Piment d’Espelette – Frankreichs schärfster Chili

Piment d'Espelette", Pfefferschoten, zum Trocknen auf Schnüre aufgezogen und an Holzbalken gehängt.
F/Aquitanien/Baskenland: "Piment d'Espelette", Pfefferschoten, zum Trocknen auf Schnüre aufgezogen und an Holzbalken gehängt.

Ein kleines Dörfchen im Baskenland, nahe an der spanische Grenze in den Pyrenäen versteckt, sorgt für Feuer auf der Zunge: Espelette ist die Heimat der aromatischen Chili-Sorte Capsicum annum L. var. Gorria, die milder als Cayennepfeffer, aber schärfer und aromatischer als herkömmliches Paprikapulver ist. Zu Tausenden hängen die Schoten aufgereiht auf langen Schnüren zum Trocknen leuchtend rot vor weiß gekalkten Häuserwänden.

Der Piment d’Espelette trocknet im gesamten Dorf vor de Häuserwänden. Foto: Hilke Maunder.

„Feuer“ auf den Fassaden

Besser bekannt als Piment d’Espelette, peppt der fruchtig-scharfe Chili mit seiner leicht rauchigen Note nicht nur baskische Fisch- und Fleischgerichte wie Axoa, gehacktes Kalbfleisch, oder Tripox, eine Grützwurst aus Lamm, auf, sondern wird auch zu Püree, Konfitüren und pikanten Gelees verarbeitet.

In Öl eingelegt, gehören sie zum Apéritif – doch das ist eher nur etwas für die Einheimischen… Ein Seemann, der einst Kolumbus auf seinen Fahrten begleitet hatte, brachte die ersten Chili-Pflanzen aus Mexiko ins Baskenland, ab 1650 begann der kommerzielle Anbau. Zunächst mixten Chocolatiers aus Bayonne die scharfen Schoten in ihre Schokolade – Montezumas scharfer Kakaotrunk war damals äußerst populär.

Geschützte Spezialität

Heute umfasst das AOC-Anbaugebiet des Piment d’Espelette neben Espelette neun Nachbardörfer – Aïnhoa, Cambo-les-Bains, Halsou, Itxassou, Jatxou, Larressore, Saint-Pée-sur-Nivelle, Souraïde und Ustaritz mit insgesamt 130 Produzenten. Gemeinsam feiern sie die jährliche Ernte am  letzten Wochenende im Oktober mit der farbenfrohen Fête du Piment in Espelette.

Dominique Etcheverra baut selbst die Pfefferschoten an, die er verarbeitet. Foto: Hilke Maunder

Piment d’Espelette: Info

Syndicat du Piment d’Espelette, Maison Napurrak, 455, Irazabaleko bidea, F – 64250 Espelette, Tel. 05 59 93 88 86, www.pimentdespelette.com

Produzenten-Übersicht: www.producteurs-pays-basque.com

Weiterlesen

Im Blog

In Espelette werden nicht nur scharfe Schoten angebaut, sondern auch sehr robuste Pferde gezüchtet und im Winter verkauft. Die Pottok Feria habe ich euch hier vorgestellt.

Im Reiseführer

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann ich aus ganzem Herzen empfehlen – denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: eine Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ „Südfrankreich“ und „Korsika“ erschienen. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

Marcus X. Schmid, Südwestfrankreich. Michael Müller Verlag, 9. Auflage 2017, www.michael-mueller-verlag.de

 

3 Kommentare

1 Trackback / Pingback

  1. Kein Kuhhandel: die Pottoka Feria - Mein Frankreich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.