Die Markthalle von Lyons-la-Forêt. Foto: Hilke Maunder
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Lyons-la-Forêt: Kleinod im Normannen-Wald

Mitten im ausgedehnten Buchenwald der Forêt domaniale de Lyons versteckt sich das Kleinod mit nicht einmal 800 Einwohnern: Lyons-la-Forêt. Im Mittelalter jagten hier die Herzöge der Normandie.

Zur Belle Époque entdeckten die Künstler den Charme des Ortes. Heute gehört er zu den schönsten Dörfern Frankreichs – als Perle des Vexin Normand. Er versteckt sich auf einem Kalkplateau zwischen den Tälern der Flüsse Epte, Andelle und Seine.

Lyons-la-Forêt: In dieser Straße lebte einst Maurice Ravel. Foto: Hilke Maunder
In dieser Straße lebte einst Maurice Ravel. Foto: Hilke Maunder

Dem Komponisten Maurice Ravel (1875 – 1937) gefiel es so gut, dass er gleich mehrmals in der Rue d’Enfer im Fachwerkhaus Les Lauriers logierte und sich von mit Kopfstein gepflasterten Gassen und typisch normannischen Fachwerkhäusern zu Kompositionen anregen ließ.

Modest Mussorsky holte sich in Lyons-la-Forêt Inspirationen zu seinem Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“.

Lyons-la-Forêt ne ressemble à aucun autre endroit au monde,
c’est le plus beau village de France.
Lyons-la-Forêt ist wie kein anderer Ort auf der Welt, es ist das schönste Dorf in Frankreich.

Guy de Maupassant

Claude Chabrol drehte in Lyons-la-Forêt 1990 den Film Madame Bovary. In dem Roman, der 1856 für Furore sorgte, verarbeitet Flaubert die tragische Geschichte der Arztgattin Delphine Delamare, die sich im kleinen normannischen Dorf Ry vergiftete.

Yonville-l’Abbaye heißt Ry im Roman. Doch nicht in Ry, sondern in Lyons-la-Forêt fand Chabrol die perfekte Kulisse für seinen Kultfilm. Mehr zu Flaubert und Lyons-la-Forêt erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Das grüne Zimmer

François Truffaut hat 1988 seinen Film La Chambre verte* (deutsch: Das grüne Zimmer*) in Lyons-la-Forêt und Umgebung gedreht. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Julien Gracq und thematisiert in einem melancholischen und poetischen Ton den Umgang mit Verlust und Erinnerung.

In Lyons-la-Forêt fand Truffaut eine Kulisse, die seine ruhige, fast zeitlose Atmosphäre seines Films perfekt unterstützte. Seine Wahl unterstreicht das Engagement des Filmemachers, authentische, besondere und oft wenig bekannte Landschaften Frankreichs in seinen Werken zu zeigen.

Im Gegensatz zu anderen bekannten Truffaut-Filmen, die stark an Paris oder urbanen Settings hängen, zeigt gerade La Chambre verte seine Wertschätzung für ländliche, intimer wirkende Orte wie Lyons-la-Forêt, die zum Nachdenken über Vergänglichkeit einladen.

Les Lauriers - das Haus von Maurice Ravel. Foto: Hilke Maunder
Les Lauriers – das Haus von Maurice Ravel. Foto: Hilke Maunder

Filmreifes Flair bis heute

Mittelpunkt des Orts ist die offene Markthalle mit ihrem wuchtigen Holzschindeldach, das massive Holzpfeiler tragen. Im Sommer sind sie überreich mit blühenden Blumenampeln geschmückt.

Gegenüber der Markthalle eröffnete 2009 in einem Stadthaus aus dem 17. Jahrhundert ein Hôtel de Charme. Geistreich hat es den Rothirsch in seinem Namen als roten Faden fürs Styling gewählte und sich als die stilvolle Waldherberge schlechthin inszeniert: das Hôtel du Grand Cerf mit Schwimmbad, Hammam und Whirlpool im Spa.

Die Markthalle von Lyons-la-Forêt. Foto: Hilke Maunder
Die Markthalle von Lyons-la-Forêt. Foto: Hilke Maunder

Das Schloss Lyons-la-Forêt, das heute vor allem als Jagdschloss genutzt wird, wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war einst Residenz der normannischen Herzöge. Es birgt eine Sammlung seltener Kunstwerke und Möbel, die die Geschichte der Normandie eindrucksvoll widerspiegeln.

Ihr fahrt gerne Rad oder wandert gerne? Dann startet von hier zu Touren in den Staatswald von Lyons-la-Forêt. Er gehört zu den größten Buchenwäldern Europas und bildet mit 10.700 Hektar den größten Wald der Normandie! Lyons-la-Forêt ist zudem die Heimat einer der ältesten Forstverwaltungen Europas.

Der Forst selbst war schon in der Antike als wichtiges Jagdrevier geschätzt und wurde in der römischen Zeit erstmals urkundlich erwähnt. Im Dorf kursieren bis heute Erzählungen über verborgene Tunnel und geheime Pfade in und um die Forêt domaniale, die einst von Mönchen und Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg genutzt worden seinen.

Eine andere Legende rankt sich um die Rothirsche, die in den Wäldern von Lyons-la-Forêt leben: Man sagt, dass sie Nachfahren von königlichen Tieren sind, die einst vor Jahrhunderten im Wald ausgewildert wurden und seitdem als Schutzsymbole des Gebiets gelten. Im Herbst könnt ihr sie bei der Brunft beobachten!

Lyons-la-Forêt: Restaurant Le Grand Cerf. Foto; Hilke Maunder
Lyons-la-Forêt: Restaurant Le Grand Cerf. Foto; Hilke Maunder

Lyons-la-Forêt: meine Reise-Infos

Schlafen & schlemmen

Le Grand Cerf Hôtel & Spa

Nostalgie und Lifestyle, Genuss und Gesundheit vereint aufs Komfortabelste dieses Verwöhnhotel im Herzen des Ortes gleich gegenüber der Markthalle. Das Hotel residiert im Geburtshaus von Isaac Benserade, einem Dichter am Hofe Ludwigs XIV.
• 20, place Isaac Benserade, F-27480 Lyons-la-Forêt, Tel. 02 32 49 50 50, 13 Z., www.grandcerf.fr

La Licorne Royale

Die Zimmer sind mal nostalgische, mal modernere Luxusoasen mit Holz, Leder und schönen Textilien, Küchenchef Christophe Poirier ist seit 2014 mit einem Michelinstern ausgezeichnet.
• 27, place Benserade, Tel. 02 32 48 24 24, www.hotel-licorne.com

Noch mehr Betten*

 
Stillleben aus Lyons-la-Forêt. Foto: Hilke Maunder
Stillleben aus Lyons-la-Forêt. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

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Im Buch

Glücksorte in der Normandie*

Steile Klippen und weite Sandstrände, bizarre Felslandschaften und verwunschene Wälder, romantische Fachwerkstädtchen und moderne Architektur – die Normandie hat unzählige Glücksorte zu bieten.

Gemeinsam mit meiner Freundin Barbara Kettl-Römer stelle ich sie euch in diesem Taschenbuch vor. Wir verraten, wo die schönste Strandbar an der Seine liegt, für welche Brioches es sich lohnt, ins Tal der Saire zu fahren, und wo noch echter Camembert aus Rohmilch hergestellt wird.

Unser Gemeinschaftswerk stellt euch insgesamt 80 einzigartige Orte vor, die oftmals abseits der eingetretenen Pfade liegen. Wer mag, kann es hier* bestellen.

Normandie: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Hilke Maunder_Normandie_Abseits

Die Netflix-Serie „Lupin“ hat die Normandie zu einem touristischen Hotspot gemacht. Garantiert keine Massen trefft ihr bei meinen 50 Tipps. Sie sind allesamt insolite, wie die Franzosen sagen – ursprünglich, authentisch und wunderschön.

Die Landpartie durch die andere Normandie beginnt im steten Auf und Ab der Vélomaritime, führt zu den Leinenfeldern der Vallée du Dun, zu zottigen Bisons und tief hinein ins Bauernland des Pays de Bray, Heimat des ältesten Käses der Normandie.

Im Tal der Seine schmücken Irisblüten auf hellem Reet die Giebel alter chaumières, und Störche brüten im Marais Vernier. Von den Höhen des Perche geht es hin zur Normannischen Schweiz und bis zur Mündung des Couesnan an der Grenze zur Bretagne. Hier* könnt ihr den handlichen Führer bestellen.

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