Tanche: die schwarzen Perlen von Nyons

Olivenbaum-Detail bei blauem Himmel
Macht mir sofort gute Laune: der Blick in die Oliven... und den blauen Himmel

Klein und schwarz sind die Früchte, die Nyons berühmt gemacht haben: Oliven. Mit den Griechen kamen die ersten Olivenbäume in die Provence, und heute ist Drôme provençale das nördlichste Anbaugebiet. Rund 260.000 Olivenbäume der Sorte Tanche wachsen rund um „Le Petit Nice“. Rund 400 Tonnen Oliven werden hier jährlich – meist per Hand – geerntet.

Direkt an der berühmten Brücke: die Olivenmühle

Die Ausbeute: 1:5

Doch die Ölmenge ist deutlich geringer: Für jeden Liter kalt gepresstes Öl werden vier bis fünf Kilo Frucht benötigt, sagt Geneviève Chastagner. Zusammen mit ihrem Mann Jean-Pierre Autrand hat sie in in der Ölmühle Dozol-Autrand, in der ihre Vorfahren 13 Generationen lang bis 1952 die einheimischen Oliven zu Öl gepresst haben, ein kleines Olivenmuseum eingerichtet, in dem auch die aufwändige Herstellung des Olivenöl anschaulich erläutert wird.

Oliven und ihre Verarbeitung sind in Nyons allgegenwärtig

Kleine Oliven für große Öle

Einblicke in die Geschichte der Olive sowie ihrer Verarbeitung gewährt auch die Coopérative du Nyonsais in ihrem Erlebnismuseum Vignolis. Die Fasermatten (scourtins) für die Ölpressen werden seit mehr als 1200 Jahren in der Scourtinerie von Nyons hergestellt. Welche anderen Olivensorten es noch gibt, wo sie wachsen, und wie sie verwendet werden, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Winter-Früchte

Die Oliven der Drôme werden von November bis Januar geerntet. Dazu werden große Netze unter die Baumkronen gelegt oder gehängt – und dann kräftig geschüttet, oft mit Nachhilfe von Rechen oder anderen Werkzeugen. Die großen Früchte werden für sechs Monate in eine Öl-Wasser-Lake eingelegt und danach zum Aperitif serviert.

Nur aus den kleinen Oliven wird das kostbare Huile d’Olives de Nyons AOC hergestellt. Dazu werden die Oliven werden unter einem schweren Mühlstein gemahlen und gepresst, bis eine dicke Paste entsteht. Erst dann erfolgt die zweite, die hydraulische Pressung.

Olivenbäume und blauer Himmel: Da stellt sich gute Laune sofort ein!

Im Februar: das Oliven-Fest

Nach getaner Arbeit wird gefeiert: Alljährlich am ersten Februar-Wochenende begeht de Kleinstadt die Fête de l’Alicoque, bei der Mitglieder der Chevaliers de l’Olivier in ihrer Festtracht das neue Olivenöl auf einer gerösteten Scheibe Knoblauchbrot verkosten. Erster Ehrenvorsitzender der Bruderschaft ist der 1970 verstorbene Schriftsteller Jean Giono – der Chronist provenzalischen Lebens produzierte auch sein eigenes Olivenöl.

Allein ein Dufthauch von Olivenöl reiche aus, schrieb er, um ihn in homerische Welten zu setzen. Für ihn war der Olivenhain wie eine Bibliothek, in der das Leben man vergessen oder besser verstehen will: „In gewissen Dörfern, wo es keine andere Ablenkung gibt als Einsamkeit, gehen die Männer Sonntagmorgens zu den Oliven so wie die Frauen zur Messe.“

Olivenhain im Frühling

Ihr habt geerntet?

Ganz begeistert von der Olivenpracht, pflückte ich eine Olive und steckte sie in den Mund. Oh… das war keine angenehme Überraschung. Und ich lernte schnell: Oliven vom Baum essen? Das vertragen nur ganz hartgesottene Zeitgenossen. Wie ihre Aromen geweckt werden, hat mir Peter Weidner bei einer Anfrage in einer Facebook-Gruppe verraten.

Seine Zubereitung

• Oliven vorsichtig mit der Hand ernten, ohne dass sie zerstört werden (Sauerstoff läßt Oliven oxidieren),
• säubern und nach Größe kalibrieren.
• mit Kern rund eine Woche in kaltem Wasser einlegen und täglich wechseln.
• danach in Salzlake (4 Liter Wasser, 1,5 kg. Pökelsalz, etwas Essig) für vier Wochen einlegen. Dann probieren. Je nach Geschmack weiter einlegen
• Sind sie essfertig? Dazu die Oliven abschöpfen und in ein Glasgefäß geben. Dabei kann ruhig ein bisschen von der Lake dabei sein. Ob ihr danach Kräuter, Knoblauch o.ä. dazu gebt, ist euch überlassen.

Die Verarbeitung von Oliven stellen auch diese Beiträge im Netz vor:

• www.gartenjournal.net/oliven

• www.rustica.fr/articles-jardin/olives-noires-saumure,3332.html

In Nyons dreht sich alles um Oliven

Info: die Olive von Nyons entdecken

• Geneviève Chastagner und Pierre Autrand, 4, promenade de la Digue
au pied du Pont Roman, 26110 Nyons, Tel. 04 75 26 11 00, http://vieuxmoulins.free.fr.  Kleines privates Ölmuseum in einer alten Ölmühle im Herzen von Nyons.

• Vignolis, Place Olivier de Serres, BP 9, 26111 Nyons, Tel. 04 75 26 95 00, www.vignolis.fr. Eintauchen in die Vergangenheit der Ölerstellung.

• Moulin Dozol-Autrand,  Le Pont Roman 26110 Nyons, Tel. 04 75 26 02 52, www.moulin-dozol.com

• La Scourtinerie, 36, La Maladrerie, 26110 Nyons, Tel. 04 75 26 33 52, www.scourtinerie.com

• Les Chevaliers de l’Olive (Bruderschaft der Olivenritter), www.chevaliersdelolivier-nyons.com

Weiterlesen

Im Blog

Die große Vielfalt der Oliven habe ich hier vorgestellt. Im Luberon habe ich die Ölmühle „Bastide de Laval“ besucht und hier vorgestellt. Tolle Öle kommen auch aus Korsika – klickt mal hier!

Im Buch

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence: Das Licht des Südens*

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas ProvenceIn meinem DuMont Bildatlas Provence: Das Licht des Südens* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten. Specials und

Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen könnt – oder ihr ganz aktive das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Einmal bitte träumen!

DuMont-Bildband Südfrankreich„Le Grand Süd“ nennen die Franzosen die weite Region ihrer Mittelmeerküste. Gemeinsam mit Klaus Simon und Rita Henß als Co-Autoren präsentiere ich im DuMont Südfrankreichdie vielen Facetten des Südens zwischen der Provence und den Pyrenäen in unterhaltsamen Stories und auf Infoseiten.

Großformatige Bildseiten machen diesen Band zu einem tollen Geschenk für Frankreich-Freunde. Oder euch selbst! Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hierdirekt bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci für's Teilen!

1 Kommentar

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Kleine Oliven-Kunde - Mein Frankreich
  2. Die Weine der südlichen Côtes du Rhône - Mein Frankreich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.