Das schmeckt! Ein Stadtbummel in Dijon

Markttreiben in Dijon. Foto: Hilke Maunder
Markttreiben in Dijon. Foto: Hilke Maunder

„Welch schöne Stadt, das ist die Stadt mit den hundert Türmen,“ soll Franz I. ausgerufen haben, als er Dijon besuchte. Viele Türme stehen zwar heute nicht mehr, aber prachtvoll ist Dijon bis heute.

Église Notre-Dame. Foto: Hilke Maunder

Zu den Highlights in der Hauptstadt des Burgunds leitet euch eine im Pflaster eingelassene Eule aus Bronze. Dijons Walk of Fame führt als Parcours zu 22 Top-Sights der Stadt. Drei Rundwege zu Rousseau, Zola und Moses erweitern mit 15 Stationen den Eulenweg. Ladet die Wege-App hier kostenlos aufs Handy!

Die Eule ist nicht nur euer Wegweiser, sondern auch Glücksbringer. Wer an einem Strebepfeiler der Kirche Notre-Dame die steinerne Eule mit der linken Hand berührt, die rechte Hand aufs Herz legt und dabei im Stillen sich etwas wünscht, dem geht ein Wunsch in Erfüllung, sagt die Legende.

Die Dijoner scheinen es zu glauben: Kein Einheimischer geht vorbei, ohne die  Eule zu berühren, deren Stein dadurch ganz blank poliert wurde.

Die glücksbringende Eule von Dijon – Hand auflegen genügt!

Scharfe Vielfalt: Senf aus Dijon

Schräg gegenüber stoße ich auf ein zweites Wahrzeichen von Dijon: Senf. Bereits in der Antike war die verdauungsfördernde Kraft des Senfkorns bekannt. Um 1750 kam der Dijoner Senfhersteller Jaen Naigeon auf die Idee, den bisher zur Senfherstellung benutzten Essig durch den Saft gepresster grüner Weintrauben zu ersetzen.

Die Senfmühle im Laden von Fallot. Foto: Hilke Maunder

Auch verzichtete er darauf, die Senfkörner zu entölen. Zwei Markenzeichen des Dijon-Senfs, der seit 1937 geschützt ist. In der Moutarderie Fallot stehen vor vier Senfgefässen aus Steingut Probierlöffel und Mini-Grissini.

Basilikum, Chili, Estragon, echter Dijon-Senf, Burgund-Senf, traditioneller Senf, noch ganz grobkörnig. Einmal pumpen, einmal probieren, einmal stutzen. Was ist, bitte schön, der Unterschied zwischen Dijon- und Bourgogne-Senf?

Die Verkäuferin klärt mich auf: „Fallot kauft die Senfsamen heute in Kanada. Nur in der Moutarde de Bourgogne, dem echten Burgund-Senf, stammen die Senfkörner noch aus Frankreich, aus dem Burgund. Aber die Produktion ist nach Beaune umgezogen und längst nicht mehr in Dijon…“

Köstliche Kraft-Nahrung

Zwischen den unzähligen Sorten im Sortiment entdecke ich auch eine Moutarde de Dijon au pain d’épices, Senf mit Lebkuchen. Denn pain d’épices ist ebenfalls ein kulinarischer Botschafter aus Dijon.

Burgunderherzog Philipp der Gute war ganz vernarrt in das chinesische  Gebäck aus Weizenmehl, Honig und Gewürzen wie Vanille, Zimt, Orangenschale und holte die Herstellung, wo sie seitdem immer weiter verfeinert wurde.

Eine Köstlichkeit: das Gewürzbrot von Auger. Foto: Hilke Maunder

Das Gewürzbrot aus Dijon ist deutlich weniger süß als unsere Lebkuchen, kommt wie ein Brot als Block daher oder wir in kleine Quadrate geschnitten, perfekte Begleiter zu den Weine des Burgunds.

Oder zu einem Kir aus den schwarze Johannisbeeren in den Höhen der Côte de Nuits, die als ein Schuss Cassis dem Weißwein Aligoté beigefügt werden.

Berühmt ist besonders das pain d’épices von Mulot & Petitjean – schaut einmal im Stammhaus der ältesten Dijoner Gewürzbrotbäckerei an der Place Bossuet 13 und der Filiale vor Notre-Dame vorbei.

Genuss-Reich: die Markthalle von Dijon. Foto: Hilke Maunder

Schlemmertreff : die Markthalle

Von Marktständen unter freiem Himmel umringt sind die Markthallen von Dijon. Gustave Eiffel entwarf den Schlemmertempel, der in vier Reihen die Köstlichkeiten des Burgunds vereint.

Pfifferling aus der Creuse, ab September topfrisch in der Markthalle von Dijon. Foto: Hilke Maunder

Tomaten in allen Farben und Formen, Kürbisse von winzig bis gigantisch, von hellgelb bis tieforange, kreisrunde Laibe von Comté-Käse, die Arme kaum umfassen können, und lebende Weinbergschnecken, deren Häuschen sich mit leichten Schaben übereinander schieben.

Das schmeckt: Gemüse von lokalen Produzenten. Foto: Hilke Maunder

Bressehühner lassen ihre steifen Beine in die Luft ragen, von aufgerollten, mehreren Metern langen Hartwürsten wird beim Tratsch über den Tresen ein Stück der Saucisson abgeschnitten, ohne die Augen vom Gesprächspartner zu nehmen.

Auch vielerei Innereien findet ihr in der Markthalle von Dijon. Foto: Hilke Maunder

Von den hohen Bögen hallen die Ausrufe der Markthändler zurück, mischt sich der würzige Duft von Käse und Wurst mit den Aromen von Kaffee, die die kleine Buvette frisch aufbrüht und zum ersten Glas Wein am Vormittag serviert.

Der Name spricht für sich. Foto: Hilke Maunder

Gleich neben dem Eingang hat eine Händlerin Jambon persillé in kleine Würfel geschnitten und zum Verkosten hingestellt: Fleischsülze, die traditionell zu Ostern und in jeder Familie nach eigenem, uralten Rezept hergestellt wird.

Seit 2017 der Hit: die Brunch-Zeit in der Markthalle. Foto: Hilke Maunder

Von Mitte Mai bis Ende September locken die Markthallen seit 2017 immer  sonntags mit einem besonderen Schlemmer-Vergnügen: Brunch aux Halles, gekocht und präsentiert von einem Dijoner Küchenchef.

Auch von den Markthallen herrscht ein buntes Markttreiben. Foto: Hilke Maunder

Cité internationale de la gastronomie et du vin

Seit 2010 gehört Frankreichs Küchenkunst zum Welterbe. Seit 2015 zählen die Climat, die Weinparzellen des Burgunds ebenfalls dazu. Wie Wein und Essen zusammengehören, will ab 2019 die Cité internationale de la gastronomie et du vin in allen Facetten aufzeigen.

2017 war Baubeginn für das Vorhaben, das zu den landesweiten Projekten gehört, die die Gastronomie „à la française’’ mit all ihren Facetten beleuchten sollen. Essen und Gesundheit sind Thema in Lyon. Der gesellschaftliche Aspekt des Essens ist Schwerpunkt der Cité de la Gastronomie von Tours, der kommerzielle Aspekt Fokus von Paris-Rungis.

Ein Gläschen Wein? An der Buvette der Markthalle von Dijon. Foto: Hilke Maunder

Für die Cité von Dijon baute die Eiffel-Gruppe das ehemalige Stadtkrankenhaus in einen 5.000 qm großen Kulinarik-Komplex ein, der Erlebnis und Genuss, Events und Unterricht verbindet.

In der Cité Gastronomique findet ihr Ausstellungsräume (1.700 qm), ein Konferenz-Zentrum mit einem Auditorium mit 250 Plätzen, Räumen für Workshops, Fortbildungen, Konferenzen und einem 700 Plätze großen Veranstaltungsraum, in dem auch große Bankette ausgerichtet werden können.

Gleich am Eingang der Cité hat die renommierte Kochschule Ferrandi im Anbau  „le canon de lumière“ nach Bordeaux eine zweite Dépendance eingerichtet.

Die einstige Kapelle des Krankenhauses präsentiert als Chapelle des Climats die Weinregion Burgund . Neue Wohnungen, ein Fünfsternehotel mit 83 Zimmern sowie ein Filmpalast mit 13 Kinosälen ergänzt das kulinarischen Schul- , Tagungs- und Erlebniszentrum.

Dijon kulinarisch: meine Reisetipps

Schlafen

Hôtel Le Sauvage

Geräumige Zimmer im Stil des 15. Jahrhunderts, ein lauschiger Innenhof und zentrale Lage: Die Poststation ist äußerst charmant! In den einstigen Ställe könnt ihr kostenpflichtig parken. • 64, rue Monge, Tel. 03 80 41 31 21, www.hotellesauvage.com 

Le Jacquemart

Adé, Blümentapete und Bettrolle, die bislang hinter der Fassade von 1800 dominieren, und her mit dem Look von heute in Lila Schwarz, Grün und Grau. Günstig & zentral!
• 32, rue Verrerie, Tel. 0380600960, www.hotel-lejacquemart.fr

Fassadenschmuck in Dijon. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen

L’Impressioniste

Küchenchef Jérôme Brochot ist von Montceau-les-Mines an die Markthallen von Dijon gezogen, wo er seit 2016 in seinem modernen  Bistrot oder auf der Terrasse Traditionsküche mit burgundischem Einschlag serviert: Weinbergschnecken, Petersilienschinken und ein Bœuf Bourguignon zum Träumen. Kommt mittags – da ist ist es deutlich günstiger. Und das Markttreiben ringsum sorgt für ein besonderes Flair. Abends wird es aufwendiger und schicker.
• 6, Rue Bannelier, 21000 Dijon, Tel.  03 80 27 47 83, http://l-impressionniste.com

La Maison des Cariatides

Zeitgemäß und engagiert, so bezeichnet der junge Küchenchef  Angelo Ferrigno seine Küche – Michelin belohnte 2016 den damals 23-Jährigen mit einem Stern und schwärmte von der „Finesse auf dem Teller“. Auch das Ambiente ist beeindruckend. Im Viertel der Antiquitätenhändler gestaltet Ferrignano seinen Speisesaal in einem Stadtpalais von 1603 als sehr modernes Loft.  Was der Name seines Lokals bedeutet, musste ich erst einmal nachschlagen: Eine Karyatide meint in der Architektur eine weiblichen Figur mit tragender Funktion.
• 28, Rue Chaudronnerie, 21000 Dijon, Tel. 03 80 45 59 25, www.thomascollomb.fr

DZ’Envies

David Zaddas verbindet mit den Kochtechniken und Traditionen Frankreich die Aromen Marokkos mit denen Japans. Heraus kommen gegenüber der Halles de Dijon überraschend andere, spannenden Interpretationen von Marktküche.
• 12, Rue Odebert, 21000 Dijon, Tel. 03 80 50 09 26, www.dzenvies.com

La Fine Heure

In der Cave à Manger von Jonathan Mollion ist Burgund-Küche perfekt auf den 120 Weine des Kellers abgestimmt. Kalbskopf, Tartare oder Käseplatte: Worauf habt ihr Appetit?
• 34, Rue Berbisey, 21000 Dijon, Tel. 03 80 58 83 47www.lafineheure.fr

Chez Bruno

Was Bruno empfiehlt, schmeckt – vom köstlichen Schinken bis zu den besten Tropfen des Hexagons. Hockt euch an den Tresen und freut euch auf Genussmomente.
• 80, rue Jean-Jacques Rousseau, Tel. 0380 66 12 33, www.facebook.com/baravinsbruno

Le Pré aux Clercs

Auch der Dreisternekoch Georges Blanc ist jetzt in Dijon vertreten – mit einer gemütlichen Brasserie mit Holz und viel Rot, die zur köstlichen Bistroküche tolle Ausblicke auf den Herzogspalast eröffnet.
• 13, place de la Libération, Tel. 03 80 38 05 05, www.lepreauxclercs.fr

Das bunte Markttreiben des Hallenviertels von Dijon erstreckt sich auch auf die Gassen ringsum. Foto: Hilke Maunder

Genuss-Rarität

 Epoisses

Er gilt als stinkigster Käse der Welt: der Rotschmierkäse Epoisses, der seinen Namen vom gleichnamigen Dorf zwischen Dijon und Auxerre im Département Côte-d’Or erhielt. Nur noch drei Käsereien stellen köstlichen Weichkäse im Burgund her: die Fromageries Berthaut, des Marronniers und Gaugry.

Erfunden haben ihn im 16. Jahrhundert die Zisterzienser des Klosters Cîteaux. Früher war er weit verbreitet und heiß geliebt. Napoleon erkor ihn zum Lieblingskäse, Jean Anthelme Brillat-Savarin nannt ihn „König der Käse“. Kurzum: kosten!!

Nicht verpassen

Lokaler Cocktail

Félix Kir, 1945-1968 Bürgermeister von Dijon, gab einem Cocktail, der schon vor seiner Amtszeit beliebt war, den heutigen Namen. Ihr kennt ihn bestimmt….: Kir! Komponiert wird er aus 1/3 Crème de Cassis und 2/3 Weißwein.

Schlemmertouren

Das Office de Tourisme bietet ein halbes Dutzend geführter Stadtspaziergänge zu Genussthemen wie Senf, Wein und lokale Produkte ein – auch zu Weihnachten. Hinzu kommen Ausflüge in die Weinberge sowie private Tourangebote.

Altar und Chor der Église Notre-Dame. Foto: Hilke Maunder

Das müsst ihr euch ansehen!

Dijon Lumière

Kaum eine Straße ist so symbolträchtig in Dijon wie die 900 m lange Rue de la Liberté, die abends Dijon Lumière mit einer einzigartigen Lichtszenographie in Szene setzt. Toll!

Die Place de la Libération. Foto: Hilke Maunder

Tour Philippe le Bon

316 Stufen führen hinauf zum Turm des Stadtschlosses und eröffnen euch aus 46 m Höhe den schönsten Blick auf die Innenstadt von Lyon. Im Juli und August könnt ihr mittwochs und freitags den Turm auch abends besteigen – herrlich, das Lichtermeer!

Zu euren Füßen sprudeln im wechselnden Rhythmus die Fontainen der Place de la Libération erst nur ein wenig, dann immer höher aus dem Boden.

Herzogsschloss / Musée des Beaux-Arts

Die Herzogsgräber. Foto: Hilke Maunder

Das Museum der Schönen Künste wurde in den letzten Jahren umfangreich um- und ausgebaut. Verpasst auch nicht die prunkvollen Herzogsgräber! Sehr schön: das Café im Hof. Im Office de Tourisme ist der Zugang zum ebenfalls sehr sehenswerten Salle des Élus.

Und danach? Setzt euch in die Brasserie des Beaux-Arts, die im Sommer auch Tische und Stühle auf den Kies im kleinen Garten stellt, und genießt es eine Oase der Ruhe im Trubel der Innenstadt – perfekt zum Gucken,  Karten schreiben… und genießen. Mein Tipp: Rillettes de Saumon.
• 1-3, Place des Ducs de Bourgogne, Tel. 03 80 66 45 36, www.brasserie-beaux-arts.com

Bei der Fête de la Musique musizieren die Einheimischen auf den Straßen und Plätzen ihrer Stadt. Foto: Hilke Maunder

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Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News.

Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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Bunt glasierte Ziegel sind typisch für die Dächer der Bourgogne. Foto: Hilke Maunder
Die Stadtpalais von Dijon zeigen mit Erkern, Türmchen und Steinmetzarbeiten den Wohlstand ihrer Besitzer. Foto: Hilke Maunder
Blick auf die Église Notre-Dame. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale von Dijon. Foto: Hilke Maunder
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