Glücksbringer: die Treize Desserts

Immer mit Mandel: der weiße Nougat aus Montélimar - hier von Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder
Immer mit Mandel: der weiße Nougat aus Montélimar - hier von Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder

Jedes Land hat sein eigenes Rezept für Glück. In der Provence bringen es 13 typische Nachtische – die Treize Desserts. Sie sind Teil des Gros Souper, 
des Sieben-Gänge-Menüs zu Weihnachten mit Fisch und Meeresfrüchten, das mit einer Parade von Süßspeisen endet, die sich alle Gäste teilen. Ihre Zahl – 13 – steht symbolisch für Jesus und seine Apostel.

Nougat-Träume

Zu den 13 Desserts, die Marcel Pagnol literarisch verewigte, gehört stets Nougat. Ihn gibt es in der Provence heute inzwischen in einer ungeheuren Vielfalt. Mit Orangen oder Zimt, Pistazien oder sogar mit Schoko. Schneeweiß, mit  zartem Schmelz aus Honig, Eiweiß und Mandeln, ist er eine Spezialität aus Montélimar. Dort  entsteht er seit mehr als hundert Jahren in der ältesten handwerklichen Nougat-Konditorei Frankreichs: bei Arnaud Soubeyran.

Calissons-Fertigung bei Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder
Calissons-Fertigung bei Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder

Anders als bei der 15-minütigen industriellen Fertigung benötigen seine Männer jedoch fast vier Stunden, um das Traditionskonfekt aus Eischnee, Zucker, Lavendelhonig und Mandeln herzustellen.

Wie, verraten ein Museum und halbstündige Führungen am Stammsitz des Nougatkönigs aus der Provence. Ebenfalls in Montélimar könnt ihr bei Monsieur Savin hinter die Kulissen der Nougatherstellung schauen. Darüber habe ich hier berichtet.

Montélimar: Im Musée du Nougat von Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder
Im Musée du Nougat von Arnaud Soubeyran. Foto: Hilke Maunder

Feigen in der Wurst

Zu den treize desserts gehören auch Feigen, die gerne in den Blättern des Baumes zur Wurst gerollt werden. Capoun de Figue wird die alte Spezialität der Grafschaft Nizza auch genannt.

Um die Feigen zu konservieren, wickelten die Alten sie in Feigenblätter mit Lorbeer und Anis ein. Wie eine Kuchenrolle wird sie zu Heiligabend oder Neujahr beim festlichen Essen als eines der 13 Desserts serviert.

Cours Saleya, der Wochenmarkt von Nizza. Foto: Hilke Maunder
Saucisson de figue ist keine Wurst mit Feigen, sondern eines der 13 Desserts zu Weihnachten. Foto: Hilke Maunder

Parade der Früchte

Ebenfalls zu den 13 desserts gehören Früchte. Weiße Trauben, Weihnachtsmelonen und die grüne Verdaù-Melone, die nicht geschält werden muss vor dem Genuss. Und natürlich Orangen als Zeichen für Reichtum sowie Mandarinen und Clementinen.

Nicht fehlen dürfen die kandierten Früchte aus Apt, die einst nur zu Weihnachten erhältlich waren. Die Datteln werden gerne mit Marzipan gefüllt.

Auch die kandierten Früchte der Provence findet ihr bei Roy René. Foto: Hilke Maunder
Die kandierten Früchte der Provence. Foto: Hilke Maunder

Gebackene Verlockungen

Auch Backwerk darf nicht fehlen! Butterkekse und Mandelkuchen, die pompe à l’huile als süße Brioche, die navettes-Kekse aus Marseille und frisch gebackenes Schmalzgebäck, das je nach Landstrich bugnes, oreillettes oder merveilles genannt wird.

Knusprige Navettes-Kekse aus Marseille. Foto: Hilke Maunder
Knusprige navettes-Kekse aus Marseille. Foto: Hilke Maunder

Der Fauxpas

Was für eine Fülle an Verführern nach dem bereits großen Festmahl! Der größte Fauxpas wäre jetzt, nur eine kleine Süßigkeit zu probieren. Das Ritual verlangt, dass jeder Gast von jedem Dessert ein wenig probieren und Glühwein trinken muss. Nur dann ist das Glück im nächsten Jahr auch wirklich garantiert!

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2 Kommentare

  1. Liebe Hilke, es ist so toll was du machst😍
    Gerade habe ich deinen Bericht über die Tradition der treize desserts gelesen.
    Meine Freundin Barbara, die inzwischen ihren Traum von einen Hotel in Nice verwirklicht hat, (du hattest ihr Hotel Villa Rivoli auch schon empfohlen) berichtete mir vor vielen Jahren über diesen Brauch.
    Ich war jetzt ganz gerührt deinen Artikel zu lesen.
    Inzwischen wohne ich mit meinem Partner seit 2018 im Elsaß und wir fühlen uns einfach nur wohl hier. Die Menschen sind einfach entspannt und lassen jeden so leben wie er möchte.
    Es wird nicht nur stur geguggt, ob der Nachbar seinen Rasen gemäht hat.
    Man hat noch Zeit für ein Gespräch miteinander. Wir beide lieben Frankreich und die französische Lebensart.
    Liebe Hilke, vielen lieben Dank für deine tollen Berichte.
    Ich wünsche dir ein wunderschönes, entspanntes und fröhliches Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Jahr 2022.
    Liebe Grüße Gabi aus Munchhausen

    • Liebe Gabi, oh, wie schön! Ganz herzliche Grüße nach Munchhausen – alles, alles Gute für 2022 – möge es ein wunderschönes Jahr für euch werden. Frohes Fest und alles Gute!! Hilke

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