Der Himalaya im Périgord

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Patrick Druet im tibetanischen Café, Foto: Hilke Maunder

Aus hellgelbem Stein sind die Häuser von Tursac, pastellblau und bordeauxrot die Fensterläden. Hier und da rankt Wein vor den Fassaden, fällt Blauregen über den Naturstein. Jede Viertel-, halbe und volle Stunde schlägt die Kirchenuhr.

Tursac. Foto: Hilke Maunder
Die mairie von Tursac. Foto: Hilke Maunder

Die Tankstelle gehört zur Autowerkstatt von Monsieur, und jener lässt sich seine ausgiebige Mittagszeit nicht nehmen. Wenig weiter schnattern Hunderte Gänse und Enten aufgeregt, als ihr Futtertrog wieder aufgefüllt wird.

Überall im Périgord werden Gänse und Enten in weiten Freilaufgehegen gezüchtet für die Spezialitäten der Region – confit, magret und foie gras. Foto: Hilke Maunder
In Tursac werden Gänse und Enten in weiten Freilaufgehegen gezüchtet für die Spezialitäten der Region – confit, magret und foie gras. Foto: Hilke Maunder

Tursac, la France profonde

Eine stille Beschaulichkeit liegt über dem Tal der Vézère und dem kleinen Dorf mit seinen rund 300 Einwohnern. Einer von ihnen ist Patrick Druet. Ein Jahrzehnt lang hatte er auf dem Hochplateau von Tibet verbracht. Er hat dort als Hotelmanager gearbeitet, darunter auch zwei Saisons lang auch in der Hauptstadt Lhasa.

Als er aus privaten Gründen nach Frankreich zurückkehrte, wuchs in ihm der Wunsch, dem Königreich im Himalaya etwas zurückzugeben.

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Die einstige Hofstelle in Tursac, heute das Himalaya en Périgord. Foto: Hilke Maunder

Patrick kaufte ein Bauernhaus in Tursac. Zwei Jahre lang renovierte er es. Sechs Monate lang richtete er es mit Original-Mobiliar aus Tibet ein. Am 29. April 2020 eröffnete er sein Himalaya en Périgord – mit zwei Gästezimmern, tibetanischem Café und kleinem Shop.

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zum Gästezimmer Lhasa.

“Mein Ziel ist es, meinen Gästen eine Oase der Ruhe und Gelassenheit zu bieten und sie gleichzeitig in die tibetische Kultur einzuführen, die als ein Schatz der Menschheit anerkannt ist. Tibets Kultur ist der Gegenentwurf zum Materialismus des Westens. Diese Kultur ist bedroht. Ich möchte sie bewahren und bekannter machen”, sagt Patrick.

Das Dach der Welt in der Dordogne

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Gästezimmer Kathmandu: die Sitzecke. Foto: Hilke Maunder

Für alle, die bleiben möchte, hat Patrick zwei geräumige Gästezimmer eingerichtet. Sie heißen Lhasa und Kathmandu und sind mit Möbeln aus der Region Shigaze in Tibet eingerichtet.

Thangka-Rollbilder und Malereien aus Tibet und Nepal schmücken die beiden Zimmer. Der  Mindestaufenthalt  beträgt zwei Nächte.

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Gästezimmer Kathmandu: der Schlafbereich. Foto: Hilke Maunder
Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Gästezimmer Kathmandu: das Bett. Foto: Hilke Maunder
Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Gästezimmer Kathmandu: das Bad. Foto: Hilke Maunder

Einfach authentisch

Im Restaurant steht Durga am Herd. In Bhutan geboren, arbeitete sie zunächst in Kathmandu im Kindergarten einer Waldorfschule, ehe sie nach Frankreich kam und sich dort ihrer zweiten Leidenschaft widmete: dem Kochen. Ihre Küche ist einfach, ehrlich und authentisch und spiegelt die Aromen  und Küchentraditionen des Himalaya wider.

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Das tibetanische Café. Es gibt auch Sitzplätze im Garten. Foto: Hilke Maunder

Die Getränke der Speisekarten sind völkerverbindend. Neben dem Lagerbier Gurkha Blondes aus Nepal und Kingfisher Lager aus Indien findet ihr Bio-Biere aus Haute-Savoie.

Orient und Okzident verbinden sich auch beim Wein und den soft drinks. Sula Sauvignon Blanc aus Indien oder Bio-Weine aus Bergerac? Lassi oder Bio-Limonade?

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Sitzecke im Café. Foto: Hilke Maunder

Himalaya für Zuhause

Traditionelle tibetanische Schränke bergen das Angebot des Shops. Ram Kumar Rathi gründete in den 1970er-Jahren mit Himal Tea Industries den heute ältesten Hersteller von nepalesischem Tee. Für seine Teemarke Rakura lässt er den Tee in natürlich abbaubare Teebeutel einfüllen. Grün- und Schwarztee, Earl Grey, Assam, Masala Chai, einige bio, andere lose oder im Beutel, führt der Tibet-Shop von Himalaya en Perigord.

Seine Kräutertees bezieht Patrick von Men Tsee Khang, dem bereits 1916 in Lhasa gegründeten Institut für tibetische Medizin und Astrologie. Seit 1961 hat es, gegründet von tibetanischen Flüchtlingen, einen Ableger im indischen Dharamsala.

Zum Angebot gehören auch Seifen mit Ziegen- oder Yak-Milch sowie ayurvedische Seifen von Daknang, die der tibetanische Arzt Dr. Sherab Tenzin entwickelt hat. Bücher zu Tibet, zur traditionellen tibetanischen Medizin und zur fernöstlichen Lebensweise runden das Sortiment des Shops ab.

Himalaya en Perigord. Foto: Hilke Maunder
Traditionelle Schrönke aus Tibet bergen das Sortiment des kleinen Shops. Foto: Hilke Maunder

Info

Himalaya en Périgord, 24620 Tursac,  Tel. 05 53 03 79 16, www.himalaya-en-perigord.com

Offenlegung

Ich entdeckte das Himalaya en Périgord per Zufall, als ich mit leerem Tank in der Mittagszeit in Tursac vor der einzigen Tankstelle weit und breit stand und nach einem Lokal Ausschau hielt, um die Wartezeit zu überbrücken.

Bei Patrick wurde ich fündig, trank eine Tasse Kaffee und klönte mit ihm. So entstand dieser Beitrag. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Tursac, Pferdekoppel im Vézère-Tal. Foto: Hilke Maunder
Bei Tursac grasen Pferde auf weiten Koppeln im Tal der Vézère. Foto Hilke Maunder

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Die Dordogne ist ein bezaubernder wie faszinierender Fluss – von der Quelle bis zur Mündung. Entdeckt seine schönsten Ecken mit diesem Beitrag!

Im Buch

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2 Kommentare

  1. Auch sehenswert zum Thema Himalaya in der Dordogne/ im Vézère-Tal: die Tibetisch-Buddhistischen Zentren Songtsen Chanteloube sowie der Ort der 108 Stupas, Urgyen Samye Choeling, Dagpo Kagyu Ling und Nehnang Samten Choling.
    Bereits in den 70ger Jahren haben einige bekannte Tibetisch-Buddhistische Lamas wie Dudjom Rinpoche, Dilgo Khyentse Rinpoche, Pawo Rinpoche und andere, das Périgord für sich entdeckt und ihre Zentren dort gegründet. Auch SH der Dalai Lama war dort mehrmals zu Besuch. Bis heute gibt es hier eine lebendige buddhistische Tradition und es ist nichts ungewöhnliches, Tibetern und Nichttibetern in ihren dunkelroten Roben auf der Straße zu begegnen. In vielen Gärten und Balkonen wird man tibetische Gebetsflaggen bemerken, da sich viele Buddhisten in der Umgebung angesiedelt haben.
    Die heimliche buddhistische Dominanz wird ein wenig von den offiziellen Fremdenverkehrsverbänden ignoriert, das Thema letztendlich aber gern auch von der übrigen Touristikbranche aufgegriffen, die sich mit zahllosen Yoga-Shops, Wellness- und Esoterikangeboten in die spirituelle Atmosphäre einklinken.

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