Die Geigen-Bauer von Montpellier

Handwerkerschild im Geigenbau-Viertel von Montpellier

Hättet ihr geahnt, dass Montpellier die französische Hauptstadt des Geigen-Baus ist? Bislang verband ich mit der Boommetropole am Mittelmeer im Hinterkopf nur aufregende Architektur, hervorragende Medizinuni und ein Faible für High-Tech. Aber Instrumente?

Kapitale des Geigen-Baus

In den letzten 25 Jahren hat sich Montpellier zu Frankreichs Geigenstadt entwickelt. Mit elf Werkstätten gehört die Präfektur des Hérault neben dem italienischen Cremona zu den führenden Geigenbauzentren der Welt. In Paris sind vorwiegend Geigen-Restauratoren tätig.

Im Schatten von Sainte-Anne, die als Ausstellungshalle säkularisiert ist, und in Laufnähe zum Musikkonservatorium arbeiten im Quartier Sainte Anne berühmte Geigenbauer wie Nicolas Gilles und Yann Poulain. Beide wurden 2012 von der Violin Society of America (VSA) in Cleveland (Ohio, USA) ausgezeichnet.

Im Geigenbauerviertel von Sainte-Anne

Ausgezeichnete Handwerker

Der Deutsche Friedrich Alber kam 1990 nach Montpellier und hat seitdem mehr als 120 Instrumente für Profimusiker nach historischen Vorbildern gefertigt. Fréderic Becker ist 1984 mit seiner Werkstatt in einen Stadtpalais aus 19. Jahrhundert gezogen, wo er in akribischer Handarbeit Bögen und Violinen restauriert und neu herstellt.

Wolfram Neureither lernte sein Handwerk an der Newark School of Violinmaking, bevor er Jahr darauf (1994) nach Montpellier zog und fünf Jahre lang für Frédéric Chaudière arbeitete. 2012 wurde Neureither beim Concorso Internazionale Strumenti Antichizzati von Pisogne in Italien mit einer Bronzemedaille und einem Sonderpreis für das bestklingende Instrument ausgezeichnet.

Jung und international

Auffällig ist, dass die Garde der Instrumentenbauer jung und international ist. Zu ihnen gehört auch David Ayache, der seit 1997 in Montpellier modern und barocke Violinen, Violas und Celli per Hand zusammenfügt. Wie edel die Instrumente der Manufakturen aus Montpellier sind, zeigen die Einstiegspreise. So nimmt beispielsweise Pascal Camurat für sein einfaches Model Nicolo Amati 17.000 Euro.

250 Jahre alte Tradition

Die Geschichte des Baus von Geigen begann in Montpellier mit einem italienischen Emigranten. Er eröffnete 1768 eine Werkstatt, die Instrumente baute und reparierte. 1792 gab es bereits fünf Geigen-Bauer, darunter eine Frau, in der Nähe des Stadttheaters, neben dem Schatzamt und an der Grand Rue.

Im 19. Jahrhundert hatte sich ihre Zahl auf 15 verdoppelt. Kriege, geändertes Freizeit- und Medienverhalten ließen die Branche in Vergessenheit geraten. Seit den 1980er-Jahren erlebt der Geigenbau jedoch eine überraschende Renaissance.

Musikmetropole im Aufschwung

Treffpunkt der Geigenbauer und Katalysator für den Aufschwung Montpelliers als Musikmetropole ist die die 2009 gegründete International Music Academy of Montpellier (AIMM).

Ihr Präsident gehört zu den berühmtesten Geigenbauern der Welt: Frédéric Chaudière. Alljährlich im Sommer unterrichtet er gemeinsam mit rund 20 renommierten Musikprofessoren aus aller Welt den Nachwuchs bei Meisterklassen.

Der Geigen-Roman

Der wohl berühmtesten Geige der Welt widmete der Geigenbauer, der auch mit Hammer und Meißel Skulpturen in den Stein schlägt, einen Roman. 2007 ist er auch auf Deutsch erschienen: Die Geschichte der Stradivari (Tribulations d’un Stradivarius en Amérique) – ihre abenteuerliche Reise führt von der Werkstatt Stradivaris in Cremona nach Paris, London und weiter bis nach New York. Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Weiterlesen

Im Blog

Ein Portrait von Montpellier findet ihr hier. Die neue aufregende Architektur am Lez habe ich hier vorgestellt. Die schönste nostalgische „folie“ von Montpellier findet ihr hier.

Tipp:  Führungen auf den Spuren der „Luthiers“, wie die Geigen-Bauer in Frankreich heißen, bieten das Office de Tourisme von Montpellier.

Im Buch

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci für's Teilen!

1 Kommentar

  1. Oh, wie schade, dass wir das nicht schon in der letzten Woche gelesen haben; diese Führung hätten wir sicher in Anspruch genommen. Also erst beim nächsten Mal!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.