Die Geigen-Bauer von Montpellier

Im Geigenbauerviertel von Montpellier. Foto: Hilke Maunder
Im Geigenbauerviertel von Montpellier. Foto: Hilke Maunder

Hättet ihr geahnt, dass Montpellier die französische Hauptstadt des Geigen-Baus ist? Bislang verband ich mit der Boommetropole am Mittelmeer im Hinterkopf nur aufregende Architektur, hervorragende Medizinuni und ein Faible für Hightech. Aber Instrumente?

Kapitale des Geigen-Baus

In den letzten 30 Jahren hat sich Montpellier zu Frankreichs Geigenstadt entwickelt. Mit elf Werkstätten gehört die Präfektur des Hérault neben dem italienischen Cremona zu den führenden Geigenbauzentren der Welt. In Paris sind vorwiegend Geigen-Restauratoren tätig.

Im Schatten der Église Sainte-Anne, die als Ausstellungshalle säkularisiert ist, und in Laufnähe zum Musikkonservatorium arbeiten im Quartier Sainte Anne berühmte Geigenbauer wie Nicolas Gilles und Yann Poulain. Beide wurden 2012 von der Violin Society of America (VSA) in Cleveland (Ohio, USA) ausgezeichnet.

Ausgezeichnete Handwerker

Der Deutsche Friedrich Alber kam 1990 nach Montpellier und hat seitdem mehr als 120 Instrumente für Profimusiker nach historischen Vorbildern gefertigt. Frédéric Becker ist 1984 mit seiner Werkstatt in ein Stadtpalais aus 19. Jahrhundert gezogen, wo er in akribischer Handarbeit Bögen und Violinen restauriert und neu herstellt.

Wolfram Neureither lernte sein Handwerk an der Newark School of Violinmaking, bevor er Jahr darauf (1994) nach Montpellier zog und fünf Jahre lang für Frédéric Chaudière arbeitete. 2012 wurde Neureither beim Concorso Internazionale Strumenti Antichizzati von Pisogne in Italien mit einer Bronzemedaille und einem Sonderpreis für das bestklingende Instrument ausgezeichnet.

Jung und international

Auffällig ist, dass die Garde der Instrumentenbauer jung und international ist. Zu ihnen gehört auch David Ayache, der seit 1997 in Montpellier modern und barocke Violinen, Violas und Celli per Hand zusammenfügt. Wie edel die Instrumente der Manufakturen aus Montpellier sind, zeigen die Einstiegspreise. So nimmt beispielsweise Pascal Camurat für sein einfaches Model Nicolo Amati 17.000 Euro.

250 Jahre alte Tradition

Die Geschichte des Baus von Geigen begann in Montpellier mit einem italienischen Emigranten. Er eröffnete 1768 eine Werkstatt, die Instrumente baute und reparierte. 1792 gab es bereits fünf Geigen-Bauer, darunter eine Frau, in der Nähe des Stadttheaters, neben dem Schatzamt und an der Grande Rue.

Im 19. Jahrhundert hatte sich ihre Zahl auf 15 verdoppelt. Kriege, geändertes Freizeit- und Medienverhalten ließen die Branche in Vergessenheit geraten. Seit den 1980er-Jahren erlebt der Geigen-Bau jedoch eine überraschende Renaissance.

Buch_Stradivari_Geigenbau_Montpellier_ChaudièreMusikmetropole im Aufschwung

Treffpunkt der Geigenbauer und Katalysator für den Aufschwung Montpelliers als Musikmetropole ist die die 2009 gegründete International Music Academy of Montpellier (AIMM).

Ihr Präsident gehört zu den berühmtesten Geigenbauern der Welt: Frédéric Chaudière. Alljährlich im Sommer unterrichtet er gemeinsam mit rund 20 renommierten Musikprofessoren aus aller Welt den Nachwuchs bei Meisterklassen.

Der Geigen-Roman

Der wohl berühmtesten Geige der Welt widmete der Geigenbauer, der auch mit Hammer und Meißel Skulpturen in den Stein schlägt, einen Roman. 2007 ist er auch auf Deutsch erschienen: Die Geschichte der Stradivari* (Tribulations d’un Stradivarius en Amérique*) – ihre abenteuerliche Reise führt von der Werkstatt Stradivaris in Cremona nach Paris, London und weiter bis nach New York. Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Tipp

Führungen auf den Spuren der Luthiers, wie die Geigenbauer in Frankreich heißen, bieten das Office de Tourisme von Montpellier.

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Weiterlesen

Im Blog

Ein Portrait von Montpellier findet ihr hier. Die neue aufregende Architektur am Lez habe ich hier vorgestellt. Die schönste nostalgische “folie” von Montpellier findet ihr hier.

Im Buch

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1 Kommentar

  1. Oh, wie schade, dass wir das nicht schon in der letzten Woche gelesen haben; diese Führung hätten wir sicher in Anspruch genommen. Also erst beim nächsten Mal!

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