Château de Crèvecœur: der Museums-Apfelhof

Château de Crèvecoeur. Foto: Hilke Maunder
Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder

Jetzt, im Herbst, gibt es für mich nichts Schöneres, als ein Wochenende durch das Pays d’Auge und mich vom Apfelduft führen zu lassen, der überall in der Luft hängt.

Cidre: Beim Manoir d'Apreval ist die Apfelernte in vollem Gange. Foto: Hilke Maunder
Die Apfelernte ist in vollem Gange. Foto: Hilke Maunder

Durch sanftes Hügelland folge ich Treckern mit Anhängern, die unter der Last ihrer Ernte ächzen. Fahre hin zu Höfen, wo die Äpfel unter freiem Himmel gepresst werden. Entdecke entlang der 40 km langen Route du Cidre malerische Orte wie Beuvron-en-Auge.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Und in Cambremer ein Schild, das mich neugierig macht: Château de Crèvecœur – sechs Kilometer. Gebrochenes Herz – was für ein seltsamer Name! Warum wurde es wohl so genannt, dieses Burgschloss im Pays d’Auge?

Perfekt restauriert: Château de Crèvecœur

Seine Wurzeln reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Wie kein zweiter Herrensitz aus jener Zeit verdeutlicht das Château de Crèvecœur die Burgaufteilung nach Aufgabenbereichen.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

In der kreisförmigen, großen Basse Cour sind die Wirtschaftsgebäude versammelt. Dazu gehören ein Fachwerk-Bauernhof samt Scheune und einem Taubenhaus für 1.500 Vögel.

In der Nähe ihrer Kapelle befindet sich auf einer befestigten Motte, die kleine Oberburg. Ein Wassergraben, den heute eine feste Holzbrücke überbrückt, umgibt die kleine Wohnburg mit Herrenhaus, Brunnen und alter Platane.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Am Anfang stand eine Hochzeit

Herrenhaus (15. Jahrhundert) und Scheune (16. Jahrhundert) bergen heute das Musée Schlumberger.Sein Name erinnert die elsässische Industriellenfamilie Schlumberger, die 1876 ins Pays d’Auge gekommen war – durch die Heirat von Paul Schlumberger mit Marguerite de Witt. Marguerites Großvater, François Guizot, war unter anderem Minister unter Louis Philippe.

Er hatte 1836 die Abtei Val Richer, die zehn Kilometer von Crèvecœur-en-Auge entfernt liegt, erworben und zum Stammsitz der Familie gemacht. Dort bringt Marguerite Schlumberger sechs Kinder zur Welt, darunter auch Conrad (1878) und Marcel (1884).

Die beiden Brüder sind echte Tüftler. Auf dem Anwesen in Val Richer macht Conrad ab 1912 die ersten Feldversuche mit der von ihm entwickelten elektrischen Prospektion. Unterstützt von Marcel, entwickelten sie die weltweit erste Technik der Erdölsuche.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Auferstanden aus Ruinen

Im Jahr  1970 kauft die Familie der Brüder das Château de Crèvecœur. Ihr Ziel: dort ein Museum einzurichten, das  Leben und Werk der Bergbau-Erfinder nachzeichnet.

Die mittelalterliche Burg, ebenfalls  m 19. Jahrhundert zu einem bürgerlichen Haus umgebaut, war damals nur noch  ein Schatten ihrer selbst. Die Gebäude der basse cour waren verfallen, die Wassergräben verstopft. Die Kapelle dient als Lagerraum, der Apfelhain lag brach. Drei Jahre lang ließ die Association Musée Schlumberger das Anwesen umfangreich restaurieren.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

1973 eröffnete das Museum. 1976 wurde die Association Musée Schlumberger in die gemeinnützige Stiftung Fondation Musée Schlumberger umgewandelt. Ziel der Fondation Musée Schlumberger ist es, die wissenschaftliche Forschung zu fördern. Ab 2019 wurde wieder gehämmert. 2021 präsentierte das Musée Schlumberger stolz seine neue Dauerausstellung L’ Aventure Schlumberger.

Mit 1200 Exponaten stellt es die Pionierarbeit der Brüder im Bereich der elektrischen Erkundung des Untergrunds. Zu sehen sind Galvanometer und andere Werkzeuge zur Prospektion sowie Skizzenbücher und Briefe von Marcel und Conrad Schlumberger.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das imposanteste Objekt der Sammlung  ist der Laborwagen International 190, den das Unternehmen in den 1960er-Jahren benutzte. Ebenfalls dort ausgestellt sind die Originalbüros in der Rue Saint-Dominique von  Paris,

Im Inneren der Fachwerkgebäude könnt ihr völlig in die Zeit des Mittelalters eintauchen. In der Scheune sind das bäuerliche Leben und die landwirtschaftliche Arbeit Thema. Im Wohnhaus des Bauern erzählen Esstisch und Schlafzimmer vom bäuerlichen Alltag.

Schaubauernhof mit Obsthain

Jenseits des Wassergrabens der Basse Cour erstreckt sich eine Streuobstwiese, auf der 26 heimische Apfelsorten wachsen. Im Herbst biegen sich die Äste der uralten Bäume unter der Last ihrer saftigen Früchte fast bis ins Gras – Fachwerk und Apfel, die Quintessenz der Normandie.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Château de Crèvecœur erleben: meine Tipps

Sur le chemin au Roy

Am Gutsschloss beginnen zwei  Wanderwege für Familien mit 1,9 km (45 Minuten) bzw. 3,7 km (90 Minuten) Länge. Infos zu den beiden Rundwegen gibt es in einem Heft am Empfang  oder beim Scannen des QR-Codes

Copyright: Presse-Info des Château de Crèvecœur
Copyright: Presse-Info des Château de Crèvecœur

Le Tournage maudit

Nach Vorbild der beliebten Hidden Games-Rätselspiele bietet auch das Château de Crèvecœur für junge Besucher ab sechs Jahren ein solches Rätselspiel an, das zugleich spielerisch Wissen über das Mittelalter und das damalige Leben vermittelt.

Die Aufgabe besteht darin, herauszufinden, warum bei Filmaufnahmen auf dem Schloss der Kameramann, der Tonmann und auch die Schauspieler von einer unbekannten Krankheit befallen wurden. Wie verzaubert begannen sie zu tanzen.

Mehrerer Gefährten und einiger Gegenstände, die in einem Beutel stecken, helfen bei den Nachforschungen. Ihr Ziel: das Heilmittel finden, das die gesamte Filmcrew rettet.

La Fête des Traditions

Am Europäischen Denkmalschutztag Mitte September feiert das Château de Crèvecœur alljährlich seine Fête des Traditions.

Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Hier könnt ihr schlafen



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Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

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Château de Crèvecœur. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
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