sie unter Rückenproblemen und Nervenschmerzen, die auch ihre Mobilität beeinträchtigten, gelitten. Die Schwester war am seltenen Cauda-equina-Syndrom erkrankt gewesen, einer schweren Form der Stenose der Wirbelsäule, bei der alle Nerven im unteren Rücken plötzlich stark komprimiert werden.

Foto: Hilke Maunder
Die 1876 geweihte Mariä-Empfängnis-Basilika ist die älteste der Wallfahrtskirchen im Heiligtum.Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zur Mariä-Empfängnis-Basilika von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zur Krypta der Mariä-Empfängnis-Basilika und zur unteren Basilika von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

2008 unternahm sie mit dem Bischof ihres Ortes eine Pilgerreise nach Lourdes, um den 150. Jahrestag der Erscheinungen in Lourdes zu feiern. Sie spürte mehr denn je die lebendige Gegenwart Christi und betete für die Heilung der Menschen um sie herum.

Obwohl die Pilgerreise ein spiritueller Segen war, so war sie körperlich anstrengend, und Schwester Bernadette hatte mehr Schmerzen als sonst, als sie in ihr Kloster in Nordfrankreich zurückkehrte. Nach drei Tagen indes fühlte sie sich so weit erholt, dass sie zur täglichen Eucharistie in die Kapelle gehen konnte. Während sie betete, überkam sie ein Gefühl der Heilung, der Wärme und der Entspannung.

Foto: Hilke Maunder
Von früh bis spät halten Priester in der Krypta der Basilika Messen in den Landessprachen der Pilger ab. Die Krypta war die erste Kirche im Heiligen Bezirk und wurde von 1862-1866 gebaut. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Architekt Leopold Hardy lehnte die untere Basilika (Rosenkranzbasilika) dem byzantinischen Stil an. 1902 wurde sie geweiht. Foto: Hilke Maunder

Zurück in ihrer Kammer, sprach Jesus zu ihr und forderte sie auf, ihre Krücken abzulegen und das Morphium abzusetzen. Ohne Schmerzen konnte Schwester Bernadette gehen – und unternahm nur wenige Tage nach ihrer Heilung einen fünf Kilometer langen Spaziergang.

2009, 2013 und 2016  wurde die Nonne in Lourdes untersucht. Nachdem die Ärztekommission festgestellt hatte, dass ihre Heilung „plötzlich, augenblicklich, vollständig und dauerhaft“ erfolgt sei, verkündete der Bischof von Beauvais Benoît-Gonnin im Februar 2018 das bislang letzte Wunder von Lourdes.

Das Lied von Bernadette

Blick auf die Grotte der Bernadette und den Gave de Pau. Foto: Hilke Maunder
Blick auf die Grotte der Bernadette und den Gave de Pau. Foto: Hilke Maunder

Für Generationen frommer französischer Familien war Lourdes fest im Glauben verankert. Eine Pilgerfahrt nach Lourdes gehörte für sie zum Leben, und das nicht nur einmal, sondern so oft es ging – von den Flitterwochen bis zu den letzten Lebensjahren.

Mit dem Nachwuchs im Kinderwagen wurde der Kreuzweg bewältigt, stramm und steil bergauf, jede Station eine Unterweisung im Glauben. 52 Hektar groß ist das Heiligtum von Lourdes. 22 Kultstätten laden zur Begegnung mit Gott.

Die Scala Sancta am Kreuzweg von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Die Scala Sancta am Kreuzweg von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Bibelszene am Kreuzweg: Jesus wird vom Kreuz abgenommen. Foto: Hilke Maunder
Bibelszene am Kreuzweg: Jesus wird vom Kreuz abgenommen. Foto: Hilke Maunder

In Windeseile verbreitete sich der Ruhm von Lourdes über die Ländergrenzen hinaus. Der in Tschechien geborene Franz Viktor Werfel suchte in Lourdes Zuflucht vor den Nazis. Er dankte dem Ort mit dem  Bestseller Das Lied von Bernadette* (1941).

Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewußteres Gelübde. Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens.
Franz Werfel, Los Angeles, im Mai 1941

Zwei Jahre später verfilmte Hollywood den Roman. 1944 gab es für das US-amerikanische Filmdrama The Song of Bernadette* des Regisseurs Henry King neben vier Oscars auch noch drei Golden Globes. Zahlreiche weitere Verfilmungen folgten.

Lang ist die Warteschlange, um in die Bernadette-Grotte zu kommen. Bänke laden ein, dort zu verweilen. Foto: Hilke Maunder
Lang ist die Warteschlange, um in die Bernadette-Grotte zu kommen. Bänke laden ein, dort zu verweilen. Foto: Hilke Maunder

50 Meter von der Porte Saint-Joseph des Sanctuaire Notre-Dame de Lourdes entfernt liegt das Cinéma Bernadette. Dort läuft morgens, nachmittags und abends der Film „Je m’appelle Bernadette“ in französischer Fassung.

Für Italienisch, Englisch und Spanisch gibt es Kopfhörer mit Simultanübersetzung, für Englisch, Deutsch und Niederländisch nur Untertitel. 220 Zuschauer fasst der Kinosaal. 50 Plätze sind für Rollstuhlfahrer reserviert.

Wallfahrtsziel: die IBernadette-Grotte von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Wallfahrtsziel: die Bernadette-Grotte von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Aus aller Herren Länder

Die Pilger kommen aus aller Welt – doch vor allem aus Italien (20 %) und vom indischen Subkontinent. 25 Nationalitäten leben in Lourdes, darunter auch eine tamilische Gemeinschaft aus Sri Lanka.

Im Café Jeanne d’Arc am Pont-Vieux dekliniert die Speisekarte primo piatto, secondo piatto, pesce, carne und dolci ohne Übersetzung. 2017 eröffnete  Fabrizio Casadei nebenan die Bar Made In Italy – und zeigt seitdem Franzosen und anderen Gästen, wie echte Pizza aus Italien schmeckt.

In Scharen pilgern die Italiener zu ihm. Und singen lauthals mit, wenn der Pizzaiolo Sarà Perché Ti Amo von Ricchi & Poveri auflegt. Nicht einmal Paris ist so entspannt kosmopolitisch, weltoffen und international.

Ritual in der Grotte: die Hand auf den heiligen Stein auflegen. Foto: Hilke Maunder
Ritual in der Grotte: die Hand auf den heiligen Stein auflegen. Foto: Hilke Maunder
Dem Wasser der Bernadette-Grotte werden heilende Wirkungen nachgesagt. Foto: Hilke Maunder
Dem Wasser der Bernadette-Grotte werden heilende Wirkungen nachgesagt. Foto: Hilke Maunder

Selbst Nichtkatholiken fühlen sich von der Spiritualität angezogen, diesem freudigen Strahlen auf den Gesichtern der Menschen, die auf dem großen Vorplatz des Heiligtums die Flaggen ihrer Heimatländer schwingen, Selfies mit Maria machen, singen und staunen.

Lourdes umarmt die Massen. Volksfromm. Nicht intellektuell. Sondern mit Gesten. Den Felsen der Grotte berühren, das Wasser mit der Hand auffangen. Mit einer brennenden Kerze der abendlichen Prozession beiwohnen und eine Messe unter freiem Himmel erleben, während der Tag sich verabschiedet und die Nacht das Heiligtum umhüllt.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Pilgerfahrt zur Hoffnung

Rund 300 Millionen Euro spülen die Pilgerfahrten jährlich in die Kassen der 13.000-Einwohner-Stadt, deren Wirtschaft so eng mit dem Wallfahrtstourismus verbunden ist wie die Perlen eines Rosenkranzes. Pilgerzüge mit Krankenhausbetten rollen seit 1901 nach Lourdes. Jeder Train Rose nimmt 100 bis 115 Patienten und 50 behinderte Menschen auf.

Und obwohl die meisten nicht an eine wundersame Heilung glauben, reist die Hoffnung doch stets mit. In Lourdes finden sie, was ihnen die Medizin nicht bietet. Dort tanken sie Kraft, schöpfen Hoffnung – und können Leid, Krankheit oder Sorge einordnen in ein göttliches Größeres.

Foto: Hilke Maunder
Dicht an dicht drängen sich die Souvenir- und Devotionalien-Läden in den Gassen von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Hochkonjunktur herrscht in Lourdes vor allem von Ostern bis Oktober, wenn sich die Busse der Reiseveranstalter auf den riesigen Großparkplätzen am Flusslauf des Gave de Pau drängen und weltliche wie kirchliche Reiseveranstalter große Pilgergruppen in den 350 Hotels der Stadt unterbringen – mehr Betten bietet nur Paris.

Die Hotelpreise sind überraschend günstig, die Mahlzeiten oft inklusive. Massentourismus, Souvenirläden mit Patina, große Pilgergruppen und Religionsrituale am Fließband: Die besten Jahre von Lourdes, so schien es 2019, lagen hinter der Stadt. Seit Jahren sanken die Besucherzahlen. Doch dann kam die Pandemie. Und was zunächst als Todesstoß wahrgenommen wurde, entwickelte sich zum rettenden Katalysator.

Die Pandemie als Reset-Button

Foto: Hilke Maunder
Rechts der Brücke heißt der Accueil Notre-Dame kranke Pilger willkommen. Links der Brücke erhebt sich die Église de Sainte-Bernadette. Foto: Hilke Maunder

Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste Lourdes, mit bis zu vier Millionen Pilgern pro Jahr nach Rom und Jerusalem das drittgrößte Ziel katholischer Pilgerfahrten, sein Heiligtum schließen. Das premier confinement, das am 17. März 2020 begann, ließ Lourdes verwaisen.

90 Prozent! Fassungslos starrten Stadt und Kirche 2020 auf den Einbruch beim Pilgerstrom. Zwei weitere Lockdowns folgten. Arbeitslosigkeit, leere Kassen und Perspektivlosigkeit machten sich breit. Lourdes erlebte, welche Gefahr es barg, die Wirtschaft nur auf eine Säule  zu stützen.

Lourdes betete – und entdeckte die digitalen Welten. Das Internet wurde zum Werkzeug, um mit der Welt in Kontakt zu treten. Statt Pilger erhielt Lourdes während der Pandemie täglich Tausende Gebetswünsche aus aller Welt.

Seelsorger übersetzten sie in die Sprachen der Menschen, die zuvor nach Lourdes geströmt waren, strahlten sie im Fernsehen aus und verbreiteten sie in den sozialen Medien. Wer wollte, konnte seine Kerze nun online kaufen und von sogenannten feutiers, Feuerwächtern, vor Ort in Lourdes anzünden lassen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Avenir Lourdes: der Neuanfang

Im Sommer 2020 startete Lourdes die weltweit erste virtuelle Pilgerreise. Mehr als 80 Millionen Zuschauer waren bei Lourdes United mit dabei, das in zehn Sprachen zu erleben war.

Lourdes erfand sich neu. Der Ort, der so tief in konservativen Traditionen verwurzelt war, entdeckte das Internet, die Individualreisenden und einen ganzen Reigen neuer Angebote jenseits des Religionstourismus.  „Avenir Lourdes“ heißt der ehrgeizige Plan von Bürgermeister Thierry Lavit, der ganz entfernt familiär mit Bernadette Soubirous verbandelt ist.

Bis 2030 soll sich Lourdes in allen Bereichen modernisieren, nachhaltiger aufstellen und diversifizieren. Der französische Staat unterstützt das 100-Punkte-Programm von Lourdes mit 140 Millionen Euro.

Maria... Foto: Hilke Maunder
Ave, ave, ave Maria; ave, ave, ave Maria erklingt es allabendlich bei der Messe unter freiem Himmel. Foto: Hilke Maunder

Seit Dezember 2021 verkehrt wieder die 2016 abgeschaffte Nachtzuglinie zwischen dem Pariser Bahnhof Gare d’Austerlitz und Lourdes  – und heißt nicht mehr die „blaue Taube“, sondern Le Pyrénéen. Für grüne Moblität in Lourdes und Umland sorgen seit 2021 ein E-Bike- und Carsharing-Programm.

Frisch saniert sind auch die Uferkais und die Place Peyremale, verlängert ist die Saison: MICE (Meetings, Incentives, Conferences and Exhibitions)-Angebote wie Messen sollen Lourdes  zum Ganzjahres-Reiseziel machen.

Neben dem Heiligtum, weiterhin Hauptziel mit neuem QR-Code-Parcours, der die Besucher über das Heiligtum führt, und bestem WLAN auf dem Gelände, vermarkten Stadt und Tourismusamt heute auch andere Attraktionen.

Die Abendmesse auf dem Heiligtum von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Die Abendmesse auf dem Heiligtum von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Im Herzen der Pyrenäen

Dazu gehören auch ein „mittelalterlicher“ Wanderweg hinauf zur Burg, die Karl der Große im Jahr 778 n. Chr. belagerte und einen maurischen Häuptling so vertrieben hatte, sowie Wanderwege auf den Spuren von Bernadette bis hin zum Schafstall von Bartrès.

Das Musée Pyrénéen mit seinen 20.000 Objekten wird bis 2026 saniert. Die Rue du Bourg hinauf zur Festung soll als Rue du „made in the Pyrenees“ künftig die Produkte und Arbeiten von lokalen Künstlern, Kunsthandwerkern und Erzeugern zeigen.

Die Markthalle von Lourdes ist schon jetzt als halle gourmande Schaufenster all jener kulinarischen Genüsse, die Lourdes und die nahen Pyrenäen bieten: das Lamm aus Barèges, das schwarze Schwein aus Bigorre, die Tarbais-Bohne, den Bergkäse Tomme des Pyrénées und den gâteau à la broche, den berühmten Spießkuchen der Pyrenäen.

Gâteau à la Broche. Foto: Hilke Maunder
Köstlicher Kuchen vom Spieß: der gâteau à la broche. Foto: Hilke Maunder

Am Fuße des Pic du Jer wandelte sich die Villa Fialho in ein Haus des polyphonen Gesangs der Pyrenäen – und lädt zu Konzerten mit den Chanteurs Montagnards und dem Frauenchor Pyrénéa. Zum 900 Meter hohen Aussichtsgipfel rattert seit Juni 1900 eine stahlgraue Zahnradbahn hinauf. Oben lädt ein gelbes Schild mit ausgestanztem  Herz zum Selfie.

Zahlreiche solcher instagramtauglichen, farblich unterschiedliche Fotospots sind inzwischen in Lourdes verteilt. Sie spiegeln den neuen Slogan des alten Pilgerortes: Lourdes, cœur des Pyrénées – Lourdes, das Herz der Pyrenäen.

Lourdes, Herz der Pyrenäen: Photospots wie diese inszenieren den neuen Slogan der Stadt instagramtauglich fürs Foto. Foto: Hilke Maunder
Lourdes, Herz der Pyrenäen: Photospots wie diese inszenieren den neuen Slogan der Stadt instagramtauglich fürs Foto. Foto: Hilke Maunder

Lourdes: meine Reisetipps

Hinkommen

Auto

Achtung: In Lourdes wechseln manche Straßen im Zentrum alle 15 Tage die Fahrtrichtung; siehe hier.

Bahn

TGV Inoui Paris – Tarbes via Lourdes

Intercités Toulouse – Bayonne via Lourdes

TER Dax – Tarbes via Lourdes

Flug

Aéroport Tarbes-Lourdes-Pyrénées in Juillian; www.tlp.aeroport.fr

Der Petit Train führt in 45 Minuten auf seiner 7,5 Kilometer langen Runde zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Der Petit Train führt in 45 Minuten auf seiner 7,5 Kilometer langen Runde zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lourdes. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

In Lourdes hat es kein einziges Lokal in den Guide Michelin geschafft. Der renommierte Gastronomieführer empfiehlt Feinschmeckern, in Argelès-Gazost, Arciazans-Avant, Bagnères-de-Bigorre oder Saint-Savin zu speisen.

Doch in Lourdes lässt es dennoch recht gut essen – nicht nur bodenständig französisch, sondern auch authentisch indisch oder italienisch. Im Kochtopf spiegeln sich die Nationen der Pilger. Und jene möchten die echte Küche ihrer Heimat.

Terroirs pyrénéens

Serge Bergeret war viele Jahre lang Direktor des Pic du Jer. Im August 2022 eröffnete er seinen Feinkostladen. Er bietet frische Saisonprodukte von Bauern und kleinen Manufakturen von beiden Seiten der Pyrenäen.
•  6, Av. François Abadie, 65100 Lourdes, Mobil-Tel. 06 16 33 41 19, www.facebook.com

In der Nähe

Der See von Lourdes

Nur drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in Richtung Pau lockt der Gletschersee von Lourdes mit Badespaß und Wassersport, beispielsweise beim Stand-Up-Paddling.

Der Cirque de Gavarnie

Das Weltnaturerbe Cirque de Gavarnie, ein riesiger eiszeitlicher Gebirgskessel mit einem der höchsten Wasserfälle des Landes, lässt sich im Winter auch mit Schneeschuhen entdecken!

Das Sanctuaire de Bétharram

17 Kilometer von Lourdes birgt die kleine Bastille Lestelle-Bétharram am Gave de Pau einen Wallfahrtsort, der Lourdes vorausging: das Heiligtum von Betharram mit seinen Kreuzwegstationen von Golgatha. Jules Pierre Mauméjean schuf seine Buntglasfenster, Alexandre Renoir die Altarbilder des Kalvarienberges.
www.betharram.fr

Die Wallfahrtskirche von Bétharram im Béarn. Foto: Hilke Maunder
Die Wallfahrtskirche von Bétharram im Béarn. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Zenitude Hôtel-Résidences – Lorda

Gleich neben den kostenlosen Großparkplätzen am Ufer des Gave de Pau liegt dieses moderne Apartement-Hotel mit seinen sehr sauberen, kompakten wie komfortablen Studios und Zweizimmerapartments, von denen alle Zimmer mit der Endnummer 4 einen kleinen Balkon besitzen.
• 18, Esplanade du Paradis, 65100 Lourdes, Tel. 05 82 80 98 92, www.zenitude-hotel-residences.com

Noch mehr Betten*
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Lourdes. Foto: Hilke Maunder
Die goldene Krone des Heiligtums von Lourdes. In der Ferne ist die Burg von Lourdes zu sehen. Foto: Hilke Maunder

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Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt an den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

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