Millau: Wow-Brücke & Luxushandschuhe
Wer auf der mautfreien A75 zwischen Clermont-Ferrand und Montpellier durch Südfrankreich fährt, erlebt einen Moment des Staunens: Plötzlich spannt sich das Viadukt von Millau über das Tarntal. 2,46 Kilometer lang, bis zu 343 Meter hoch und scheinbar schwerelos schwebt die spektakuläre Schrägseilbrücke über Felsen, Wolken und Weite. Wer hier eine Pause einlegt, entdeckt nicht nur ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, sondern auch eine lebendige Kleinstadt mit Handschuhtradition, Outdoor-Abenteuern und das Savoir-vivre des Midi.
Das Viadukt für MIllau gehört für mich zu den schönsten Brücken der Welt. Ob bergan von Süd nach Nord oder leicht bergab Richtung Mittelmeer: Bei jeder Überfahrt staune ich., bewundere das „Radschlagen“ der Seile an den sieben Pylonen und die Aussicht, die – mit Ausnahme vom Brückenlauf – nur motorisierten Fahrern vorbehalten ist. Rad- oder Fußwege fehlen hier.
Stahlbau aus dem Saarland
Erbaut wurde die gewaltige Konstruktion aus 36.000 Tonnen Stahl und 85.000 Kubikmeter Beton von einer deutschen Firma. Damals noch Dillinger Stahlbau Dillingen genannt, heute die DSD Steel Group, errichtete sie mit Saarstahl aus Völklingen. In 270 Metern Höhe verläuft die Fahrbahn. Der höchste Pfeiler misst samt Pylon sogar 343 Meter!
Wahrzeichen von Norman Foster
Den Entwurf für das Wahrzeichen lieferten der britische Architekt Lord Norman Foster und der französische Ingenieur Michel Virlogeux.
Das für den Bau dieses riesigen Viadukts verantwortliche Unternehmen ist Eiffage. Es übernahm für den Staat die Baukosten in Höhe von 400 Millionen Euro und alle mit dem Bau des Bauwerks verbundenen Kosten. Dafür erhielt das französische Unternehmen das Nutzungsrecht für das Viadukt für 78 Jahre. Alle mit dem Viadukt verbundenen Einnahmen so lange an das Unternehmen Eiffage – und erst danach an den französischen Staat. Diese Konzession läuft bis 2079, gerechnet ab Vertragsbeginn.
Am 14. Dezember 2004 wurde das Viadukt von Millau offiziell eingeweiht. am 16. Dezember 2004 folgte die Freigabe für den Verkehr. Seitdem ist sie ein Besuchermagnet und Wahrzeichen des Aveyron.
Für die spektakuläre Brücken-Passage wird eine Maut erhoben, die zu Ferienzeiten angehoben wird. Bei der télépéage können nicht nur Pkw, sondern auch Wohnmobile in langsamer Fahrt bei Tempo 30 ohne Stopp die Mautstelle passieren. Mehr zur eMaut erfahrt ihr hier.
Das Viadukt von Millau erleben
Das eindrucksvolle Bauwerk könnt ihr auf vielen Wegen entdecken. Les Bateliers du Viaduc zeigen es euch vom Wasser aus – bei einer Bootsfahrt zum Felsendorf Peyre und zum höchsten Brückenpfeiler P2.
Noch spektakulärer sind ein Hubschrauberflug oder ULM-Flug. Technische Führungen beginnen am Besucherzentrum Viaduc Espace Info. Oder meldet euch an für den 23,7 Kilometer langen Brückenlauf La Course d’Eiffage du Viaduc alljährlich Mitte Mai.
Technische Führungen beginnen bei Viaduc Expo, das sich seit 2018 neu präsentiert: als interaktives Museum, das die Welt des Viadukts im ersten Stock der einstigen Hofstelle Ferme du Brocuéjouls auf 220 Quadratmetern mit neuen Technologien und vielen Bildern vorstellt.
Den Facelift des Museums ergänzt die Führung Sentier des Explorateurs. Auf dem Pfad der Forscher könnt ihr mit einem mehrsprachigen Guide das Bauwerk 40 Minuten lang aus nächster Nähe erkunden.
Der Weg führt entlang eines alten Baustellenwegs, der jetzt von lebensgroßen Modellen gesäumt ist. Dort erfahrt ihr auch alles über die Funktionsweise des translateurs, eine technologische Erfindung der Eiffage-Gruppe.
Der Weg endet an einem Aussichtspunkt. Das Panorama ist atemberaubend, direkt unterhalb des Viadukts. Diesen Aussichtspunkt könnt ihr auch ohne Führung erreichen. Folgt einfach der Markierung Belvédère am Besucherzentrum hinauf zur Fahne von Eiffage, die dort im Wind weht.
Die Handschuh-Hauptstadt: Millau
Tief unterhalb des Viadukts im Tal des Tarn liegt Millau, Frankreichs Hauptstadt für Handschuhe, wo im frühen 20. Jahrhundert rund 150 gantiers etwa fünf Millionen Paar herstellten.
Heute haben nur wenige glanzvolle Namen von einst überlebt: Olivier Fabre, Lieferant für Hermès und Dior, die 1892 gegründete Maison Causse und die 1946 gegründete Maison Lavabre Cadet.

Letzteres versorgt Hermès, Chanel, Louis Vuitton, Givenchy, Longchamp und Christian Lacroix jährlich mit 25.000 Paar Handschuhen – handgenäht aus Nubuk, Python, Krokodil, Pekari und dem Lammleder der heimischen Lacaune-Schafe.

Auf die Modelle der Maison Causse schwört nicht nur Madonna, sondern zu Lebzeiten auch Karl Lagerfeld. 2006 bestellte er gleich 200 Modelle seiner fingerkuppenfreien Handgeschirre namens mitaines – nur für den persönlichen Gebrauch.
Einblicke in die Handwerkskunst vermitteln das Musée de Millau an der Place du Maréchal Foch, die Weißgerberei Richard im Parc d’activités Millau-Lévezou und die Handschuhmanufaktur Maison Fabre am Boulevard Gambetta 20.
Millau: meine Reisetipps
Aktiv
Millau ist Frankreichs Outdoor-Hauptstadt. Für Adrenalinkicks sorgen Klettersteige, Wildwasserfahrten im Zodiac, Kanu oder Kajak auf Tarn und Dourbie, 400 Kilometer Radwege für Mountainbiker, 650 Kilometer Wanderwege sowie die 1.200 Kilometer Reitwege im Aveyron. Gleitschirm- und Drachenflieger starten am Pouncho d’Agast am östlichen Stadtrand.

Einkaufen
Handgefertigte Handschuhe aus feinstem Leder gibt es bei Causse Gantier (5, boulevard des Gantières), Calvi Millau (14, impasse de la Paulèle) und im Atelier du Gantier (21, rue Droite).
Schlemmen
In der Nähe
Fachwerkhäuser mit Erkern, Steine mit Ornament-Skulpturen, kunstvolle Türen und Überreste von Türmen, Stadttoren und anderen Zeugnissen der gallo-römischen Siedlung Condatomagus am Zusammenfluss von Tarn und Dourbie lassen sich in der Ausgrabungsstätte La Graufesenque (2 km südl., Avenue Balsan) besichtigen.
In die faszinierende Welt der Insekten entführt Micropolis (Saint-Léons, 15 km nordwestl. an der D 911).
Schlafen
Château de Creissel*
Und jetzt sucht ihr noch eine nette Bleibe? Am Ortsausgang von Millau Richtung Viadukt bietet das Château de Creissel zwölf nostalgische Zimmer im Schloss (17. Jh.), 18 moderne im Anbau sowie leckere regionale Speisen im Gewölbekeller.
• Route de Saint-Affrique, 12100 Creissels, Tel. 05 65 60 16 59, www.chateau-de-creissels.com

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