Silvester-Feuerwerk. Copyright: Hilke Maunder
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So feiert Frankreich Silvester!

So feiert Frankreich Silvester: bises statt Böller, stilvoll schlemmen mit Austern und Champagner und bis in den Morgen tanzen.

Auch in Frankreich geht Silvester zurück auf Saint Sylvestre. Dieser Heilige gab dem letzten Tag des Jahres seinen Namen. Jener hatte im vierten Jahrhundert nach Christus das Papstamt inne und verstarb am 31. Dezember 335. Bis zum 16. Jahrhundert markierte dieses Datum jedoch nicht den letzten Tag im Jahr.

Silvester im März

Bis zur Einführung des einheitlichen gregorianischen Kalenders fiel der Jahreswechsel in Frankreich sehr unterschiedlich aus. Mal begann das neue Jahr am 1. März, mal zu Ostern, mitunter auch schon zu Weihnachten. Die Kalenderreform setzte Papst Gregor am  24. Februar 1582 mit der päpstlichen Bulle Inter gravissimas curas durch. Seitdem ist der Jahreswechsel fast in der gesamten Welt auf den 1. Januar festgelegt. Doch auch la rentrée, die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach den großen Sommerferien, markiert bis heute in den Köpfen der Franzosen den Beginn eines neuen „Jahres“.

In Frankreich ist Silvester keine große Sause mit viel Geböller. Sondern wie Weihnachten ein Fest mit der Familie oder Freunden, bei dem lukullische Genüsse und gute Gespräche wichtiger sind als großer Partyzauber. Zum dîner am réveillon, dem Abend des 31. Dezember, gehören für die meisten Franzosen Champagner, Austern und/oder Foie gras einfach dazu.

Silvester zu Hause: le réveillon en famille

Die meisten Franzosen feiern den Jahreswechsel im eigenen Heim. Der réveillon en famille folgt einem Rhythmus aus Schlemmen, Plaudern und pünktlich um Mitternacht dem großen Prosit.

Das Menü zu Silvester: Luxus auf dem Teller

Zum dîner du réveillon am Abend des 31. Dezember gehört für die meisten Franzosen ganz viel Luxus auf dem Teller. Gegen 20 Uhr beginnt das Festmahl. Den Auftakt geben Austern – meist aus Marennes-Oléron oder Cancale.

Ein Dutzend pro Person ist Standard, serviert mit Zitrone, Schalottenessig und dünnen Roggenbutterbroten. Wer es üppiger mag, ordert ein plateau de fruits de mer: Langusten, Bulots, Krebse, arrangiert auf Eis und Algenteppich.

Der zweite Gang bringt Foie gras auf den Tisch. Ob kalt mit Feigenmarmelade oder lauwarm auf geröstetem Brioche – die Stopfleber ist Pflicht. Dazu ein Sauternes oder ein Gewürztraminer aus dem Elsass.

Hauptgang? Oft fehlt er ganz oder fällt dezent aus: ein zarter Fisch, ein Lammfilet, manchmal Geflügel. Der Fokus liegt auf den Vorspeisen. Nach der Hauptspeise wandert die Käseplatte über den Tisch – Comté, Roquefort, Camembert und lokale Sorten.

Das Finale gehört dem Dessert. Hier und da ist vielleicht von etwas von der bûche de Noël vom Weihnachtstisch übriggeblieben. Oder es gibt eine Saint-Honoré, eine Opéra-Torte, vielleicht Macarons-Türmchen. Kreativität ist erlaubt – Hauptsache, es glänzt.

Champagner, Crémant und Co.

Ohne Schaumwein kein réveillon. Champagner bleibt der Star – zu Silvester gönnen sich die Franzosen oft bessere Marken als sonst. Aber Crémant holt auf. Crémant d’Alsace, Crémant de Loire, Crémant de Bourgogne, Crémant du Jura : lauter Schaumweine, hergestellt nach der gleichen Methode wie Champagner, aber deutlich günstiger – und in meist exzellenter Qualität. Im Südwesten kommt Blanquette de Limoux auf den Tisch, in der Drôme eine funkelnde Clairette de Die. Die Devise: Französischer Schaumwein muss es sein, die Herkunft ist verhandelbar.

Zum Essen passt Weißwein, Rotwein zum Käse – doch der Champagnerkorken knallt durchgehend. Um Mitternacht wird nachgeschenkt, vor dem Küsschen, vor dem Prosit, vor dem Tanzen.

Musik, Spiele, kleine Rituale

Nach dem Essen bleibt man am Tisch. Brettspiele werden ausgepackt: Trivial Pursuit, Uno, manchmal Tarot-Karten. Jüngere hören Playlists auf Spotify, ältere Generationen bevorzugen Piaf, Brel, Aznavour. Manche Familien schreiben gemeinsam Wunschlisten fürs neue Jahr – auf Zettel, die in eine Schale wandern. Ein Jahr später liest man sie vor und lacht über vergessene Vorsätze.

Gegen 23.45 Uhr schaltet Frankreich den Fernseher ein. Nicht für einen Countdown, sondern für Musik und für Stimmungsbilder aus Paris.

Mitternacht: la bise & le cotillon

Pünktlich um Mitternacht drückt man sich dann, je nach Region, ein, zwei oder sogar drei bises auf die Wange, kleine freundschaftliche Küsschen, und wünscht einander ein frohes neues Jahr.

Hier und dort gibt es um Mitternacht auch für jeden Gast ein cotillon. Die Tüte zum Jahreswechsel birgt Luftschlangen, Konfetti, ein Hütchen und fürchterlich laute Tröten. Mit ihrer Musik wird ohrenbetäubend laut das alte Jahr vertrieben und das neue Jahr begrüßt. Danach wird getanzt. Und das bis in den frühen Morgen, wenn eine heiße Zwiebelsuppe die Gäste stärkt, bevor sie sich auf den Heimweg machen.

Glücksbringer à la française

An die Haustür kommen Mistelzweige. Wie in Großbritannien glauben die Franzosen fest daran, dass ein Küsschen unter den immergrünen Zweigen Glück bringen wird im kommenden Jahr. Glücksbringer wie Schornsteinfeger, Schweinchen oder vierblättriges Kleeblatt kennen die Franzosen nicht.

Sie hoffen vielmehr, am Dreikönigstag in der galette des rois auf eine fève zu beißen – und so Glück fürs ganze Jahr zu erhalten. Das Rezept für den knusprigen Glücksbringer für den 6. Januar findet ihr hier im Blog zum Nachbacken!

Die Zeit bis zum Glockenschlag um Mitternacht vertreiben gute Gespräche. Zukunftsdeutende Spiele wie das Bleigießen sind eine typisch deutsche Tradition und den Franzosen so wenig bekannt wie der Countdown mit Blick auf die TV-Uhr.

La Galette des Rois. Foto: Hilke Maunder
Die Galette des Rois. Foto: Hilke Maunder

Feuerwerk statt Böller

Private Böller, Raketen oder Feuerräder sind in Frankreich landesweit weitgehend verboten – aus Brandschutz-, Lärm- und Sicherheitsgründen. Nur winzige F1-Artikel (z. B. Knallerbsen) sind für Erwachsene ohne Genehmigung erlaubt; alles andere erfordert eine Präfektur-Genehmigung. Stattdessen locken die Kommunen mit professionellen Höhenfeuerwerken, Drohnenshows und Lichtspektakeln. Legendär ist das Pariser Event am Arc de Triomphe!​

Aktuelle Strafen

Im décret n° 2019-708 und dem code de la sécurité intérieure sind folgende Strafen beim Verstoß gegen das Böller-Verbot zu Silvester festgelegt:

  • Ungenehmigtes Abbrennen: Bis 1.500 Euro Bußgeld (und bis zu 3.000 Euro bei récidive, sprich, Wiederholung).
  • Bei Schäden, Verletzungen oder Gefährdung: Bis 150.000 Euro Strafe und 10 Jahre Haft vor Strafgericht.
    Zusätzlich drohen Beschlagnahme und Zollstrafen bei Einfuhr (besonders streng nach Weihnachten in Grenzregionen).

Elsass & Lothringen

Auch für das Elsass und Lothringen gelten heute keine Ausnahmen mehr. Früher gab es dort Toleranz beim Böllern, doch seit Jahren gelten totale Verbote per lokalen arrêtés préfectoraux – offiziell durchgesetzt mit Zollkontrollen. Tatsächlich wird jedoch trotz Verboten gelegentlich geböllert, aber wer sich dadurch verführen lässt, riskiert hohe Strafen. Prüft immer den aktuellen arrêté préfectoral auf www.prefecture.gouv.fr!

Étrennes : das kleine Merci

Allen, die beim dîner nicht zugegen waren, schickt man Neujahrsgrüße. Und das durchaus noch den gesamten Januar hindurch. Die Postboten, Hausmeister, Müllmänner und Feuerwehrleute beglücken die Franzosen in den ersten Tagen des neuen Jahres gerne mit étrennes, kleinen Geschenken oder Trinkgeldern.

Die Kommunen verteilen kostenlos kleine Taschenbüchlein mit Kalendarium, Terminvorschau und wichtigen Adressen. Apotheken und Supermärkte verschenken ebenfalls Kalender für ihre Kunden.

Glückwünsche fürs Volk

Gegen Ende des Januars lädt die Politik zu Neujahrsempfängen. Präfekten und Bürgermeister erinnern an Geleistetes und erklären neue Projekte. Dann stoßen sie bei einem kleinen Umtrunk mit den Bürgerinnen und Bürgern auf das neue Jahr an. Bonne et belle année !

Regionale Silveste-Bräuche in Frankreich

Frankreich feiert Silvester so vielfältig wie seine Regionen. Von tosenden Atlantikwellen bis zu verschneiten Alpengipfeln prägen lokale Traditionen den Jahreswechsel.

Bretagne und Atlantikküste:

An der bretonischen Küste gehört Salz in der Luft zum Jahreswechsel. In Saint-Malo strömen Mutige um Mitternacht zum Grand Bé, der Gezeiteninsel vor den Stadtmauern. Bei Flutlicht und 9 Grad Wassertemperatur wagen sie den premier bain – ein Ritual, das Kater vertreibt und Glück bringt, so der Volksglaube.

Die Hafenstädte leuchten in Lichterketten. In La Rochelle tanzen Tausende auf dem Vieux Port zu Live-Bands, während die historischen Türme angestrahlt werden. Hier schmeckt Silvester nach Atlantik und Champagner.

Provence und Côte d’Azur

15 Grad um Mitternacht – an der Côte d’Azur feiert man draußen. Nizza verwandelt die Promenade des Anglais in eine gigantische Open-Air-Bühne. DJs legen auf, Food-Trucks servieren Socca und pan bagnat, und über der Baie des Anges explodiert das Feuerwerk. In Marseille drängen sich Feiernde am Vieux Port, die Fischer verkaufen frische Seeigel als Mitternachtssnack. Saint-Tropez bleibt seinem Ruf treu: exklusive Strandbars, Champagnerpyramiden, Gäste in Pelzmänteln trotz Milde. Die provenzalische Silvesterformel lautet: milde Temperaturen plus mediterranes Lebensgefühl gleich Feiern bis zum Sonnenaufgang.

Alpen und Pyrenäen

In Chamonix, Val d’Isère oder Courchevel gehört die descente aux flambeaux zum Pflichtprogramm. Hunderte Skifahrer gleiten mit Fackeln in Formation die Pisten hinab – ein Lichterstrom durch die Nacht. Danach Raclette oder Fondue in urigen Bergrestaurants, wo Holzöfen knistern und Genepi-Schnaps kredenzt wird.

Austern? Fehlanzeige. Hier regieren geschmolzener Käse, Aufschnitt aus der Region und Tartiflette. Um Mitternacht steigen Feuerwerke zwischen den Gipfeln auf, Schnee reflektiert das Licht tausendfach. In den Pyrenäen feiern Skiorte wie Font-Romeu ähnlich rustikal, mit katalanischen Einflüssen: Cava statt Champagner.

Korsika

Auf der Île de Beauté verschmelzen Traditionen. In Ajaccio oder Bastia klingen italienische Einflüsse mit: panettone neben der bûche de Noël, und Prosecco ergänzt den Champagner. Die Korsen feiern geselliger, lauter als auf dem Festland. In Bergdörfern wie Corte organisieren Familien mehrgängige Bankette in Gemeindehäusern, alle bringen etwas mit. Es wird gesungen, gelacht, diskutiert – bis weit nach drei Uhr morgens. Das Feuerwerk? Oft improvisiert von Einheimischen, die sich um Vorschriften wenig scheren.

Silvester in Paris 

Kabarett oder Kirchenkonzert, Dinner-Kreuzfahrt oder Disneyland, Oper oder Ausstellung: Zu Silvester bietet Paris ein schier unglaubliches Programm an Erlebnissen für die letzten Stunden des Jahres an bis zum spektakulären Feuerwerk um Mitternacht, das den Eiffelturm und den Arc de Triomphe mit Musik magisch erhellt.

Zu Silvester feiert Paris ein rauschendes Fest. Zur Choreografie des letzten Tages gehören für Franzosen Geselligkeit – und gutes Essen.

Glanzvoll schlemmen

Für das Schlemmermahl dekorieren sich die Restaurants besonders festlich. Sie stellen opulente Blumengestecke auf die Tische, hängen Luftballons und Girlanden in Gold und Silber auf und streuen Konfetti auf weiß eingedeckte Tische. Auf der Seine laden Ausflugsschiffe zu romantischen dîners croisières entlang der beleuchteten Wahrzeichen der ville lumière, der Stadt des Lichts. Im Moulin Rouge lockt ein Gala-Dinner mit Champagner im Club, gefolgt von der Show Féerie.

Champagner zur Show

Das Crazy Horse und andere berühmte Cabarets wie Lido 2 oder Folies Bergère präsentieren schillernde Festabende mit Revuen in unglaublichen Kostümen und Champagner. Aber auch in Jazzclubs wie im Caveau de la Huchette, im Duc des Lombards oder im Jazzclub Étoile lässt sich der Abend mit der beliebten Kombi Champagner und Konzert einläuten. Selbst einige Pariser Museen laden am letzten Abend zu außergewöhnlichen Events mit viel Genuss für Augen, Ohren und den Gaumen.

Nach dem Schlemmen geht es in eine der vielen Pariser Bars – und gegen 22 Uhr hin zum Eiffelturm oder auf die Champs-Élysées, die drei Kilometer lange Prachtmeile zwischen der weiten Place de la Concorde und dem Arc de Triomphe.

Countdown am Triumphbogen

Hunderttausende sind es, die auf der schönsten Avenue der Welt zwei Stunden lang die Musik- und Lichtshow auf dem Arc de Triomphe bewundern, bevor ab 23.59 Uhr der Countdown fürs neue Jahr erscheint und pünktlich um 00:00 Uhr ein spektakuläres Höhenfeuerwerk explodiert.

3.386 Feuerwerkskörper verzaubern 15 Minuten lang den Himmel über Paris, lassen funkelnde Himmelstropfen auf den glitzernden Eiffelturm regnen und inszenieren immer neue Traumbilder am Firmament, während Lieder französischer Künstler wie Juliette Armanet und Clara Luciani die Schau begleiten, mitgebrachte Champagnerflaschen entkorkt werden, Menschen sich umarmen.

Lachen und Liebe liegt in der Luft. Que la fête commence ! Jetzt wird gefeiert und bis in den Morgen getanzt – in Clubs, auf Bällen und auch auf den Straßen. Bonne année à Paris !
• www.parisinfo.com

Silvester bei Minnie und Mickey

Eine Nacht voller Magie und Unterhaltung verspricht zu Silvester auch Disneyland Paris, das seine Besucher in einer winterlichen Wunderwelt aus funkelnden Lichtern, festlicher Dekoration und stimmungsvoller Musik begrüßt. Zu Silvester gibt es Paraden mit den beliebtesten Disney-Figuren und alle Fahrgeschäfte sind bis zwei Uhr früh geöffnet!

Wer lieber tanzen möchte: Auch ein DJ legt auf! Rund um sein berühmtes Dornröschen-Schloss wird zum Jahreswechsel ein riesiges Feuerwerk gezündet:  ein Schauspiel voller Farben, Klänge und Effekte, das Disneysongs musikalisch untermalen.

Tipp

In Paris könnt ihr zu Silvester alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen – vom 31. Dezember ab 17 Uhr bis Neujahr, 12 Uhr. Achtung: Die Metro fährt nicht durch – bitte erkundigt euch vorab nach den letzten und ersten Zügen beim Jahreswechsel.

Der erste Tag im neuen Jahr

Ist Silvester gefeiert, der Jahreswechsel überstanden, gehört in vielen Küstenorten des Landes das Neujahrsschwimmen zur Tradition. Noch müde vom Feiern, stürzen sich am Mittelmeer und am Atlantik Badefreudige zum premier bain de la nouvelle année in die Fluten. Für alle, die nicht in den Überseedépartements leben, ein äußerst erfrischendes Vergnügen. Und, so sagen die Franzosen, ein echter Kater-Killer nach Silvester!