Die Festungsorte der Tempelritter

Auf den Spuren der Tempelritter. La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder
La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder

Ein eiskalter Wind fegt durch die Gassen von La Couvertoirade, einem alten Templerdörfchen auf den karstigen Hochplateau des Causse du Larzac. Immer wieder bemerkte ich, dass die Bewohner die Blüten der Silber-Distel an ihre Haustüren genagelt hatten. Warum?

Eine Distel als Barometer

Ein ältere Dame erklärt es mir, als sie bemerkt, das ich immer wieder die Blüte fotografiere. „Silberdisteln sind Barometerpflanzen. Sie spüren Veränderungen im Druck und Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Ob Regen kommt, zeigt sie uns schneller als Meteo France – sobald sie ihre  pergamentartigen Blüten schließt, wissen wir, es wird nass.“

Wetterprophet: die Distel.

Der Causse du Larzac war über Jahrhunderte in den Händen des Templer- und Hospitaliterordens, der 1240 die Komturei von Saint-Eulalie-de-Cernon gründete. Später dehnten die Soldatenmönche ihre Macht nach La Couvertoirade, La Cavalerie und Viala du Pas de Jaux aus.

Der blutige Preis für den Erfolg

Gezielt fördern die Tempelritter die Land- und Viehwirtschaft, um Einkünfte für ihre Kreuzzüge gen Jerusalem zu erhalten. Geschicktes Wirtschaften, aber auch Schenkungen, verhalfen dem Orden zu Wohlstand. Während weiter südlich die Katharer verfolgt wurden, stiegen die Templer zu den Bankiers des Königreiches auf.

Aufstieg zur Kirche von La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder

Ihr Erfolg sorgte rasch für Neid und Missgunst, üble Nachrede machte die Runde. Am 14. Oktober 1307 wurden sämtliche Templer verhaftet und verurteilt; 1312 wurde der Orden aufgelöst und der Großmeister Jacques de Molay auf der Île de la Cité in Paris lebendig verbrannt.

Die Besitzungen der Templer gingen jedoch nicht an die Krone, sondern an die Johanniter, die bis 1792 auf dem Causse de Larzac herrschten – und während des 100-jährigen Krieges die fünf Templerorte zu Festungen ausbauten. Zu den Stätten führt die Rundroute „Circuit du Larzac templier et hospitalier“.

Grabstein in La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder

Die Ursprünge der Soldaten-Mönche

Die Geschichte der Templer- und Hospitaliterorden geht auf den ersten Kreuzzug ins Heilige Land zurück. Nach der Eroberung Jerusalems 1099 beschlossen einige Ritter, zu bleiben und über das Grab Christi zu wachen. So entstand 1113 der Hospitaliterorden. Seine Aufgabe war auch, für Unterkunft und Betreuung der christlichen Pilger zu sorgen.

Einige Jahre später gründeten neun Ritter aus Nordfrankreich, angeführt von Hugues de Payns, den Templerorden zum Schutz der Pilger. Der Papst gab 1220 den Segen für den militärischen Orden der Tempelritter. Templer und Hospitaliter errichteten im Abendland ein Netz von Kommandaturen, um die Kämpfer im Heiligen Land zu unterstützen.

Eine Wehrmauer mit Türmen umgibt La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder

Die Orte der Tempelritter

Saint-Eulalie: das Mutterhaus des Ordens

Umgeben von einer Festungsmauer mit fünf Türmen, schmiegt sich das Dorf in das Tal des Cernon – ganz in der Nähe der Roquefort-Kellereien. Nach dem Erwerb der Kirche von Saint-Eulalie ließen sich die Tempelritter auf dem gesamten Larzac nieder.

Ihr Hauptsitz, die Kommandatur Sainte-Eulalie, hat in seinen mittelalterlichen Gassen von viel Ursprünglichkeit bewahrt. Das einstige Schloss der Templer weist auf einen Platz, dem ein Brunnen und Schatten spendende Platanen ein mediterranes Ambiente verleihen.

Wohnhaus gegenüber der Komturei von St-Eulalie-de-Cernon. Foto: Hilke Maunder

Das von den Tempelrittern zwischen 1187 und 1249 errichtete Bauwerk wird von Strebepfeilern und einem hohen, viereckigen Turm flankiert. Den Ehrensaal der Commanderie von Ste-Eulalie-de-Cernon schmücken Wandteppich von Anne-Marie Letort, die anderen Räume Wappen, Gewänder und Hausrat der Tempelritter.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude immer wieder verändert. Das zeigen der mit Fresken geschmückte Treppenaufgang sowie Fenster und Balkone im Stil der Renaissance. Diese Verschönerungen sind den Hospitalitern zu verdanken.Nicht verpassen solltet ihr auch nicht die schlichte Kirche von Sainte-Eulalie.

Saint-Jean-d’Alcas

Die Atmosphäre dieses kleinen Festungsortes versetzt euch direkt ins Mittelalter, denn die Wehrmauer aus dem 14. Jahrhundert mit ihrer von Rundtürmen flankierten Zugangspforte ist vollständig erhalten. Dahinter reihen sich, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert, Häuser aus hellbraunen Steinen.

Fratzen schützen die kirchlichen Bauten der Tempelritter. Foto: Hilke Maunder

 La Couvertoirade

Schon von weitem könnt ihr die Türme und Festungsmauern von La Couvertoirade auf der Karsthochfläche des Larzac ausmachen. Das befestigte Dorf, das zur Hauptsaison ein Touristenmagnet ist, war einst eine Zweigstelle der Komturei von Sainte-Eulalie.

Da er noch sehr gut erhalten ist, wurde er in den Kreis der 100 schönsten Orte Frankreichs aufgenommen – besucht ihn am besten außerhalb der Hauptsaison!!

Sein Schloss mit dem trapezförmigen Bergfried wurde bereits 1249 erbaut. Besonders gut haben mir auch die vielen steingedeckten Häuser aus dem 15. bis 17. Jahrhundert mit ihren Außentreppen und Gewölben gefallen.

Einige steile, in den Fels geschlagene Steintreppen führen zur Église St-Christophe (14. Jh.), zum Friedhof und zur Schlossruine der Templer (12. Jh). Hinter dem Dorf befindet sich eine der schönsten Schaftränken (Lavogne) der Umgebung.

La Cavalerie: Kreuzpunkt antiker Wege

Nur wenige Autominuten vom Viaduc de Millau findet ihr La Cavalerie in strategisch günstiger Lage: Wo sich einst die Römerstraßen zum Mittelmeer kreuzten, führen heute A 75 und N 9 vorbei. Von fruchtbaren Böden umgeben, wurde das Templerörtchen während der Religionskriege stark geschädigt; derzeit wird viel restauriert.

Zu den schönsten Zeugnissen der Vergangenheit gehören das befestigte Stadttor, die Türme an den Ecken der Festungsmauern, Überreste einer Kirche aus dem 12. Jahrhundert sowie Bürgerhäuser aus dem 17. Jahrhundert.

Le Viala du Pas de Jaux: sichere Zuflucht

Nicht weit von Roquefort erhebt sich der Turm von Viala. Das 27 Meter hohe Bauwerk war zum Schutz des Dorfes errichtet worden – es war zu weit weg vom Mutterhaus und zu klein für Festungsmauern. Daher erhielten die Bewohner vom Kommandanten der Templer die Erlaubnis, einen Turm zu bauen, der Tieren und Menschen Zuflucht bot.

Le Caylar

Direkt an der Autobahn A 75 liegt Le Caylar, das als „village d’étape“  seit 2013 nicht nur eine Tankstelle und diverse Chambre d’Hôtes sowie Lokale und Geschäfte bietet, sondern ebenfalls einen malerischen Ortskern. Überragt wird das Templerörtchen von einem „caylar“, was auf Französisch „château“ bedeutet – einer Burgruine, auf der man nach Herzenslust kraxeln kann.

Nirgendwo ein Warnschild oder ein Gitter, dafür Weitblicke auf die Causse de Larzac, Ort und Autobahn, auf Büsche und Blumen, überwachsene Steine, Feigenbäume und grüne Kuppen. Wer im Sommer kommt, kann mittwochs einen kleinen, aber feinen Produzentenmarkt erleben.

Neid und Verfolgung: das Ende der Templer

Der Erfolg der Templer rief Neid und Missgunst hervor – nicht nur bei der französischen Krone, sondern auch beim Klerus, der im 13. Jahrhundert gezielt üble Nachrede verbreitete: die Templer seien überheblich und nur hinter Almosen her.

Und auch Philipp der Schöne, König von Frankreich, trachtete nach dem Reichtum des Ordens. Die Gerüchte verstärkten sich. 1305 wurden die Templer schwerer Vergehen bezichtigt – von Ketzerei, Götzenanbetung und sogar Sodomie war die Rede.

Am 14. Oktober 1307 wurden Mitglieder des Templerordens verhaftet und verurteilt, 1312 der Orden aufgelöst und sein Großmeister Jacques de Malay auf der Île de la Cité bei lebendigem Leibe verbrannt.

Die Besitztümer des Templerordens jedoch fielen nicht in die Hände der französischen Krone, sondern wurden dem Hospitaliterorden übertragen. Auf dem Larzac setzten die Hospitaliter, Brüder der Templer im Geiste, ihre Arbeit bis 1789 fort.

Schafe & Ritter

Seit 2011 gehören die weiten Karsthochflächen der Causses  im Departement Aveyron von Midi-Pyrénées mit den benachbarten Gebieten im Languedoc-Roussillon zum Welterbe der UNESCO.

Den Landwirten, die in den Causses-Gebieten Schafzucht betreiben, ist der Erhalt dieser einzigartigen Natur zu verdanken. Ohne die Weidewirtschaft wäre die Landschaft eine undurchdringliche Strauchheide. Seit jeher sorgen Hirten mit ihren Schafherden für die Landschaftspflege.

Die Erklärung der UNESCO bekräftigt die Bedeutung der Natur und des kulturellen Erbes dieser kargen Landschaft.  Den Landwirten der Causses gibt sie die Möglichkeit, sich noch besser dem Tourismus zu öffnen.

Bauernhöfe können besucht werden, und gekennzeichnete Wanderwege durchziehen die Karsthochflächen, in denen eine seltene Flora, darunter zahlreiche Orchideenarten, ein Refugium gefunden hat.

Meine Reisetipps: auf den Spuren der Tempelritter

Schlafen & Schlemmen

Auberge La Cardabelle

In der Gaststube prasselt das Kaminfeuer, im Teller dampft eine rustikale „Garbure“, Komfort und Ruhe prägen die vier Zimmer – die Auberge La Cardabelle ist urgemütlich.

• 12230 Sainte-Eulalie-de-Cernon, Tel. 05 65 62 74 64, www.auberge-la-cardabelle.com

Erleben

Vélo Rail du Larzac

7,8 km lange Promenade mit der Draisine durch drei Tunnel und über ein Viadukt

• 12230 Sainte Eulalie de Cernon, Tel. 05 65 58 72 10, www.surlesrailsdularzac.com

Geführte Wanderungen

auf den Spuren der Tempelritter

www.conservatoire-larzac.fr

Events

La Marche du Commandeur (März), Les Estivales du Larzac (Jul./Aug.)

Einkaufen

Le Verre Filé

Wunderschöne mundgeblasene Glas-Objekte

• La Placette,12230 La Couvertoirade, Tel. 04 67 21 25 50

Informieren

Conservatoire Larzac Templier et Hospitalier

• Immeuble Jean-Henri Fabre, Place Bion Marlavagne, 12100 Millau, Tel. 05 65 59 12 22, www.conservatoirelarzac.fr

Weiterlesen

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Eingang der Kirche von La Couvertoirade. Foto: Hilke Maunder

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