Rue du Retrait: Straße der Street Art

Rue du Retrait: "Arbres dans la ville" von S. Carloni und J. Rosseti (links), rechts: Sur son Arbre Perchée" von Anis (Sept. 2017). Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait: "Arbres dans la ville" von S. Carloni und J. Rosseti (links), rechts: Sur son Arbre Perchée" von Anis (Sept. 2017). Foto: Hilke Maunder

Im Nordosten von Paris ist eine kleine Straße das Mekka der Street-Art von Ménilmontant: die Rue du Retrait im 20. Arrondissement. Ihr Name erinnert an den “Ratrait”.  So hieß einst ein Weinberg, der die Südhänge des Butte de Ménilmontant bedeckte.

Heute gibt es statt Weinstöcken nur Häuser dicht an dicht. Und zwei Kulturstätten, die die Straße beleben: das Théâtre de Ménilmontant in Hausnummer 15 und den Verein Asso LeRatrait in Hausnummer 20.

Rue du Retrait: Schule und Theater von P Conver, S. Ragoucy und G. Hakim. Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait: Schule und Theater von P Conver, S. Ragoucy und G Hakim. Foto: Hilke Maunder

Dieser 2001 gegründete Verein hat zum Ziel, den kulturellen Austausch rund um die Rue du Retrait mit vielen Veranstaltungen zu fördern.

80 Künstler aller Richtungen engagieren sich: Maler, Bildhauer, Fotografen, Schauspieler, Sänger. Mit dabei sind auch bekannte Street-Art-Künstler wie Némo, Jérôme Mesnager, Mosko oder Herr Pee.

2013 entstanden die ersten Fassaden für den Mois du Ratrait. 2017 beschloss der Verein, der Rue du Retrait ein neues Aussehen zu verleihen und beauftragte sieben monumentale Werk zum Thema “Gemüse”.

Heute ergänzen viele weitere Wandbilder die Monumentalwerke. Immer neu erfindet sich die Street-Art in der Rue du Retrait. Und das nicht nur zum jährlichen Mois du Ratrait. Sondern oft unbemerkt und spannend über Nacht. Lasst euch überraschen!

Rue du Retrait: Frida Kahlo von SebD (Sept. 2017). Foto: Hilke Maunder
Frida Kahlo von SebD (Sept. 2017). Daneben: 2013-2015.  En route pour le Théâtre (2013-2015) von Bertrand Bellon und SebD. Foto: Hilke Maunder

Les Gars de Ménilmontant / sont toujours remontant. / Même en redescendant / les rue de Ménilmuche. 
Ils ont lescœurs ardents / les cœurs et tout l’restant /tant qu’ils sont vont chantant: Menilmontant.

So besang Maurice Chevalier die Straßen, in deren Hausnummer 29 er als momo de Ménilmuche 1888 die Welt erblickte. Damals war Ménilmontant noch richtig dörflich und weit entfernt vom Zentrum von Paris.  Ein Viertel der Handwerker und Arbeiter, in dem Wein wuchs – und das erst 1860 an die Hauptstadt Paris angeschlossen wurde.

Und das nicht nur administrativ, sondern auch mit einem Bahnhof, der an der Kreuzung der Rue de la Mare und Rue de Ménilmontant eröffnet wurde. 1934 aufgegeben, wurde der Bahnhof 2018 von der Stadt Paris wieder reaktiviert. Direkt an den Gleisen entstand aus Holz eine grüne Promenade, auf der es sich heute herrlich flanieren lässt.

Rue du Retrait: René Magritte von SebD. Foto: Hilke Maunder
René Magritte von SebD (Sept. 2017). Foto: Hilke Maunder

Das Viertel und seine Menschen haben schon früh Künstler inspiriert – erst den Fotografen Willy Ronis, dann den Filmemacher Jacques Becker. 1952 drehte jener in Ménilmontant La Casque d’Or. Simone Signoret, die für ihre Rolle in diesem Streifen einen Oscar erhielt, wohnte damals in der Rue des Cascades 44

Rue du Retrait: "Bonne Chance" von Rapido. Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait: Bonne Chance von Rapido. Foto: Hilke Maunder

Wenige Schritte weiter erhebt sich an der Rue Boyer der Veranstaltungssaal La Maroquinerie. Berühmter wurde La Bellevilloise. Die einstige Genossenschaft hat den Geist der Pariser Kommune bewahrt und ist heute ein Kulturzentrum, das auch politisch Position bezieht. Im Sommer lockt ein 900 Quadratmeter großer Garten, der nur zu schönen Jahreszeit als jardin éphémère an der Rue de Ménilmontant 88 eingerichtet wird.

Rue du Retrait: "Bonne Chance" von Rapido. Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait:  Noch eine Bonne Chance von Rapido. Foto: Hilke Maunder

Die Mur d’art urbain umgibt in der Rue de Ménilmontant 122 das einstige Grundstück eines Aristokraten. Nicolas Carré de Baudouin hatte dort im Jahr 1770 ein Stadtpalais im Stil der italienischen Villen Paladios errichten lassen. Diese folie, die später als Waisenheim und Unterkunft für junge Arbeiter diente, birgt seit 2003 ebenfalls Kultur und zeigt aktuelle Kunst von heute.

Rue du Retrait: "Femme-Lapine" von Adey. Foto: Hilke Maunder
Femme-Lapine von Adey. Foto: Hilke Maunder

Rue du Retrait & Ménilmontant: meine Tipps

Cô my cantine

Die Aromen Vietnams im Ambiente aus hellem Holz.
• 18, Rue de Ménilmontant, 75020 Paris,  Tel. 01 43 66 94 10, https://co-my-cantine.fr

La boulangerie-pâtisserie Benôit Castel

Bäckerei: 150, rue du Ménilmontant. Besonders lecker: das pain du coing mit Waldhonig und Quitte

Konditorei: 11, rue Sorbier

Le Pavillon Carré de Baudouin

Spannende aktuelle Kunst aller Genres in einem Bau des Klassizismus voller Grandezza. Grandios!
 121, Rue de Ménilmontant, 75020 Paris, Tel. 01 58 53 55 40, www.pavilloncarredebaudouin.fr

Le Monte en l’Air

Eine engagierte, gut sortierte Buchhandlung mit Programm und Bistro

• 2, Rue de la Mare, 75020 Paris, Tel. 01 40 33 04 54, https://montenlair.fr

Rue du Retrait: Fassadenkunst? Geht auch in klein!
Von XXL bis mini: Fassadenkunst in der Rue du Retrait. Foto: Hilke Maunder

Hier könnt ihr schlafen*
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Paris, Menimontant. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait: "Arbres dans la ville" von S. Carloni und J. Rosseti. Foto: Hilke Maunder
Arbres dans la ville von S. Carloni und J. Rosseti. Foto: Hilke Maunder
Rue du Retrait: v.l.: Les Ballons von Bertrand Bellon und La Montgolfière von Mercedes Uribe, beide 2017. Foto: Hilke Maunder
v.l.: Les Ballons von Bertrand Bellon und La Montgolfière von Mercedes Uribe, beide 2017. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Street-Art

Im Süden von Paris ist das 13. Arrondissement die Hochburg für murals, stencils, sags und andere Fassadenkunst. Klickt mal hier!

In Marseille könnt ihr allerfeinste urban art auf den Fassaden des Cours Julien entdecken. Hier gibt es Infos und Impressionen.

L'arme de paix von Snek, Beitrag zum Street-Art-Festival 2019
L’arme de paix von Snek, ein Beitrag zum Street-Art-Festival 2019. Foto: Hilke Maunder

Auch Grenoble gehört zu den Hochburgen der Street-Art in Frankreich und feiert sie mit einem Festival. Mehr Infos gibt es hier.

Besançon feiert im Juni seine urbane Kunst mit dem Festival Bien Urbain. Seht mal hier!

In Nîmes sind die Innenstadtviertel Richelieu und Gambetta Hochspots für Street-Art. Die Expo de Ouf setzt sie in Szene. Erfahrt hier mehr über Le Petit Berlin.

Street Art in Nîmes: Zeklo in Richelieu. Foto: Hilke Maunder
Street Art in Nîmes: Zeklo in Richelieu. Foto: Hilke Maunder

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Mein Reiseführer: Baedeker Paris*

Baedeker Paris 2018„Tango unter freiem Himmel: Die Stadt der Liebe: Der neue Reiseführer ‚Paris‘ zeigt – neben Sehenswürdigkeiten – besondere Orte für Höhenflüge, romantische Momente wie  ‚Tango unter freiem Himmel‘ und unvergessliche Dinners. Dazu gibt’s viele Kulturtipps…“

schrieb die Hamburger Morgenpost über meinen Paris-Führer, der viele neue Elemente enthält.

Zu den Fakten, neu und unterhaltsamer präsentiert, gibt es jetzt auch Anekdoten und Ungewöhnliches, was ihr nur im Baedeker findet. Und natürlich ganz besondere Augenblicke und Erlebnisse, die euren Paris-Aufenthalt einzigartig und unvergesslich machen. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.

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