Wildbaden in Frankreich: Agly
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Wildbaden in der Provence: 12 tolle Naturpools

An einem heißen Tag ins Wasser zu springen – herrlich! Wären da nicht die vielen Menschen, die sich an den Stränden drängen. Doch in der Provence gibt es noch viele Geheimtipps zum wilden Baden in einsamer Natur.

An heißen Sommertagen flimmert die Luft über den endlosen Lavendelfeldern der Provence. Das Thermometer klettert unaufhaltsam jenseits der 35-Grad-Marke. Der erste Impuls: die Flucht ans Meer. Jetzt ins Grande Bleue, das weite Mittelmeer zu springen und sich erfrischen – herrlich! Wären da nicht die vielen Menschen, die sich an den Stränden drängen. Doch in der Provence gibt es noch viele Geheimtipps zum wilden Baden in einsamer Natur.

Kleine Buchten, hohe Klippen und einsame Strände – an Seen, dem Meer und Flüssen: In der Provence kann man sie entdecken. Wo sich das Wasser aus den Südhängen der Alpen und Seealpen den Weg sucht, hat es Schluchten, Naturpools und Badegumpen in den Fels gefräst – perfekt für einen Sprung ins kühle Nass!

Schluchten-Baden in den Gorges du Verdon

Zuvor muss mitunter ein wenig gewandert werden – wie in den Gorges du Verdon. Der Grand Canyon Europas ist weltberühmt, doch die meisten erleben ihn nur von den Aussichtspunkten der Höhenstraßen oder vom Tretboot aus, das am See von Sainte-Croix ausgeliehen wird. Kaum jemand jedoch wandert zum Wildbaden hinab in die bis zu 700 Meter tiefen Kalkschlucht, wo Fluorverbindungen und mikroskopisch kleinen Algen das Wasser intensiv milchig-türkis leuchten lassen.

Zu den schönsten Wildbade-Plätzen gehört der Couloir Samson am Eingang der Schlucht Hier zwängt sich der Fluss durch eine schmale Felspforte. Das Wasser ist auch im August selten wärmer als 15 Grad Celsius – das gleicht in der Sommerhitze schon ener kleinen Mutprobe! Wer hier in eintaucht, blickt senkrecht hinauf zu den gigantischen Kalksteinwänden: beeindruckend!.

2. Sillans-la-Cascade: das Dschungel-Becken

Oder wandert hin zu Wasserfällen wie denen von Sillans-la-Cascade, die 42 Meter tief hinab fallen. Vom kleinen Parkplatz an der Straße führt in rund 20 Minuten ein Fußweg zum kleinen See – Dschungel-Feeling mitten in der Provence! Das mineralreiche Wasser der Bresque hat im Laufe der Jahrhunderte eine weite Barriere aus Sinterterrassen aufgebaut und das Becken kreisrund geformt.

Das direkte Baden im Hauptbecken unter dem großen Wasserfall ist aus Sicherheitsgründen wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Doch folgt man dem Lauf des Flusses nur wenige hundert Meter flussabwärts durch das dichte Unterholz, eröffnen sich kleinere, völlig freie Kaskaden und tiefgrüne Naturpools. Das dichte Blätterdach filtert die gleißende Sonne, Farne säumen das Ufer – ein geradezu subtropisches Refugium!

3. Vallée du Toulourenc: Flussbett-Wanderung am Ventoux

Östlich von Vaison-la-Romaine hat der Toulourenc an den Flanken des Mont Ventoux eine Badeschlucht geschaffen. Bei Pont Vieux befindet sich nicht nur die schönste Badestelle des konstant wasserführenden Flusses, sondern auch der Startpunkt einer Wanderung im Flussbett. Sie führt zu weiteren idyllischen Naturpools. Am Oberlauf des Toulourenc findet sich zudem einen Wasserfall an einem einsamen Bassin.

Ausgestattet mit alten Turnschuhen oder Trekkingsandalen geht es direkt durch das knöcheltiefe bis hüfttiefe Flussbett stromaufwärts. Nach wenigen Kurven rücken die weißen Kalksteinwände so dicht zusammen, dass kaum mehr als zwei Meter Platz bleiben. Der Toulourenc hat hier tiefe Kolke, sogenannte Gumpen, in den Fels geschliffen. Das Wasser ist glasklar, jede Forelle auf dem kiesigen Grund ist zu erkennen.

4. Étang de la Bonde: Badesee des Vaucluse

Im Vaucluse trocknen zahlreiche kleinen Flüsse während der heißen Sommer aus. Hier lockt der Étang de la Bonde mit Badevergnügen. Das meiste Wasser, das die Hänge von Ventoux, Lure und Luberon hinab fließt, versickert im Kalk und vereint sich in unterirdischen Grotten. Bei Fontaine-de-Vaucluse tritt es wieder zutage – als Quelle der Sorgue, die 315 Meter tief hinab reicht. Offiziell ist das Baden nach einigen Ertrinkungsunfällen heute im Fluss verboten! Das Verbot wird meist eingehalten – denn die Sorgue ist auch im Hochsommer eiskalt.

Badelustige pilgern daher im Naturpark Luberon zum Étang de la Bonde. Mit einer Wasserfläche von rund 30 Hektar ist er der größte See des Vauclus. Erd wurde bereits im 15. Jahrhundert angelegt, um die umliegenden Felder zu bewässern. und präsentiert sich heute als eine idyllische Oase. Seine Südufer beschatten mächtige, jahrhundertealte Platanen, deren Wurzeln bis ins Wasser reichen. Im Gegensatz zu den eiskalten Gebirgsbächen erreicht der See im Hochsommer angenehme Temperaturen von bis zu 25 Grad Celsius.

5. Clues de Barles: Wildbaden in der Haute-Provence

Kaskaden vor tropischer Kulisse, versteckte Strände an Seen, verträumte Badebecken in tiefen Schluchten und türkisblaues Badewasser im Gebirgsbach: In der Haute-Provence hat das Wasser wunderschöne wilde Naturpools in den Fels gefräst – perfekt für einen Sprung ins erfrischende Nass! Am Fuß des Massif des Monges hat der Bès rund 16 km nördlich von Digne-les-Bains ein solches Badeparadies geschaffen: die Clues de Barles. Rauschend sprudelt der Wildbach über den grauen Fels in diese malerische Klamm, die nach gewaltigen Erdbewegungen vor rund 30 Millionen Jahren entstand.

Dann springt er über Kaskaden in stille Naturpools, die karibisch blau leuchten, stürzt sich über den Saut-de-la-Pie-Wasserfall noch tiefer hinab und bildet zahlreiche Wildwasser-Jacuzzis: lauter kühle Kleinode, um sich im Sommer zu erfrischen! Lasst euren Blick auch einmal nach oben wandern! An den rund 1.900 Meter hohen Felswänden könnt ihr mit etwas Glück Gämsen entdecken, am hohen Himmel Adler und andere Raubvögel beobachten.

6. Gorges de Bouinenc: Planschen mit Urviechern

Einsamer ist die Schlucht von Bouinenc nördlich von Digne-les-Bains Richtung Draix. Wo sich Kanuten nach der Schneeschmelze über forderndes Wildwasser freuen, locken im Sommer ganz besondere Gumpen. Dort lassen sich beim Planschen Fossilien von Tieren, die einst den prähistorischen Ozean bevölkerten, entdecken!

Die Felswände bestehen hier teilweise aus dunklem Mergel und Schiefer. Wer sich in den flachen Pools treiben lässt und die ausgewaschenen Gesteinsschichten am Ufer genau untersucht, stößt unweigerlich auf die Zeugen der Erdgeschichte. Versteinerte Ammoniten und Abdrücke von urzeitlichen Muscheln liegen offen im Flussbett – Überreste eines Meeres, das vor Jahrmillionen diese heute alpinen Regionen bedeckte. E

7. Gorges de la Méouge: das türkisfarbene Band der Baronnies

Auch an der Grenze zur Dauphiné locken spektakuläre Schluchten: die Gorges de la Méouge. Mitten in einem Natura-2000-Gebiet, das unterschiedliche Flora vereint, stürzt sich die Méouge als türkisfarbenes Band in Kaskaden herab, bildet Strudel, Wasserlöcher und Wasserbetten, in denen ihr herrlich entspannen könnt. Das Wasser erwärmt sich durch die hellen Felsen schneller als in den engen Alpentälern und lädt zum stundenlangen Verweilen in den natürlichen Strudeln ein. Als guter Orientierungspunkt ist der Pont de Romanis. Die mittelalterliche Dreibogenbrücke aus dem 14. Jahrhundert überspannt die Schlucht an ihrer schönsten Stelle!

8. Gorges du Caramy: die grüne Oase der Provence Verte

Im Herzen der Provence Verte hat bei Tourves der Caramy ein tiefes Bett in den kalkhaltigen Boden gegraben und eine grüne Flussoase geschaffen, die selbst im trockensten August noch voller Wasser ist.

Hin kommt ihr am besten über die historische Brücke Pont Romain. Von dort aus führt ein schattiger Pfad am Flussufer entlang. Der Caramy fließt hier gemächlich, bildet immer wieder tiefe, schattige Pools unter alten Eichen und Weiden. Das Wasser ist angenehm temperiert und der sanfte Strömungslauf lädt dazu ein, sich einfach treiben zu lassen. Die Schlucht ist zudem ein historischer Boden: In den umliegenden Felswänden verbergen sich zahlreiche Höhlen, die bereits in der Steinzeit die Menschen nutzten.

9. Gorges de la Nesque: das einsame Karst-Monument

Die Gorges de la Nesque ist nach dem Verdon die zweittiefste Schlucht der Provence, doch sie führt im Sommer an der Oberfläche kaum Wasser. Das Geheimnis der Nesque liegt unter der Erde. Doch am Ausgang der Schlucht, nahe dem charmanten Dorf Méthamis, öffnet sich das Tal, und der Fluss tritt in kleinen, konstant wasserführenden Becken zutage.

Die Badestellen hier gelten als Geheimtipps, da sie in kaum einem Reiseführer stehen. Zwischen steilen, wild bewachsenen Felswänden haben sich kleine Sand- und Kiesbänke gebildet. Das Wasser ist flach, glasklar und spiegelt das intensive Grün der umliegenden Vegetation wider. Wer hier badet, teilt sich die Natur höchstens mit ein paar Libellen und genießt eine absolute, fast sakrale Stille, die nur das Zirpen der Zikaden unterbricht.

10. Cascade de la Vis: kühle Erfrischung am Rande der Cevennen

Streng genommen liegt die Cascade de la Vis an der westlichen Grenze der historischen Provence im Département Gard, und damit bereits in Okzitanien, doch als hydrogeologische Phänomen darf es hier einfach nicht fehlen! Der Vis schlängelt sich hier durch monumentale Kalkschluchten, bis er nahe dem Dorf Saint-Laurent-le-Minier über einen perfekt halbkreisförmigen, von Menschenhand im 19. Jahrhundert verstärkten Wasserfall stürzt.

Das Becken unterhalb des Wasserfalls ist riesig und tief. Das Wasser der Vis speist sich aus gewaltigen unterirdischen Karstquellen und überschreitet selbst im wärmsten Sommer niemals die 14-Grad-Marke. Fast unwirklich frisch ist es hier: Als feiner Nebel steht die Gischt des Wasserfalls in der Luft steht und kühlt die moosbewachsenen Felsen ringsum – auch, wenn wenn wenige Kilometer weiter die sommerliche Hitze das Land versengt.
Und am Meer? Da verstecken sich in den Calanques zwischen Marseille und Cassis sowie an der Mündung der Petit Rhône in der Camargue die schönsten Plätze zum Wildbaden.

11. Calanques de Marseille und Cassis: Fjorde des Mittelmeers

Die Calanques von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Einfach paradiesisch: die Calanques von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Und am Meer? Da verstecken sich in den Calanques zwischen Marseille und Cassis sowie an der Mündung der Petit Rhône in der Camargue die schönsten Plätze zum Wildbaden. Die tiefen, fjordähnlichen Einschnitte im weißen Kalksteingebirge der Calanques bieten Postkartenmotive: blendend weißer Fels, der senkrecht in ein Meer stürzt, das in allen Schattierungen von Türkis bis Ultramarin leuchtet.

Doch diese Schönheit muss erarbeitet werden. Da die Zufahrtsstraßen im Sommer zum Schutz vor Waldbränden und Überlastung für den Autoverkehr komplett gesperrt sind, bleibt nur der Seeweg oder eine teils schweißtreibende Wanderung. Eine Stunde Fußmarsch über steinige Pfade ist das Minimum. Belohnt wird die Anstrengung mit einem Sprung in ein Meer, das aufgrund von kalten Süßwasserquellen, die tief unter dem Meeresspiegel entspringen, stets erfrischend kühl und von unübertroffener Klarheit ist.

12. Plage de Niemen: Wildes Delta-Baden in der Camargue

Eine völlig andere Dimension des Wildbadens lockt an der Mündung des Petit Rhône in der Camargue, einer flachen, weiten Welt aus Salzsteppen, Schilf und Brackwasserseen. Fernab der belebten Strandbäder findet ihr hier die – noch – einsame Plage de Niemen.

Nur zu Fuß oder per Fahrrad auf unbefestigten Deichwegen kommt ihr zu diesem Naturstrrand, der übersät ist mit Treibholz, das die Rhône aus den Alpen herabgetragen hat. Und mit etwas Glück könnt ihr auch ein paar Flamingos sehen, die am Himmel entlang ziehen.

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Im Web

Baignade Sauvage

Sehr informatives Portal, das auf Französisch die schönsten Plätze zum Wildbaden in Südfrankreich vorstellt, übersichtlich gegliedert nach Regionen; baignadesauvage.fr

Im Buch

Daniel Start, Wild Swimming France*

Drei Jahre lang hat der Fotograf und Buchautor Daniel Start die Wildbadeplätze Frankreichs in allen dreizehn Regionen erkundet. Garniert mit Fotos, die Lust machen, gleich ins nächste wilde Nass zu springen, stellt er sie zusammen mit Infos zu Camping, Bootsverleih und Wanderung in seinem englischsprachigen Führer vor. Wer mag, kann die englische Fassung hier* online bestellen –und hier* die deutsche Ausgabe des Klassikers.

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