Nuits-Saint-Georges: die Mond-Winzer

Die Sterne vom Himmel geholt: ein Dach (rechts) in Nuits-Saint-Georges. Foto: Hiike Maunder
Die Sterne vom Himmel geholt: ein Dach (rechts) in Nuits-Saint-Georges. Foto: Hiike Maunder

Montag, 26. Juli 1971. Um 9.34 Uhr hob die Saturn-V-Rakete der Apollo-15-Mission von Cape Kennedy in den Weltraum ab. Mit an Bord waren die Astronauten David Scott, Alfred M. Worden und James B. Irwin. Im Gepäck: ein Etikett des Cuvée Terre-Lune 1969 aus Nuits-Saint-Georges. Sie nahmen es mit auf den Mond. Warum nur?

Vor den Caves du Palais sprudeln Brunnenfontainen. Foto: Hilke Maunder
Vor den Caves du Palais sprudeln Brunnenfontainen. Foto: Hilke Maunder

Alles begann 1968. Damals waren die  Astronauten der Apollo-9-Mission  – James M. Divitt, David Scott und Russel I. Schweickart nach der Luftfahrtmesse von Le Bourget auf dem Château du Clos de Vougeot in die Brüderschaft Confrérie des Chevaliers du Tastevin aufgenommen worden. Sie waren damit als frisch gekürte Ritter die  neuen Botschafter der Weine aus Nuits-Saint-Georges. Bereits am nächsten Tag lud der damalige Bürgermeister die Astronauten zur Taufe eines Cuvée Terre-Lune 1969.

<em>Le Meuzin</em> im Herzen von Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder
Le Meuzin im Herzen von Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder

Vom Keller zum Mondkrater

Zwei Jahre später war es im Mai 1971 für die Astronauten David Scott, Alfred M. Worden und  James B. Irwin an der Reihe, nach der Luftfahrtmesse von Le Bourget zum Clos de Vougeot und nach Nuits-Saint-Georges zu reisen. Auch sie erhielten dort aus der Hand von Bürgermeister Bernard Barbier als Geschenk einige Flaschen Cuvée Terre-Lune 1969, um sie mit nach Florida zu nehmen.

In der Fußgängerzone von Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder
In der Fußgängerzone von Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder

Am 25. Juli erfuhrt der erstaunte Bürgermeister, dass die Astronauten einen Mondkrater nach dem Wein benannt haben. Das Etikett von Terre-Lune liegt seitdem mitten im Herzen des Kraters. Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich die Fotos nicht zeigen. Ihr findet sie unter diesem Link.

Historische Weinwerbung eines Bistros. Foto: Hilke Maunder
Historische Weinwerbung eines Bistros. Foto: Hilke Maunder

Bezahlbare Spitzentropfen

Eine Ehre, die vielleicht überrascht. Denn  Nuits-Saint-Georges verfügt über keine Grand-Cru-Lagen, obgleich zwei bis drei climats Zeug genug für diese Kategorie hätten.

Das macht die sechs Kilometer lange Weinbaugemeinde der Côte-d’Or heute zu einer Adresse für exzellente – und erschwinglichere – Burgunderweine. Früher liebten besonders Briten die Weine aus Nuits-Saint-Georges. Ob es wohl daran lag, dass sie früher mitunter mit Portwein verschnitten wurden?

Weinberg bei Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder
Weinberg bei Nuits-Saint-Georges. Foto: Hilke Maunder

Weinkeller seit der Revolution

Zu den ältesten Burgunderkellern gehört der Caveau Moillard, der bereits vor der Französischen Revolution eigene Weinberge bewirtschaftete. “Doch erst 1850 begann Symphorien Moillard gezielt den Verkauf seiner Weine”, erzählt Éric, der durch den Keller führt.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Mit solchen Lieferwagen brachte Moillard früher eine Weine zum Kunden. Foto: Hilke Maunder

Heute erstrecken sich die Weingärten des Caveau Moillard von Vougeot bis Volnay auf 20 Hektar über die Côte de Nuits und die Côte de Beaune. Gut die Hälfte aller Weine sind als premier crus klassifiziert.

2014 wurde das Weingut umfangreich modernisiert. Seitdem dominiert klinisch sauber Inox-Stahl das Ambiente des Kellers. Doch dort, wo der Pinot Noir im Fass zur Vollendung sind, findet ihr noch immer die Fässerreihen aus französischer Eiche.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Kellertechnik bei Moillard. Foto: Hilke Maunder

Bis die Kerze erlischt

Ähnlich wie das viel größere, bekanntere und nördlich gelegene Beaune mit seinem berühmten Hôtel-Dieu, besitzt auch die Gemeinde Nuits-Saint-Georges ein öffentliches Hospiz. Seit 1270  behandelt es Kranke. Und versteigert ebenfalls seine Weine für einen guten Zweck. Doch das mit deutlich mehr Ambiente und Liebe zur Tradition als in Beaune.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

So dauert eine Versteigerung eines lot nur so lange, bis die Kerze erlischt. Dann gilt die Fuhre als verkauft. Die Hospices de Nuits produzieren auf rund zwölf Hektar insgesamt 17 cuvés Nuits-Saint-Georges und einen Gevrey-Chambertin.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Alle zwei Jahre veranstaltet Nuits-Saint-Georges einen öffentlichen Salon des Vignerons. Dort könnt ihr die Winzer der Gemeinde treffen und ihre Tropfen verkosten, ganz zwanglos, persönlich und weniger steif als bei anderen Weinmessen im Burgund.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Dem Mond bis heute verbunden

Und wenn ihr mit ihnen spricht, erzählen sie vielleicht auch, dass rund um Nuits-Saint-Georges der Mond besonders intensiv den biodynamischen Weinbau beeinflusst. Einige Winzer gründeten daher den Verein Bio Lunaire. Denn Nuits-Saint-Georges und der Mond, das ist eine Verbindung, die eng ist. Und andauert.

Nuits-Saint-Georges, Moillard. Foto: Hilke Maunder
Der Fasskeller von Moillard. Foto: Hilke Maunder

Nuits-Saint-Georges: meine Reisetipps

Die AOC Nuits-Saint-Georges

Die AOC Nuits-Saint-Georges produziert auf 41 als Premier Cru klassifizierten Lagen Rot- und Weißweine. Die Rotweine werden fast ausschließlich aus Pinot Noir (in Burgund oft Pinot Noirien genannt) gewonnen. Bei den Weißweinen dominiert Chardonnay. Das Gebiet der AOC erstreckt sich über die Gemeinden Premeaux-Prissey und Nuits-Saint-Georges mit einer Gesamtfläche von 310 Hektar.

Die Côte de Nuits

Keine Appellation, sondern ein geografischer Begriff, ist die Côte de Nuits, die ihren Namen vom Städtchen Nuits Saint-Georges erhielt. Sie gilt als bekannteste Burgunder Weinregion. Hier findet ihr 24 der insgesamt 33 Grand-Cru-Lagen in Burgund.

An der Côte de Nuits, die zusammen mit der Côte de Beaune die Côte d’Or bildet, liegen Spitzenlagen wie Clos de Vougeot und Dörfer wie Vosne-Romanée oder Gevrey-Chambertin mit jeweils eigenen AOC. Das 85 Hektar große Weinbaugebiet Gevrey-Chambertin besitzt neun Grands Crus – Rekord in der Bourgogne! Nummer zwei der Côte de Nuits ist Vosnee-Romanée mit sechs Grand Crus.

Die Côte d’Or

Die Côte d’Or erstreckt sich als fast 50 Kilometer lange Hügelkette zwischen Dijon und Santenay. Ihr Name verweist auf die rotgelbe Färbung der Böden an ihren Hängen. 95 Prozent der Spitzenweine stammen aus Lagen von den oberen Hängen der Côte d’Or.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Douce Nuits*

Fünf Gästezimmer und eine Ferienwohnung im modernen Look mit Mut zur Farbe und Liebe zu Blau im Herzen des Ortes. Angeschlossen ist die Amazir-Boutique mit lifestyligen Home Interior-Produkten. Zur Unterkunft gehört ein hauseigener Keller für Verkostungen!
• 6, rue Porte Fermerot, 21700 Nuits-Saint-Georges, Tel. 03 80 27 42 62, www.doucenuits.fr

La Gentilhommière

Außenpool und Schlemmerrestaurant Le Coq, kostenloses WLAN und 31 klimatisierte Zimmer: Das Dreisternehaus des Logis-Hotel-Verbandes gehört zu den gutbürgerlichen Traditionsadressen mit typisch burgundischer Gastfreundschaft.
• 13, Vallée de la Serrée, 21700 Nuit-Saint-Georges, Tel.03 80 61 12 06, www.lagentilhommiere.fr

Noch mehr Betten*



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Clos de Vougeot. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Schlemmen

La Côte d’Or

Früher wurde im Ballsaal getanzt und gefeiert. Heute kommen hier Bodenständiges aus dem Burgund, Gegrilltes und Pizza auf den Tisch: einfach, ehrlich, gut. Im Sommer mit Terrasse!
• 37, Rue Thurot, 21700 Nuits-Saint-Georges, Tel. 03 80 61 50 22, https://restaurantlacotedo.wixsite.com/lacotedor

La Cabotte

Cabottes heißen die kleinen Hütten in den Weingärten. Das gemütlich-schicke Bistro mit Holz und schwarzem Leder indes findet ihr in einem Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert mitten im Ortszentrum. Küchenchef Thomas Protot erhielt für seine frische Lokalküche bereits als 24-Jähriger den ersten Michelinstern.

Gault-et-Millau zeichnete ihn als “Junges Talent des Burgunds” aus. Freut euch auf Traditionsgerichte wie Kalbsbries, bœuf Bourguignon oder pochierte Eier in Chardonnay, die Thomas kreativ wie köstlich modernisiert hat. Im Sommer könnt ihr sie im Freien genießen!
• 24, Grande Rue, 21700 Nuits-Saint-Georges, Tel. 03 80 61 20 77www.lacabotte.fr

Eine gute Adresse für feine Chardonnay-Weißweine: der Clos de la Maréchale. Foto: Hilke Maunder

Erleben

Le Cassisium 

Neben dem Pinot Noir gibt es noch eine zweite regionale Spezialität in Nuits-Saint-Georges: schwarze Johannisbeeren. Im Cassisium erfahrt ihr alles über die köstliche Frucht, aus der die Likörfabrik Védrenne vor Ort den berühmten Cassislikör herstellt. Beim Aperitif wird er für einen Kir oder Kir Royal dem Weißwein oder Schaumwein beigefügt!
• Passage Montgolfier, 21700 Nuits-Saint-Georges, Tel. 03 80 62 49 70, www.cassissium.fr

Imaginarium

So nennt sich das Weinerlebniszentrum von Nuits-Saint-Georges, das einlädt, die  Tropfen der Winzergemeinde einmal anders zu erleben: interaktiv, farbig inszeniert und unterhaltsam.
• Avenue du Jura, 21700 Nuits-Saint-Georges, Tel. 03 80 62 61 40, www.imaginarium-bourgogne.com

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Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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