Montpellier: aufregende Architektur am Lez

Das Haus der Region am Lez

Neue Wahrzeichen machten Montpellier zum Hotspot aufregender Architektur. Und für die New York Times zu einer der Top 45-Städte, die man gesehen haben sollte.

Futuristisches Wahrzeichen der Kapitale des Hérault ist vor allem das Ende 2011 eingeweihte Hôtel de Ville, ein leuchtend blauer Kubus im neuen Stadtviertel Port Marianne, mit dem Montpellier weiter Richtung Mittelmeer wächst.

Eingebettet in Wasser und Grün: das Rathaus

Ende 2012 folgte die lebenden Steine. Der Pierres-Vives-Komplex von Zaha Hadid präsentiert sich als lang gestreckter Baum aus weißem Beton, Aluminiumprofilen und grün gefärbtem Glas.

Pierre Vives: organische Architektur

Die britische Architekturprofessorin packte mit ihrem organischen Entwurf auf fünf Ebenen mit 28.500 qm die unterschiedlichsten Nutzungen in eine einzige Hülle. Der Stamm beherbergt das Archiv. Daran schließt sich die Staatsbibliothek an. Schließlich verzweigt sich das Gebäude am Ende immer mehr, wie eine Baumkrone. In diesen lichtdurchlässigen Ästen sind Büros angesiedelt.

La Panacée: Kunst statt Medizin

Mehr als 1,9 Millionen Euro wurden seit 2009 zudem in die Cité des Artistes investiert. Wo einst angehende Mediziner wie François Rabelais Anatomie paukten, arbeiten heute moderne Künstler und zeigen ihre Werke. 2001 eröffnete  in der ehemaligen medizinischen Fakultät von Montpellier La Panacée, ein ambitioniertes Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Es birgt neben modularen, flexiblen Ausstellungsräumen mit insgesamt 1.200 qm Fläche ein Auditorium für Vorträge zu allen Aspekten zeitgenössischer Kunst. Hinzu kommen neun Ateliers von 21 – 64 qm Größe. Zudem bietet La Panacée auch 59 Unterkünfte für Studenten der Schönen Künste.

Drei Wohnungen sind  „artists in residence“ vorbehalten, auswärtigen Künstlern, die in Montpellier für ein paar Wochen oder Monate arbeiten wollen. Zum Komplex, den der ortsansässige Architekt Jean-Luc Lauriol schuf, gehört ferner ein öffentlicher Park, der ebenfalls als Ausstellungsfläche dient.

Port Marianne: Heimatliebe

Freiraum für Visionen

Wie kaum eine andere Stadt gibt Montpellier  Architekten einen Freiraum, ihre Visionen zu verwirklichen. Zum Beispiel auch am Parc Georges Charpak (früher: Park Marianne), einem zehn Hektar großen Stadtpark, der sukzessive nach Plänen von Michel Desvigne entsteht.

Auf den ersten vier Hektar ragen bereits 555 Bäume in den meist blauen Himmel. Angelegt wurde er an der Avenue de la Mer, wie die Avenue Raymond Dugrand von den Einheimischen genannt wird, führt sie doch schnurstracks zum Strand.

RBC: Design für alle

Auf Höhe der Hausnummer 600  errichtete auf ihrer Nordseite Jean Nouvel mit dem RBC  ein Designcenter, das Design für alle bieten will: vom Kind bis zum Greis, vom Profi bis zum passionierten Laien. Und rührt sich der kleine Hunger, könnt ihr im Restaurant MIA von Pascal Sanchez eine kreativ-frische Frankreichküche entdecken.

Die sportliche Wolke

Gegenüber, auf der Südseite der Straße, hat Philippe Starck mit Le Nuage bei einem Budget von zehn Millionen Euro ein etwas anderes Sportzentrum auf 3.000 Quadratmetern entworfen: mit Schwimmbad, Fitnesscenter, Boutiquen, Restaurant in einem Gebäude, das mit riesigen Kissen aus dreifachen, transparenten ETFE-Folien verkleidet ist. Das lässt den Betonbau, zumindest optisch, wattig weich und weiß wie eine Wolke (Foto oben links) aussehen.

Die Wolkenfenster aus recyceltem Kunststoff, die in das Betongerüst eingesetzt werden, reduzieren den Betonverbrauch um 30 Prozent. Sie wiegen ein Drittel weniger als Glas und senken so die Baukosten. Im Herbst 2014 wurde das Wolkenhaus eröffnet. Mehr zum Konzept und Bau verrät ihr geistiger Vater auf Youtube.

Der weiße Wohnbaum

Und jetzt der Arbre Blanc! Kaum eine andere Metropole lässt Architekten so viel Freiraum wie Montpellier, ihre ausgefallenen Kreationen zu verwirklichen. Das beweist auch die Entscheidung, Sou Fujimoto am Ufer des Lez einen Arbre Blanc zu bauen, einen Baum in Weiß zum Wohnen. Mit 120 Wohnungen, der riesigen Balkonen wie Äste aus dem Stamm heraus reichen, 17 Etagen hoch und ganz und gar weiß.

L’Arbre Blanc: Einzug 2019

Um seinen Arbre Blanc zu realisieren, kooperiert Sou Fujimoto mit Nicolas Laisné Associés und Manal Rachdi OXO Architectes. 2016 haben die Bauarbeiten am Arbre Blanc begonnen. 2019 sollen die ersten Bewohner in den Arbre Blanc einziehen.

Ende 2019 wollen dort Charles Fontès (Sternerestaurant La Réserve Rimbaud, Montpellier) und Éric Cellier, Co-Chefkoch der Maison de Lozère das Restaurant im Erdgeschoss und die Panoramabar im 17. Stock des Arbre Blanc eröffnen.

Im 18. Jahrhundert bauten sich die ersten Aristokraten von Montpellier mitten im Grünen ihre Folies, großzügige Landsitze als Ferienhaus und Sommerfrische. Im 21. Jahrhundert schenkt sich Montpellier am Ufer des Lez seine erste „Folie“. Elf weitere sollen folgen….

Der Arbre Blanc am Lez

Designer-Bahnen

Als längster Catwalk der Stadt präsentiert sich die so fantasie- wie farbenfreudig gestaltete Straßenbahn mit ihren Visualisierungen der Elementen. Auf Linie eins (Luft, Design: Garouste) flattern weiße Schwalben am blauen Himmeln, Line 2 (Erde, Design: Bonetti) präsentiert sich bodenständig mit blühenden Blumen, Linie 3 (Wasser, Design: Christian Lacroix) feiert die Unterwasserwelt, Linie 4 (Feuer, Design: Christian Lacroix) huldigt dem Sonnenkönig.

Bunt wie einst die Pril-Blumen: die Tram-Linie 2.
Christian Lacroix widmete Tramlinie 4 dem Sonnenkönig.

Aufregende Architektur

In der App

Noch mehr Infos zur modernen Architektur von Montpellier bündelt eine App, die es im App Store und bei Google Play auf Englisch und Französisch gibt. Sie enthält drei Rundgänge: Am Fluss entlang zum Rathaus • Architektonische Komplexe am Rande der Stadt • Im Herzen von Écusson, dem historischen Zentrum von Montpellier.

Im Buch

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Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

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MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

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Haus der Region am Lez
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