Postkarte aus … Langogne

Langogne. Foto: Hilke Maunder
In Langogne bilden Häuser die Stadtmauer. Foto: Hilke Maunder

Und nun, in aller Herrgottsfrühe: Langogne. Es war auf einer jener Pendeltouren quer durch Frankreich von Hamburg nach Perpignan. Bei allen diesen Fahrten habe ich es mir zur Maxime gemacht, nur im Notfall in Frankreich die Autobahn und die gleiche Route zu nehmen. Zwei Tage Landstraße bis zur Grenze. Und immer eine Nacht im Nirgendwo.

Langogne: Das Café du Midi. Foto: Hilke Maunder
Das Café du Midi von Langogne. Foto: Hilke Maunder

So ging es diesmal auf dem Weg vom Süden in den Norden mitten durch die Cevennen und das Massif central. Dort tauchten im Dunkel der Nacht die Lichter von Langogne auf.

Langsam begann die Morgendämmerung. Und doch herrschte Trubel. Es wurde gehämmert, entladen, aufgebaut.

Die Markthalle von Langogne. Foto: Hilke Maunder
Die Markthalle von Langogne. Foto: Hilke Maunder

Fast alle der rund 2800 Einwohner des alten Marktfleckens am Kreuzpunkt der drei Departements Lozère, Ardèche und Haute-Loire schienen zu dieser frühen Stunde auf den Beinen zu sein. Denn es war Marktzeit.

Die Markthalle von Langogne. Foto: Hilke Maunder
Eindrucksvoll: das hölzerne Gebälk der Markthalle von Langogne. Foto: Hilke Maunder

Das Café du Midi war hell erleuchtet. Ununterbrochen floss der Kaffee in kleine Tassen, deren Inhalt schnell in den Hals gekippt wurde. Die Schlagzeilen der Zeitung überflogen, wieder auf den Tresen geworfen. Hinaus ins Dunkel. Hin zur Markthalle.

Unter ihrem wuchtigen Schindeldach, das seit ihrem Baujahr 1743 auf 14 steinernen Rundsäulen thront, hatten Biobauen und kleine, grüne Erzeuger ihre Stände aufgebaut und verkauften Spinat und Bohnen, Eier und Vollkornbrot. Die anderen Händler hatten ihre Tische und Verkaufswagen rund um la circulade aufgestellt.

Plan der circulade von Langogne. Foto: Hilke Maunder
Plan der circulade von Langogne. Foto: Hilke Maunder

Dieser konzentrische Ring aus Häusern und fünf Tortürmen schützt – als Ersatz für eine Stadtmauer – das alte Herz der Stadt. Es birgt bis heute einen einzigen Bau: die Église Saint-Gervais. Ihre Wurzeln fußen in einer Kirche, die einem Grafenpaar im Traum erschienen war.

998 legten die Benediktiner Kirche und Kloster an. 1998 feierte Langogne seinen 1000. Geburtstag mit einem großen Stadtfest.

Langogne. Foto: Hilke Maunder
Saint-Gervais an der Place des Moines. Foto: Hilke Maunder

Mitten in diesem Gewühl der Stände und Wagen findet ihr auch viele Schlachter. Gemeinsam haben sie am 7. April 2000 neun Tonnen Schweinefleisch in den Darm gepresst und eine eindrucksvolle Mammut-Wurst hergestellt. 23.160 Meter maß sie genau: Weltrekord!

Langogne. Foto: Hilke Maunder
Die Treppenstufen der Église Saint-Gervais an der Place des Moines. Foto: Hilke Maunder

Riesig war auch ein Wesen, das hier angeblich herumgewandert ist: Gargantua. Mit seinen großen Beinen soll der Held von Rabelais die Region von Naussac bis Cham de Bondons, über Marvejols, Recoules-d’Aubrac und die Causse Méjean durchquert haben.

Seit 1884 feiert Langogne seinen wandernden Riesen. Wer ihm gleichtun möchte, kann von Langogne aus gleich zwei bekannten Weitwanderwegen folgen. Die Kleinstadt auf 915 m Höhe ist kein Start- oder Endpunkt, sondern liegt mittenmang an diesen beiden Weitwanderrouten.

Langogne: Café de la Tour. Foto: Hilke Maunder
Das Café de la Tour von Langogne. Foto: Hilke Maunder

GR 70: Chemin Stevenson

Zwölf Tage lang marschierte der Autor der „Schatzinsel“ durch das Zentralmassiv und durch die herbe Landschaft der Margeride. Dann folgte er dem Pilgerweg Voie Régordane. So erreichte er schließlich in Saint-Jean-du-Gard die „Cevennen der Cevennen“.

Seinen Spuren könnt ihr heute auf dem Stevenson-Weg folgen. Zum Gepäcktransport auf der Grande Randonnée GR 70, wie der 252 km lange Chemin Stevenson offiziell heißt, könnt ihr Esel mieten.

Langogne. Foto: Hilke Maunder
Die Klosterkapelle von Langogne. Foto: Hilke Maunder

GR 700 Chemin de Régordane

Die Voie Régordane ist ein alter Handelsweg. Seit dem Mittelalter verbindet er Le Puy-en-Velay mit Saint-Gilles im Gard. Dabei durchquert er das Pays Vellave, den Gévaudan, die Cevennen, das Pays Nîmois und die Camargue.

Später lösten Pilger und Wanderer die Händler ab. Der Chemin de Régordane wandelte sich zur Grande Randonnée GR 700, die von Puy-en-Velay bis Saint-Gilles rot-weiß markiert ist.

Die Chapelle des Pénitents von Langogne. Foto: Hilke Maunder
Die Chapelle des Pénitents von Langogne. Foto: Hilke Maunder

In der Nähe

Lac de Naussac

Eigentlich ist der Stausee, der nahezu an die Stadt grenzt, ein Kühlwasserspeicher für die Kraftwerke an der Loire. Doch für alle, die in Langogne leben oder Urlaub machen, ist der See eine riesige, acht Kilometer lange Spielwiese für alle Arten von Wassersport, zum Baden und Wandern. Achtung: Auf einigen seiner Strände lagern gerne auch die Kühe!

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16 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    auf der Suche nach Informationen über Corona in Frankreich sind wir auf Deine Seite gestoßen. Vielen Dank, für die Mühe, die Du Dir machst, um Deine Leserschaft zu informieren. Wir werden auch nach Corona Deine Anhänger bleiben!
    Wir besitzen ein Haus in der Provence und möchten so bald wie möglich wieder hinfahren. Nun scheint das ja ab dem 15.Juni wieder möglich zu sein. Es stellt sich uns nur eine Frage: Ohne riesige Umwege können wir die Region “Grand-Est” kaum vermeiden. Werden die Grenzen nach Lothringen (z.B. A31:Lux./Thionville) auch geöffnet und gelten dann dort andere Bestimmungen als im Rest Frankreichs? Wie steht es zwischen dem 15. und 21. Juni mit der 1oo km-Regel? Ich hoffe, Du kannst uns helfen.
    Liebe Grüße
    Eva + Gerd

  2. Hallo liebe Hilke,

    wir waren viele Jahre mit unseren drei Kindern in les Landes im Urlaub, ich habe auch immer drauf bestanden, dass mein Urlaub an meiner Haustüre beginnt und bin fast nur Landstraße gefahren, mit wilden Übernachten in Auto und Zelt im nirgendwo. Ist schon viele Jahre her und ich erinnere mich noch sehr gerne daran. Vielleicht ist dieses Jahr der richtige Zeitpunkt für eine Küstentour von Nord nach Süd – oder umgekehrt. lg Brigitte

    • Hallo Brigitte, ja, so muss es sein! Eine Küstentour von Nord nach Süd in die Landes wird euch gefallen. Plant dann auch mal einen Stopp in Saint-Gilles Croix de Vie… das war auch so eine schöne, überrasschende Entdeckung! Liebe Grüße, Hilke

  3. Liebe Hilke,
    wie schön, deinen Artikel zu lesen! Das macht hier nach dem Lockdown gleich wieder Lust, dieses wunderschöne Land (weiter) zu entdecken! Vielen Dank, du schreibst wunderbar und sehr inspirierend und die Links und Infos sind super nützlich:-)! Vielleicht ziehen wir ja diesen Sommer für ein paar Tage in die Cevennen zum Wandern mit unserem Hund und einem Esel:-).
    Hab einen schönen Tag und ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag!
    Sonnige Grüße aus dem Périgord,
    Karin

    • Hallo Karin, das freut mich, merci! Dann träum doch noch mal ein wenig weiter virtuell: https://meinfrankreich.com/cevennen-genuss/. Und richtig schön wandern kannst Du bei uns im Fenouillèdes, Und da dann auch die Katharerburgen entdecken, tollen Wein… und Bergspitzen der Pyrenäen bewundern: https://meinfrankreich.com/sentier-cathare-katharer-weg/
      Hach, ich krieg da selbst schon wieder Reise- und Wanderlust. Viele Grüße in den Périgord… er fehlt leider noch auf meiner Frankreich-Landkarte… Hilke

    • Gründliche Hilke
      Ich verreise seit 15 Jahren Frankreich individuell
      Vom Wein Austern Brandy Templerburgen Chemisarden
      Dem Tarn und der Margeride dem Tal der Jointe mit seine
      Geyern und dazwischen die Lehrer aus Hessen abgekämpft
      Mit einem Muli an der Relaisstation von Lagogne…….
      Und jetzt immer Ergänzungen der sehr präzisen Hilke
      Es fehlen die Grenaicheweine von Maury grins und der
      Cork de navalles es ist wie gesagt ein Land für Genießer

      Lieber Gruß Jörg Peter

  4. Liebe Hilke,
    Als in der Schweiz lebender Franzose (und Schweizer) muss ich wieder einmal ein tolles Kompliment machen, Deine “Reisetechnik” 😉 find ich eindruecklich, alles liest sich leicht und charmant. Auch meine Frau (Deutsche) und ich geniessen die Routes Nationales und Départementales immer wieder im Cabrio, man entdeckt immer etwas neues, auch wenn die Route glaubt zu kennen……..
    Mach weiter so:-)

    Amical bonjour, Rainer und Dorothe

    • Danke, ihr zwei! Hach, mein Cabrio… ich hatte ein Peugeot 307 CC, fuhr es 18 Jahre lang ohne eine Panne… und nach 220.000 km sagte der TÜV Nord: Er muss sterben… der Motor war top, der Kat neu… nur hatten die Offroad-Abstecher über die Feldwege in Frankreich wohl zu viele Spuren hinterlassen… und jetzt wird er nicht mehr gebaut, mein Lieblingswagen. Schnief… fahre jetzt geschlossen… daran kann ich mich nur schwer gewöhnen. Pflegt und genieß eure Luft ums Haupt! Herzlich, Hilke

    • Oh, dass ist ja schön! Wo war für Dich das schönste Teilstück? Ich will den Weg unbedingt mal in ganzer Länge laufen! Liebe Grüße und schönes Wochenende! Hilke

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