Meine sechs Lieblingsorte in Ariège


3.143 m hoch erhebt er sich im Süden von Okzitanien mit seinen drei Spitzen und trennt  das Département mit der Ordnungsnummer 09 von Spanien: Die Pica d’Estats ist mit dem benachbarten Pic de Montcalm der östlichste Dreitausender der Pyrenäen – und Hausberg von Ariège.

Und doch:  „Wir stehen ein wenig im Schatten der anderen Regionen“, hat mir die Pressechefin von Ariège,  Mado Gonzales, beim Essen erzählt. Und da merkte ich, dass ich meist nur auf Autobahnen und Nationalstraßen durchgerauscht bin durch ihr Heimat, die Landschaft genossen, aber kaum gehalten hatte. Das habe ich in meinem Frankreich-Jahr nun intensiv nachgeholt. Und tolle Ecken und Orte in Ariège kennengelernt. Hier kommen meine Favoriten!

Die schönsten 6 Orte in Ariège

Ax-les-Thermes

Das Thermalbad nahe der Grenze kennt ihr bestimmt von der Tour de France: Sieben Mal war es Ziel, sechs Mal Startpunkt der Tour de France. Vom Ort auf 716 m Höhe geht’s in acht Kilometern mit durchschnittlich 8,3 Kilometer Steigung hinauf nach Ax-3 Domaines auf 1.372 m, Tor zu einem wundervollen Skigebiet. Hier habe ich es vorgestellt. Zwischen dem Urlaubsort auf dem Plateau und dem Ferienort am Zusammenfluss der Wildflüsse Ariège, Oriège und Lauze pendelt aussichtsreich eine Gondel hin und her.

Im Ort sprudelt und dampft es. Achtung, heißes Wasser, warnen Schilder neben nostalgischen  Wasserspendern an Straßenecken. Auf der Place Saint-Jérôme verhüllt Dampf die Menschen, die sich auf den Rand des länglichen Brunnen gesetzt , Schuhe und Strümpfe ausgezogen haben und jetzt mit den Zehen mit dem warmem Thermalwasser spielen. In den Bains du Couloubret sorgen Hammam und Hydromassage für Wohlbefinden.

Und danach findet ihr in den Gassen der Altstadt eine Vielzahl wunderschöner Cafés und Bistros, die mit herzhafter Bergküche verwöhnen. Oder raffinierten regionalen Kreationen von Fréderic Debèves im Hôtel-Restaurant Le Chalet oberhalb der Thermes du Teich.

Camon

4000 Rosenstöcke verwandeln die kleine Antwort auf Carcassonne im Mai in ein Meer voller Rosen. Alljährlich am dritten Wochenende feiert Camon seit 2002 die Blütenpracht mit einer Fête des Roses. Malerisch ist der Ort, der zu den schönsten Orten Frankreichs gehört, das ganze Jahr hindurch.

Seine Altstadt verschanzt sich hinter hohen Mauern und Befestigungen. Die engen Gassen schmücken Feldsteinhäuser. Familien und Künstler wohnen hier – und verwandeln die Gassen, sobald die Sonne scheint, in ein Freiluft-Wohnzimmer. Herrlich, sich hier einfach treiben zu lassen, verwunschene Gärten zu entdecken, beim flüchtigen Blick durch Haustüren und Fenster das Innere der Häuser zu erahnen…

Foix

Wie ein durchlöcherter Kopf mit Teufelskörnern thront seit Ende April 2017 strahlend weiß die 200 Kilogramm schwere Skulptur von Nick Ervinck auf dem Felskegel, der sich mitten in Foix erhebt, und beschützt das imposante Château de Foix mit seinen drei Türmen wie eine Madonna. Der Runde Turm wird auch Tour Fébus genannt. Gaston Fébus war ein begeisterter Jäger und gab 1380 sein Wissen im „Buch von der Jagd“ (Le livre de la chasse) preis. Im Burgturm könnt ihr es in digitaler Form lesen.

Der mittlere Turm präsentiert Waffen, Rüstungen und die Welt von Heinrich IV. Ältester Bergfried ist der nördliche Turm. Ebenfalls eckig, wurde er bereits im 9. Jahrhundert erbaut. Mittleren und Nordturm verbindet die Salle des Garde, der Saal der Wache – heute könnt ihr hier mehr über die 500-jährige Geschichte der Grafen von Foix erfahren, die alljährlich bei den Journées Médiévales Ende Mai wieder lebendig wird.

Auf Kopfsteingassen erreicht ihr die Gassen der Unterstadt. Im Schatten der Abteikirche Saint-Volusien hat ein Café Tische und Stühle unter das Dach der nostalgischen Halle aux Grains gestellt. Am 1., 3. und 5. Montag ist Markttag. Auch Trödler treffen sich hier mehrmals im Jahr. Oder auf den Allées de Villote, wo nahezu jede Woche, meist am Sonnabend, ein Marché des Puces lockt.

Da fällt mir ein alter Reim ein, mit dem früher die Schüler beim Diktat getriezt wurden. Hättet ihr alles richtig geschrieben? Lasst es euch vorleben – und testet euch einmal!

 Il était une fois
Une marchande de foie
Qui vendait du foie
Dans la ville de Foix
Elle se dit ma foi
C’est la première fois
Et la dernière fois
Que je vends du foie
Dans la ville de Foix…

Saint-Lizier

Die D117 ist die Lebensader meines Tales. Und bietet hinter Saint-Girons plötzlich einen Ausblick, der mit erst anhalten, dann abbiegen ließ. Hinter einem flott dahin fließenden Fluss erhob sich eine befestigte Stadt, ungeheuer malerisch und faszinierend. Der Flussname ließ mich schmunzeln: Salat….

Die kleine Stadt an seinem rechten Ufer war bereits in gallorömischer Zeit ein wichtiger Standort. Hier machte Pompeius 72 n. Chr. Rast, als er von seinem Sieg in Spanien nach Rom zurückkehrte. Hier wurde im 5. Jahrhundert mit Couserans das älteste Bistum von Ariège eingerichtet.

Ihre Spuren findet ihr bis heute in der Oberstadt, die bis heute die Mauern der Römer sichern. Die Oberstadt war die Heimat der Kurie. Die ehemalige Kathedrale Notre-Dame de la Sède, die Chapelle Notre-Dame du Marsan und der Bischofspalast zeugen davon. Heute findet ihr im Bischofspalast ein Museum. Und ein wundervolles Restaurant. Setzt euch auf die Terrasse und genießt vom Carré de l’Ange den Blick auf Saint-Lizier und die Bergspitzen der Pyrenäen!

Die Unterstadt war das Viertel des Volkes, der Handwerker und Kaufleute. Gleich neben ihrer Pfarrkirche findet ihr das Café 11, Place de l’Église – ebenfalls ein wunderschöner Platz um die Stimmung des Ortes zu genießen. Schaut aber unbedingt euch auch die Kirche an! Sie gehört zu den schönsten romanischen Gotteshäusern der Region. Besonders der Kreuzgang ist ein Idyll!

Rimont

Ungeheuer malerisch erstreckt sich auch Rimont seit gallorömischer Zeit auf einem Hügelkamm oberhalb des Flüsschens Baup. Anzogen vom schönen Ortsbild, bog ich wieder einmal von der D 117 ab und fuhr dorthin. Nichtsahnend, dass Rimont ein village martyr ist. Und mich mit der deutschen Geschichte konfrontieren würde.

Bei ihrem Rückzug verwüstete die Wehrmacht das Dorf. Elf Bewohner wurden hingerichtet, 152 Häuser brannten. Heute erinnern rote Backsteinziegel an die Stationen des Grauens. In der Stadtbibliothek könnt ihr dazu Fotos des 2003 verstorbenen Fotojournalisten Jean Dieuzaide aus Toulouse sehen.

Umso erstaunter erlebe ich, wie herzlich auch hier ich aufgenommen werde. Und wie wunderschön Dorf und Umgebungen sind. Mit den bergigen Wäldern des Regionalen Naturparks Pyréenées Ariégeoises. Und der wohl ungewöhnlichsten Kahnfahrt Südfrankreichs: In Baulou (28 km westlich) könnt ihr eine Bootsfahrt auf dem längsten unterirdischen Fluss Europas machen – der Labouiche!

Mirepoix

Im Mittelalter verschanzten sich die Katharer hinter der Stadtmauer der kleinen Bastide. Heute könnt ihr hier Mittelalter pur erleben. Besonders, wenn alljährlich im Juli Les Médiévales die schachbrettartig angelegten Gassen mit ihren malerischen, oft vorkragenden Fachwerkhäuser, ihren  Holzarkaden und Lauben beleben. Montags und donnerstags lockt der Wochenmarkt auf der Place Maréchal Leclerc, den zahlreiche Terrassencafés säumen.

Setzt euch dort in die Sonne, trinkt einen Café, ein Glas Rosé, die prickelnde Blanquette aus Limoux…. Oder einen der kaum bekannten Tropfen aus dem Pays de Mirepoix, dem einzigen Weinbaugebiet von Ariège. Zwei Indications Géographiques Protégées (IGP) findet ihr dort: L’Ariége und Comte Tolosan, beides trockene Rot, Rosé- und Weißweine, die perfekt zur regionalen Küche passen. Mehr zu Mirepoix findet ihr hier.

Voilà mein Quintett… Mehr Reise-Ideen zum Département, dass ihr gut von Toulouse aus erkunden könnt, findet ihr auf der offiziellen Webseite www.ariegepyrenees.com. Ich werde mich als nächstes dort tiefer in die Berge wagen. Mein Standort wird Saint-Lary, ein wunderschöner Ort im Herzen von Couserans und toller Ausgangspunkt für Wanderungen in den Pyrenäen.

 

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